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New York verklagt Valve wegen Lootboxen

Kostenpflichtige Lootboxen sind nach Ansicht der New Yorker Staatsanwaltschaft illegales Glücksspiel. Die Mechaniken würden besonders Kinder gefährden.

New Yorks Generalstaatsanwältin Letitia James verklagt Valve wegen Lootboxen. Die Zivilklage beim Supreme Court des Bundesstaats wirft der Firma hinter Steam vor, sie würde mit Lootboxen in Titeln wie «Counter-Strike 2», «Team Fortress 2» und «Dota 2» illegales Glücksspiel fördern – und damit insbesondere Kinder und Jugendliche gefährden.

Im Mittelpunkt steht das bekannte Modell solcher Boxen und Schlüssel: Spielerinnen und Spieler können gegen eine Gebühr virtuelle Container öffnen. Darin befinden sich kosmetische Items wie Waffen-Skins oder Hüte. Eine Box kostet meist 2,49 US-Dollar, der Inhalt wird zufällig bestimmt. Laut Klageschrift gleicht dieses Konzept bewusst einem einarmigen Banditen, inklusive animiertem «Spinning Wheel». Viele der gezogenen Gegenstände sind praktisch wertlos, einige seltene Items werden aber für Tausende Dollar gehandelt. Ein AK-47-Skin soll 2024 mehr als eine Million Dollar erzielt haben.

«Gefährlicher Glücksspiel-Einstieg für Kinder»

Die Generalstaatsanwaltschaft argumentiert, dass Valve ein Glücksspielsystem betreibe. Denn die Spieler kaufen eine zufallsbasierte Chance auf einen Gewinn mit realem Marktwert. Dies würde gegen die Verfassung und die Strafgesetze des Bundesstaats verstossen. Valve verdiene sogar doppelt: zum einen an den verkauften Schlüsseln, zum anderen an Gebühren im Handel mit den virtuellen Gütern im Steam Community Market. Zusätzlich erleichtere Valve den Handel über Drittanbieter-Marktplätze, auf denen die Skins direkt für echtes Geld verkauft werden können.

Besonders problematisch sei das für Minderjährige. Lootboxen würden mit Aussicht auf seltene Skins Statusversprechen erzeugen und so zu wiederholten Einsätzen verleiten. Die Behörde verweist auf Studien, nach denen ein Kontakt mit Glücksspiel im Kindesalter später häufig zu Suchterkrankungen führt. Für Letitia James sind die Lootboxen Teil eines ganzen Spektrums «addiktiver Online-Angeboten» für junge Menschen. Ihre Behörde geht bereits gegen Social-Media-Plattformen und illegale Online-Casinos vor.

Milliardengeschäft auf dem Prüfstand

Valve hat bisher nicht auf die US-Klage reagiert. In anderen Ländern hatte das Unternehmen Lootbox-Mechaniken teilweise eingeschränkt, nachdem Behörden sie als Glücksspiel eingestuft hatten. Etwa in Belgien und in den Niederlanden. International wird seit Jahren darüber gestritten, ob Lootboxen rechtlich wie Wetten behandelt werden sollten. Anwälte der verantwortlichen Unternehmen argumentieren, dass rein kosmetische Belohnungen ohne offizielle Auszahlungsoption nicht unter Glücksspielrecht fallen.

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Für Valve und die Gaming-Branche steht ein Geschäftsmodell auf dem Prüfstand, das seit Jahren für Milliardenumsätze sorgt. Mit der Klage aus New York könnte sich der Druck in den USA erhöhen. Die Generalstaatsanwältin fordert von Valve die Herausgabe aller «illegal erwirtschafteten Gewinne» aus Lootboxen und eine dreifache Strafzahlung. Ausserdem sollen die Mechaniken künftig aus Games verschwinden. Bis zu einem finalen Urteil kann es Monate oder sogar Jahre dauern.

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Mein Fingerabdruck verändert sich regelmässig so stark, dass mein MacBook mich nicht erkennt. Der Grund: Sitze ich nicht vor einem Bildschirm oder stehe hinter einer Kamera, hänge ich oft an den Fingerspitzen in einer Felswand.


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