Produkttest

Heizt, kühlt und «massiert» – AutoFull M6 Ultra im Test

Martin Jud
14.1.2026
Bilder: Martin Jud

Der AutoFull M6 Ultra ist ein Gaming‑Stuhl mit Sitzheizung, Kühlung und «Massagefunktion». Klingt nach Gimmicks, sie können aber erstaunlich alltagstauglich sein. Zumindest wenn du weisst, welche Funktionen du willst und welche du besser meidest.

Einen Stuhl, der mich im Sommer anbläst und im Winter wärmt, habe ich noch nie getestet. Der AutoFull M6 Ultra ist ein Gaming‑Stuhl, der so viel Elektronik verbaut hat, dass ich mich beim Auspacken gefragt habe, ob ich dafür ein Firmware‑Update brauche. Spoiler: Zum Glück nicht. Aber ich musste lernen, dass mein Anus direkten Luftzug nicht mag. Und dass eine Sitzheizung im Homeoffice schneller zur Gewohnheit wird, als mir lieb ist.

Ich bediene die Heizung, Kühlung und die als Massage beworbene Vibration mit drei Knöpfen am Sitzrand.
Ich bediene die Heizung, Kühlung und die als Massage beworbene Vibration mit drei Knöpfen am Sitzrand.

Optisch gibt er den klassischen Gaming‑Thron: Kunstleder, zwei goldene Ziernähte auf dem Nackenkissen, breite Schultern. Doch unter der Sitzfläche stecken zwei Lüfter und unter dem Sitz eine Fussstütze. Im Polster arbeiten Graphit‑Heizelemente und in der Lendenstütze sitzen zwei Vibrationsmotoren. Rechts neben der Sitzfläche befinden sich drei Knöpfe, flankiert von Status-LEDs in Blau, Rot und Grün. Strom zieht er über ein USB-A-Kabel. Kurzum: Ein Stuhl, der in je drei Stufen wärmt, kühlt und laut Hersteller auch massiert.

Der Stuhl, der mich anbläst

Die Kühlung spüre ich sofort. Unter der Sitzfläche arbeiten zwei kleine Lüfter. Auf Stufe eins ist das angenehm, besonders im Hochsommer. Auf Stufe zwei und drei wird der Luftstrom so stark, dass er an Körperstellen von mir landet, die keinen Luftzug mögen. Eine neue Erkenntnis für mich.

So sind die Ventilatoren und Heizelemente im Sitz angeordnet.
So sind die Ventilatoren und Heizelemente im Sitz angeordnet.
Quelle: AutoFull

Akustisch bleibt das System unauffällig bis unangenehm. Stufe eins rauscht leise, Stufe drei klingt nach einem kleinen Motor. Gekühlt wird nur die Sitzfläche, nicht die Rückenlehne. Für kurze Einsätze ist das nützlich, für längere Sessions in meinem Fall eher ein Experiment.

Warm bis (zu) heiss von unten

Die Heizung lässt sich nicht gleichzeitig mit der Kühlung nutzen, legt aber fast so schnell los. Nach 20 bis 30 Sekunden wird die Sitzfläche warm, wenn ich mit der Hand fühle. Nach einer Minute spüre ich das durch die Jeans. Auf Stufe drei wird es nach drei Minuten unangenehm heiss, wenn ich damit nicht bei Minusgraden auf dem Balkon bin. Nach geschätzt fünf Minuten erreicht der Stuhl seine Maximaltemperatur von 50 °C – laut Hersteller. Das ist im warmen Büro nur praktisch, wenn ich aus einem Schneesturm nach Hause komme – aber nichts für längere Sitzungen. Männer, die noch Kinder möchten, bleiben besser auf der ersten Stufe.

Heizen und Lüften geht nicht zur gleichen Zeit. Vibrieren kann ich aber immer zusätzlich wählen.
Heizen und Lüften geht nicht zur gleichen Zeit. Vibrieren kann ich aber immer zusätzlich wählen.

Die erste Stufe ist tatsächlich auch über längere Zeit angenehm. Die Sitzfläche wird gefühlt gleichmässig und unaufdringlich gewärmt, obschon in Wahrheit nur unter den Pobacken Heizelemente verbaut sind. Während meiner Erkältung über die Festtage war das Ding ein Segen. Schade, dass die Wärme nicht wie im Auto auch den Rücken oder zumindest die Lende erreicht. Der Stuhl wird über USB‑A mit Strom versorgt. Mit meiner Powerbank Venture 75 (19200 mAh) von Goal Zero läuft die Heizung auf Stufe eins ohne Massagefunktion 10 Stunden und 2 Minuten.

Strom bezieht der Stuhl über ein USB-A-Kabel, das in einer grossen Tasche an der Lehnenrückseite auf meine Powerbank wartet.
Strom bezieht der Stuhl über ein USB-A-Kabel, das in einer grossen Tasche an der Lehnenrückseite auf meine Powerbank wartet.

Die Massage, die eine Vibration ist

Der Hersteller nennt es Massage. Aber in Wahrheit ist es reine Vibration. Die Lendenstütze vibriert, als ob zwei Smartphones drin integriert wären, oder wie eine Katze, die am Rücken schnurrt. Ich wähle aus drei sich wiederholenden Vibrationsmustern. Stufe eins ist mein Favorit: eine Sekunde vibrieren, eine halbe Sekunde Pause. Je nach Laune hat das eine entspannende bis schläfrig machende Wirkung. Stufe zwei macht dasselbe, nur schneller – und mich eher nervös als entspannt. Stufe drei vibriert dreimal kurz und einmal lang.

Die Massage ist eine Vibration, die durch zwei in der Lendenstütze integrierte Motoren angetrieben wird.
Die Massage ist eine Vibration, die durch zwei in der Lendenstütze integrierte Motoren angetrieben wird.
Quelle: AutoFull

Guter Sitzkomfort für Schlanke, Lendenstütze passt, Fussstütze etwas kurz

Die Sitzfläche ist eher schmal geschnitten und damit auf schlankere Personen ausgelegt. Die Polsterung ist mittelhart – für mich genau richtig, weder Sofa noch Brett. Ich kann mehrere Stunden sitzen, ohne dass etwas drückt. Die Atmungsaktivität ist für Kunstleder gut, weil die Oberfläche perforiert ist, aber natürlich kein Vergleich zu einem Mesh‑Stuhl.

Die Lendenstütze lässt sich in der Tiefe per Hebel und in der Höhe per Drehknauf einstellen. Das geht schnell und präzise im Sitzen, auch wenn der Drehknauf etwas Kraftaufwand benötigt. Beim Aufstehen und Hinsetzen geht die Stütze ein bis zwei Zentimeter mit, respektive federt leicht zurück. Das fühlt sich angenehm an. Wichtig ist: Sie ist bequem und bleibt stabil in der Position, in der ich sie eingestellt habe. Wie bei der Sitzfläche ist auch die Stütze weder zu weich noch zu hart.

Die Fussstütze ist zu kurz, um die Füsse mit gestreckten Beinen darauf ruhen zu lassen.
Die Fussstütze ist zu kurz, um die Füsse mit gestreckten Beinen darauf ruhen zu lassen.

Zu Beginn habe ich die unter dem Sitz ruhende, ausziehbare Fussstütze beinahe übersehen. Sie ist mit ihren Metallrohren und Hartplastikelementen für den angedachten Zweck stabil genug, auch wenn sie unten am Stuhl durch Kunststoff geführt wird. Darauf herumturnen würde ich jedoch nicht. Irritierend finde ich, dass das Teil ausgezogen nicht reicht, um mit gestreckten Beinen die Füsse draufzulegen. Dafür fehlen rund 20 Zentimeter. Will ich die Füsse bequem auf dem Polster platzieren, geht das nur mit angewinkelten Beinen.

Saubere Verarbeitung – bis auf die wackelnden Armlehnenauflagen

Der Stuhl ist nach einem halben Jahr Testen weiterhin bestens in Schuss. Die Nähte sind ordentlich und das Kunstleder macht einen guten Eindruck. Hinten gibt es eine grosse Tasche, in die ich meine Powerbank stecke. Praktischerweise hat sie eine extra Kabelöffnung, wodurch das USB-A-Stromkabel des Stuhls gleich am richtigen Ort ist. Die Sitzunterseite, wo das Kabel herkommt, ist mit einer Stoffabdeckung versehen, die per Klett befestigt ist. Den dadurch gebotenen Zugang zur Elektronik brauche ich nicht. Bei einem potenziellen Reparaturfall kommen Servicefachleute dafür leicht an die Innereien.

Die Rollen laufen gut, brauchen aber etwas Kraft. Das verhindert abseits von Teppich ungewolltes Abdriften, macht mich jedoch bei einem Bürostuhlrennen chancenlos. Auch die restliche Mechanik funktioniert wie erwartet. Der Stuhl kann nicht nur in der Höhe optimal justiert werden, auch die Rückenlehne lässt sich weit nach hinten stellen. Besonderheit dabei: Ist die Wippfunktion aktiviert, greift diese erst, wenn ich die Rückenlehne weit genug nach hinten stelle. In Kombination mit der Heizung und Vibration ergibt das eine Art Liege‑Modus, der mich in den Schlaf schaukeln könnte.

Das Nackenkissen kann ich nicht nur in der Höhe verstellen, sondern auch in der Tiefe.
Das Nackenkissen kann ich nicht nur in der Höhe verstellen, sondern auch in der Tiefe.

Das Nackenkissen ist fest mit der Rückenlehne verbunden. Seine höchste Position ist gerade genügend hoch für mich mit 181 Zentimetern. Für grössere Menschen disqualifiziert sich der Stuhl aber auch aufgrund der Rückenlehne, die ohnehin auf Kopfhöhe endet. Der Stuhl ist ein vergleichsweise eher schmächtiger Gaming Chair. Dafür kann das Nackenkissen nicht nur wie gewohnt in der Höhe, sondern auch in der Tiefe verstellt werden.

Der einzige Schwachpunkt, den ich am Stuhl neben der zu kurzen Fussstütze finde, sind die Armlehnen oben. Genauer: Die gummierte Auflage wackelt leicht, wenn ich daran rüttle. Funktional ist sie trotzdem. Die Konstruktion darunter ist stabil genug und sorgt dafür, dass ich die Lehnen in alle möglichen Richtungen verstellen kann.

Fazit

Ein Stuhl für Feature‑Fans

Der AutoFull M6 Ultra ist ein Gaming‑Stuhl, der mehr Elektronik verbaut hat, als man ihm ansieht. Die Kühlung ist ein Gimmick, das an heissen Tagen nützlich sein kann, in meinem Alltag aber kaum eine Rolle spielt. Zumal mein Anus sensibel auf direkten Luftzug reagiert.

Die Heizung dagegen ist gerade im Winter mit Erkältung ein Segen. Wobei die höheren Stufen im normal beheizten Wohnraum zu stark sind. Die Vibrationsfunktion ist ein Feature, das eher an ein Smartphone oder an Katzenschnurren als an die beworbene Massage erinnert. Das Vibrieren ist ein manchmal nützliches Gimmick, das keine Massage ersetzt, aber entspannend wirken kann. Die Lendenstütze ist gut, die Fussstütze brauchbar, aber zu kurz, und die Armlehnenauflagen wackeln leicht.

Der Stuhl ist hot und cool, aber nicht perfekt. Er richtet sich an schlanke Menschen bis rund 180 Zentimeter Körpergrösse, die mehr wollen als eine reine Sitzgelegenheit. Wer keine Heizung, Kühlung oder Vibration braucht, findet schlichtere Modelle, die besser passen.

Pro

  • Sitzheizung
  • Sitzlüftung
  • Vibrationsfunktion in der Lendenstütze
  • bequem und sauber verarbeitet

Contra

  • Fussstütze zu kurz
  • Armlehnenauflage etwas wackelig

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Der tägliche Kuss der Muse lässt meine Kreativität spriessen. Werde ich mal nicht geküsst, so versuche ich mich mittels Träumen neu zu inspirieren. Denn wer träumt, verschläft nie sein Leben.


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