Keyboard Facelifting: Meine neue, alte DIY-Tastatur
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Keyboard Facelifting: Meine neue, alte DIY-Tastatur

Kevin Hofer
Zürich, am 12.04.2021
Nach über zwei Jahren unterziehe ich meine erste DIY-Tastatur einem Facelift. Die Switches sind bereits geschmiert. Jetzt stehen noch weitere Modifikationen an, die ich beim ersten Mal verschwitzt habe.

Ich liebe mein DIY-Keyboard. Das eigenartige Layout mit Zahlenblock und ohne dedizierte Punkt- und Komma-Tasten bei einer 75-Prozent-Tastatur entspricht mir total – ich mag’s schräg. Nach etwas mehr als zwei Jahren hat mich der Bastel-Käfer gepackt und ich will mein gutes Stück erneuern. Meine Cherry MX Blue Clicky Switches habe ich bereits entlötet und die neuen Immoral Panda Switches gelubt. Die Switches mit spür- und hörbarem Feedback sind also weg und die mit taktilem Feedback parat. Als nächstes sind die Stabilisatoren dran.

Darum solltest du deine Switches *luben**
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Darum solltest du deine Switches luben

Weniger Rattern, bitte

Beim letzten Artikel habe ich geschrieben, dass Clicky Switches die grösste Verfehlung bei einer DIY-Tastatur sind. Selbst wenn du dich für Taster mit dem gewissen Klick entscheidest, kannst du jedoch einen noch grösseren Fehler machen: Die Stabilisatoren nicht zu luben. Stabilisatoren – oder kurz Stabs – sind die Dinger, die deine längeren Tasten stabilisieren. Dabei treffen Metallstäbe auf Kunststoffhalterungen und die wiederum aufs PCB deiner Tastatur und den Keycaps. So entsteht einiges an Reibung – mehr noch als bei den Switches selbst. Häufig rattern und scheppern die Dinger deshalb ordentlich.

Aber hör selbst, bei der Logitech G915 ist das kaum auszuhalten:

Früher ist mir das kaum aufgefallen. Seit ich mich mehr mit DIY-Tastaturen auseinandersetze, kann ich es nicht mehr «enthören». Die G915 fasse ich jetzt nicht mehr an. Wie bei den Switches brauche ich fürs Stab Modding einen Pinsel und Schmiermittel. Hinzu kommen dieses Mal ein Seitenschneider und Pflaster. Du hast richtig gelesen: Pflaster. Ich modifiziere nicht nur die Stabs selbst, sondern auch die Befestigungsstelle auf dem PCB. In der Mechanical Keyboard Community ist die Pflaster-Mod in letzter Zeit nicht mehr trendy, weil sich der Tastendruck beim Durchdrücken so etwas weich anfühlt. Ich habe mich dennoch dazu entschlossen, weil meine GMK-Stabilisatoren beim Testen ohne Pflaster immer noch stark schepperten. Etwas Federung finde ich bei taktilen Tastern zudem ganz okay.

Ein ungemoddeter Stabilisator
Ein ungemoddeter Stabilisator

Stabilisatoren bestehen aus drei Komponenten: Dem metallenen Verbindungsstück, einem äusseren Kunststoffteil, das in meinem Fall mit dem PCB verschraubt wird, und einem Kunststoffteil, das sich auf und ab bewegt und worauf die Keycaps platziert werden. Die drei Teile trenne ich zunächst, ich schmiere nur die Innenseiten des äusseren Kunststoffteils und den Draht. Ich langweile dich jetzt nicht mit den Einzelheiten. Gestützt habe ich mich auf folgendes Youtube-Video. Mangels gleichem Schmiermittel wie im Video habe ich jeweils G-Lube verwendet.

Wichtige Schritte sind:

  • Das sogenannte Clipping. Dabei werden die hervorstehenden Füsse des inneren Kunststoffteils mit dem Seitenschneider abgetrennt.
  • Schmieren der Innenseiten des äusseren Kunststoffteils.
  • Schmieren der Drahtenden. Dabei werden alle potenziellen Kontakte mit dem Kunststoffgehäuse gelubt, also auch die Biegung und etwas darüber hinaus.
Die Füsschen gehören weg.
Die Füsschen gehören weg.

Danach schneide ich noch ein Pflaster zurecht, das ich auf der Befestigungsstelle der Stabilisatoren anklebe. Auf diese kommt dann noch etwas Schmiermittel bevor ich die Stabs darüber montiere.

Auf dem Pflaster fehlt noch etwas Lube.
Auf dem Pflaster fehlt noch etwas Lube.

Einen Soundtest findest du weiter unten. Bereits jetzt soviel: Ich konnte durch die Mod zwar etwas vom Rattern ausmerzen, ganz hat es aber leider nicht gereicht, egal mit wie viel oder wenig Schmiere. Dafür bräuchte ich wohl andere Stabs. Meine GMK-Stabilisatoren haben nicht den besten Ruf. Durock v2 sollen zurzeit das Mass der Dinge sein.

Etwas Dämmung, bitte

Ein Aluminium-Hohlraum wie bei meinem KBD75 V1 Aluminium Case erzeugt Hall. Bei Clicky Switches wird dadurch der charakteristische Klick verstärkt. Ich habe mich beim ursprünglichen Build gegen Dämmmaterial entschieden, weil ich’s gerne laut habe. Aber ich hätte auch dort etwas Dämmung einbauen sollen. Mit dem Dämmschaum, den ich mir jetzt gegönnt habe, klingt das Keyboard nämlich satter und klarer als ohne. Diesen platziere ich zwischen Gehäuseunterteil und PCB. Zusätzlich hätte ich noch zwischen Alu-Deckplatte und PCB Dämmmaterial platzieren können. Das mache ich vielleicht bei meinem nächsten Build.

Der Dämmschaum sorgt für volleren und klareren Klang.
Der Dämmschaum sorgt für volleren und klareren Klang.

Etwas Farbe, bitte

Switches nicht luben, Stabilisatoren nicht modden und das Weglassen von Dämmmaterial waren meine grossen Verfehlungen bei meinem ersten Tastatur-Build. Damals hatte ich auch nicht wirklich ein Konzept in Sachen Farbe und Gesamterscheinung. Da ich auch die Keycaps tausche, entschliesse ich mich dazu, das Gehäuse zu sprühen. Bei den Keycaps setze ich auf Retro-Look mit beige, hellblau und orange – oder wie’s Kollege Phil ausrückt: vergilbt. Da nur wenige der Caps orange sind, entschliesse ich mich dazu, das Gehäuse pastellorange zu sprühen.

Noch ein paar Worte zum Sprühen von Keyboard Cases für alle Newbies wie mich. Hast du bereits Erfahrung damit, kannst du mich in der Kommentarspalte gerne ergänzen. Darauf solltest du achten:

  • Schleifen, Primer, Farbe und dann Coat. Sprühen ist ein langwieriger Prozess. Als erstes solltest du dein Werkstück anschleifen, am besten mit einem 400er Schleifpapier. Wichtig ist danach, dass du sorgfältig jeglichen Staub entfernst. Der beste Grundierungsspray bringt nichts, wenn die Oberfläche fettig oder staubig ist. Primer, Farbe und Coat solltest du in mehreren Schichten auftragen. Beim Primer habe ich drei, bei der Farbe vier und beim Coat zwei Schichten gemacht.
  • Spar nicht beim Primer. Ich hab zuerst einen billigen Grundierungsspray verwendet, der unschöne Schlieren erzeugt hat. Ich hab dann doch versucht, die Farbe aufzusprühen, mit dem Resultat, dass ich alles wieder abschleifen musste. Das bringt mich zum dritten Punkt.
  • Lass dir Zeit. Nichts ist beim Sprühen schädlicher als Hektik. Willst du zuviel Farbe auf einmal auftragen, kann das zu Tropfenbildung führen. Auch solltest du Grundierung, Farbe sowie Deckschicht genug Zeit zum trocknen lassen. Wenn mal etwas unschön kommt, schleif besser wieder ab, es kommt nicht besser, wenn du einfach drüber sprühst.

Leider ist auch mein Gehäuse nicht perfekt geworden. Einige Details stören mich immer noch. Vielleicht schraube ich demnächst wieder alles auf und nehme nochmal einen Anlauf.

Ein Tipptest, bitte

Jetzt ohne weitere Umschweife der Tipptest.

Ich finde, es klingt satt und rattert wenig. Der Klang gefällt mir sehr gut und es tippt sich angenehm auf den unmoralischen Pandas. Dabei fühlen sich die Taster tatsächlich taktil an. Der Hubbel fühlt sich lang und rund an.

Der Klang der Leertaste stört mich jedoch. Die Taste ist zu laut und der Ton zu schrill. Hier hilft ein einfacher Trick. Ich besorge mir Tesa-Dichtungsband aus Neopren-Schaumstoff. Chloropren-Kautschuk eignet sich nebst dem Tauchen auch zur Minderung von Schall. Das selbstklebende Dichtungsband passt perfekt in die Leertaste. Da meine Platte bei der Leertaste offen ist, klebe ich auch noch etwas auf das PCB.

Mit Neopren gemoddete Leertaste und Tastatur.
Mit Neopren gemoddete Leertaste und Tastatur.

So gefällt mir der Klang schon viel besser. Er wirkt gedämpft und klarer.

Fazit: Der Eigenbau ist jetzt erst recht unerreicht

Es ist echt schade, dass ich das Rattern der Stabilisatoren nicht ganz weggekriegt habe. Trotzdem klingt und fühlt sich die Tastatur so besser an als alles, was es fixfertig zu kaufen gibt. Jedenfalls nach meiner Erfahrung, und ich durfte mittlerweile einige Tastaturen namhafter und weniger namhafter Hersteller testen. Grösster Pluspunkt bleiben weiterhin die schier unendlichen Personalisierungsmöglichkeiten – auch Firmware technisch mit QMK, wo du deine Tasten frei über x-Layer programmieren kannst. So ist auch mein eigenartiges 75-Prozent-Layout ohne dedizierte Punkt- und Komma-Tasten nach etwas Gewöhnung einwandfrei bedienbar.

War's der ganze Aufwand jetzt wert? Definitiv, meine Tastatur fühlt und hört sich nun viel besser an als zuvor. Für mich bleibt der DIY-Bereich unangetastet. Zumal das Tastatur-Bauen mittlerweile auch ein Hobby ist. Da mache ich mir gerne den Aufwand, macht ja auch Spass. Falls du mehr zu DIY-Tastaturen lesen willst, nimm doch an der Umfrage teil oder schreib deine Kritik in die Kommentarspalte.

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Kevin Hofer
Kevin Hofer
Editor, Zürich
Technologie und Gesellschaft faszinieren mich. Die beiden zu kombinieren und aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten, ist meine Leidenschaft.

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