Produkttest

Philips Baristina: weder Fisch noch Vogel

Simon Balissat
9.6.2026
Kamera: Davide Arizzoli, Ambra Antonelli
Bilder: Davide Arizzoli
Schnitt: Ambra Antonelli

Die Philips Baristina verspricht Siebträger-Feeling mit einfacher Handhabung. Dabei handelt es sich aber eigentlich um einen Vollautomaten mit extra Schritten. Und ich frage mich: Warum?

Alleine der klingende Name «Baristina» verspricht dir Kaffeegenuss wie auf der Piazza im Italienurlaub. Frisch gemahlener Kaffee aus dem Siebträger, einfach zu bedienen. Und das alles zu einem unschlagbaren Preis unter 300 Franken oder Euro. Alle meine Alarmglocken läuten da auf. Schon auf den ersten Blick ist klar, welche Abstriche Philips machen muss, damit das funktioniert.

1. Mühle ohne Einstellung

Philips verspricht perfekten Kaffee, ohne dass ich den Mahlgrad einstellen kann. Wer sich mit Siebträgern auskennt, weiss, dass dies die wichtigste Einstellung bei jedem Setup ist. Als Naturprodukt ist dein Kaffee mal trockener, mal feuchter. Mal dunkler geröstet, mal heller. Für jeden Kaffee muss ich den Mahlgrad anpassen, weil das Wasser mal schneller, mal langsamer durch den Siebträger läuft. Das kann ich bei der Baristina gar nicht … Sie ist aber auch kein richtiger Siebträger.

Einstellen lässt sich hier leider nichts.
Einstellen lässt sich hier leider nichts.

2. Vollautomat mit manuellen Umwegen

Es reicht nicht mehr, dass wir potentielle Sexualpartnerinnen und Sexualpartner auf Datingapps «wegswipen». Philips will, dass wir auch an der Kaffeemaschine swipen. So heisst das laut Gebrauchsanleitung, wenn ich den Möchtegern-Siebträger einspanne und nach rechts drücke. Dann mahlt der Kaffee direkt in den Siebträger. Danach springt er zurück, und der Kaffee kommt unten raus. Den Kaffeesatz muss ich anschliessend selbst aus dem Siebträger klopfen.

Die Baristina funktioniert also wie ein unpraktischer Vollautomat: Bei dem muss ich nicht swipen und er klopft die Pucks selbst in einen Auffangbehälter. Und die günstigsten Vollautomaten-Modelle kosten etwas gleich viel wie die Baristina.

Swipen nennt Philips diesen unnötigen Handgriff.
Swipen nennt Philips diesen unnötigen Handgriff.

3. Sieht schick aus, wirkt billig

Ich sehe ein, warum man sich die Baristina in die Küche stellen will. Sie sieht schick aus mit den matten Oberflächen und dem minimalistischen Design. Im Vergleich dazu wirken Vollautomaten wie Raumschiffcockpits aus einer schlechten Fernsehproduktion aus den 90er-Jahren. Hinter dem Design steckt aber mehr Schein als Sein. Spanne ich den Siebträger ein, knarzt und krächzt die Baristina. Ich muss sie festhalten, damit sich das Gerät beim Swipen nicht verschiebt. Drücke ich oben einen Knopf, wackelt die ganze Maschine.

Drei Knöpfe gibt es: für kurzen, langen oder starken Kaffee.
Drei Knöpfe gibt es: für kurzen, langen oder starken Kaffee.

Kann die Baristina guten Kaffee?

Die Funktionen der Baristina sind einfach erklärt: Sie hat zwei Knöpfe für kurzen oder langen Kaffee und einen Knopf, um den Kaffee «stärker» zu machen. Die Maschine mahlt dann mehr Bohnen. Wer meine Anleitung zum richtigen Einstellen von Vollautomaten gesehen hat, weiss, dass ich mit einem Trick das Kaffeepulver abwäge.

Im Fall der Baristina erhalte ich beim normalen Bezug 10 Gramm Kaffeepulver, beim «starken» Bezug sind es 12 Gramm. Für einen idealen Espresso sollte das Verhältnis zwischen Bohnen und fertigem Espresso 1:2 sein. 12 Gramm sollten somit 24 Gramm Espresso ergeben. Doch die Baristina überschiesst komplett und liefert in der Normaleinstellung bei 10 Gramm Pulver über 40 Gramm Kaffee. Das Resultat ist eine wässrige, zu saure Pfütze. Zum Glück kann ich wenigstens die Wassermenge beeinflussen.

Mit der Waage und dem Timer auf der Suche nach dem besten Kaffee.
Mit der Waage und dem Timer auf der Suche nach dem besten Kaffee.

So kann ich einen halbwegs anständigen Espresso beziehen, indem ich einen starken Espresso mit verkürzter Bezugszeit programmiere. 12 Gramm Kaffeepulver für 30 Gramm Espresso gewinnt keine Barista-Weltmeisterschaft. Immerhin ist das Resultat etwas ausgewogener als in der Grundeinstellung.

Die Funktion für langen Kaffee würde ich gar nicht erst nutzen und stattdessen den Espresso als klassischen Americano mit heissem Wasser verlängern.

Finger weg, falls du Barista-Qualität suchst

Als Siebträger taugt die Baristina nicht. Sie ist ein Vollautomat, der etwas stylischer aussieht und der dir Arbeit beschert. Als Vollautomat hingegen taugt die Maschine durchaus. Es ist mir gelungen, einen halbwegs akzeptablen Espresso zu ziehen. Das gelingt mir aber auch mit Vollautomaten, die wirklich vollautomatisch sind. Dass ich bei der Baristina bei jedem Kaffee selbst Hand anlegen muss, ist daher völlig unsinnig … So ist die Maschine weder Fisch noch Vogel. Weder Siebträger noch Vollautomat. Keine Ahnung, wer so etwas kaufen will.

Fazit

Baristina: ersetzt weder Siebträger noch Vollautomaten

Die Baristina suggeriert, Siebträger zu sein. Sie ist aber ein Vollautomat mit manuellen Schritten. Sie ist quasi das Schlechteste aus beiden Welten. Immerhin ist mir ein halbwegs anständiger Espresso (für einen Vollautomaten) gelungen. Und schick sieht die Maschine auch aus. Trotzdem gibt es Abzug fürs Konzept und die billige Verarbeitung.

Pro

  • sieht schick aus
  • OK Espresso für einen Vollautomaten
  • braucht wenig Platz

Contra

  • Vollautomat mit extra Schritten
  • billige Verarbeitung
  • Mahlgrad lässt sich nicht einstellen

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Als ich vor über 15 Jahren das Hotel Mama verlassen habe, musste ich plötzlich selber für mich kochen. Aus der Not wurde eine Tugend und seither kann ich nicht mehr leben, ohne den Kochlöffel zu schwingen. Ich bin ein regelrechter Food-Junkie, der von Junk-Food bis Sterneküche alles einsaugt. Wortwörtlich: Ich esse nämlich viel zu schnell. 


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