Massage Guns im Vergleich: Dieses Trio ist ein gutes Quartett
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Massage Guns im Vergleich: Dieses Trio ist ein gutes Quartett

Michael Restin
Zürich, am 15.05.2020
Starke Motoren, schnittige Optik und mit Drehzahlen prahlen – die Welt der Massagepistolen erinnert mich an mein altes Autoquartett. In welchen Kategorien stechen sich Hypervolt Plus, Compex Fixx und Youlisn Gun gegenseitig aus?

«Schon mit geregeltem Wurm-Katalysator.» Dieser Satz, gelesen irgendwann Ende der 80er auf der Heckscheibe eines Audi, hat sich in mein Gedächtnis eingebrannt. Gut dreissig Jahre später sitze ich bis an die Zähne bewaffnet im Homeoffice und denke an mein altes Auto-Quartett, den Ferrari F40 und Wurm-Katalysatoren. Schuld sind drei Massagepistolen auf meinem Schreibtisch, die mit Wattzahlen, High-Torque-Motoren und «ziemlich gleitender Geräuschunterdrückung» protzen. Falls du dich fragst, ob es überhaupt schlau ist, deine Muskulatur mit bis zu 3200 Schlägen pro Minute zu traktieren: Die Sinnfrage habe ich im Zusammenhang mit den trendigen Schenkelklopfern einem Experten gestellt.

Was der Experte von *Massagepistolen** hält
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Die Kurzfassung: Massagepistolen können ein gutes Werkzeug sein. Entscheidend ist, wer so ein Gerät in den Händen hat. Das ist wichtiger als das Produkt. Trotzdem ist vor der Investition in eine Gun ein Vergleich interessant.

Es treten an: Der Hypervolt Plus aus dem Highend-Segment. In meinem Quartett wäre das der Ferrari F40. Noch stärker und noch teurer als der ebenfalls nicht billige Hypervolt. Ausserdem die Youlisn Gun, gehobene Mittelklasse. Der Lexus meines Trios. Nicht ganz so aufregend, nicht ganz so teuer, aber voll ausgestattet. Und last but not least der Compex Fixx, so etwas wie ein Pick-up Truck von Ford. Niedertouriger, roher und lauter, dafür flexibel.

Die Geräte schwappen vor allem vom amerikanischen Markt zu uns nach Europa. Selbstverständlich findet sich bei allen der Hinweis «made in China» oder «assembled in China». Während ich Hyperice und Compex kannte, muss ich zugeben, dass ich Youlisn unterschätzt habe. Das Logo, der Name – unbewusst steckte die Marke sofort in der Schublade Billigkopie, obwohl der Preis nicht Low-Budget ist. Inzwischen gibt es endlos viele Massagepistolen in allen Preissegmenten, weil die Nachfrage da ist.

Die Leistung

In dieser Kategorie sticht der Hypervolt Plus die Konkurrenz aus. Er leistet satte 90 Watt und hat im Vergleich zum «normalen» Hypervolt satte fünfzig Prozent mehr Power. Beide bringen es in drei Stufen auf 34, 44 und 54 Schläge pro Sekunde. Der Plus hämmert einfach noch etwas härter aufs Muskelgewebe ein. Wobei du das schlussendlich selbst in der Hand hast. Drei LEDs am Gerät zeigen dir, wie viel Druck du ausübst. Diese Anzeige braucht es nicht wirklich. Du variierst den Druck automatisch, dein Körper gibt dir konstant Feedback. Und entweder weisst du, wo und warum du dich an einer bestimmten Stelle tief in deine Muskulatur bohrst, oder eben nicht. So viel Power braucht nur, wer über entsprechende Muskelberge verfügt. Wahrscheinlich geht es Hypervolt-Plus-Käufern wie vielen Ferrari-Besitzern: Die volle Leistung abrufen werden sie so gut wie nie. Obwohl die Sonderedition mit ein paar PS mehr einen saftigen Aufpreis gekostet hat.

Das «Cockpit» des Hypervolt Plus.
Das «Cockpit» des Hypervolt Plus.

Um die Power der drei Geräte in Relation zu setzen, drücke ich sie auf Leistungsstufe eins gegen eine Personenwaage, bis sie stoppen. Der Compex Fixx steigt bei 5.4 Kilogramm aus, die Youlisn bei 7.2 Kilogramm und der Hypervolt Plus bei 16.9 Kilogramm. Dieser Test ist sicher nicht repräsentativ, vermittelt aber einen Eindruck von den Kräfteverhältnissen. Was die Frequenz angeht, steht die Youlisn Gun mit 30, 40 oder 53 Schlägen pro Sekunde dem Hypervolt Plus kaum nach. Und die Leistung ist für Normalmenschen mehr als ausreichend. Was sich beim Hypervolt etwas besser anfühlt, ist der sanfte Start – er nähert sich seiner vollen Leistung langsam an und fährt auch langsam herunter.

Der Compex dagegen, ganz der Pick-up Truck, bollert niederfrequenter mit 25, 33 oder 46 Schlägen pro Sekunde drauf los. Dafür hat er mit 14 Millimetern die grösste Amplitude. Bei ihm spürst du auf Stufe eins die einzelnen Schläge deutlich. Es folgen der Hypervolt Plus mit 13 Millimetern und die Youlisn Gun mit 12 Millimetern Amplitude. Sie sorgen mit ihren höheren Frequenzen für ein vibrierendes Massagegefühl. Beide laufen so ruhig, dass sie sich auf einer ebenen Fläche in linksdrehende Kreisel verwandeln und nicht umfallen. Aber der rohe Geselle von Compex siegt im Demolition Derby.

Lautstärke

Die Hersteller werben lautstark damit, besonders leise zu sein. Selbst der Ferrari F40, der Hypervolt Plus, will nicht röhren, sondern ist stolz auf seine Quiet-Glide-Technologie. Und die Youlisn ist «super silent» mit ihrer «ziemlich gleitenden Geräuschunterdrückung». Nur der Compex Fixx sagt dazu nix Besonderes. Ausser, dass er mit seinem bürstenlosen Elektromotor ruhig ist. Wie laut sind sie wirklich? Ich messe aus 35 Zentimetern Abstand mit der dB-App auf den jeweiligen Stufen 1, 2 und 3 die folgenden Werte.

  • Compex: 47/52/56 dB
  • Youlisn: 34/44/48 dB
  • Hypervolt Plus: 39/45/49 dB

Der Hypervolt Plus ist, trotz seiner Power, tatsächlich ziemlich leise. Er macht nur etwas mehr Lärm als die ausgewogen ruhige Youlisn Gun. Der Compex Fixx rattert sich an die Spitze der Dezibel-Liste. Das entspricht meinem subjektiven Eindruck.

Der Compex Fixx sorgt für die grösste Geräuschkulisse.
Der Compex Fixx sorgt für die grösste Geräuschkulisse.

Akkulaufzeit

Der Compex hat den kleinsten Akku verbaut. Bescheidene 26.4 Wh reichen für eine bis anderthalb Massagestunden. Im Hypervolt Plus stecken 51.84 Wh, die ihn ungefähr zweieinhalb Stunden mit Strom versorgen. Und die genügsame Youlisn Gun soll mit 56 Wh über fünf Stunden auskommen. Ihr Akku ist tatsächlich top, aber leider als einziger fest verbaut. Die beiden anderen lassen sich ganz einfach auswechseln.

Während der Compex-Akku in eine separate Ladeschale gesteckt werden muss, ist beim Hypervolt Plus der Anschluss an der Unterseite des herausnehmbaren Akkus. Du hast also die Wahl. Die Restlaufzeit signalisiert der Compex Fixx diskret über vier kleine blaue LEDs, während die Konkurrenz mit grossen leuchtenden Ringen arbeitet. Quasi die Xenon-Scheinfwerfer mit Kurvenlicht unter den Ladestandanzeigen.

Zubehör

Ein Blick auf den Lieferumfang kann den Preis relativieren. Bei den Guns, die sich am Hypervolt orientieren, haben sich die Konkurrenten auf ein komplettes Set geeinigt. Gabel-, Teller-, Kugel- und ein spitzer Bullet-Aufsatz sind Standard. Bei Youlisn gibt es noch einen keilförmigen Aufsatz dazu, ausserdem findet alles in einem Transportkoffer Platz. Den gibt es auch bei Compex, der Fixx hat allerdings neben der Kugel keine weiteren Aufsätze im Gepäck. Diese sind separat erhältlich.

Das sieht alles sehr ähnlich aus.
Das sieht alles sehr ähnlich aus.

Handling

Hier glänzt der Pick-up Truck von Compex, weil sein Massagearm in drei verschiedenen Winkeln einrasten kann. Das Gerät sieht nicht so lifestylemässig aus wie die Guns von Hypervolt und Youlisn, doch wenn du dich am Rücken oder der Oberschenkelrückseite massieren willst, ist diese Flexibilität vorteilhaft. Der o-förmige Griff bietet viele Möglichkeiten, das Gerät mit einer oder zwei Händen zu halten. Allerdings ist er zum Grossteil aus Hartplastik, die schicke Konkurrenz bietet rundum eine Gummierung.

Die Gewichtsverteilung empfinde ich bei Hypervolt und Youlisn als angenehmer. Alle drei Modelle wiegen mit dem Kugelaufsatz gut ein Kilo. Während der längliche Compex etwas kopflastiger ist, hältst du bei den Guns mit dem Akku-Griff den Schwerpunkt in der Hand. Dafür verrenkst du dich damit bisweilen wie ein 73-Jähriger, der sich mühsam aus den Alcantara-Sportsitzen seines viel zu flachen Flitzers schält.

Der Compex Fixx ist in der Handhabung das flexibelste Werkzeug.
Der Compex Fixx ist in der Handhabung das flexibelste Werkzeug.

Fazit

Grundsätzlich musst du dich zwischen zwei Bauformen entscheiden. Es gibt den Schwenkarm à la Compex und Theragun, verbunden mit einer grösseren Amplitude und härterer, niederfrequenter Massage. Die Geräte mit Pistolengriff nach Hypervolt-Vorbild sind massentauglicher, da sie sich dank höherer Frequenzen und geringerer Amplitude etwas sanfter anfühlen.

Was die Wirkung angeht, wird einiges versprochen. Unter anderem sollen Muskelkater und Muskelsteifheit gelindert, die Regenerationszeit verkürzt, der Bewegungsumfang verbessert und der Heilungsprozess nach Muskelverletzungen beschleunigt werden. Das ist oft nicht bewiesen, wie mir Physiotherapie-Dozent Prof. Dr. Rogan im Interview gesagt hat. Seine Einschätzung zu den Massagepistolen: «Wenn die Hersteller etwas seriöser wären und einfach nur sagen würden, man kann sie zur Schmerzlinderung bei Muskelverspannungen einsetzen und die Durchblutung in dieser Region verbessern – das wäre für mich ehrlich.»

Diesen Zweck erfüllen sie gut. Von den drei Geräten, die ich ausprobiert habe, hat mich die Youlisn Gun am meisten überzeugt. Sie ist stark genug, leise, ausdauernd und kommt mit viel Zubehör. So viel Leistung, wie der Hypervolt Plus mitbringt, brauchen Normalsportlerinnen und -sportler nicht. Am Ende ist es wieder wie mit den Autos. Im Highend-Segment zahlst du überproportional drauf. Dabei können dich auch günstigere Modelle sicher und schnell ans Ziel bringen – sofern du den richtigen Weg kennst.

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Michael Restin
Michael Restin
Editor, Zürich
Sportwissenschaftler, Hochleistungspapi und Homeofficer im Dienste Ihrer Majestät der Schildkröte.

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