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Oppo Reno: 5G ist nicht das Highlight, die Videokamera aber schon

Dominik Bärlocher
Zürich, am 17.07.2019
Mitarbeit: Samira Kobler
Video: Samuel Kobler, Manuel Wenk
Ein erster Blick auf das Oppo Reno zeigt, dass das Teil mehr kann als nur so Bitzli 5G. Denn wenn eines beeindruckt, dann dass das Smartphone 4K Videos mit 60fps locker stemmt.

Eins vorneweg: Das ist kein Review. Denn dafür hat mir die Zeit gefehlt. Leider. Hier geht es auch nicht um 5G, denn das kommt noch. Ich hatte das Oppo Reno nur ein paar Tage lang, bevor ich es dem Hersteller habe zurückschicken müssen. Denn das Reno ist vielversprechend und eigentlich hätte ich nur die 5G-Fähigkeiten des chinesischen Smartphones testen sollen. Dann habe ich mit der Kamera rumgespielt und etwas entdeckt, das 5G auf einmal wie alten Kaffee hat erscheinen lassen.

4K, 60fps.

Oh yeah! Okay, das ist jetzt nicht das besonderste Novum aller Zeiten, denn andere Phones können das auch. Das OnePlus 6T, zum Beispiel. Aber das Oppo Reno macht es einfach besser und mit erschreckender Leichtigkeit.

Heute geht es ausschliesslich um die Kamera des Oppo Reno und was die so kann.

Snapdragon 855 sei Dank

Wenn du kein Videograph bist, dann sagt dir «4K, 60fps» wenig. Wenn du Videograph bist, dann schaust du jetzt deine Nikon, Sony oder Canon an und denkst dir «Mein Baby macht aber immer noch die besseren Bilder» und hältst so an einem letzten bisschen Stolz fest. Darfst du. Mach ich mit meiner Sony a7sii auch.

4K beschreibt die Auflösung des Bildes, also wie viele Pixel pro Frame – pro Bild – eingefangen werden. Je mehr Pixel, desto schärfer und detailreicher das Bild. Bisher können einige Smartphones mit UHD aufnehmen, also mit 3840×2160 Pixeln. 4K Auflösung wären eigentlich 4096×2160 Pixel, also ein etwas breiteres Bildformat. Weil sich 4K besser anhört als UHD hat sich in der Branche vielerorts 4K als Begriff für beide Formate durchgesetzt.

60fps, also 60 Frames per Second, gibt die Bildwiederholrate an. Das heisst, dass sich das Bild in der Datei pro Sekunde 60 mal neu aufbaut. Je mehr Frames pro Sekunde dargestellt werden, desto flüssiger scheint das Bild. Das menschliche Auge nimmt gemäss Tests mit Kampfjetpiloten bis zu 255 Frames pro Sekunde wahr. Die meisten Filme sind auf 24fps oder 29.97fps aufgenommen. Ausnahmen bilden da die Hobbit-Filme, die mit 48fps aufgenommen wurden. Damit du das abspielen kannst und den vollen Effekt siehst, benötigst du ein Display mit mindestens 60Hz.

Damit ein 4K-60fps-Bild zusammenkommen kann und dein Phone nicht einfach in Rauch und Flammen aufgeht, muss ordentlich Power dahinter. Das Oppo Reno liefert das locker. Selbst während gut fünf Minuten auf einem Dirtbike in der Ostschweiz über holprige Waldwege hat das Ding nicht versagt und der digitale Bildstabilisator – Fotos werden optisch stabilisiert, Videos anscheinend nicht – leistet ganze Arbeit. Schauen wir mal, ob Youtube da mitmacht.

Es macht dabei keinen Unterschied, ob sich das ganze Bild bewegt oder nur einzelne Teile, die Framerate bleibt stabil und das Phone macht mit. Was nicht mitmacht, ist die Bildorganisations und -Backup App Google Photos. Je nach Phone wird das Bild bei der Wiedergabe stockend. Etwa auf dem Huawei P30. Die Aufnahmen sind intakt, aber dargestellt werden sie nur mit Rucklern. Da hilft eine Video Player App wie VLC. Das Oppo Reno jedenfalls steckt das alles locker weg, auch mit Google Photos. Wenn mir jemand erklären kann, warum dem so ist, bitte lasst mir einen Kommentar unten. Die erste Vermutung, dass es an den RAM liegt, bestätigt sich nicht. Das Oppo Reno, das Huawei P30 Pro und das OnePlus 6T haben alle 8GB RAM.

Um diese Leistung zu bringen hat Oppo das aktuelle Flaggschiff der Systems-on-a-Chip (SoC) aus dem Hause Qualcomm verbaut. Der Qualcomm Snapdragon 855 war bisher etwas, das nett zu haben war, aber im Oppo Reno kann er zeigen, wozu er fähig ist.

Akku an der Grenze

Ferner gilt es zu bemerken, dass ein 4K-60fps-Video nicht nur massiv Leistung vom System-on-a-Chip – in diesem Falle der Snapdragon 855 – verlangt, sondern auch, dass das Ganze mit Strom versorgt werden muss. Die Lösung hier wäre, einfach einen massiven Akku ins Gerät einzubauen und dann die Maschine rösten zu lassen. Das würde aber Gewicht schaffen, das von der Industrie allgemein als unattraktiv angesehen wird. Dünner, schneller, leichter ist die Devise bei den Flaggschiffen. Aber trotzdem: Das Oppo Reno ist schwer. Es wiegt mit SIM-Karte 216 Gramm, traut sich also deutlich über die psychologische Grenze von 200 Gramm. Zum Vergleich: Das Huawei P30 Pro wiegt 192 Gramm, das Samsung Galaxy S10+ 175 Gramm.

Da der Akku das mit Abstand schwerste Bauteil eines Smartphones ist, wird gerne daran gespart. Samsung war im vergangenen Jahr mit dem S9 das Paradebeispiel, wo der Akku – wenn überhaupt – nur knapp einen Arbeitstag durchgehalten hat. Oppo aber spart nicht am Akku, liefert mit 4000mAh eine Kapazität, die das eine oder andere 4K-Video zulassen. Eine Viertelstunde Filmmaterial, etwa 100 Photos und dann und wann etwas herumspielen – solche Sachen lassen den Akku des Reno in etwa 12 Stunden auf 20 Prozent sinken.

Das ist respektabel, aber wenn du mit dem Reno grosse Filmexkursionen planst, dann nimm eine Powerbank mit und lad dein Phone zwischen Takes auf. Denn wenn du das Reno als Telefon und Kamera verwenden willst, also etwas WhatsApp hier, Instagram da un dann noch filmen, dann kann ich mir vorstellen, dass die Akkuleistung nicht ausreicht.

Der erste Eindruck des Oppo Reno: Es ist gross, schwer, schnell und vielversprechend. Und es ist ein Biest. Ein volles Review könnte noch folgen, je nach Wunsch.

Oppo Reno Review?

Willst du ein Review? Antworten auf "Ich hab Fussball" werden ignoriert.

Der Wettbewerb ist inzwischen beendet.

So. Fertig. Ich geh mit Welpen spielen.

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Dominik Bärlocher
Dominik Bärlocher
Senior Editor, Zürich
Journalist. Autor. Hacker. Ich bin Geschichtenerzähler und suche Grenzen, Geheimnisse und Tabus. Ich dokumentiere die Welt, schwarz auf weiss. Nicht, weil ich kann, sondern weil ich nicht anders kann.

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