Ist ein Ausstosslüfter im PC zwingend nötig?

Ist ein Ausstosslüfter im PC zwingend nötig?

Kevin Hofer
Zürich, am 06.08.2020
Früher waren sie meist die einzigen Lüfter im PC-Gehäuse: die Ausstosslüfter. Heute funktionieren viele Gehäuse standardmässig mit positivem Druck, sie haben mehr Einlass- als Auslasslüfter. Sind die Dinger bei positivem Druck überhaupt noch nötig?

Kollegin Jessi hat kürzlich ihren ersten eigenen PC gebaut. Auf meinen Tipp hin, hat sie keinen Ausstosslüfter verbaut. Das stösst bei einigen Lesern auf Unverständnis:

Interessant das es kein Outtake lüfter hat, warscheindlich ist trotzdem alles kühl trotzdem komisch.
User TitanTigger123
Fertig ist das Prachtstück ??? Nicht ganz, oben und hinten fehlen noch die Lüfter um einen guten Airflow zu gewährleisten !!! So ist das nichts !!! :/
User pdk4u6969

Bringt’s ein Ausstosslüfter in diesem Fall tatsächlich oder wird genug heisse Luft durch positiven Druck abtransportiert?

Testszenario

Das Wichtigste an einem Gehäuse ist der Airflow, wie das auch User pdk4u6969 schreibt. Das heisst: Wie effizient wird frische, kühle Luft ins Gehäuse befördert und wieder raus? Um zu testen, wie gut der Airflow im PC von Jessi ist, verwende ich eine ähnliche Testmethode wie bei meinen Gehäuse-Reviews. Die Komponenten unterziehe ich den beiden Stresstests HeavyLoad (für die CPU) und FurMark (für die GPU) während 20 Minuten. Hier zur Erinnerung die verbauten Komponenten:

Ryzen 9 3900X (AM4, 3.80 GHz, 12 -Core)
502.–
AMD Ryzen 9 3900X (AM4, 3.80 GHz, 12 -Core)
Rog Crosshair VIII Hero WI-FI (AM4, AMD X570, ATX)
432.–
ASUS Rog Crosshair VIII Hero WI-FI (AM4, AMD X570, ATX)
GeForce  RTX 2080 Ti ROG Strix O11G White Gaming (11 GB)
ASUS GeForce RTX 2080 Ti ROG Strix O11G White Gaming (11 GB)
RAM/>
Vengeance Pro (4 x 16GB, DDR4-3200, DIMM 288 pin)
Corsair Vengeance Pro (4 x 16GB, DDR4-3200, DIMM 288 pin)
MP600 (1000 GB, M.2)
155.– 15.50/100GB
Corsair MP600 (1000 GB, M.2)
SSD/>
Force MP510 (960 GB, M.2)
Corsair Force MP510 (960 GB, M.2)
RM850x White *2018* (850 W)
–18%
115.–statt 140.–
Corsair RM850x White *2018* (850 W)
34GK950G-B (34 ", 3440 x 1440 Pixels)
Gebraucht + Geprüft
1102.45
LG 34GK950G-B (34 ", 3440 x 1440 Pixels)
Maus/>
M55 Pro (Kabelgebunden)
59.50
Corsair M55 Pro (Kabelgebunden)
K70 RGB Mk.2 Red (CH, Kabelgebunden)
Corsair K70 RGB Mk.2 Red (CH, Kabelgebunden)

Mit zwei Thermometern messe ich die Temperatur. Mit einem behalte ich die Umgebungstemperatur vor dem PC im Auge und das andere stelle ich ins Gehäuse, mit dem Sensor auf der Höhe der CPU. Zudem überwache ich die Temperatur von CPU, GPU, Mainboard, RAM, SSD und Chipset mit dem Tool HWiNFO64. Als Gehäuselüfter verwende ich zunächst die fünf vorne und stelle sie in iCue auf maximale Leistung. Nach dem ersten Durchgang mit den fünf Lüftern vorne, schliesse ich hinten einen Ausstosslüfter an und führe den Test erneut mit maximaler Lüfterleistung durch.

keine Informationen über dieses Bild verfügbar

Nach jeweils zwei Minuten notiere ich die Temperaturen. Zwischen den beiden Tests schalte ich das System ab und lasse es auf Raumtemperatur abkühlen.

Die Resultate

Die Umgebungstemperatur betrug beim ersten Durchgang zwischen 23.5 und 23.9 Grad Celsius. Beim zweiten Durchgang waren es 23.5 und 24.1 Grad. Die Grafiken mit den weiteren Daten:

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keine Informationen über dieses Bild verfügbar
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In absoluten Zahlen bedeutet das: maximal zwei Grad Celsius Differenz zwischen der von Jessi und mir gewählten Lüfterkombination und der mit einem Ausstosslüfter hinten. Schaust du dir die Verlaufskurve der Temperatur im Gehäuse an, siehst du, dass sie bei der Konfiguration mit Ausstosslüfter früher abflacht. Im Gehäuse ist es so nach zwanzig Minuten vier Prozent kühler.

Auf die Leistung von CPU und GPU wirken sich die maximal zwei Grad nicht aus: CPU und GPU haben während beiden Tests gleich getaktet. Die CPU mit rund 4.1 GHz auf allen Kernen und die GPU mit durchschnittlich 1500 MHz.

Das Resultat der CPU-Temperaturen sticht hervor. Ich hätte damit gerechnet, dass sie bei beiden Konfigurationen gleich sind, weil der Radiator vorne montiert ist. Es kommt immer frische Luft von aussen durch den Radiator. Die Temperatur im Innern des Gehäuses sollte also keinen Einfluss auf die CPU-Temperatur haben. Eventuell wird durch den Lüfter hinten mehr frische Luft durch den Radiator angezogen und dieser dadurch effizienter gekühlt.

Fazit: Ein Ausstosslüfter bringt in diesem Fall wenig

Die Ergebnisse entsprechen etwa dem, was ich im Vorfeld erwartet habe. Durch die fünf Einlasslüfter entsteht genug positiver Druck im Gehäuse, dass die heisse Luft relativ effizient abgeführt wird. Das Corsair-Gehäuse hat genug Lüfterschlitze, durch die heisse Luft entweichen kann. Ein Ausstosslüfter bringt nicht enorm viel und schon gar keinen Leistungszuwachs.

Durch noch mehr Ausstosslüfter oben liesse sich die Temperatur im Gehäuse eventuell noch mehr senken. Auf die Temperaturen von CPU und GPU wird das jedoch nur einen geringen Effekt haben. Die Komponenten laufen mit der von Jessi und mir gewählten Lüfterkombination bereits am vom Hersteller definierten Leistungslimit.

Sind die beiden User also falsch gelegen mit dem Tipp? Nicht ganz. Ausstosslüfter können durchaus Sinn machen. Bei Gehäusen, die nicht mit positivem Druck funktionieren, oder solchen, die sonst nicht genügend Airflow haben, sind sie äusserst sinnvoll. Ebenfalls empfehlenswert sind Ausstosslüfter, wenn du das Letzte aus deinem PC kitzeln willst. Jessi will jedoch weder CPU noch GPU übertakten. Einer oder mehrere Ausstosslüfter bringen leistungstechnisch in ihrem Fall nicht mehr – ausser mehr Lärm und einen höheren Stromverbrauch.

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Editor, Zürich

Technologie und Gesellschaft faszinieren mich. Die beiden zu kombinieren und aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten, ist meine Leidenschaft.

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