Huaweis 8K-Fernseher mit 5G: Was wohl dahinter steckt

Huaweis 8K-Fernseher mit 5G: Was wohl dahinter steckt

Luca Fontana
Zürich, am 06.05.2019
Insider-Gerüchten zufolge soll Huawei noch dieses Jahr den Einstieg ins TV-Geschäft planen: Mit einem 8K-Fernseher, der 5G-Netzanbindung hat. Was bezweckt der Smartphone-Riese damit? Ein Blick auf Huaweis Pläne.

Huawei plant noch dieses Jahr den Einstieg ins TV-Geschäft. Das zumindest berichten Huawei nahestehende Quellen gegenüber der internationalen Ausgabe der japanischen Tageszeitung Nikkei Asian Review.

Worum geht's? Der chinesische Smartphone-Hersteller soll an der Enwicklung eines 8K-Fernsehers dran sein. Das Besondere: Es hat ein integriertes 5G-Modul, das unter anderem als Router für andere elektronische Geräte dient. Das ist dahingehend speziell, dass Huawei womöglich die Lösung für das grösste Problem von 8K-Auflösung im Heimkino gefunden hat: der in den meisten Haushalten mangelnden Internet-Bandbreite.

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Soll heissen: Selbst, wenn es genug in 8K-Auflösung gefilmtes Material gäbe, bleibt die Frage, wie es im Streaming-Zeitalter von Netflix, Amazon Prime und dem kommenden Disney Plus auf die heimischen Fernseher gelangen soll.

Das könnte sich mit Anbindung ans 5G-Mobilnetz ändern. Spannend an dieser Entwicklung ist, was der 5G-fähige 8K-Fernseher über Huaweis produktübergreifende Strategien verraten könnte.

5G Netz: Die Zukunft des Internets?

Bis jetzt gibt es noch keinen Fernseher mit eingebautem 5G-Modul; Huawei wäre der erste Hersteller, der diesen Schritt wagt und damit allen anderen TV-Herstellern ein Schnippchen schlagen würde. Denn laut Swisscom soll 5G in der Schweiz eine Bandbreite von zunächst bis zu 2 Gigabit pro Sekunde, später sogar bis 10 Gigabit pro Sekunde erlauben. Das sind zwei- bis zehnmal schnellere Up- und Download-Geschwindigkeiten als beim aktuellen Glasfasernetz.

Nicht, dass Glasfasernetz nicht ausreichen würde, um 8K-Inhalte zu streamen. Swisscom selber gibt nämlich an, fast vier Millionen Haushalte mit einer Bandbreite von mindestens 50 Megabits pro Sekunde versorgen zu können. Das würde fürs Streamen von 8K-Inhalten knapp ausreichen.

Nur genutzt wird die eigentlich vorhandene Infrastruktur nicht flächendeckend: Die Schweiz surft laut dem im April 2017 veröffentlichten State-of-the-Internet-Bericht von Akamai, Seite 14, mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von etwa 21,7 Megabits pro Sekunde. Das reicht zwar für UHD-Inhalte aus, nicht aber für 8K-Material. Trotzdem steht die Schweiz im internationalen Geschwindigkeits-Vergleich auf Platz 5.

Top 10 der durchschnittlichen Internet-Geschwindigkeiten anno 2017
Top 10 der durchschnittlichen Internet-Geschwindigkeiten anno 2017
Akamai State-of-the-Internet-Bericht, April 2017

Und global gesehen? Der obige Akamai-Bericht sagt: Auf der Rangliste der durchschnittlichen Surfgeschwindigkeiten stehen die USA mit 18,7 Megabits pro Sekunde auf Platz 10, Deutschland mit 15,3 Megabits pro Sekunde auf Platz 25 und China mit 7,6 Megabits pro Sekunde nur auf Platz 74. Für Film- und Serienproduzenten zu wenig potentielle Zuschauer, um entsprechende 8K-Inhalte teuer zu produzieren.

Das Problem mit Glasfaserkabel: Es muss mühsam verlegt und bis zum Einsatzort gezogen werden. In die Stadt, aufs Land und in die Prärie. Anders beim 5G-Netz: Hier reichen Funkantennen aus, um Internet mit enormer Bandbreite über die Luftschnittstelle zu ermöglichen. Darum gilt 5G als die wegweisende Zukunftstechnologie, in der das sogenannte «Internet of Things» – also das Verbinden von (Haushalts-)Geräten mit dem Internet – neue Geschäftsmodelle ermöglichen soll. Stichwort: Smart Home.

Das scheint auch Huawei erkannt zu haben. Denn mit der Verbreitung des 5G-Standards in den nächsten Jahren dürfte sich die globale durchschnittliche Surfgeschwindigkeit massiv erhöhen. Damit gäbe es mehr Gründe für Netflix, Disney und Co., entsprechende Inhalte zu produzieren. Und wenn sich der Fernseher direkt ins 5G-Netz einbinden lässt, liesse sich wenigstens jenseits der Diskussion, ob sich 8K-Auflösung fürs Heimkino überhaupt lohnt, sicherstellen, dass die Bandbreite kein Hindernis fürs Streamen darstellt.

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Damit hat der chinesische Smartphone-Hersteller wohl die Antwort auf die Frage, wie zukünftig 8K-Inhalte auf den heimischen Fernsehern gestreamt werden sollen: Übers 5G-Netz. Aber warum gibt sich Huawei, mittlerweile nach Samsung der zweitgrösste Handyhersteller der Welt, überhaupt so viel Mühe, ins bisher fremde TV-Geschäft Fuss zu fassen?

Huawei will omnipräsent sein

Weil sich die Schweiz weder an der Entwicklung noch an der Produktion von 5G-Netzwerkkomponenten beteiligt, ist sie auf ausländische Lieferanten angewiesen. Huawei spannt bereits mit Sunrise zusammen. Swisscom hingegen bezieht die 5G-Technologie vom schwedischen Unternehmen Ericsson. Glücklich sind mit diesen Entwicklungen nicht alle.

Sunrise und Huaweis 5G-Turm auf dem Crap Sogn Gion in Graubünden
Sunrise und Huaweis 5G-Turm auf dem Crap Sogn Gion in Graubünden

Kritische Stimmen befürchten, dass Netzwerkausrüster in ihren Komponenten Hintertüren einbauen, mit welcher das Mobilfunknetz infiltriert werden könnte. Im Falle Huaweis soll gar die chinesische Regierung hinter den Backdoors stehen. Natürlich streitet Huawei alles ab und betont seine Unabhängigkeit von der Regierung.

So oder so strebt Huawei eine globale Vormachtstellung in Punkto 5G an, was viele ohnehin schon als Bedrohung sehen. Aber eben nicht nur das: Nebst dem Einstieg ins TV-Geschäft will Huawei bis 2021 zu den fünf grössten PC-Bauer der Welt zu gehören. Der chinesische Hersteller ist bereits seit Ende 2017 im Laptop-Geschäft und befeuert diese mit Intel-Prozessor-Chips. Noch dieses Jahr sollen die Auslieferungen verdreifacht werden. In Huawei-PCs sollen allerdings selber entwickelte Prozessoren kommen.

Huawei strebt eine globale Vormachtstellung in Punkto 5G an
Huawei strebt eine globale Vormachtstellung in Punkto 5G an

Huawei will also sein Ökosystem ausbauen, gerade in Punkto Smart Home. Dafür benötigt der China-Hersteller eine ähnlich starke Markenpräsenz wie Samsung oder Apple. Durch die Expansion in die für die Unterhaltungselektronik so entscheidenden Sparten wie TVs, Laptops oder Notebooks und Computer – zusammen mit dem bereits fortgeschrittenen 5G-Know-How und der ohnehin populären Smartphone-Sparte –, verspricht sich der chinesische Gigant genug Markenpräsenz, um auch diese Hürde zu nehmen.

Denn nur ein geschlossenes Marken-Ökosystem sorgt dafür, dass Käufer eines Huawei-Smartphones sich zweimal überlegen, ob sie ein Haushaltsgerät kaufen sollen, das nicht von Huawei stammt. Die Treue wird quasi erzwungen. Aber das ist mittlerweile Usus; die Chinesen eifern eigentlich nur Samsung und Apple nach. Mit Erfolg? Wir werden sehen.

Was bedeutet das jetzt für die TV-Branche?

    

Obwohl der kommende 8K-5G-TV der erste Fernseher aus dem chinesischen Smartphone-Hause sein wird, ist Huawei keineswegs ein völliger Newcomer in der Branche.

Die Chipsätze etwa werden von Hisilicon Technologies gestellt: Das Tochterunternehmen Huaweis mit Sitz in Shenzhen beliefert bereits heute bekannte Marken wie Hisense und Sharp. Die 5G-Modem-Chips wird Huawei ebenfalls in Eigenregie produzieren. Die 8K-Displays hingegen dürften von Samsung kommen, wie Analysten vermuten. Damit wird Huawei wohl auf die LCD-basierte QLED-Displaytechnologie setzen. Gesicherte Informationen dazu gibt es allerdings noch nicht.

Ob Huaweis erster Fernseher ähnlich aussehen wird wie der oben abgebildete Honor-Smart-TV?
Ob Huaweis erster Fernseher ähnlich aussehen wird wie der oben abgebildete Honor-Smart-TV?

Trotz rosigen Zukunftsaussichten für Fans von 8K-Auflösung wird Huaweis Eindringen in die TV-Branche mittelfristig keine grossen Auswirkungen haben: Zu wenig verbreitet ist die globale 5G-Infrastruktur. Gerade, weil Länder wie die USA, Grossbritanien, Deutschland, Indien und Italien Bedenken bei der Zusammenarbeit mit Huawei und anderen Herstellern äussern. Neuseeland hat etwaige Kollaborationen mit Huawei gar ganz verboten. Zudem ist der chinesische Hersteller auf die Weiterentwicklung von effizienten 8K-Kameras, -Fernsehprozessoren, -Encoder und -Decoder angewiesen. Weil der Markt dafür relativ klein ist, dürfte das noch einige Jahre dauern.

Huawei wird das kaum stören. Der chinesische Riese beweist mit seinen Smartphones seit Jahren, dass er dank seiner schier unendlichen Finanzkraft über einen langen Atem verfügt und Geduld ein Luxus ist, den er sich leisten kann und will: Wenn Huawei mit seinen Fernsehern eine ähnlich aggressive Preisstrategie verfolgt wie mit seinen Smartphones, dürfte der Konkurrenz ein harter Kampf bevorstehen.

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Luca Fontana
Luca Fontana
Editor, Zürich
Abenteuer in der Natur zu erleben und mit Sport an meine Grenzen zu gehen, bis der eigene Puls zum Beat wird — das ist meine Komfortzone. Zum Ausgleich geniesse ich auch die ruhigen Momente mit einem guten Buch über gefährliche Intrigen und finstere Königsmörder. Manchmal schwärme ich für Filmmusik, minutenlang. Hängt wohl mit meiner ausgeprägten Leidenschaft fürs Kino zusammen. Was ich immer schon sagen wollte: «Ich bin Groot.»

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