Lächeln kommt nicht bei jedem gut an
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Lächeln kommt nicht bei jedem gut an

Spektrum der Wissenschaft
Heidelberg, am 15.03.2021
Was einen Menschen sympathisch macht, liegt unter anderem im Auge des Betrachters. Manche finden ein aufgesetztes Lächeln besonders unangenehm.

Die meisten Menschen lächeln auf Fotos, um nett und sympathisch zu wirken. Aber tun sie das auch wirklich? Nicht unbedingt, sagen Jan-Erik Lönnqvist und seine Kollegen von der Universität Helsinki. Wie sie in der Zeitschrift «Journal of Research in Personality» berichten, kommt es auf das Lächeln an – und auf die Persönlichkeit des Betrachters.

Die finnischen Sozialforscher legten 385 Versuchspersonen jeweils eine Auswahl von Porträtfotos von 146 Menschen vor und baten um eine Einschätzung: Wie sehr würden sie diese Leute mögen? Mehr als 5000 Urteile kamen so zusammen – und offenbarten ganz unterschiedliche Vorlieben und Abneigungen. Denn es kam nicht nur auf die abgebildete Person an, sondern auch auf Merkmale der Betrachter, die «Big Five» der Persönlichkeit: Extraversion, Offenheit für neue Erfahrungen, Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit und Neurotizismus.

Offene Menschen urteilten weniger nach Attraktivität

Wie erwartet hingen die Sympathiebekundungen zum einen vom Aussehen der Abgebildeten ab. Lachende und entspannt dreinblickende Leute kamen am besten an, und vorteilhaft war auch, gesund, lebhaft, attraktiv, modisch, warm und feminin auszusehen. Zum anderen äusserten sich manche Versuchspersonen generell wohlwollender, darunter verträgliche und extravertierte Charaktere. Die Persönlichkeit bestimmte überdies mit, wen sie sympathisch fanden. Extravertierte legten auf ein attraktives, gesundes und traditionelles Erscheinungsbild mehr Wert als Introvertierte. Offene Menschen urteilten weniger nach Attraktivität, und sie äusserten sich zudem positiver über Leute mit einem auffälligen, unkonventionellen Aussehen. Die Studienautoren vermuten, dass die Versuchspersonen die Menschen auf den Fotos eher mochten, wenn sie ihnen ähnlich erschienen.

Die Persönlichkeit der Betrachter beeinflusste ausserdem, wie sie auf lächelnde Gesichter reagierten. Ein aufgesetztes höfliches Lächeln wurde generell weniger positiv beurteilt als ein authentisches Lächeln oder ein neutraler Gesichtsausdruck. Besonders negativ wirkte das höfliche Lächeln aber auf sehr neurotische und gewissenhafte Persönlichkeiten. Beim echten Lächeln bilden sich um die Augen Lachfältchen. Lachen die Augen nicht mit, erscheint das Lächeln höflich und aufgesetzt.

Diese Unterscheidung hatte einst der Emotionspsychologe und Lügenforscher Paul Ekman vorgenommen. Seine und viele weitere Studien zeigten, dass ein echtes Lächeln um die Augen attraktiver und vertrauenswürdiger wirkt, während das Lächeln ohne Augenfältchen im besten Fall höflich, im schlimmsten Fall «falsch» erscheint und an verborgene Gefühle oder Absichten denken lässt. Die Bedeutung der Lachfältchen ist allerdings umstritten, weil sie mehr mit der Intensität des Lächelns als mit wahren Gefühlen zu tun haben könnten.

Sollte man auf Fotos also lieber nicht lächeln? Das Fazit der Autoren: doch, aber nur, wenn man ein echtes Lächeln zu Stande bringt. Wirkt es aufgesetzt, reagieren emotional instabile und gewissenhafte Menschen eher negativ – die einen, weil sie die Ambivalenz bedrohlich finden, die anderen, weil sie Wert auf Ernsthaftigkeit legen. Verallgemeinern wollen die Forscher ihre Befunde allerdings nicht. Zum einen sind die Effekte der Persönlichkeit sehr klein; in der Summe erklären sie nur rund zehn Prozent der Unterschiede in den Urteilen. Zum anderen lächle man in Finnland, wo die Studie stattfand, seltener als in anderen Kulturen. Dort, wo Lächeln die Norm darstelle, sei ein höfliches Lächeln womöglich besser als gar keines.

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