Luca Fontana
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Kein Happy End vor 2027: Gericht verzögert Paramounts Warner-Übernahme

Luca Fontana
5.8.2026

Eigentlich wollte Paramount den Warner-Deal längst abgeschlossen haben. Jetzt steht fest: Vor März 2027 passiert gar nichts. Zwölf US-Bundesstaaten erzwingen einen Prozess – und Paramount zahlt für jede Verzögerung drauf.

Eben noch schien alles gut zu laufen: Das US-Justizministerium hatte grünes Licht für eine Übernahme Warner Bros.’ durch Paramount gegeben und die EU zog sogar nach – mit Auflagen, unter anderem musste Paramount aus einem Filmvertriebs-Joint-Venture mit Universal in Europa aussteigen.

Der Abschluss der Übernahme schien nur noch eine Frage von Wochen.

Tja.

Zwölf Staaten sagen Nein

Statt Wochen wird’s nun Monate dauern. Am 13. Juli reichte eine Gruppe von zwölf Bundesstaaten unter Führung von Kaliforniens Generalstaatsanwalt Rob Bonta Klage ein. Der Vorwurf: Die Fusion schwäche den Wettbewerb bei Kinofilmen, Blockbustern und Kabel-TV-Lizenzen spürbar und würde laut den Behörden zu höheren Preisen, schlechterer Qualität und weniger Inhalten für Film und Fernsehen führen. Einen Tag später zog die Drehbuchgewerkschaft WGA mit einer eigenen Klage nach. Ihr Argument: Die Fusion schränke den Wettbewerb um Autorinnen und Autoren unrechtmässig ein.

Eine Richterin am Bundesgericht in Oakland, Araceli Martínez-Olguín, reagierte prompt: Sie erliess eine zweiwöchige Verfügung, die den Deal vorerst stoppte. Die Begründung: Ernsthafte Fragen zur Sache blieben offen, die für eine einstweilige Verfügung sprächen. Paramount habe zudem selbst eingeräumt, dass ihm durch die Verzögerung bis Ende September kein Schaden entstehe, so die Richterin weiter.

Der Deal geht auf Eis – freiwillig

Statt zu kämpfen, lenkte Paramount ein: Am 24. Juli einigte man sich mit den Klägerinnen darauf, den Deal bis zu einem Urteil oder bis spätestens 1. Juni 2027 auf Eis zu legen – je nachdem, was zuerst eintrifft. Bis dahin darf Paramount die Geschäfte von Warner Bros. Discovery weder direkt noch indirekt integrieren oder zusammenlegen.

Paramount-Chef David Ellison versuchte in einem internen Memo, die Stimmung zu retten: Ohne die Klagen hätte man den Deal längst über die Bühne gebracht, aber man sei weiterhin überzeugt, dass die Übernahme rechtlich unbedenklich sei. Ein Sprecher der kalifornischen Generalstaatsanwaltschaft liess das nicht gelten und nannte den Fall einen klaren Verstoss gegen Bundeskartellrecht.

Und jetzt: März 2027

Wie lange «auf Eis» dauert, war lange offen. Paramount wollte einen Prozessbeginn bereits im November, die Staaten und die WGA verlangten April 2027, um mehr Zeit für die Beweisaufnahme zu haben. Seit heute Nacht steht das Ergebnis fest: Richterin Martínez-Olguín hat den Prozess auf den 2. bis 19. März 2027 angesetzt, verteilt auf zwölf Verhandlungstage. Ein klarer Punktsieg für die Gegenseite – und ein weiterer Dämpfer für Paramount, das den Deal eigentlich diesen Sommer über die Bühne bringen wollte.

Für Paramount kommt’s jetzt sogar knüppeldick: Zeit ist bei diesem Deal buchstäblich Geld. Ab dem 1. Oktober muss Paramount pro Aktie und Quartal 0,25 Dollar «Ticking Fee» an die Warner-Aktionärinnen und -Aktionäre zahlen, sollte der Deal bis dahin nicht abgeschlossen sein – macht hochgerechnet rund 650 Millionen Dollar pro Quartal. Scheitert die Übernahme am Ende ganz aus regulatorischen Gründen, wird es richtig teuer: Dann schuldet Paramount Warner eine Vertragsstrafe von 7 Milliarden Dollar. Die Vereinbarung selbst läuft im Juni 2027 aus.

Ganz nebenbei: die CNN-Frage

Bemerkenswert ist auch dies: David Ellison soll kürzlich behauptet haben, der eigentliche Streitpunkt hinter den Klagen sei gar nicht das Kartellrecht, sondern seine künftige Kontrolle über CNN – verbunden mit dem Versprechen, er werde sich nicht in die Redaktionen einmischen. Die kalifornische Generalstaatsanwaltschaft weist das zurück und beharrt darauf, es handle sich um einen simplen Kartellfall.

Diese Aussage ist deshalb bemerkenswert, weil sie eine Frage anspricht, die diese Übernahme von Anfang an begleitet: Zu Warner gehört auch CNN, einer der lautstärksten Trump-kritischen Nachrichtensender der USA. Und hinter Paramount steht mit der Ellison-Familie ein Geldgeber, der eng mit der Trump-Administration verbunden ist. Landet CNN also unter diesem Dach, fürchten Kritikerinnen und Kritiker, dass der Sender künftig sanfter mit dem Präsidenten umgehen könnte – ob durch offenen Druck oder einfach durch vorauseilende Zurückhaltung in der Redaktion.

Genau dieser Zusammenhang lässt sich auch als Erklärung dafür lesen, wieso das US-Justizministerium die Übernahme im Sommer ohne einzige Auflage durchgewunken hat, während die EU immerhin einen Teilverkauf verlangte. Eine kartellrechtlich derart unkomplizierte Freigabe für einen 111-Milliarden-Deal, der zwei der grössten verbliebenen Hollywood-Studios verschmilzt, ist … grosszügig. Ob dahinter tatsächlich politisches Wohlwollen steckt oder schlicht eine andere kartellrechtliche Einschätzung als in Europa, lässt sich von aussen nicht beweisen.

Was auch immer der wahre Grund für die Klagen ist: Die Generalstaatsanwaltschaften bewegen sich offiziell ausschliesslich auf kartellrechtlichem Terrain. Doch dass ausgerechnet die Kontrolle über einen der bekanntesten Trump-kritischen Sender der USA Teil des Deals ist, dürfte in dieser politisch aufgeladenen Situation kaum jemand ganz ausblenden können – weder die Klägerinnen noch Paramount selbst.

Titelbild: Luca Fontana

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Ich schreibe über Technik, als wäre sie Kino, und über Filme, als wären sie Realität. Zwischen Bits und Blockbustern suche ich die Geschichten, die Emotionen wecken, nicht nur Klicks. Und ja – manchmal höre ich Filmmusik lauter, als mir guttut.


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