Salonprodukte gehören in den Salon, nicht in dein Bad

Salonprodukte gehören in den Salon, nicht in dein Bad

Natalie Hemengül
Zürich, am 07.10.2019
Ich wünschte, ich hätte einen portablen «Hol mich hier raus»-Knopf, den ich jederzeit drücken könnte. Zum Beispiel, wenn das Verkaufsgebrabbel beim Friseur beginnt.

«Darf ich dir noch unsere neue Pflegelinie zeigen?», fragt mich die Friseuse und schenkt mir ein hoffnungsvolles Lächeln. Mit meinen nassen Haaren, dem trostlosen Umhang über meinen Schultern und der scharfen Schere in ihren Händen fühle ich mich nicht gerade in erhabener Position, ihr meine ehrliche Meinung mitzuteilen. Ich tue es dennoch. Zurückblickend war das wohl der Moment, in dem ich gelernt habe, wildfremden Menschen ein höfliches «Nein» zu servieren. Gerade als ich erleichtert aufatmen möchte, stösst die Filialleiterin zu uns und fragt meine Friseuse in strengem Ton, ob sie mir die exklusiven Salonprodukte schon vorgestellt hätte. Sie antwortet wahrheitsgemäss mit nein und kassiert (immer noch in meiner Anwesenheit) einen Zusammenschiss. Nachdem das Filial-Monster sich verzogen hat, flüstert mir das eingeschüchterte Mädchen zu: «Weisst du, wir sind dazu verpflichtet, die Produkte unseren Kunden zu zeigen. Ob sie es wollen oder nicht.» Wow.

Das erste Anzeichen dafür, dass die Verkaufsshow bald beginnt, sind kleine Negativ-Kommentare zu deinem Haar. Du weisst schon, Sprüche wie: «Deine Spitzen sind aber trocken!», «Ist dein Ansatz immer so fettig?» oder «Machst du eigentlich etwas gegen deine Schuppen?» Darauf folgt eine beiläufige Detektiv-Frage: «Womit pflegst du deine Haare normalerweise?» Ich garantiere dir, dass deine Antwort, sofern sie nicht die Produkte miteinschliesst, die die Regale des Salons zieren, ein Naserümpfen hervorruft. Und bevor du es merkst, entwischt dir ein «Oh, mache ich was falsch?» Schon haben sie dich.

Über die Jahre hinweg habe ich mich zum Erwerb etlicher überteuerter «Wunderwaffen» drängen lassen. Ich habe sie gekauft, aufgebraucht und anschliessend meinem Geld nachgeweint, weil – seien wir ehrlich – das Ergebnis trotzdem nie wie aus dem Salon ausgesehen hat. Mittlerweile schneide ich meine Haare mehrheitlich selbst. Dennoch muss ich eingestehen, dass mich meine früheren Friseurbesuche eine wichtige Lebenslektion gelehrt haben: Nein zu sagen. Denn auch das 40 Franken teure Shampoo trägt sich nicht von selbst auf und am Ende vom Tag kann dir nur eines das «Frisch vom Salon»-Gefühl geben: ein Salonbesuch.

Wurdest du auch schon Opfer dieser Verkaufsstrategie?

Ich will dir ja nichts andrehen, aber darf ich dir noch das schwarze «Autor folgen»-Knöpfchen neben meinem Profil ans Herz legen? 😇

11 Personen gefällt dieser Artikel


Natalie Hemengül
Natalie Hemengül
Editor, Zürich
Als Disney-Fan trage ich nonstop die rosarote Brille, verehre Serien aus den 90ern und zähle Meerjungfrauen zu meiner Religion. Wenn ich mal nicht gerade im Glitzerregen tanze, findet man mich auf Pyjama-Partys oder an meinem Schminktisch. PS: Mit Speck fängt man nicht nur Mäuse, sondern auch mich.

Diese Beiträge könnten dich auch interessieren