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Kinderwunsch? Tipps eines Gynäkologen

Die Fruchtbarkeit nimmt mit zunehmendem Alter ab. Dennoch ist jede dritte werdende Mutter über 35 Jahre alt. Mit knapp 35 Jahren Erfahrung weiss der Gynäkologe Dr. med. Hanspeter Vogt, auf was es ankommt, wenn eine Frau schwanger werden will.

In etlichen Gesprächen mit kinderlosen Frauen habe ich gemerkt, dass sie kaum etwas über das Schwangerwerden wissen. «Ich lese mich ein, wenn es soweit ist», heisst es von einer Freundin. Eine andere ist überrascht, dass sie Folsäure zu sich nehmen muss, sobald der Kinderwunsch vorhanden ist. Ich selber habe zwei Kinder und weiss mittlerweile, wie der Hase läuft. Vor der Schwangerschaft haben mich meine zwei älteren Schwestern, die auch schon Nachwuchs haben, zu Genüge gebrieft. Dieses Privileg haben nicht alle unter uns, das ist mir bewusst. Ein Grund für mich, den Gynäkologen Dr. med. Hanspeter Vogt über die wichtigsten Fakten des Schwangerwerdens zu befragen.

Hab Vertrauen in die Natur und deinen Körper

Beginnen wir mit der Zeugung eines Babys: Bei manchen Frauen schlägt es beim ersten Versuch ein. Andere üben über Monate oder sogar Jahre hinweg. Wie wird eine Frau am schnellsten schwanger? Auf was muss sie achten?
Dr. med. Hanspeter Vogt, Gynäkologe: 80 Prozent aller Paare mit Kinderwunsch werden innerhalb eines Jahres schwanger. Pro Zyklus liegt die Chance aber nur bei 13 Prozent. Am schnellsten schwanger wird eine Frau, indem sie sich nicht darauf versteift, und Vertrauen in die Natur sowie ihren Körper hat. Achten soll eine Frau darauf, dass sie ab Kinderwunsch genug Folsäure zu sich nimmt (mindestens 400 Mikrogramm pro Tag). Zudem soll sie auf Alkohol, Nikotin, Drogen und Medikamente verzichten. Häufigen Geschlechtsverkehr um den Eisprung herum ist natürlich eine gute Voraussetzung. Die Frauenärztin oder den Frauenarzt zu Rate zu ziehen, kann zudem Missverständnisse aus dem Weg räumen.

Ich habe schon gehört, dass es länger dauern kann, bis es einschlägt, wenn man über 35 Jahre alt ist. Gibt es einen Zusammenhang mit der Dauer und dem Alter?
Ja, die Fruchtbarkeit nimmt mit zunehmenden Alter ab. Bei 18- bis 23-Jährigen ist sie am grössten. Dennoch ist heutzutage jede dritte Frau über 35 Jahre alt, wenn sie Mutter wird. Die Fruchtbarkeit bleibt unter Umständen mindestens bis 46-jährig intakt. Dies ist abhängig von den Eireserven der Eierstöcke. Die ruhenden Eier im Eierstock haben ein Kraftwerk (Mitochondrien), das eine gewisse Lebensdauer hat und sich mit den Jahren erschöpft. Es lohnt sich, die Familienplanung nicht «zu spät» anzugehen.

Ein anderes Thema ist «Social Freezing». Dabei handelt es sich um das Einfrieren von unbefruchteten Eizellen über Jahre hinweg. Dieses Vorgehen ist aber teuer und garantiert keinen Erfolg. Heute ist es weitgehend noch ein Wunschdenken für die Zukunft.

Steigendes Risiko

Viele Frauen haben Angst eine Risikoschwangere zu sein. Ab wann hat eine Frau eine sogenannte Risikoschwangerschaft?
Das steigende Alter erhöht das Risiko für Komplikationen. Insbesondere ab dem 40. Lebensjahr oder dann, wenn Begleitkrankheiten bestehen oder Risikoverhalten eingegangen werden. Mit zunehmendem Alter steigt zusätzlich das Risiko für Fehlgeburten und Missbildungen an.

Nun will der Babywunsch einfach nicht in Erfüllung gehen. Was kann ein Paar machen und ab wann lohnt es sich, den Frauenarzt um Hilfe zu bitten?
Da 80 % aller Paare ohne Verhütungsschutz innerhalb eines Jahres schwanger werden, lohnt es sich, ein Jahr Geduld zu üben. Ab 35 Jahren empfehle ich, nur 6 Monate zu warten. Der Frauenarzt leitet dann die nötigen Abklärungen in die Wege, welche Anhaltspunkte geben, weshalb es nicht funktioniert. Es besteht auch die Möglichkeit, von sich aus ein Kinderwunschzentrum im In- oder Ausland aufzusuchen.

Wenn es mit dem Babywunsch nicht klappt, leitet der Frauenarzt die nötigen Abklärungen in die Wege.

Gesundheit aller Beteiligten

Gibt es allgemein einen bestimmten Zeitpunkt, an welchem eine Frau mit Babywunsch den Frauenarzt kontaktieren sollte? Und welche Tipps geben Sie dem Paar mit auf den Weg?
Jede Frau im fruchtbaren Alter wird bei der gynäkologischen Jahreskontrolle auf den Babywunsch angesprochen und nach ihren Zukunftsplänen betreffend Kinderwunsch gefragt. Es wird dabei auf die wichtige Folsäureeinnahme vor dem Eintreten einer Schwangerschaft hingewiesen. Mit der Einnahme von Folsäure sollte eine Frau mindestens ab Kinderwunsch starten. Sie ist nicht nur für die Mutter gut, sondern senkt Fehlbildungen beim Embryo wie ein offener Rücken, eine Lippen-Gaumen-Spalte, einen Herzfehler oder eine Fehlbildung der Harnwege.

Gesundheit ist das A und O, wenn eine Frau schwanger werden möchte. Empfehlen Sie im Vorfeld einen Check-up machen zu lassen?
Ein Check-up ist bei den meisten Frauen nicht nötig. Die Frauen sind im Allgemeinen jung und gesund. Es wird jedoch nach dem Impfstatus gefragt. Am wichtigsten ist die Röteln-Impfung. Eine Erkrankung an Röteln im ersten Schwangerschaftsdrittel kann zu Fehlbildung beim ungeborenen Baby führen. Individuell können bei einem Check-up auch die Eisenspeicher und die Schilddrüsenfunktion ein Thema sein.

Weiterhin ist der regelmässige Besuch beim Zahnarzt wertvoll. Eine Schwangerschaft hat Einfluss auf die Zähne und das Zahnfleisch. So kann zum Beispiel durch die verstärkte Durchblutung das Zahnfleisch vermehrt bluten. Eine gesunde Zahnhygiene (also fehlende Bakterien) hilft ebenfalls eine Frühgeburt zu verhindern. Aus Schutz für das Kind sollte eine Frau sich während der Schwangerschaft nicht röntgen lassen.

Sie haben schon Tausende Frauen in der Schwangerschaft begleitet. Gibt es Fehler, die eine Frau machen kann, wenn Sie ein Baby möchte?
Eine Frau mit Kinderwunsch kann eigentlich keine Fehler machen, ausser wenn sie mit dem Kinderwunsch zu lange wartet und plötzlich die Fruchtbarkeit zu Ende ist. Wichtig ist, dass sie von dem Mann schwanger wird, den sie sich als Vater ihrer Kinder vorstellen kann!

Apropos Mann: Ein Gerücht besagt, dass Männer sich auch auf die Schwangerschaft vorbereiten sollten. Das heisst, ein paar Monate vor der «Babyproduktion» nicht rauchen, keinen Alkohol trinken und sich gesund ernähren. Stimmt das und warum?
Ein gesunder Lebenswandel ist unabhängig vom Vaterwerden gut und nicht nur in Hinblick auf eine Schwangerschaft. Vater ist man sowieso erst mit der Geburt des Kindes.

Dr. med. Hanspeter Vogt prüft via Ultraschall die Gesundheit und das Geschlecht des ungeborenen Babys.

Ich will unbedingt ein Mädchen

Neben diesem Gerücht, gibt es auch die Sage, dass wir das Geschlecht des Babys bei der Zeugung beeinflussen können. Geht das und falls ja, wie?
Eigentlich geht es nicht. Bei jeder Schwangerschaft besteht eine 50-prozentige Chance, dass das Kind das gewünschte Geschlecht erhält. Bedingt ist die Beeinflussung jedoch möglich. Die männlichen Y-Spermien sind im Vergleich zu den weiblichen X-Spermien leichter, kleiner, kurzlebiger und schneller. Die X-Spermien sind robuster, überleben länger, sind aber langsamer. Wenn also der Geschlechtsverkehr nach einer vorherigen viertägigen Enthaltsamkeit zeitnah zum Eisprung stattfindet, besteht theoretisch die Möglichkeit, dass die Y-Spermien schneller ans Ziel gelangen. Entsprechend sollte es eher einen Jungen geben. Umgekehrt gibt es eher ein Mädchen, wenn der Geschlechtsverkehr nicht genau um den Eisprung herum stattfindet. Aber das ist alles ohne Garantie!

Gelegentlich «helfen» wir einer Patientin mit Kinderwunsch, indem wir das Reifen des Eis mit Ultraschall verfolgen. Sobald das Ei reif ist, wird im richtigen Moment mit einer Spritze der Eisprung ausgelöst. Wir können der Frau durch diesen Vorgang den genauen Zeitpunkt des Eisprungs mitteilen. Sie weiss aufgrund dessen, wann sie Geschlechtsverkehr haben muss, damit es einschlägt. Aber auch das ist ohne Garantie!

Anzeichen einer Schwangerschaft

Jedes Mal nach der vermeintlichen Zeugung heisst es abwarten. Ich habe zwei Mal zu den glücklichen 13 Prozent, die sie oben genannt haben, gehört. Entsprechend lange warten musste ich somit nie. Auch der Kauf von Schwangerschaftstests hielt sich demzufolge in Grenzen. Gibt es bestimmte Anzeichen für eine Schwangerschaft, die eine Frau merken sollte, ohne jedes Mal einen Test durchführen zu müssen?
Wenn eine Frau den Menstruationszyklus genau kennt, darf sie ab Ausbleiben der Periode einen Schwangerschaftstest machen. Vorher macht der Test keinen Sinn. Schon früh nach dem Einnisten des befruchteten Eis können individuelle Schwangerschaftszeichen auftreten. Das können zum Beispiel neue Gelüste oder Abneigung für gewisse Speisen und Düfte sein. Aber auch bisher nicht gekannte Müdigkeit, häufiger Harndrang, Ziehen im Unterbauch, Brustspannen oder Übelkeit sind Anzeichen dafür. Sie treten jedoch nicht bei allen Frauen auf. Die meisten spüren aber bald, dass sie sich in «anderen Umständen» befinden als bisher.

Zur Person

Seit 1985 ist Dr. med. Hanspeter Vogt ein Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe FMH. In seinen ersten Jahren ist er als Oberarzt in der Frauenklinik des Kantonsspital Münsterlingen im Kanton Thurgau tätig. Anschliessend führt er als Chefarzt die Frauenklinik des SRO AG Spital in Langenthal (BE). Auch nach dem Chefarztposten führt er seine Passion weiter. Er eröffnet die Frauenarztkpraxis Talstrasse in Langenthal und ist weiterhin Belegarzt im SRO AG Spital.

Im nächsten Interview mit Herr Dr. med. Hanspeter Vogt erfährst du, wie sich die Umstände und das Verhalten gegenüber der Schwangerschaft in den letzten Jahrzehnten verändert hat. Wenn du meinem Autorenprofil folgst, verpasst du diesen Beitrag auf keinen Fall.

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Myrtha Erni, Zürich

  • Editor
Köchin. Putzfrau. Polizistin. Krankenschwester. Entertainer. Motivator. Autorin. Erzählerin. Beraterin. Organisatorin. Chauffeur. Anwältin. Richterin. .… also einfach gesagt Mami von zwei Töchtern und somit nicht nur (Content) Manager im Beruf, sondern auch im Privatleben.

1 Kommentar

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User hocus pocus anonymus genius

Stimmt nicht ganz war der Dr. erzählt. Schon vor vielen Jahren, konnte man zu 90% das Geschlecht mitbestimmen. Es kostete allerdings ein Haufen Geld, deshalb wurde das Ganze in Europa und Asien eingestellt. Heute machen es vorallem die reichsten der Welt - sie zeugen Erben die ihr Lebenswerk weiterführen... Es wird nichts dem Zufall überlassen. Die Medizintechnologie ist sehr fortgeschritten. Man wird mittlerweile als Elite geboren. Diejenigen die mit 25 Kinder zeugen, sind genau die, die Ihre Kinder in die Kita abschieben... Verrückt, man will Kinder, macht sie auch, hat aber keine Zeit sich um die Babies zu kümmern. Man will sein Lebensstandard nicht ändern... Man hat selbst nicht "gelebt" weil 25 zu früh ist. So entstand das Kita-Geschäftsmodell, das bis heute nicht einwandfrei funktioniert. Subventionen überall, solidarisch haftet jeder durch seine Steuerzahlungen und seine KK-Prämien für die fehlende Logik, Faulheit und den ungesunden Lebensstyl anderer. Und natürlich hat die Gesundheit von Mann und Frau einen Einfluss auf die des Kindes. Es verbessert aber reicht nicht wenn man kurz vor oder während der Schwangerschaft "auf Gesund macht".

13.06.2019