

Katzenklo vs. Luftreiniger: Wer gewinnt?
Üble Katzendüfte lassen sich nicht wegdiskutieren – aber vielleicht neutralisieren? Ich teste es mit einem Haustier-Luftfilter.
Egal welche Streu ich kaufe, welches Katzenfutter ich serviere oder wie dicht die Klappe des selbstreinigenden Klos schliesst – die Ausscheidungen meiner beiden Stubentiger stinken.
Deshalb steht ihr Katzenklo schon lange nicht mehr im Wohnzimmer. Sondern im Abstellraum. Wirklich zufrieden bin ich damit aber nicht. Denn es gibt keine Lüftung und der Raum steht zum Wohnzimmer hin offen. Das stinkt mir.

In letzter Zeit habe ich immer wieder von Luftreinigern gelesen, die Tiergerüche und -haare aus der Luft filtern. Rund 100 bis über 1000 Haare verliert eine Katze täglich. Nicht gerade wenig.
Zig Anfragen von Filter-Herstellern aus unserem Shop erreichten mich – mit der Frage, ob sie mir Produkte für einen Test zuschicken dürfen. «Als ob sie es gerochen hätten», denke ich mir. Und beschliesse, gleich eine Testserie zu starten (mehr dazu am Textende).
Geruchskiller im Dreierpack
Das erste Gerät, das ich per Post erhalte, ist der Petair AP-L2-SP201-B. Mit knapp 130 Franken liegt er im mittleren Preissegment. Im Mittelfeld ist er auch bezüglich Raumabdeckung: Er ist für bis zu 50 Quadratmeter grosse Zimmer gedacht (es gibt auch Modelle für 40 und 80 Quadratmeter). Beim Auspacken wirkt der 66 x 34 x 35 Zentimeter grosse Petair solide verarbeitet, doch etwas altmodisch. Das liegt hauptsächlich am Design der Kunststoffscheibe, hinter der sich aus der Luft gefilterte Haare und Staub ansammeln sollen.

Spannend wird es beim Blick ins Innere. Insgesamt gibt es drei Filter – eine Besonderheit gegenüber üblichen Luftreinigern, die meist nur einen Filter enthalten:
- Der äusserste Filter besteht aus elektrostatischer Baumwolle. Er hält Haare, Staub und andere sichtbare Teilchen zurück.
- Der mittlere Filter ist ein H13-Sterilisationsfilter. Er absorbiert Schuppen, Milben, Bakterien und andere ultrafeine Allergene bis zu 0,3 Mikrometer Grösse.
- Der innerste Filter ist ein Aktivkohlefilter. Er neutralisiert Gerüche wie Ammoniak oder Schwefelwasserstoff, die durch Urin und Fäkalien entstehen.
Mit wenigen Handgriffen entferne ich die Schutzfolie unter der Abdeckung und schliesse sie wieder. Was mir in einer separaten Packung in die Hände fällt, lässt mich stutzen: Spielbälle und Katzenminze. Für einen Luftfilter? Das ist doch kein Spielzeug? Anscheinend doch. «Stimuliert Bewegung, Neugier und Jagdinstinkt», heisst es in der Gebrauchsanleitung. Ausserdem soll die Abdeckung als Katzenmassagebrett dienen. Stirnrunzelnd starte ich das Gerät.

Der Härtetest im Abstellraum
Es beginnt zu brummen und blau zu leuchten: Die Luftqualität ist ausgezeichnet, signalisiert die LED. Der PM2.5-Wert liegt bei 5 – das bedeutet, dass sich nur sehr wenige Staubteilchen mit einer Grösse von höchstens 2,5 Mikrometern in der Luft befinden. Gerade diese besonders kleinen Feinstaubpartikel könnten andernfalls tief in die Lunge eindringen und dort auf Dauer Krankheiten begünstigen.
Ich messe vor dem Gerät stehend eine Lautstärke von rund 48 Dezibel. Das ist nicht laut, aber «flüsterleise», wie auf der Webseite beschrieben, auch nicht. Im Zimmer nebenan nehme ich den Filter bei offener Tür wahr. Im selben Zimmer fände ich ihn als geräuschempfindliche Person sogar leicht störend.
Praktisch ist hingegen die Bedienung über die LED-Anzeige und die App «Tuya – Smart Life». Damit definiere ich eine Laufzeit (bis sechs Stunden), eine individuelle Startzeit via Timer und die Stufe (Automodus, Schlafmodus, Schnellmodus). Ausserdem sehe ich die aktuelle Luftqualität und kann das Gerät via WLAN von unterwegs steuern.


Plötzlich höre ich es scharren. «O-oh, jetzt geht die Bombe hoch», denke ich. Joy verrichtet ihr Geschäft. Als ich mich dem Abstellraum nähere, erreichen die ersten Geruchspartikel meine Nase. Der Filter färbt sich rot und fährt eine Stufe hoch. Im Schnellmodus steigt die Lautstärke vor dem Gerät auf rund 65 Dezibel. Ziemlich laut.
Doch ich bin erstaunt: Der atem(be)raubende Gestank bleibt aus. Der Aktivkohlefilter funktioniert, wie er soll. Und auch die ängstliche Joy erschrickt nicht. Nach ein paar Sekunden läuft der Filter wieder im Automodus. Zufrieden verlasse ich den Abstellraum.
Doch auch ein Spielzeug?
Kaum sitze ich wieder auf meinem Bürostuhl nebenan, raschelt es. Ich kann das Geräusch nicht zuordnen. Irgendetwas scheint herumzurollen. Dann fällt der Groschen: die Spielbälle im Filter. Als ich in den Abstellraum schaue, jagt Joy wie wild den Bällen nach. Auch Jasper steckt eine Pfote rein. Wie lange das wohl anhält?
Das Katzenmassagebrett scheint beide nicht zu interessieren. Warum auch? Die beste Massage bietet immer noch meine streichelnde Hand.

Und wie sieht es mit dem Stromverbrauch aus? Im Standardmodus zieht der Filter 5 Watt. Auf der stärkeren Stufe, die nach einem Toilettengang kurz läuft, 30 Watt. Hochgerechnet sind das etwa 0.12 Kilowattstunden pro Tag. Allerdings läuft der Filter nicht 24 Stunden, sondern nur etwa acht bis zehn. Zum Vergleich: Das ist in etwa so viel, wie ein Laptop während eines Arbeitstags verbraucht. Insgesamt also völlig in Ordnung.
Nicht ganz günstig sind hingegen die Ersatzfilter. Austauschen musst du sie etwa alle sechs bis acht Monate. Daran erinnert dich auch die Anzeige des Geräts.

Fazit
Zusammengefasst kann ich sagen: Der Petair reduziert üble Katzengerüche spürbar. Schon beim Betreten der Wohnung merke ich, ob er gelaufen ist oder nicht. Die ganze Wohnung enthaart und entstaubt er natürlich nicht. Das wäre zu schön! In den Filtern haben sich nach wenigen Wochen jedoch reichlich Staub und Haare aus dem nächsten Umkreis angesammelt.
Messungen mit einem externen Messgerät zeichnen ein ähnliches Bild auf Mikroebene: Tatsächlich entfernt der Filter Feinstaub effizient aus der Luft – auch wenn nach einem Toilettengang kaum etwas vorhanden ist. Von etwa 4 bis 10 µg/m³ sinkt der Wert nach wenigen Minuten auf 1 µg/m³. Schwieriger ist es, die Beseitigung von Gerüchen im Detail zu überprüfen: Werte wie etwa VOC (flüchtige organische Verbindungen) bilden Gerüche nur eingeschränkt ab. Mein subjektiver Eindruck überzeugt jedoch. Ich rieche nach Einsatz des Filters nichts mehr.
Meine anfängliche Skepsis gegenüber der Kombination aus Filter und Spielzeug erweist sich als berechtigt. Nach drei Tagen haben die Bälle ihre Relevanz verloren und Jasper und Joy ignorieren sie. Man könnte sagen: Der Filter ihrer Aufmerksamkeit läuft einwandfrei.
Bald teste ich noch weitere Luftfilter. Wenn du es nicht verpassen willst, dann folge mir.
Fazit
Ein Filter, der tut, was er soll – und nicht müsste
Pro
- stabiler Kunststoff
- gute Filterleistung mit automatischer Stufenschaltung
- intuitive Bedienung und App
Contra
- nicht so «flüsterleise» wie beschrieben
- integrierte Spielzeuge werden schnell ignoriert
Ich liebe alles, was vier Beine oder Wurzeln hat – besonders meine Tierheimkatzen Jasper und Joy sowie meine Sukkulenten-Sammlung. Am liebsten pirsche ich auf Reportagen mit Polizeihunden und Katzencoiffeurinnen umher oder lasse in Gartenbrockis und Japangärten einfühlsame Geschichten gedeihen.
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