Horrorfilm-Voting
Welches ist dein Lieblingsgenre?

An Halloween zeigen Netflix und Co. vor allem Slasher-Ware. Dabei kann Horror viel mehr: leise, politisch, philosophisch oder komisch. Ich zeige dir die Vielfalt des Horrors und seine Unterarten. Was gefällt dir am besten?
Halloween. Erst mal Kürbis schnitzen und dann ab auf die «Süsses oder Saures»-Tour mit dem Nachwuchs. Auch in der Schweiz kannst du dich dem kaum mehr entziehen. Was für viele Erwachsene (und Teenager) speziell am 31. Oktober auch dazugehört: der Horrorfilm.
Das ist kein Zufall. Denn einer der Urväter des Slasher-Genres trägt ja den Namen dieses Tages: «Halloween». Seit John Carpenter 1978 den maskierten Michael Myers auf die Jagd durch Haddonfield geschickt hat, holt auch der Algorithmus von Netflix und Co. jeweils im Oktober die bekannten Horrorfilme auf die Startseite. Damit füttern die Streamingdienste aber nur die altbekannten Vorurteile und blenden die cineastische Vielfalt, die dieses Genre bietet, völlig aus.
Die Slasher-Franchises haben den Horror in den Mainstream gebracht, keine Frage. Aber wer heute von «Horrorfilmen» redet, denkt dabei oft an viel künstliches Blut, einen Bösewicht und an dumme Teenager, die trotz allem «nur mal schnell nachsehen, was das für ein Geräusch war».
Deswegen hat das Genre ein hartnäckiges Imageproblem. Viele Leute nehmen es als billigen Nervenkitzel oder als Trash wahr. Das war schon immer ein Trugschluss. Horrorfilme können laut, leise, traurig, politisch, philosophisch, lustig oder auch verstörend sein. Die Bandbreite ist enorm.
Spätestens seit Ryan Cooglers «Sinners» (mit seinen vier Oscars und historischen 16 Nominierungen) und beeindruckenden Box-Office-Zahlen ist es höchste Zeit, sich mit der Vielfalt dieses Genres zu beschäftigen. Wenn man es nämlich in seine Spielarten zerlegt, kommt man (je nach subjektiver Zählweise) auf 13 Subgenres.
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Der klassische Plot eines Geisterfilms geht so: Eine Familie zieht in ihr neues Zuhause, doch dieses ist nicht so unbewohnt, wie sie glauben. Erst nach und nach finden die neuen Bewohner und Bewohnerinnen heraus, was in diesen Räumen früher passiert ist.
Zu sehen gibt es lange wenig – eine Tür steht offen, die eben noch zu war, nachts knarrt es im Flur. Der Schrecken entsteht beim Warten auf den Moment, in dem sich der Geist endlich zeigt. Dazu kommt das schreckliche Gefühl, dass man ausgerechnet im eigenen Zuhause nicht mehr sicher ist.
Die Wurzeln dieses Subgenres liegen in der Schauerliteratur des 19. Jahrhunderts, als man sich zur Weihnachtszeit Gespenstergeschichten vorlas. Im Kino gilt bis heute etwa «The Innocents» von 1961 als Klassiker. Obwohl der Film fast nie etwas Explizites zeigt, gilt er als besonders unheimlich. In neuerer Zeit setzten Filme wie «Poltergeist», «The Sixth Sense» oder «The Conjuring» neue Massstäbe.
In diesem Subgenre hat das Böse oft einen Namen und wird von einer Gruppe verehrt. Manchmal ergreift auch ein Dämon Besitz von einem Menschen. Oder ein ganzes Dorf hütet und pflegt ein okkultes Ritual. Der Hauptprotagonist gerät hinein und verliert die Kontrolle über seinen Körper oder über das, was ihm widerfährt. Dabei merkt er meist viel zu spät, dass etwa die freundlichen Nachbarn Bescheid wissen und nicht so harmlos sind wie gedacht.
Beim okkulten Horror geht es oft um Glauben oder Überzeugungen, wodurch Gut und Böse verschwimmen. Und häufig haben natürlich Dämonen ihre Finger im Spiel. Während der schwedisch-dänische Stummfilm «Häxan» von 1922 ein Vorreiter des Subgenres war, kennt man heute vor allem «The Exorcist», «Rosemary’s Baby» oder «The Omen». In den letzten zehn Jahren erlebte der okkulte Horror wieder einen Boom, etwa durch «Midsommar» oder «Hereditary».
Ein nachdenklicher, fast philosophischer Zweig des Horrors ist der kosmische Horror. Hier stossen Menschen auf Mächte, die so alt, gross und fremd sind, dass der menschliche Verstand sie nicht fassen kann.
Einen eigentlichen Bösewicht gibt es nicht. Die Protagonisten begreifen aber nach und nach, wie klein und unwichtig der einzelne Mensch im Universum ist und ihr Verstand zerbricht an diesem Wissen. Statt Blut und Tod zeigen die Filme rätselhafte Landschaften oder Wesen, die aber immer nur angedeutet werden. Was hinter allem steckt, wird im Film nie klar. Das macht ihn umso unheimlicher.
Der Ursprung dieses Subgenres ist schwierig festzumachen. Als einer der Pioniere gilt zweifellos der Autor H.P. Lovecraft mit seinen Geschichten über alte Götter und verbotene Schriften. Als ernstzunehmende Filme in diesem Bereich gelten etwa «Prince of Darkness» oder «In the Mouth of Madness». Neuere Filme gibt es im Arthouse-Bereich, etwa «Annihilation» oder «Color Out of Space».
Klassiker. Hier jagt etwas Nicht-Menschliches den Menschen: ein Hai, ein Vampir, ein Werwolf. Die Kreatur ist ihren Opfern überlegen und meist der eigentliche Hauptprotagonist. Die Angst hinter den Filmen ist uralt – die Angst, gefressen zu werden. So entstand «Godzilla», der eigentlich die Atombomben von Hiroshima und Nagasaki verkörpert. Oder «Jaws».
Seinen Anfang nahm das Untergenre schon in den 1920er-Jahren mit «Nosferatu». Als erste grosse Zeit des Monsterfilms gelten die 1930er-Jahre, in denen Universals Evergreens wie «Dracula» oder «Frankenstein» entstanden. Später kamen eben jener «Jaws» und das «Alien»-Franchise.
Ein weiterer Klassiker. Im Zombiefilm stehen die Toten wieder auf und wollen die Lebenden fressen – vor allem ihre Gehirne. Weil jeder Gebissene selbst zum Zombie wird, werden es schnell sehr viele und die Ordnung bricht zusammen. Obwohl ein einzelner Zombie langsam und leicht zu besiegen ist, wird es mit zunehmender Menge schwierig.
Besonders bitter (und auch deshalb besonders häufig) ist die Zwickmühle, wenn nahe Angehörige bereits infiziert sind und der Protagonist entscheiden muss, wie er oder sie damit umgeht. Häufiger Nebenplot sind die Überlebenden, die sich um Vorräte und um Macht streiten. Deshalb eignet sich das Subgenre so gut für (mehr oder weniger versteckte) Gesellschaftskritik.
Die Figur des Zombies stammt ursprünglich aus dem haitianischen Voodoo – dort meist als willenloser Diener. Der Untote, den man heute im Kino kennt, stammt ursprünglich von George A. Romeros «Night of the Living Dead», obwohl das kein klassischer Zombiefilm ist. Später kamen Filme wie «28 Days Later» und die Serie «The Walking Dead».
Ein maskierter Killer, eine Stichwaffe und eine Gruppe Teenager – fertig ist der Slasher. Eine Person nach der anderen stirbt, bis am Ende das «Final Girl» übrig bleibt und den Killer zur Strecke bringt.
Der Horror entsteht dabei aus spannungsgeladenen Verfolgungsjagden und der Frage, wer als Nächstes dran glauben muss. Ganz wichtig dabei: der berühmte Jumpscare. Spiegelschrank auf, etwas herausnehmen, Spiegelschrank zu, hinter dir steht Ghostface/Jason/Michael Myers, you name it. AAAAAAHHHH, ich renn jetzt nach oben ins Zimmer, die dünne Pressspantür wird ihn schon aufhalten. Und wie viele Schüsse und Messerstiche überlebt der Typ eigentlich? Nicht zu vergessen: Kein Sex, keine Drogen und sag niemals «Ich bin gleich zurück», denn dann bist du garantiert nicht gleich zurück.
Auch wenn etwa «Black Christmas» oder «The Texas Chainsaw Massacre» vorher kamen, feierte der Slasher mit John Carpenters «Halloween» 1978 seinen endgültigen Durchbruch. Daran orientierten sich viele der später folgenden Filme, die alle zu Franchises wurden: «Friday the 13th» mit Jason Voorhees, «A Nightmare on Elm Street» mit Freddy Krueger, «Scream» mit dem Ghostface Killer und so weiter.
In diesem Subgenre verlassen häufig Städter die Zivilisation und landen in einer Gegend, die nach ihren eigenen Gesetzen lebt. Etwa eine Gruppe junger Leute, die ein Wochenende in den Wäldern verbringen will. Die Zivilisation ist Stunden entfernt und die Einheimischen wollen die Fremden nicht mehr gehen lassen. Ein ersichtliches Motiv gibt es dabei meist nicht – auch übernatürliche Elemente sucht man vergebens. Die Opfer müssen sich dann alleine gegen die unheimlichen Dörfler wehren.
Dieses Subgenre klischiert das Misstrauen von Städtern gegenüber dem Hinterland und deren Bewohnenden. Ein Pionierfilm in diesem Genre ist «Deliverance», in dem vier Männer auf einer Kanutour von «Hinterwäldlern» umgebracht werden. Später kam beispielsweise «The Hills Have Eyes».
Bei diesem Subgenre geht es in der Regel um den Körper des Protagonisten. Er mutiert oder zerfällt durch eine Krankheit oder ein missglücktes Experiment eines Wissenschaftlers mit einem Gottkomplex. Die Horrorelemente bestehen oft aus Ekel. Unheimlich werden diese Filme vor allem dadurch, dass sie uns aufzeigen, wie wenig wir über unseren Körper bestimmen können.
So gibt es auch Filme, die den gesellschaftlichen Druck eines Schönheitsideals thematisieren – oder einfach das Altern. Der Vater des Science-Horrors ist natürlich «Frankenstein». Später kam die erste Verfilmung von «The Fly», welche die Metamorphose vom Mensch zum Insekt zeigt. Jüngere Beispiele sind «The Substance», in dem sich eine Fernsehmoderatorin «jung spritzt», «Relic» oder «Clayface», das gerade im Kino läuft.
Im psychologischen Horror kommt die Bedrohung aus dem eigenen Kopf. Wahn oder ein altes Trauma bringen den Protagonisten an den Rand des Wahnsinns. Das Publikum sieht die Welt durch seine Augen und weiss irgendwann nicht mehr, was nun stimmt und was sich der Protagonist einbildet. Schockeffekte gibt es kaum, stattdessen baut sich eine Beklemmung auf, die selbst nach dem Abspann noch anhält.
Häufig ist auch nicht klar, ob tatsächlich etwas Übernatürliches passiert ist oder nicht. Ein absoluter Klassiker in diesem Segment ist Stanley Kubricks «Shining», später folgte «Black Swan» von Darren Aronofsky. Allerdings hat der psychologische Horror schon viel früher angefangen – mit Roman Polanskis «Repulsion» von 1965. Ebenfalls ein – meiner Meinung nach zu wenig beachteter – Film aus dem Subgenre ist «Room 1408» von 2007 mit John Cusack und Samuel L. Jackson.
Während viele Horrorfilme mit Andeutungen, Geräuschen und Musik eine beklemmende Stimmung herbeiführen, geht dieses Subgenre einen ganz anderen Weg: Explizität. Das Blut fliesst in Strömen, Gedärme quellen aus offenen Bäuchen.
Die Effekte sind oft der Hauptgrund für die Beliebtheit dieses Subgenres. Der Schrecken ist gänzlich körperlich. Alles ist äusserst brutal, schmerzhaft und blutig. Trotzdem gibt es Splatter, die das Ganze ad absurdum führen und sich selbst nicht ernst nehmen – etwa Peter Jacksons «Braindead» oder der norwegische «Dead Snow».
Anders ist das bei Gore oder beim Torture Porn – ein Begriff, der erst 2006 aufkam. Dort steht die Folter im Mittelpunkt und die Opfer sind ihren Peinigern gänzlich ausgeliefert. Diese Unter-unter-Kategorie erlebte nach der Jahrtausendwende eine grosse Erfolgswelle mit Filmen wie «Saw», «Hostel», «Final Destination» oder «The Human Centipede».
Found-Footage-Filme geben vor, aus Aufnahmen zu bestehen, welche die Protagonisten selbst von sich oder ihrer Umgebung gemacht haben. Die Kamera wackelt und oft bricht eine Szene mitten im Satz ab. Dadurch wirkt der Film wie «Footage», also eher wie tatsächlich gefilmtes Material und nicht wie ein Drehbuch.
Man sieht nur den einen Winkel, den die Kamera gerade erfasst, und das Dunkel daneben macht Angst. Die günstige und wenig aufwändige Herstellung erfreute sich rund um die Jahrtausendwende grosser Beliebtheit. «The Blair Witch Project» von 1999 oder «Paranormal Activity» und «[Rec]» von 2007 waren Kassenschlager.
Als Pionierstreifen gilt «Cannibal Holocaust» von 1980. Der italienische Regisseur Ruggero Deodato musste – weil der Film für damalige Verhältnisse so überzeugend war – vor Gericht sogar beweisen, dass die Schauspieler des Films noch lebten.
Sozialkritischer Horror nutzt das Genre, um über gesellschaftliche Themen zu sprechen. Etwa Rassismus oder Trauer. Das Monster steht bildhaft für etwas anderes. Diese Filme lassen sich meist viel Zeit und bauen ihre Spannung langsam auf. Oft spielen sie in Familien oder Beziehungen, in denen etwas nicht stimmt. Schon früh hatte dieses Genre eine politische Seite. «Night of the Living Dead» von 1968 wurde von vielen als Kommentar zum US-amerikanischen Rassismus verstanden, «The Stepford Wives» von 1975 als Kritik am damaligen Frauenbild.
Bekannte jüngere Beispiele für dieses Subgenre sind «Get Out» oder «Sinners».
Die Horrorkomödie will ihr Publikum zum Schreien und zum Lachen bringen. Manche nehmen die Horror-Klischees auf die Schippe, andere erzählen eine Gruselgeschichte mit schwarzem Humor. Der Witz entsteht häufig aus massloser Übertreibung und absichtlich dumm dargestellten Figuren, die ihre eigene missliche Lage nicht verstehen.
Dass beides zusammenpasst, liegt am Timing. Schreck und Pointe funktionieren beide durch das Überraschungsprinzip. Den Ursprung bildet Roman Polanskis «The Fearless Vampire Killers» aus dem Jahr 1967. 1975 kam die «Rocky Horror Picture Show» ins Kino und wurde zum absoluten Kult. In den 1980ern gesellte sich «An American Werewolf in London» dazu – und ab den 2000er-Jahren dann natürlich die «Scary Movie»-Franchise. Honorable Mention: «Zombieland» (2009) mit einem regelrechten Staraufgebot (Woody Harrelson, Emma Stone, Bill Murray, Amber Heard) und «Shaun of the Dead» (2004) mit Simon Pegg und Nick Frost. Danke an User «stoei2faktoi2» für den guten Input.
Das ist meine subjektive, unvollständige, diskutable Kategorisierung der Horror-Subgenres. Welche Art von Horrorfilmen magst du am liebsten? Stimme ab und schreib deine Lieblingsfilme in die Kommentare.
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Seit ich herausgefunden habe, wie man bei der ISDN-Card beide Telefonkanäle für eine grössere Bandbreite aktivieren kann, bastle ich an digitalen Netzwerken herum. Seit ich sprechen kann, an analogen. Wahl-Winterthurer mit rotblauem Herzen.
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