Luca Fontana
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Netflix steigt aus: Paramount gewinnt den Milliardenkampf um Warner

Luca Fontana
27.2.2026

Netflix verzichtet auf Warner und überlässt Paramount eines der wertvollsten Medienarchive der Welt. Der Rückzug beendet einen milliardenschweren Bieterkrieg und verschiebt das Kräfteverhältnis im Streaminggeschäft grundlegend.

Der grösste Bieterkrieg in Hollywoods jüngerer Geschichte ist vorbei. Netflix steigt aus. Kein Nachbessern, kein letzter Bluff, kein «All-in». Das teilt der Streaming-Gigant offiziell mit. Damit überlässt er dem Traditionsstudio Paramount Skydance das Feld.

Was wie eine nüchterne Finanzmeldung klingt, ist eine tektonische Verschiebung im Machtgefüge der Unterhaltungsindustrie.

Was ist passiert?

Noch im Dezember schien der Deal besiegelt. Netflix wollte 27,75 Dollar pro Aktie in bar zahlen, das entspricht insgesamt 82,7 Milliarden Dollar inklusive Schulden. Warner Bros. mit HBO, dem Filmstudio, DC und dem riesigen Archiv sollte ins Netflix-Imperium integriert werden. Das lineare TV-Geschäft, zu dem unter anderem der Nachrichtensender CNN gehört, wäre hingegen abgespalten worden.

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Doch Paramount blieb hartnäckig. Nach mehreren Anläufen – und sogar einer Klage – legte das Studio ein verbessertes Angebot vor: 30 bis 31 Dollar pro Aktie fürs gesamte Unternehmen, lineares TV-Geschäft inklusive, und ebenfalls vollständig in bar. Dazu eine «Ticking Fee» bei Verzögerungen und die Übernahme der 2,8 Milliarden Dollar Kündigungsgebühr gegenüber dem bereits beschlossenen Netflix-Deal.

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Der Verwaltungsrat von Warner stufte dieses Paket vor wenigen Tagen offiziell als «überlegen» ein und gab Netflix die Möglichkeit, innerhalb von vier Tagen nachzuziehen. Doch Netflix verzichtet.

Die Co-CEOs des Streaming-Giganten, Ted Sarandos und Greg Peters, erklären, der Deal sei «nicht länger finanziell attraktiv». Und sie betonen: Die Transaktion sei immer ein «nice to have» gewesen, kein «must have».

«Nice to have»? Nicht ganz.

Diese Formulierung klingt nach kühler Vernunft. Doch sie ist auch PR. Wäre der Deal zustande gekommen, wäre Netflix nicht einfach gewachsen – der Konzern wäre zum wohl mächtigsten Content-Besitzer der modernen Unterhaltung geworden. Netflix, HBO, Warner Bros., DC, «Harry Potter» – all das unter dem Dach des ohnehin grössten Streamingdienstes der Welt. Das ist keine Nebensache.

Gleichzeitig stimmt: Der Preis war enorm. Ein reiner Bar-Deal hätte Netflix massiv verschuldet. Der finanzielle Spielraum für Fehler wäre drastisch geschrumpft. Fehlplanungen, teure Flops oder strategische Irrtümer hätten deutlich schneller wehgetan. Nicht umsonst war in den letzten Wochen von Netflix’ «All-in» die Rede.

Die Nervosität war sichtbar. Die Netflix-Aktie geriet zwischenzeitlich unter Druck, Investorinnen und Investoren fürchteten, der Konzern könnte sich übernehmen. Dass das Papier nach Bekanntwerden des Rückzugs deutlich zulegte, spricht Bände. Sarandos hat recht: Irgendwann muss man diszipliniert bleiben. Trotzdem dürfte die Vorstellung, was hätte sein können, ihn noch eine Weile beschäftigen.

Und dann wird es politisch

Sollten die Regulierungsbehörden zustimmen, würde eines der traditionsreichsten Studios Hollywoods an Paramount Skydance gehen. Dahinter verbirgt sich auch eine politische Geschichte.

Denn zum linearen TV-Geschäft Warners gehört auch CNN, einer der Trump-kritischsten Nachrichtensender der USA. Und der US-Präsident hat erst vor wenigen Tagen wieder klargemacht, wie er zu dem Sender steht. «I don’t talk to CNN. It’s fake news», sagte er bei einer Pressekonferenz, als eine CNN-Reporterin eine Frage stellen wollte.

Der Zusammenhang: Hinter Paramount steht die Ellison-Familie. Und Larry Ellison gilt als enger Vertrauter Trumps. Kritiker und Kritikerinnen befürchten, dass unter diesem Dach auch die redaktionelle Unabhängigkeit von CNN unter Druck geraten könnte. Trump hatte bereits im Dezember angekündigt, sich in die regulatorische Prüfung der Übernahme einzumischen – ein höchst ungewöhnlicher Vorgang.

Ein Netflix-Warner-Konzern hätte primär wettbewerbsrechtliche Sorgen ausgelöst, weil ein Content-Monopol sondergleichen entstanden wäre. Ein Paramount-Warner-Konstrukt hingegen verschiebt die Debatte ins Politische. Es geht nicht nur um Marktanteile im Streaming, sondern um Einfluss.

Was bedeutet das für Hollywood?

Abseits von Marktanteilen und Politik gibt es noch eine dritte Dimension: Arbeitsplätze. Netflix-CEO Ted Sarandos betonte in seinem Statement, man hätte Warner als «starken Hüter ikonischer Marken» geführt und «Arbeitsplätze in der US-Produktionslandschaft gesichert und geschaffen». Das ist natürlich Teil der Verhandlungsrhetorik. Aber es ist auch ein Hinweis darauf, wo die Sorgen liegen.

Hinter Paramount steht mit der Ellison-Familie ein Machtzentrum, das eng mit Oracle verflochten ist – einem Konzern, der aktuell Milliarden in KI-Infrastruktur investiert und sich als Rückgrat der globalen KI-Ökonomie positioniert. Was das mit Hollywood zu tun hat? Mehr, als es auf den ersten Blick scheint.

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Wenn KI zum strategischen Kern einer Mediengruppe wird, verändert das Prioritäten. Automatisierte Postproduktion, KI-gestützte Skripterstellung, virtuelle Sets, synthetische Stimmen – vieles davon ist technisch längst möglich und ökonomisch verlockend. Ein Eigentümer mit starkem Infrastruktur- und KI-Fokus könnte solche Rationalisierungspotenziale konsequenter ausschöpfen als ein Streamingdienst, der primär von kreativen Inhalten lebt.

Das heisst nicht, dass Paramount automatisch massenhaft Jobs streichen wird. Aber in Hollywood wächst die Sorge, dass unter einem stärker technologiegetriebenen Dach Effizienz vor Kreativkultur treten könnte.

Titelbild: Luca Fontana

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Ich schreibe über Technik, als wäre sie Kino, und über Filme, als wären sie Realität. Zwischen Bits und Blockbustern suche ich die Geschichten, die Emotionen wecken, nicht nur Klicks. Und ja – manchmal höre ich Filmmusik lauter, als mir guttut.


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