Lenovo Premium Notebook: Kann das noch mehr ausser hübsch aussehen?

Lenovo Premium Notebook: Kann das noch mehr ausser hübsch aussehen?

Martin Jud
Zürich, am 26.06.2019
Das Yoga S940-14IWL ist ein 14”-Premium-Notebook. Es hat ein helles UHD-Display, 16 GB RAM und eine 512 GB SSD. Viel mehr als Office kann es trotzdem nicht.

Die Yoga-Reihe war einst für Geräte bekannt, die besonders flexibel einsetzbar sind. Doch das war einmal. Das vorliegende Notebook ist kein Convertible. Es verfügt auch nicht über ein integriertes Grafiktablett, wie einst das Android-Yoga-Book. Heute verwendet Lenovo die Yoga-Bezeichnung für Geräte, die das Premium-Segment abdecken sollen. Und das merkt man nicht nur anhand der gewählten Materialien sowie der Verarbeitung – auch im Preis schlägt sich das nieder.

Yoga S940-14IWL (14", UHD, Intel Core i7-8565U, 16GB, 512GB, SSD)
1899.–
Lenovo Yoga S940-14IWL (14", UHD, Intel Core i7-8565U, 16GB, 512GB, SSD)

Technische Daten:

  • Intel Core i7-8565U
  • Integrierter Grafikprozessor: Intel UHD Graphics 620
  • 16 GB RAM (LPDDR3-2132, 2 x 8 GB SanMax K4EBE304EC-EGCG)
  • 512 GB SSD (M.2, PCIe 3.0 x4 / NVMe 1.2a, Samsung MZVLB512HAJQ-000L2)
  • 14” IPS-Display mit 3840 x 2160 Pixel (hochglanz, 500 cd/m², HDR VESA400)
  • Vier Lautsprecher mit Dolby-Atmos-Zertifizierung, Mikrofon, 3.5-mm Kopfhörer-/Mikrofon-Kombianschluss
  • 720p-Frontkamera
  • IR-Kamera für Gesichtserkennung
  • 4-Zellen Lithium-Polymer-Akku mit 52 Wh
  • Windows 10 Home

Schlichtes Design, das den Falltest nicht besteht

Das Yoga ist flach wie eine Flunder.
Das Yoga ist flach wie eine Flunder.

Das Yoga-Notebook kommt in einem kompakten Gehäuse daher, das aus eisengrauem, sandgestrahltem Aluminium besteht. Dummerweise fällt es mir gleich in den ersten Minuten runter – leider nicht direkt auf den Teppich im Büro, sondern mit der Unterseite auf das Netzteil. Die Fallhöhe von rund 90 cm reicht dabei, um dem Gehäuse eine kleine Erinnerungs-Delle zu schenken.

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Delle auf der Unterseite hin oder her, das schlichte Design des Notebooks gefällt. Es ist 31.93 cm breit, 19.74 cm tief und misst an der dünnsten Stelle im vordersten Bereich 1.22 cm. Messe ich im Bereich hinter der Tastatur, ist es 1.4 cm dünn.

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Was die Anschlüsse angeht, bekommst du auf der linken Seite einen USB-C-3.1-Anschluss, der auch gleich als DC-Eingang dient. Du kannst darüber das Notebook aufladen, wie auch Peripherie daran anschliessen. Daneben ist ein Kombi-Klinkenanschluss für Mikrofon und Kopfhörer. Auf der rechten Seite sind zwei Thunderbolt-Anschlüsse (USB-C) verbaut.

Gutes Display für Notebook-Verhältnisse

Vor Kurzem hätte ich bei diesem Notebook noch wie wild darauf hingewiesen, dass du damit ein 14-Zoll-Display im 13-Zoll-Chassis erhältst. Doch mittlerweile sind kleine Dimensionen und minimale Bildschirmränder gang und gäbe.

Bei den Displayrändern messe ich oben 7 mm, unten 9 mm und seitlich jeweils 4 mm. Übrigens ist es seitlich leicht gebogen, wie man es von Smartphones kennt. Doch die Biegung liegt bereits ausserhalb des Anzeigebereichs.

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Was die Technologie angeht, bekommst du ein HDR VESA400 zertifiziertes IPS-UHD-Display. Die Auflösung beträgt also 3840 x 2160 Pixel. Es handelt sich um ein Hochglanz-Display, was je nach Arbeitssituation wegen den Spiegelungen extrem nervt, oder bei wenigen Lichtquellen dadurch noch einen Tick besser gefällt. Meist nervt es aber. Laut Hersteller kommt es mit einer guten Hintergrundbeleuchtung, die auf der hellsten Stufe 500 cd/m² Leuchtkraft bringen soll.

Ob das mit der Helligkeit stimmt, überprüfe ich mit einem Farbkalibrierungssystem, dem x-rite i1Display Pro.

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Mit durchschnittlich 463 cd/m² liegt die Helligkeit zwar unter dem angegebenen Wert, sie ist aber dennoch sehr gut für ein Notebook-Display. Damit kannst du auch bei Sonnenlicht arbeiten. Oder du könntest – hätte es nicht dieses Hochglanz-Gedöns, was meist nur Apple-Fanatiker gut finden. Wie du im Bild oben erkennen kannst, ist die Ausleuchtung des Panels leider nicht ganz regelmässig – es fehlt etwas Leuchtkraft auf der linken Seite. Dies fällt mir aber weder beim Filmeschauen, noch beim Arbeiten auf.

Weiter messe ich auch die Farbraumabdeckung und den Kontrast. Beim sRGB-Farbraum messe ich einen guten Wert von 99.4 Prozent. Ausserdem messe ich 76.5 Prozent bei Adobe RGB und 89.9 Prozent bei DCI P3. Ein für Grafiker geeignetes Display sollte mindestens 90 Prozent bei Adobe RGB abdecken. Das wird hier nicht erreicht. Doch egal, ohne dedizierte Grafikkarte machen Photoshop und Co. beim Bearbeiten von grossen RAW-Bildern eh nur halb so viel Spass.

Beim statischen Kontrast kommt das Panel auf einen Wert von 1202:1. Der dynamisch Kontrast beträgt 5716:1.

Angenehm federnde Tastatur

Die Tastatur im Chicklet-Stil hat einen geringen Tastenhub von 1.3 mm. Auf dieser tippt es sich nach kurzer Eingewöhnung sehr komfortabel – sie federt angenehm, hat einen klaren Auslösepunkt und ist sehr leise. Im Gegensatz zu anderen klapprigen Tastaturen (siehe MacBook Air), ist diese also dank guter Dämpfung auch fürs Grossraumbüro geeignet.

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Das Touchpad ist aufgrund des begrenzten Platzes mit 10.5 x 6.3 cm etwas klein ausgefallen. Dennoch bedient sich die Maus damit, nicht zuletzt auch dank Precision-Treiber, punktgenau. Der Zeiger flitzt flink und bereits nach kurzer Zeit gewöhne ich mich an die etwas kleineren Dimensionen.

Tolle Notebook-Lautsprecher

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Das Notebook bietet insgesamt vier Lautsprecher mit Dolby-Atmos-Zertifizierung. Zwei davon sind neben der Tastatur angesiedelt und zwei unterhalb des Chassis in den vorderen Ecken. Abgesehen von den bei Notebooks gewohnten fehlenden Tiefen, klingt der Sound wirklich gut. Die Mitten und Höhen sind glasklar und die breite des Sounds beeindruckt mich. Das macht vor allem beim Filmeschauen in Kombination mit dem guten, HDR VESA400 fähigen Bildschirm viel Spass.

Schwache Akkuleistung beim Youtube-Dauerstreaming

Beim Dauerstreaming mit Youtube stelle ich die Helligkeit des Displays auf die mittlere Stufe. Der automatische Shutdown kommt nach 4 Stunden und 55 Minuten. Dies ist so ziemlich das schlechteste Resultat, welches ich je mit einem Notebook gemessen habe. Am besten in dieser Disziplin war bisher ein HP Spectre x360 mit 8 Stunden und 47 Minuten.

Auch beim Arbeiten im Office will der Akku nicht so lange, wie ich es gerne hätte. Nach jeweils sechseinhalb bis sieben Stunden ist Schluss.

Akkuleistung: Stresstest mit HeavyLoad und Furmark

Um sämtliche Hardware an die Grenzen zu bringen, lasse ich den Stresstest HeavyLoad sowie FurMark mit höchster Bildschirmhelligkeit gleichzeitig laufen. Der Akku macht nach 1 Stunde und 53 Minuten schlapp, was eine ganz gute Leistung ist. Allerdings wird dieses Resultat nur aufgrund einer fehlenden dedizierten Grafikkarte erreicht.

CPU und Grafikprozessor

Der 64-Bit Quad-Core-SOC Intel Core i7-8565U wurde im Q3 2018 vorgestellt. Als sparsamer Prozessor ist er für Notebooks und Ultrabooks gedacht. Er basiert auf der Whiskey-Lake-Mikroarchitektur und wird im 14nm++-Prozess gefertigt. Der Basistakt beträgt 1.8 GHz, der Turbotakt bei einem einzelnen Kern 4.6 GHz – bei Nutzung aller Kerne 4.1 GHz. Für die Leistungsaufnahme werden 15 Watt angegeben. Allerdings kann der TDP je nach Einsatzzweck und Hersteller zwischen 7.5 und 25 Watt betragen.

Auf dem Chip steckt auch Intels UHD Graphics 620, welcher mit 300 MHz läuft und eine maximale dynamische Frequenz von 1.15 GHz aufweist.

Performance: Cinebench R15 und R20

Mit Cinebench von Maxon kannst du testen, wie sich dein PC respektive Prozessor beim Rendern von Cinema-4D-Inhalten schlägt. Gerade ist eine neue Version des beliebten Benchmarks herausgekommen. Zwecks besserer Vergleichbarkeit mit unseren bisherigen Reviews, habe ich die alte und neue Version laufen lassen.

So schlägt sich das Yoga mit Cinebench R15:

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Die erreichten 533 Punkte im Multi-Core-Benchmark sind ein gutes Ergebnis für einen Office-Laptop. Damit ist das Yoga ungefähr gleichauf mit dem Acer TravelMate X3 (543 Punkte), dem Asus ZenBook 14 (569 Punkte) sowie dem Lenovo ThinkPad E580 (558 Punkte).

Was die grafische Leistung angeht, darf man aufgrund einer fehlenden dedizierten Grafikkarte nicht viel erwarten. Die erreichten 53.21 fps sind am ehesten mit dem getesteten Microsoft Surface Pro 6 (52.11 fps) vergleichbar, welches auch mit der UHD Graphics 620 läuft.

So schlägt sich das Yoga mit Cinebench R20:

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Performance: Geekbench 4

Bei Geekbench 4 handelt es sich um einen plattformübergreifenden Benchmark. Er läuft auf Windows, MacOS, Linux, Android und iOS. Bei der Version 4 des CPU-Benchmarks widerspiegelt der Basiswert von 4000 Punkten die Leistung eines Intel Core i7-6600U, der mit 2.60 GHz getaktet ist. Nebst simulierten realen Szenarien, mit welchen die CPU getestet wird (single-core und multi-core), kann Geekbench auch die GPU-Leistung in Bereichen der Bildverarbeitung und dem maschinellen Sehen ermitteln. Du kannst dank dem Geekbench-Browser auch die Resultate mit anderen Systemen vergleichen.

Geekbench-Resultate des Yoga:

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Diese Geekbench-4-Resultate sind am ehesten mit dem Microsoft Surface Laptop 2 vergleichbar. Wobei das Yoga beim Single-Core-Benchmark besser abschneidet. Beim Multi-Core- und OpenCL-Benchmark liegen die Geräte beinahe gleich auf - dennoch schneidet auch da das Yoga noch einen Tick besser ab.

Falls du dir die Benchmark-Resultate im Detail ansehen möchtest:

Performance: PCMark 10

Dank PCMark 10 von 3DMark lassen sich PCs und Notebooks auf die vielfältigen Aufgaben an einen Arbeitsplatz testen – ausser aufs Kaffeeholen. Er ist ein Office-Benchmark und taugt für alle Geräte, bei denen ein Gaming-Benchmark aufgrund schwacher Hardware keinen Sinn macht.

Das Yoga holt bei diesem Benchmark 3374 Punkte. Wenn du das Resultat auf der Homepage von 3DMark betrachtest, siehst du, dass das vorliegende Gerät zwar besser ist, als ein durchschnittlicher Office-PC, jedoch zu wenig gut, um als schwacher Gaming-PC durchzugehen.

Fazit: Schönes Design, gute Komponenten, aber...

Echt gut, was Lenovo da alles in dieses Gerät steckt. Der Bildschirm, die Tastatur sowie die Lautsprecher sind besser als bei so manch anderem Notebook. Es reagiert flink und spricht durch die kompakte Grösse und das schlichte Design an. Dennoch bin ich von all dem enttäuscht. Und das liegt noch nicht mal an der mageren Akkuleistung.

Das Lenovo Yoga S940-14IWL kann aufgrund fehlender Grafikpower für nicht viel mehr genutzt werden als für Office und Medienkonsum. Auch wenn das mobile Filmeschauen damit ein Genuss ist, frage ich mich, wie oft ich es dazu benutzen würde. Vermutlich zu wenig, um den Preis zu rechtfertigen. Ausserdem frage ich mich, ob ich für Netflix und Büroarbeiten tatsächlich 16 GB RAM, eine 512 GB SSD und ein reflektierendes UHD-Display benötige.

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Für ein Notebook, das ohne Aktions-Preis über 2100 Franken kostet (Stand 26. Juni 2019), müsste eine schwache dedizierte Grafikkarte drin liegen. Oder es sollte zumindest nicht bereits in den ersten Minuten bei einem Fall aus geringer Höhe eine Delle bekommen. Wobei das so eine Sache ist, die sich mit dünnem Aluminium als Chassis schwer vermeiden lässt. Dennoch bestehe ich beim gegebenen Preis, ehe ich das Yoga kaufe, zumindest auf eine Zugabe in Form eines vergoldeten Rahmen oder eines Gratis-Ständers, um damit Apple-User zu ärgern.

Ein 14-Zoll-Notebook für Office-Arbeiten und Filmkonsum sollte meiner Meinung nach nur die Hälfte kosten – wenn überhaupt. Tolles Design hin oder her. Fährst du mit deinem Auto Einkaufen, benötigst du schliesslich auch keinen K.I.T.T.

Was sollte bei einem 2100-Franken-Notebook alles mitgeliefert werden?

  • Eine Einsteiger-Grafikkarte für Photoshop
    14%
  • Eine Midrange-Grafikkarte (oder besser) für Gaming
    42%
  • Einen gratis Ständer um Apple-Kunden sowie die Firma Apple Inc. zu ärgern
    42%

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Martin Jud
Martin Jud
Editor, Zürich
Der tägliche Kuss der Muse lässt meine Kreativität spriessen. Werde ich mal nicht geküsst, so versuche ich mich mittels Träumen neu zu inspirieren. Denn wer träumt, verschläft nie sein Leben.

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