Startaufstellung: Jeder hat seine Weltwunder ausgewählt, 7 Münzen erhalten und die Spielkarten des 1. Zeitalters sind ausgelegt.
Wir sind schon mitten im Spiel und jetzt muss ich mich entscheiden: Kaufe ich eine Karte mit rotem Rand (=militärische Offensive) oder mit grünem Rand (=Fortschritt durch Forschung)? Wichtig: Was ich nicht kaufe, hat Christian zur Verfügung. Ich muss mir also nicht nur überlegen, was ich haben will, sondern auch was ich ihm nicht geben will.
Ich (links im Bild) habe mich für Forschung (grüne Karten) entschieden. Die militärische Offensive des Gegners kam prompt (rote Karten), aber ich reagierte rechtzeitig, so dass die Konflikt-Spielfigur (rot, in der Mitte unten im Bild) nun wieder auf neutraler Position steht.
Nun folgt das 2. Zeitalter: Christian hat bereits genügend Ressourcen, um sein erstes Weltwunder zu errichten.
Aber auch ich mache Fortschritte: Dank den zwei grünen Karten mit gleichem Symbol darf ich eines der runden Fortschritts-Plättchen auswählen. Dieses bringt mir ein weiteres Forschungssymbol. Damit habe ich 4 verschiedene Symbole. Mit 6 gewinne ich die Partie sofort, durch wissenschaftliche Überlegenheit.
Jetzt herrscht Krieg! Innert kürzester Zeit hat Christian mit der Konflikt-Spielfigur 4 Schritte auf mich zu gemacht. Aber es liegen 3 grüne Spielkarten offen da. Die muss ich bekommen!
Durch Errichten seines 3. Weltwunders darf sich Christian auf dem Schlachtfeld gleich noch einmal 2 Schritte auf mich zu bewegen. Noch 2 Schritte, dann ist das Spiel sofort beendet und er hat gewonnen. Ich brauche jetzt unbedingt die offenliegenden Wissenschaftssymbole und vor allem rote Karten, um mich militärisch zur Wehr zu setzen. Schaffe ich das alles rechtzeitig?
Ich konnte gerade noch Schlimmeres verhindern. Dank einer roten Karte durfte ich 3 Schritte mit der Konflikt-Spielfigur in Richtung Spielfeldmitte machen. Zudem habe ich inzwischen 5 verschiedene Forschungssymbole. Jetzt fehlt nur noch eines zum sofortigen Sieg – und es liegt auch schon offen da!
Natürlich schnappt sich Christian genau das Forschungssymbol für sich selbst, das mir zum Sieg noch fehlt.
Zu allem Übel deckt Christian nun eine rote Karte auf. Er macht mit der Konflikt-Spielfigur gleich 3 Schritte auf mich zu. Jetzt muss ich aber unbedingt das letzte passende Forschungssymbol erhalten!
Das Duell ist beendet. Die Konflikt-Spielfigur kam mir gefährlich nah, das reicht zwar nicht zum Sieg durch militärische Überlegenheit, aber 10 Siegpunkte sind Christian dadurch schon mal sicher. Leider habe ich mein letztes Forschungssymbol auch nicht erhalten, so dass nun die Siegpunkte gezählt werden.
Die Auswertung: Christian hat in vielen Bereichen weit mehr Punkte geholt als ich und damit überlegen gewonnen. Meine wichtigste Erkenntnis: Ich habe im ganzen Spiel kein einziges Weltwunder errichtet. In einem Spiel das «7 Wonders» heisst, sollte man den Teil mit den Weltwundern wohl nicht vernachlässigen.
Review

Gesellschaftsspiel im Test: «7 Wonders: Duel»

Irene Portmann
Zürich, am 17.11.2016

Jetzt wird es ernst: In diesem Spieletest duellieren wir uns beim Bau von Weltwundern und beim Führen unserer Zivilisationen.

«7 Wonders: Duel» ist die gelungene Variante für zwei Personen des Kennerspiels des Jahres 2011 «7 Wonders». Ein Duell – Product Management (Christian) gegen Marketing (mich), diese Herausforderung nehme ich gerne an. Nur leider hat sich Christian ein bisschen Vorsprung geholt. Seit er das Muster erhalten hat, spielt er das Brettspiel gefühlt in jeder freien Minute. Süchtig würde man das wohl nennen. Gegen dieses Vorwissen meines Gegners gilt es nun anzukämpfen. Ich kann nur hoffen, dass das Glück auf meiner Seite ist.

Das Spiel

In «7 Wonders Duel» führt jeder Spieler eine Zivilisation und errichtet Gebäude und Weltwunder. Eine Partie umfasst drei Zeitalter, denen jeweils ein Kartenstapel zugeordnet ist. In diesen drei Zeitalter duelliert man sich jeweils nach demselben Schema: Durch Kaufen oder Verwerfen der Karten in der Mitte des Spielfeldes, verdient man entweder Geld, verstärkt seine Armeen (da lag ganz klar der Fokus von Christian), macht wissenschaftliche Entdeckungen (da lag mein Fokus, zwar eher zufällig, aber immerhin) und man entwickelt seine Stadt weiter. Das Besondere in diesem Spiel ist, dass es drei verschiedene Möglichkeiten gibt, um zu gewinnen: Militärische Überlegenheit, wissenschaftliche Überlegenheit und ziviler Sieg. Die Bedingungen für einen militärischen oder wissenschaftlichen Sieg können jederzeit erfüllt werden und beenden das Spiel sofort. Hat bis zum Ende des dritten Zeitalters niemand auf eine dieser Arten gewonnen, siegt der Spieler mit den meisten Siegpunkten. Der Name ist Programm: Im Zentrum des Spiels steht eindeutig Konfrontation. Man muss immer versuchen, die dem Gegner nützlichen Karten wegzuschnappen oder die Preise für Rohstoffe zu erhöhen, um ihm zu schaden. Ein einzigartiges Spiel, das in jeder Partie neue Möglichkeiten eröffnet. Hier geht's direkt zur Spielanleitung.

Facts

  • Spieldauer: 30 Minuten
  • Anzahl Spieler: 2 Spieler
  • Empfohlenes Alter: ab 10 Jahren

Christian sagt:

«7 Wonders Duel ist für mich die Entdeckung schlechthin! Kaum ein Spiel konnte mich so in den Bann ziehen, wie dieses Kartenspiel. Strategisch auf höchstem Niveau und doch muss man keine dicken Bücher durchlesen, um die Regeln zu verstehen. Die Anleitung ist kurz gehalten und nach einmal Testspielen bekommt man schon einige Kniffe heraus. Auch die Spieldauer hält sich in Grenzen, wodurch man gut einige Partien hintereinander spielen und neue taktische Elemente entdecken kann.»

  • Glücksfaktor: ★★☆☆☆
  • Strategiefaktor: ★★★★★
  • Komplexität: ★★★☆☆
  • Wiederspielreiz: ★★★★★
  • Top: Gelungenes Strategiespiel für 2 Spieler mit sehr schönen Illustrationen.
  • Flop: Gar nichts, ich bin begeistert!

Irene sagt:

«In der ersten Spielrunde, besonders ganz am Anfang, versteht man noch nicht wirklich, was man genau macht. Gegen Ende und damit sicher spätestens in den nächsten Spielrunden geht man aber schon viel gezielter und taktischer an das Spiel heran. Die allzeit spannende Grundfrage: Gegen dich oder für mich? Auch wenn das Spiel zum grössten Teil strategisch ist und viele Züge überlegt gemacht werden sollten, spielt etwas Glück immer mit hinein. Genau das macht aus meiner Sicht ein gutes Spiel aus.»

  • Glücksfaktor: ★☆☆☆☆
  • Strategiefaktor: ★★★★☆
  • Komplexität: ★★★☆☆
  • Wiederspielreiz: ★★★★☆
  • Top: Strategisches Spiel mit grossem Wiederspielreiz. Die drei Möglichkeiten zu gewinnen, machen es äusserst spannend.
  • Flop: Es gibt kaum mitgelieferte Variationen. Nach vielen Spielrunden gegen den gleichen Gegner könnte es allenfalls etwas langweilig werden.

Ein paar Worte zum Schluss

Obwohl ich in den letzten Spielzügen meinen Forschungssieg begraben musste, gleichzeitig aber knapp verhindern konnte, dass Christian meine Zivilisation auf grausame Weise militärisch besiegt, habe ich nicht gewonnen. Er holte gefühlt 10mal so viele Siegpunkte wie ich. Ich muss mich in diesem Duell klar geschlagen geben.

Aber wisst ihr was das Gute daran ist? Da ich verloren habe, darf ich bestimmen, welches Spiel wir nächsten Monat testen. Und ihr könnt euch sicher sein, es wird nicht eines sein, von dem Christian schon wieder vorab süchtig wird! Lasst euch überraschen.

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So wurde bewertet

  • Glücksfaktor: 1 Stern = Glück hat kaum Einfluss; 5 Sterne = Spielausgang wird nur von Glück bestimmt
  • Strategiefaktor: 1 Stern = Man muss kaum strategisch denken; 5 Sterne = Nur mit guter Strategie wird man gewinnen
  • Komplexität: 1 Stern = Einfach; 5 Sterne = Anspruchsvoll
  • Wiederspielreiz: 1 Stern = Das muss ich nicht sofort wieder spielen; 5 Sterne = Das macht süchtig

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Irene Portmann
Senior Brand Communications Manager
irene.portmann@digitecgalaxus.ch

Ich liebe das Strategiespiel «Die Siedler von Catan», das Ravensburger Puzzle «Bunte Cupcakes» und das flauschige, pinke Plüscheinhorn auf meinem Pult (Geburtstagsgeschenk meiner Arbeitskollegen). Ich bin nicht nur für Spielwaren zu begeistern, sondern auch für gutes Essen und lustige TV-Serien. 


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