VideoLAN
Ratgeber

Open-Source-Tipp: VLC – der Player, der praktisch alles abspielt

Martin Jud
9.7.2026

VLC ist der Media Player, der gefühlt auf fast jedem Rechner zu finden ist – und dennoch oft unterschätzt wird. Was die Open-Source-Software auszeichnet und warum sie seit Jahrzehnten ungeschlagen ist.

Der VLC Media Player ist ein Klassiker, der auf unzähligen Desktop-PCs, Laptops, Smartphones und TV-Boxen installiert ist. Dass er eine breite Palette an Video- und Audio-Formaten abspielt (Container und die darin enthaltenen Elemente mit ihren Codecs), macht seinen primären Ruf aus. Dass er aber auch als Streaming-Server, Konvertierungstool oder Bildschirmrekorder fungiert, zeigt sich erst beim genaueren Hinsehen. Hinter dem schlichten Interface, das sich in den letzten Jahren kaum verändert hat, steckt eine der ausgereiftesten Open-Source-Software-Lösungen überhaupt.

Ein Non-Profit-Projekt mit langer Tradition

Die Geschichte beginnt im Jahr 1996, als eine Studentengruppe der französischen Universität Paris-Saclay ein Projekt für Videostreaming startete – daher auch der Name: VideoLAN. Der Player trug damals noch den Namen VideoLAN Client, was die Abkürzung VLC erklärt. Was als Universitäts-Initiative begann, ist heute ein Non-Profit-Projekt mit enormer Reichweite. VLC wird nicht von einer Firma mit Gewinnabsicht entwickelt, sondern von ehrenamtlichen Entwicklern weltweit – finanziert durch Spenden der Nutzer. Dank der GPL-Lizenz bleibt die Software dauerhaft kostenlos.

Die aktuelle VLC-Oberfläche (Version 3.x) im Dark Mode.
Die aktuelle VLC-Oberfläche (Version 3.x) im Dark Mode.
Quelle: Screenshot – Martin Jud

So wie der Player von Haus aus eine riesige Anzahl von Video- und Audio-Codecs unterstützt, läuft die Software auch auf einer Vielzahl von Betriebssystemen. Neben Linux, macOS, Android und iOS sind auch weniger bekannte darunter, wie BSD, Solaris, QNX, BeOS oder Haiku.

VLC und der wilde Westen der Codecs

Das Herzstück von VLC ist seine Fähigkeit, praktisch jedes Video- und Audio-Format abzuspielen. Respektive deren Codecs zu unterstützen – das ist die Technik, die Video- und Audiodaten komprimiert und beim Abspielen wieder entschlüsselt. Fehlt der richtige Codec, bleibt der Bildschirm schwarz. Nicht so bei VLC, er benötigt daher auch keine externen Codec-Packs. Dank Hardware-Beschleunigung nutzt VLC die GPU, wo immer möglich. Das entlastet die CPU und schont den Akku.

Die versteckten Fähigkeiten

VLC ist aber nicht nur ein Player. Wer etwas tiefer in die Menüs eintaucht, entdeckt einen ganzen Werkzeugkasten. VLC kann beispielsweise Bildschirmaufnahmen erstellen (zu finden unter «Medien > Aufnahmegerät öffnen» und dann «Desktop» auswählen), ohne dass man dafür eine zusätzliche Software installieren muss. Er konvertiert Medien in andere Formate oder dient als Streaming-Server und schickt Inhalte ins Netzwerk.

Dann sind da noch die vielen kleinen Helfer: Untertitel synchronisieren, wenn sie nicht exakt zur Tonspur passen. Die Wiedergabegeschwindigkeit anpassen, ohne dass die Stimme wie ein Chipmunk klingt. Videos drehen, spiegeln oder mit Filtern versehen. Während der Wiedergabe lassen sich zudem mit einem Klick Standbilder als Snapshots speichern. Wer viele Inhalte verwaltet, kann Wiedergabelisten anlegen und seine Medienbibliothek direkt im Player durchsuchen, ohne auf einen externen Datei-Explorer angewiesen zu sein.

Ein Blick in die nahe Zukunft – VLC 4.0

Hinter den Kulissen schrauben die VLC-Entwickler seit Jahren an der Version 4.0, und inzwischen wird immer deutlicher, wohin die Reise geht. Unter anderem ist ein komplett überarbeitetes Interface geplant, AirPlay-Output kommt dazu und die direkte Anbindung von VR-Brillen mit Kopfverfolgung. Zwar konnte VLC bereits 360°-Videos abspielen, aber die native Unterstützung für aktuelle VR-Brillen wie die Meta Quest oder Apple Vision Pro ist neu.

Eine Nightly-Vorabversion zeigt, wie VLC im 4.0-Gewand einst aussehen wird.
Eine Nightly-Vorabversion zeigt, wie VLC im 4.0-Gewand einst aussehen wird.
Quelle: Screenshot – Martin Jud

Im Mai 2026 kündigte VideoLAN mit dav2d zudem einen eigenen Open-Source-AV2-Videodecoder an, der für x86 (AVX2), ARM (AArch64 NEON) und RISC‑V optimiert ist. Ebenfalls geplant sind KI-gestützte Untertitel: Die sollen in über 100 Sprachen lokal generiert und übersetzt werden können, komplett ohne Cloud-Dienst, der Daten einsammelt. Eine erste Live-Demo gab es im Januar 2026 an der CES.

Seit kurzem sind erste Beta-Versionen von VLC 4.0 verfügbar – allerdings Stand Anfang Juli 2026 nur für Apple-Geräte. Wer unter Linux oder Windows eine Entwicklerversion ausprobieren möchte, installiert die Nightly Builds. Ein Releasedatum für die Endversion gibt es noch nicht.

Titelbild: VideoLAN

3 Personen gefällt dieser Artikel


User Avatar
User Avatar

Der tägliche Kuss der Muse lässt meine Kreativität spriessen. Werde ich mal nicht geküsst, so versuche ich mich mittels Träumen neu zu inspirieren. Denn wer träumt, verschläft nie sein Leben.


Software
Folge Themen und erhalte Updates zu deinen Interessen

Computing
Folge Themen und erhalte Updates zu deinen Interessen

Ratgeber

Praktische Lösungen für alltägliche Fragen zu Technik, Haushaltstricks und vieles mehr.

Alle anzeigen

Diese Beiträge könnten dich auch interessieren

1 Kommentar

Avatar
later