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Familie + KindWissen 06

Schlafen – Ein leidiges Thema bei Kindern!

Ich bin Stillberaterin IBCLC* sowie Beraterin für Kinderschlaf von «1001kindernacht»**. Einschlafen, Schlafen und Durchschlafen ist ein Thema, welches alle Eltern mehr oder weniger beschäftigt. Die Kinderschlaf-BeraterInnen von «1001kindernacht» können Eltern bei diesem Thema unterstützen und begleiten.

Die wohl nervigste Frage aller Fragen

«Und, schläft dein Kind schon durch?» Ich hab mich immer gewundert über diese Frage. Haben sie keine Augen im Kopf? Sehen sie meine Augenringe, die bis zum Boden ragen nicht? Mein Gesicht, das scheinbar innert Kürze um 10 Jahre gealtert hat? Spätestens bei der Antwort «NEIN!» sollten sie doch meine oberschwellige Gereiztheit bemerkt haben. Das Thema Einschlafen, Schlafen und Durchschlafen hat mich persönlich sehr betroffen. Diese Tatsache und die immer wiederkehrenden Berührungspunkte mit dem Thema in meinem Berufsfeld als Stillberaterin haben mich dazu bewogen, die Weiterbildung zur Schlafberaterin «1001kindernacht» bei Sibylle Lüpold zu absolvieren.

Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht...

Moritz macht bereits mit 10 Monaten seine ersten Schritte und Gabi kann mit ihren 15 Monaten immer noch nicht Laufen. Alles Okay. Jedes Kind macht seine Entwicklungsschritte in seinem Tempo. Und das ist auch gut so. Generell kann man sagen, dass die kindliche Schlafentwicklung ungefähr 3 Jahre andauert und eng mit der emotionalen Reife zusammenhängt. Im Bauch der Mama und in den ersten Wochen nach der Geburt ist der Schlaf-Wach-Rhythmus oft noch sehr unregelmässig und nicht tagesabhängig. Häufige und kleinere Mahlzeiten sind notwendig, damit das enorme Gehirnwachstum optimal unterstützt wird. Tag und Nacht. Weitere Entwicklungsschübe können den Schlaf-Wach-Rhythmus wieder völlig auf den Kopf stellen. Und solche Schübe kommen und gehen in den ersten drei Jahren so einige. Nebst diesen Schüben gibt es noch unzählige weitere Gründe, warum ein Kind Mühe mit dem Einschlafen hat oder warum es häufig erwacht. Dies können zum Beispiel Veränderungen in der Familienstruktur (Trennung, Schwangerschaft, Geburt eines weiteren Kindes, usw.), Zahnen, Ausscheidung, Hunger, Träume oder einschneidende Erlebnisse vom Tag sein, welche das Kind noch beschäftigen. Sehr selten gibt es medizinische Gründe für einen schlechten Schlaf. Vor einer Beratung sollte das allerdings von einem Kinderarzt ausgeschlossen werden.

Wer schläft schon gerne alleine?

In den westlichen Ländern sind Schlafprobleme viel mehr verbreitet als anderswo. Warum? Weil man in anderen Ländern von den Kindern nicht verlangt, dass sie so rasch wie möglich durchschlafen. Am liebsten allein im eigenen Bett und allein im Zimmer. Oft schlafen Geschwister oder sogar ganze Familien in einem gemeinsamen Bett oder Raum. Kinder fordern ihr Bedürfnis nach Nähe, Geborgenheit und Berührung meistens klar ein. Um einschlafen zu können, braucht es Entspannung. Das Kind muss nicht lernen zu schlafen, das kann es bereits schon im Mutterleib. Vielmehr muss es lernen, entspannt einschlafen zu können. Kinder wie auch Erwachsene erwachen nachts mehrmals. Die einen merken das besser, andere weniger. Einige haben keine Mühe sofort wieder einzuschlafen und können sich am Morgen meistens nicht erinnern überhaupt wach geworden zu sein. Andere liegen stundenlang wach, studieren an unzähligen Dingen herum, bis sie endlich wieder in eine Entspannung gelangen und einschlafen können. Wie ein Kind diese Entspannung erlangt, um (wieder) einschlafen zu können – genau das versuche ich als Kinderschlaf-Beraterin mit den Eltern herauszufinden. Sicherheit ist ein bedeutender Aspekt, weil Einschlafen immer eine Trennungserfahrung bedeutet. Kognitiv sind kleine Kinder noch gar nicht in der Lage zu wissen, was das Einschlafen und Schlafen bedeutet. Es ist ein Eintauchen in eine undefinierbare, dunkle Welt. Wir Erwachsene wissen, dass wir am nächsten Morgen wieder erwachen, dass es Träume gibt und wir wieder in die Realität auftauchen. Also muss die Einschlafsituation beim zu Bett gehen und beim nächtlichen Erwachen so gestaltet werden, dass das Kind in einer sicheren und entspannten Atmosphäre einschlafen und weiterschlafen kann. Oft fühlt sich das Kind sicher und geborgen im Familienbett oder bei einem Geschwister im Zimmer. Wenn die Mama noch stillt, ist es sowieso meistens für alle am einfachsten, wenn das Kind in Griffnähe liegt.

Bedürfnisorientiert – für alle

Von sogenannten «Schlaftrainings» raten wir Kinderschlaf-BeraterInnen von «1001kindernacht» ab. Ein schreiendes Kind – egal wie lange – bewusst alleine in seinem Bettchen zurückzulassen, damit es lernt alleine einzuschlafen und durchzuschlafen, bringt manchmal zwar die gewünschten ruhigeren Nächte, jedoch meistens nur kurzfristig. Im schlimmsten Fall kann es zu einem späteren Zeitpunkt sogar Verhaltensstörungen hervorrufen. Das Resignieren des Kindes, weil es nicht gehört und bewusst ignoriert wird, sollte kein Kind erleben müssen. Sein Urvertrauen kann dadurch ins Wackeln geraten. Auf der anderen Seite sollen sich die Eltern nicht bis zur totalen Erschöpfung anpassen müssen.

In der Kinderschlafberatung suchen wir gemeinsam nach einer Änderung der Schlafsituation, die für alle Familienmitglieder bedürfnisorientiert ausfällt. Manchmal macht es durchaus Sinn, dass man die Beratung direkt bei den Eltern zu Hause vor Ort durchführt. Zusammen findet man oft verschiedene Lösungsansätze, wie die Schlafsituation angenehmer gestaltet werden kann. Dazu braucht es vielleicht ein Verschieben der Betten, ein Vergrössern des Schlafplatzes oder ein Umverteilen der Personen. Auch der Vater spielt da eine wichtige Rolle. Erste Inputs und Tipps sowie Kinderschlaf-BeraterInnen in deiner Nähe findest du auf der Website von Sibylle Lüpold.


*IBCLC steht für «International Board Certified Lactation Consultant». Diese Stillberaterinnen haben einen medizinischen Berufshintergrund und ein Examen zum Thema Stillen abgelegt.

**«1001kindernacht» ist eine ganzheitliche und bindungsorientierte Schlafberatung, die sich von verhaltenstherapeutischen Schlaflernmethoden klar unterscheidet. Im Zentrum stehen die individuellen Bedürfnisse aller Familienmitglieder, die Entwicklung und Reife des Kindes und der Aufbau einer sicheren Eltern-Kind-Bindung.

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Ich bin verheiratet und Mutter von zwei Söhnen. Als gelernte Pflegefachfrau HF habe ich im Spital Stans auf der Wochenbettstation und im Spital Lachen als Leiterin des Stillambulatoriums gearbeitet. Nach meiner Weiterbildung zur Stillberaterin IBCLC und zur «Schlafberaterin 1001kindernacht» bin ich aktuell freiberufliche Stillberaterin IBCLC im Kanton Zug und führe eine eigene Praxis in Unterägeri. Nebenbei bin ich Präsidentin im Vorstand des Vereins kindLine, welcher das einzigartige Familienzentrum im Kanton Zug betreibt.
www.stillberatung-haeusler.ch

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