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Netflix streicht 1000 Stellen – trotz Rekordgewinnen

Debora Pape
15.10.2026

Netflix ist Marktführer und fährt weiterhin Milliardengewinne ein. Doch die Zuschauerschaft wendet sich immer mehr Plattformen wie YouTube und TikTok zu. Mit einem Strategiewechsel will der Streaminganbieter gegensteuern.

Der Streaming-Riese Netflix setzt den Rotstift an: 1000 Angestellte müssen gehen, das sind etwa sechs Prozent der Belegschaft. Darüber informierten die Geschäftsführer Ted Sarandos und Greg Peters ihre Mitarbeitenden in einer E-Mail am Mittwoch. Diese liegen mehreren US-Medien vor. Du kannst sie etwa im Magazin «Variety» nachlesen. Demnach sind hauptsächlich Beschäftigte in den Produkt-, Technik-, Rechts- und Personalabteilungen betroffen.

Damit startet der Streamingdienst seine bislang größte Entlassungsrunde. Sie übersteigt sogar die Massenentlassungen im Jahr 2022, die kurz nach dem ersten Netto-Rückgang der Abonnentenzahlen seit mehr als einem Jahrzehnt erfolgten.

Steckt Netflix also in der Krise? Nein. Das Geschäftsmodell sei stark und Netflix befinde sich weiterhin auf Kurs, die Jahresziele zu erreichen, geben Sarandos und Peters in ihrem Memo an. Das Unternehmen werde weiterhin massiv investieren und auf Wachstum setzen. Dazu seien jedoch «gezielte Entscheidungen» nötig. Corporate speech halt.

Wo steht Netflix aktuell?

Netflix machte Streaming zum Erfolgsmodell und profitiert bis heute von dieser Pionierrolle. Nach dem anfänglichen, explosionsartigen Wachstum, das während der Corona-Pandemie nochmals anstieg, hat der Markt mittlerweile eine gewisse Sättigung erreicht. Auch der Einstieg anderer Dienste wie Disney+, Prime Video und HBO Max macht Netflix Anteile streitig. Doch vom Thron stoßen konnte den Marktführer bisher niemand.

Im Gegenteil: Netflix verdient so viel Geld wie nie zuvor. Im Geschäftsjahr 2025 erzielte das Unternehmen einen Gewinn von rund 11 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 26 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Jahresumsatz stieg auf rund 45 Milliarden US-Dollar. Für das Gesamtjahr 2026 prognostiziert Netflix gar einen Umsatz von rund 51 Milliarden US-Dollar. Netflix zufolge wurden im ersten Halbjahr 2026 weltweit mehr als 97 Milliarden Stunden Inhalte angesehen. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht das einem Plus von zwei Prozent.

Trotzdem: Wachstumsraten wie in früheren Zeiten kann Netflix schon lange nicht mehr vorweisen.

Die Sorge um das zukünftige Wachstum könnte auch für den schwächelnden Börsenkurs verantwortlich sein. Der Wert der Netflix-Aktien hat seit seinem Allzeit-Hoch im Juli 2025 um 40 Prozent nachgegeben. Naheliegende Hebel für einen höheren Gewinn durch Abos, wie Preissteigerungen und das Einschränken von Account-Sharing, hat Netflix in den vergangenen Jahren schon gezogen.

Schwieriges Wachstum in einem sich ständig wandelnden Umfeld

Die Zeit, in der mehr Inhalte nahezu automatisch zu starkem Wachstum führten, scheint vorbei zu sein. Jüngere Nutzungsdaten zeigen zudem, wie schwer es geworden ist, Zuschauer langfristig an neue Serien zu binden: Auch beliebte Serien verlieren nach der ersten Staffel häufig einen Großteil ihres Publikums. Mein Kollege Luca analysiert das Problem in seinem Beitrag genauer.

Beim Kampf um die Aufmerksamkeit der User muss Netflix mittlerweile zudem nicht mehr nur mit anderen Streamingdiensten konkurrieren. Plattformen wie YouTube und TikTok rücken in den Vordergrund. Dort sehen sich die Zuschauerinnen und Zuschauer zwar keine Hochglanz-Serien an, aber es gibt täglich fast unbegrenzt neue und extrem vielfältige Inhalte. Von kurzen Comedy-Sketchen über Gaming-Livestreams und Podcasts bis zu langen Einordnungen und Reportagen verschiedenster Content Creators ist alles dabei.

Ein breites Programm ist für Netflix daher wichtig, um gegen YouTube, TikTok und Instagram bestehen zu können – Plattformen, die für die dort präsentierten Inhalte meistens nicht einmal bezahlen müssen. Netflix produziert dagegen aufwändige Shows wie «Stranger Things» und «Squid Game» auch selbst. Das ist zeitaufwendig und teuer.

Breiteres Angebot gegen die YouTube-Konkurrenz

Das Unternehmen experimentiert daher mit neuen Inhalten wie Live-Sport-Übertragungen, Gaming-Angeboten und die Integration von linearen TV-Programmen. So können Nutzerinnen und Nutzer in Frankreich bald auch lineare Fernsehsender und Mediatheksinhalte des französischen Senders TF1 in Netflix streamen. Das alles hat das Ziel, die User länger auf der Plattform zu halten.

Der geplante Mega-Deal zur Warner-Bros.-Übernahme inklusive der prestigeträchtigen Marke HBO und dem DC-Comic-Universum ist Anfang des Jahres indes geplatzt. Allerdings wäre er für Netflix finanziell derart riskant gewesen, dass die Anleger schon bei der bloßen Aussicht auf eine Übernahme nervös wurden: Die Netflix-Aktie verlor zwischenzeitlich rund ein Viertel ihres Wertes und hat sich bis heute noch nicht voll davon erholt. Dafür wäre Netflix mit Warner Bros.’ umfangreichen Film- und Serienrechten auf einen Schlag zum mächtigsten Content-Anbieter der Welt geworden.

Titelbild: Shutterstock/pixinoo

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Fühlt sich vor dem Gaming-PC genauso zu Hause wie in der Hängematte im Garten. Mag unter anderem das römische Kaiserreich, Containerschiffe und Science-Fiction-Bücher. Spürt vor allem News aus dem IT-Bereich und Smart Things auf.


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