Möbel-Dupes und Originale – erkennst du den Unterschied?
Hintergrund

Möbel-Dupes und Originale – erkennst du den Unterschied?

Pia Seidel
15.3.2024
Bilder: Pia Seidel

Weil es schwer, und selten sinnstiftend ist, das Rad neu zu erfinden, wird im Design oft und gern zitiert. Ich sage dir, von welchen Designikonen gewisse Möbel und Wohnaccessoires aus unserem Sortiment inspiriert sind.

In dieser Beitragsreihe teile ich die Steckbriefe bekannter Möbelklassiker mit dir. Einerseits, weil ich die Geschichten hinter den Dingen mag. Andererseits, weil ich über die Herkunft ausgewählter Möbel aufklären möchte. Auf diese Weise bekommst du eine Übersicht und erkennst vielleicht beim nächsten Kauf, was ein Dupe und was eine dreiste Kopie ist.

Im Gegensatz zu Fälschungen, die sich als die originalen, markenrechtlich geschützten Konsumgüter ausgeben, handelt es sich bei Dupes (kurz für Duplikat oder Duplikation) um Produkte, die beliebte Stücke anderer Unternehmen zwar nachahmen, aber nicht behaupten, das Original zu sein.

1. «IC Lights T1»

  • Designer: Michael Anastassiades
  • Hersteller: Flos
  • Entstehungsjahr: 2014
  • Made in: Italien
  • Wert: ca. 530 Euro
Die Lampen-Reihe «IC Lights T1» ist vom Jonglieren inspiriert.
Die Lampen-Reihe «IC Lights T1» ist vom Jonglieren inspiriert.
Quelle: Pia Seidel

Michael Anastassiades gestaltet seit Jahren minimalistische Lichtskulpturen für die italienische Marke Flos. Darunter ist die Kollektion namens «IC Lights T1» eine der ältesten und bekanntesten. Sie besteht aus Tisch-, Steh-, Wand- sowie Pendelleuchten. Laut Flos war Anastassiades von dem Kontaktjongleur Tony Duncan fasziniert und wollte die Magie der bewegten Bälle in einem Design einfangen. Das ist gelungen – alle Kugeln der «IC Lights T1»-Serie scheinen über den filigranen Metallstangen zu schweben. Die Tischlampen gibt es in zwei Ausführungen: Bei der High-Variante ruht die leuchtende Kugel oben, bei der Low-Version unten am Lampenfuss. Auf den ersten Blick könnte die Lampe «Lullaby» von Ozaia zur Kollektion gehören. Ihre Kugel hängt ebenfalls je nach Blickwinkel magisch herab. Bei genauem Hinsehen wird die Verbindung zur schmalen Stange jedoch sichtbarer als bei den Originalen.

2. «Nelson Saucer Bubble Pendant»

  • Designer: George Nelson und William Renwick
  • Hersteller: Howard Miller Clock Company
  • Entstehungsjahr: 1950
  • Made in: Deutschland
  • Wert: ca. 700 Euro
Der Lampenschirm der «Bubble Pendant» wirkt wie aus Seide, ist allerdings aus einer aufgesprühten, hauchzarten Kunststoffschicht.
Der Lampenschirm der «Bubble Pendant» wirkt wie aus Seide, ist allerdings aus einer aufgesprühten, hauchzarten Kunststoffschicht.
Quelle: Pia Seidel

Ursprünglich war Howard Miller für Uhren bekannt. Dann half George Nelson dem Unternehmen dabei, neue Märkte zu erschliessen. Der amerikanische Architekt entwarf zum Beispiel gemeinsam mit Kollege William Renwick die Pendelleuchte «Nelson Saucer Bubble Pendant». Wie nur wenige andere Entwürfe zu dieser Zeit spendet die Bubble-Lampe ein sanftes, gleichmässiges Licht und scheint im Raum zu schweben. Das liegt an ihrer Machart: Der Lampenschirm wirkt so, als wäre er aus Seide. Dabei ist er aus filigranen Stahlbögen, die mit einer Kunststoffmembran überspannt wurden. Diese Technik wurde vom US-Militär entwickelt und verwendet, um materialsparend produzieren zu können. Sie wird heute von vielen anderen Marken, darunter Nordlux und Lucide, imitiert, um ähnliche Pendelleuchten herzustellen. Die Bubble-Lampe selbst wurde von Howard Miller von 1950 bis 1979 hergestellt. Heute wird sie gemäss der «ursprünglichen Spezifikationen unter Verwendung der Originalwerkzeuge von Howard Miller» von SCP produziert.

3. «Pumpkin Chair»

  • Designer: Pierre Paulin
  • Hersteller: Ligne Roset
  • Entstehungsjahr: 1971
  • Made in: Frankreich
  • Wert: ab 2500 Euro
Der «Pumpkin Chair» des französischen Designers Pierre Paulin gleicht einem riesigen Kürbis.
Der «Pumpkin Chair» des französischen Designers Pierre Paulin gleicht einem riesigen Kürbis.
Quelle: Pia Seidel

In letzter Zeit war zwar das Togo von Ligne Roset in aller Munde. Doch die Marke hat noch mehr Designklassiker zu bieten. Zum Beispiel den «Pumpkin Chair» von Pierre Paulin. Der Sessel wurde Anfang der Siebzigerjahre in Grossserie für die Neugestaltung der Wohnung von Präsident Georges Pompidou im Élysée-Palast produziert. Damit erhoffte sich Frankreich, die leidende Designindustrie des Landes wieder anzukurbeln. Unter allen Paulin-Möbeln stach der «Pumpkin Chair» am meisten heraus. Weil seine Form an einen Kürbis erinnert und weil seine Sitzfläche besonders einladend wirkt. Trotzdem stellte Ligne Roset die Produktion eine Zeit lang ein. Erst seit 2008 ist der skulpturale Sessel wieder als Neuauflage erhältlich. Und auch andere Marken wie Kare Design oder Venture Home greifen – ob bewusst oder unbewusst – die runde Kürbisform in ihren aktuellen Entwürfen auf.

Kare Design Drehsessel Peppo Lounge Gelb
Sessel

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Venture Home Warren
Sessel
409.– CHF

Venture Home Warren

4. «Round Chair»

  • Designer: Hans J. Wegner
  • Hersteller: Johannes Hansen
  • Entstehungsjahr: 1949
  • Made in: Dänemark
  • Wert: ab 3000 Euro
Dank schlauer Verbindungen wirkt der Halbkreis von den Armlehnen bis zur Rückenlehne durchgehend.
Dank schlauer Verbindungen wirkt der Halbkreis von den Armlehnen bis zur Rückenlehne durchgehend.
Quelle: Pia Seidel

Hans J. Wegner entwarf ganze 500 Stühle in seiner Karriere als Designer. Davon gelten heute mehrere als Designikonen. So auch der «Round Chair», den Wegner 1949 erstmals auf der Jahresausstellung der «Cabinetmakers' Guild» in Kopenhagen vorstellte. Der Stuhl bestand aus einem Halbkreis aus Holz, der auf seinen spitz zulaufenden Beinen balancierte. Zwischen seinen Stuhlbeinen wurde entweder ein handgeflochtener Rohr- oder Ledersitz gespannt. Die minimalistische Form galt als hohe Kunst im Tischlerhandwerk sowie als ästhetisch. Laut 1st Dibs erklärte die Zeitschrift Interiors den Stuhl 1950 zum «schönsten Stuhl der Welt». In den Fünfzigern wurde der «Round Chair» noch vom dänischen Möbelhersteller Johannes Hansen hergestellt. Jetzt findest du ihn bei der dänischen Tischlerei PP Møbler, die das Erbe Wegners erhalten möchte. Oder in abgeänderter Form bei Brands wie Atelier del Sofa.

Atelier del Sofa Abel
Stühle
359.– CHF

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Kave Home Nina
Gartenstühle
–20%
noch 8 von 8 Stück im Sale
206.– CHF statt 257.– CHF

Kave Home Nina

5. «Saarinen Conference Chair»

  • Designer: Eero Saarinen
  • Hersteller: Knoll
  • Entstehungsjahr: 1946 - 1950
  • Made in: Deutschland
  • Wert: ca. 1300 Euro
Der «Saarinen Conference Chair» hat zwar einen skulpturalen Charakter, eignet sich aber als Esszimmer- und Bürostuhl.
Der «Saarinen Conference Chair» hat zwar einen skulpturalen Charakter, eignet sich aber als Esszimmer- und Bürostuhl.
Quelle: Pia Seidel

Der «Saarinen Conference Chair» wurde vom Designer Eero Saarinen für den deutschen Hersteller Knoll International entworfen und zeichnet sich durch sein Loch in der Rückenlehne und seine organische Form aus. Letztere basiert auf der Gestaltung des «Organic Chair», den Eero Saarinen in den 1940er-Jahren in Zusammenarbeit mit einer weiteren Ikone, Charles Eames, entwarf. Was den Stuhl im Vergleich zu herkömmlichen Entwürfen auch unterscheidet, ist seine Vielseitigkeit: Bis heute gibt es ihn bei Knoll in unterschiedlichsten Materialien, sodass er sowohl in Esszimmern als auch in modernen Büros stehen kann. Auch andere Marken scheinen das Potenzial in dieser Multifunktionalität zu sehen. So bietet beispielsweise die Brand Kave Home einen ähnlichen Esszimmerstuhl in verschiedenen Ausführungen an.

6.«Savoy»

  • Designer: Alvar Aalto
  • Hersteller: Iittala
  • Entstehungsjahr: 1937
  • Made in: Deutschland
  • Wert: ab 120 Euro
«Savoy» ähnelt einer Blume. Sie eignet sich sowohl als Vase als auch als Behältnis.
«Savoy» ähnelt einer Blume. Sie eignet sich sowohl als Vase als auch als Behältnis.
Quelle: Pia Seidel

Alvar Aalto war ein finnischer Architekt, Stadtplaner und Möbeldesigner, der sich regelmässig von der Natur inspirieren liess. Die Vase «Savoy» ist nur ein Beispiel dafür. Sie entstand für die älteste Glasmanufaktur Finnlands namens «Iittala» und erfreut sich bis heute grosser Beliebtheit in der Designszene. Die «Aalto-Vase» überzeugt nicht nur mit, sondern auch ohne Blumen – mit ihrem natürlichen Aussehen sowie ihrem getönten Glas in verschiedenen Farben. Nahezu jede Blumenart kann dank dieses Designs gut aussehen. Die wellenförmigen Kurven eignen sich hervorragend dazu, einzelne Stiele anzuordnen und ein Arrangement zu strukturieren. Da erstaunt es nicht, dass die blumige Art auch von anderen Marken wie zum Beispiel Hübsch und Villeroy & Boch übernommen wurde.

Hübsch Umber (1 x, 30 x 16 x 20 cm, 5 l)
Vase
71.60 CHF

Hübsch Umber

1 x, 30 x 16 x 20 cm, 5 l

Villeroy & Boch Signature
Vase
62.50 CHF

Villeroy & Boch Signature

7. «Eames Time-Life Stools»

  • Designer: Charles und Ray Eames
  • Hersteller: Eames
  • Entstehungsjahr: 1960
  • Made in: USA
  • Wert: ab 2000 Euro
Zwei-in-Einem: Dieses Eames-Designstück eignet sich als Hocker sowie als Beistelltisch.
Zwei-in-Einem: Dieses Eames-Designstück eignet sich als Hocker sowie als Beistelltisch.
Quelle: Pia Seidel

Charles und Ray Eames hatten 1960 den Auftrag, die Lobbys des Time Life Gebäudes am Rockefeller Center in New York City einzurichten. Das kreative Duo nahm sich zu diesem Anlass vor, ein multifunktionales Möbel mit einem informellen Charakter zu entwerfen. Der Versuch glückte: Die Hocker «Eames Time-Life Stools» sind Beistelltisch und Hocker in einem sowie ein seltener Entwurf der Eames, der aus massiven Holzblöcken gefertigt wurde. Neben der Funktion punktet auch das Aussehen. Das Nussbaumholz wirkt warm und die schachfigurartigen Formen wirken wohnlich. Diese Mischung haben auch andere Marken, darunter SIT Möbel und Am.Pm, für sich entdeckt.

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Wie ein Cheerleader befeuere ich gutes Design und bringe dir alles näher, was mit Möbeln und Inneneinrichtung zu tun hat. Regelmässig kuratierte ich einfache und doch raffinierte Interior-Entdeckungen, berichte über Trends und interviewe kreative Köpfezu ihrer Arbeit. 


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