In Wohlen spielen wir Tetris während der Arbeitszeit
Hinter den KulissenNachhaltigkeit

In Wohlen spielen wir Tetris während der Arbeitszeit

Peter Weingartner
Hauptlager Wohlen, am 16.12.2020
Bilder: Thomas Kunz
Bis vor kurzem verliessen die Lastwagen der Post unser Warenlager in Wohlen mit 70% Luft. Dank einem simplen Trick drücken wir die Quote inzwischen auf fast 40%. Tetris sei Dank blasen wir jetzt weniger CO2 in die Atmosphäre.

Nein, in Wohlen ist es uns nicht langweilig geworden, ganz im Gegenteil: Tag für Tag verlassen unser Warenlager in der Vorweihnachts-Saison um die 60'000 Pakete. Vor einem Jahr waren wir noch glücklich, als wir mit Ach und Krach 45'000 Päckli an einem Tag schafften. Trotzdem spielen wir während der Arbeitszeit neuerdings Tetris.

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Aber lasst mich von vorne beginnen. Bis vor kurzem gab es in unserem Warenausgang vor allem eins: Rollboxen. Das sind die Metallkäfige, in denen wir unter anderem die Päckli unserer Kundinnen und Kunden lagern, bevor sie die Post abholt. Letztes Jahr im November und Dezember kam es im Warenausgang regelmässig zum Rollboxen-Stau: eine Blech- und Kartonlawine soweit das Auge reicht. Wir wussten: Fürs Weihnachtsgeschäft 2020 mussten wir uns etwas überlegen.

Die rettende Lösung kam von der Post; sie heisst Offenverlad. Dabei verzichten wir im Warenausgang auf die platzverschlingenden Rollboxen und nutzen stattdessen ein sogenanntes Scherenband. Das Förderband mit Rollschuhen und flexiblem Arm bugsiert die Pakete direkt in die Post-Lastwagen. Dort spielen wir dann Tetris: Je besser wir die Kartonschachteln neben- und aufeinander stapeln, desto mehr passen in einen Camion. Aber keine Sorge: Wenn eine Reihe komplett ist, verschwindet diese nicht mit Gameboy-Gepiepse ins Nirgendwo, sondern in Richtung Post-Verteilzentrum. Punkte verdienen wir damit trotzdem, doch mehr dazu unten.

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Tetris-Erfinder Alexei Paschitnow hätte Freude an uns

Hand Aufs Herz: Die vielen Rollboxen im Warenausgang haben genervt. Den Entscheid für den Offenverlad haben wir aber nicht aus dem hohlen Bauch getroffen, sondern nach einer harten Analyse:

• 75% unserer Pakete sind Grosspakete und damit für den Offenverlad geeignet.
• 25% unserer Pakete sind Kleinpakete. Diese müssen wir weiterhin in Rollboxen verladen.
• Wenn wir die Grosspakete in den Lastwagen stapeln, dann füllen wir einen Lastwagen zu 80%. Beim Verlad mit Rollboxen beträgt der Füllgrad schlappe 30%.

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Wenn wir also so viele Pakete wie möglich im Offenverlad transportieren, dann steigt der durchschnittliche Füllgrad der Lastwagen auf 58%. Einfacher ausgedrückt füllen wir per Offenverlad mit 60’000 Paketen noch 28 Lastwagen – und nicht mehr 72. Aber das ist natürlich nur Theorie. So schön wie das in einem Excel File aussehen mag: In der Praxis stellten sich dann plötzlich noch ganz viele Fragen. Eine Auswahl:

• Wie kommen die Pakete am besten in den Lastwagen?
• In welchem Rhythmus muss der Lastwagen gewechselt werden, damit wir nahtlos offenverladen können?
• Kann die Post jederzeit Pakete im Offenverlad annehmen?
• Welche baulichen Massnahmen müssen wir in Wohlen umsetzen?
• Sind unsere Fluchtwege dann noch regelkonform?

Wie ihr seht, haben wir es mit einem komplexen Systemwechsel zu tun. Deshalb verladen wir heute noch nicht die maximal mögliche Anzahl Pakete im Offenverlad. Aber wir arbeiten daran.

Fazit: Mit dem neuen System sammeln wir zwar keine Tetris-Highscores, aber dafür eine Menge Karma-Punkte, indem wir der Umwelt einen Gefallen tun.

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Peter Weingartner
Peter Weingartner

Leader First & Last Mile, Hauptlager Wohlen

Ich sorge dafür, dass unsere Kundinnen und Kunden ihre Pakete rechtzeitig an den richtigen Ort geliefert kriegen. Dafür fahre ich auch mal mit einem bis unters Dach mit Paketen gefüllten Auto selbst durch die Gegend. Das passiert aber selten… Meistens erledige ich meine Arbeit im Büro. Den Ausgleich finde ich draussen beim Sport. Oder drinnen. Hauptsache bewegen.

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