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«Game of Thrones»: Jon Snow, der Drache und der Wolf

Spoilerwarnung für jene, welche die 7. Staffel nicht gesehen haben. Jon Snow ist der vermeintliche Bastard-Sohn Eddard Starks und König des Nordens. Er vereint die Blutlinie der Starks und der Targaryens – und damit Eis und Feuer. Nur weiss er nichts davon.

Drachen. Wesen aus uralten Legenden und längst vergangen. Jon Snow kennt die Geschichten. Einst eroberten sie an der Seite der Valyrer grosse Teile des Kontinents Essos. Nach Valyrias Untergang waren es die Targaryens, die auf ihnen reitend sechs der sieben Königslande Westeros eroberten. Dann der «Tanz der Drachen». Ein poetischer Name für einen blutigen Krieg. Er bedeutete das Ende der majestätischen, aber tödlichen Kreaturen.

«Game of Thrones»: Der <strong>Tanz der Drachen</strong>
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«Game of Thrones»: Der Tanz der Drachen

Mittlerweile weiss Jon: Die Geschichten sind wahr. Alle. Denn die pechschwarzen Schwingen Drogons, dem ersten lebenden Drachen seit über 150 Jahren, werfen Schatten so riesig wie Burgen. Sein Maul ist gross genug, um selbst Ser Gregor Clegane, den reitenden Berg, an einem Stück zu fressen. Die Zähne – sie sind schärfer als valyrischer Stahl.

Und das Biest steht vor ihm. Lauernd. Ihn beobachtend.

Der König des Nordens streckt die Hand aus. Sie berührt die dicken Schuppen Drogons. Es gibt eine weitere Geschichte, die Jon vermutlich nicht kennt. Sie behauptet, dass nur Targaryens Drachen zähmen können: Ihr Blut soll durch Magie mit jenem der Drachen verbunden sein. Vielleicht ist das der Ursprung des Familienmottos der Targaryens: Fire and Blood. Aber Jon ist ein Nordmann. Wird der Drache ihn gleich fressen?

Nichts dergleichen. Drogon schmiegt sich an und seufzt zufrieden.

Der Bastard von Winterfell

Jon Snow wächst auf Winterfell als Bastard-Sohn Eddard Starks auf. Daher geniesst er trotz seinem Status als Bastard viele Annehmlichkeiten der Hochgeborenen: Er lernt das Lesen und Schreiben, trainiert genauso wie seine Stark-Brüder mit dem Schwert und wird mit den Gepflogenheiten der Lords bekannt gemacht.

Wirklich dazugehört hat er trotzdem nie.

Catelyn Stark etwa. Sie ist Eddard Starks Ehefrau. In Jon sieht sie seit dem Tag, an dem Eddard mit dem Baby aus dem Krieg zurückgekehrt ist, den Bastard von Winterfell. Ihre Abscheu geht so weit, dass sie Jon im Säuglingsalter die Pocken wünscht. Erst als er sie tatsächlich bekommt und beinahe stirbt, wird Catelyn bewusst, dass sie einem unschuldigen Kind den Tod gewünscht hat. Sich selbst für eine Mörderin haltend betet sie zu den Göttern und fleht sie um Gnade für Jon an. Im Gegenzug würde sie ihn fortan wie ihr eigenes Kind lieben.

Jon überlebt die Pocken, aber Catelyn bricht ihr Versprechen. Es ist ihre Eifersucht auf eine unbekannte Frau, die sie daran hindert, den Jungen mit den fremden, braunen Augen je lieben zu können. Als Jahre später Eddard geköpft und ihre Kinder getötet oder gefangen genommen werden, hält sie das für die Strafe der Götter für ihr gebrochenes Versprechen.

«All das nur, weil ich ein mutterloses Kind nicht lieben konnte», wird Catelyn sagen.

So ist Jon bereits im Jugendalter klar: Er wird der Night’s Watch beitreten. Dort tragen die Männer das Schwarz und wachen an der Mauer über die Reiche der Menschen. Ein Ort, wo Lords und Bastarde gleichwertig sind und Abstammung oder Herkunft keine Rolle spielen. Denn wer der Night’s Watch beitritt, gibt all seine Titel und Ansprüche auf, um sein Leben der Wache zu widmen. Bis zum Tod, so der Eid, den junge Rekruten ablegen.

Jon Snow legt das Schwarz an

«Du magst nicht meinen Namen tragen. Aber in dir fliesst mein Blut», sagt Eddard Stark zu Jon Snow. Ein Abschied, kurz bevor der Bastard gen Norden zur Mauer aufbricht.

«Lebt meine Mutter noch? Weiss sie, wohin ich gehe, was ich mache. Kümmert es sie?»

Jon weiss kaum etwas über seine Mutter. Sein Vater hat nie über sie gesprochen. Und wenn Jon nach ihr gefragt hat, wechselte er das Thema.

Eddard Starks Augen tränen. «Wenn wir uns das nächste Mal sehen, werden wir über deine Mutter reden. Versprochen», sagt er dann. Eddard hat noch nie ein Versprechen gebrochen. Noch nie. Also nickt Jon.

Ihre Wege trennen sich. Jon wird ihn nie wieder sehen.

Der Bastard, der Lord Commander wird

Auf der Mauer wird Jon zum persönlichen Kämmerer des Jeor Mormont, Lord Commander und Anführer der Night’s Watch. Für Jon eine Zumutung. Kämmerer sind die Dienstmädchen der Wache. Dann wird ihm bewusst, dass Mormont ihn nicht zufällig gewählt hat: Als Kämmerer des Lord Commander kann Jon bei ihm sein, um Diplomatie, Führerschaft und die Geheimnisse der Night’s Watch zu erlernen.

Jon, so der Plan des Jeor Mormont, soll eines Tages selbst Lord Commander werden.

Jeor Mormont auf dem Weg in Richtung Norden, jenseits der Mauer

Dann wird Jeor Mormont bei einer Expedition jenseits der Mauer getötet – von Meuterern. Denn so ehrenvoll, wie Jon sich die Night’s Watch einst ausgemalt hat, ist sie nicht. Mangels Freiwilliger, die ihr Leben der Wache verschreiben, schicken Könige und Lords aus ganz Westeros Kriminelle, Mörder und Vergewaltiger zur Mauer: Dort werden ihre Sünden verziehen, im Gegenzug legen sie das Schwarz an.

Jetzt ist es der Bastard, der eine Expedition anführt. Das Ziel: den gefallenen Lord Kommandanten zu rächen. Nach seiner Rückkehr folgt der Angriff der Wildlinge, ein Volk von nördlich der Mauer und damit ausserhalb der sieben Königslanden lebenden Menschen. Mangels Lord Commander übernimmt Jon das Kommando bei der Verteidigung der Mauer – mit Erfolg. Die Wildlinge werden besiegt, und die Brüder der Night’s Watch wählen Jon zum neuen Lord Commander.

Angriff der Wildlinge
«Game of Thrones» Concept Arts

Selbst jetzt ist Jon nicht frei von Feinden: Er weiss um die Armee der Toten, die sich einen ewigen Winter mit sich bringend von Norden aus der Mauer nähert.

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Weil die Night’s Watch nicht mehr genug Männer hat, um die Mauer zu verteidigen, nimmt Jon die übrig gebliebenen Wildlinge auf – und unterschreibt damit sein eigenes Todesurteil.

Der Lord Commander, der König des Nordens wird

Für die Männer der Wache ist Jons Nachsicht mit den Wildlingen ein Frevel. Viele betrauern noch die bei der Verteidigung der Mauer gefallenen Brüder. Ganz zu schweigen davon, dass die Night’s Watch sich damit brüstet, noch nie Wildlinge durchs Tor gen Süden gelassen zu haben.

Eine Gruppe von Meuterern organisiert einen Hinterhalt. Jon wird getötet.

Es ist Melisandre, eine rote Priesterin aus Asshai, die Jon wieder zum Leben erweckt. Die religiöse Hexerin, die als eine der wenigen in Westeros an R’hllor glaubt, den Herrn des Lichts, sieht in ihm die Wiedergeburt Azor Ahais, den Prinzen, der verheissen und dazu auserkoren wurde, die Finsternis zu besiegen.

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Jon lässt die Meuterer hängen, legt das Schwarz ab und verlässt die Night’s Watch. Schliesslich galt sein Eid der Wache gegenüber nur bis zu seinem Tod. Und gestorben ist er. Endlich kann sich Jon aufmachen, Winterfell zurückzuerobern. Denn nach dem Tod von Eddard Stark und dessen Sohn Robb Stark sind es die Boltons gewesen, die mit den Lannisters paktiert und die Stark-Familie hintergangen haben, um als Belohnung zu den neuen Herren Winterfells und Wächter des Nordens ernannt zu werden.

Jon während der Battle of the Bastards

In einer epischen Schlacht – der Battle of the Bastards – schafft es Jon nicht nur Winterfell zurückzuerobern, sondern auch die Gunst der Häuser des Nordens: Jon Snow, der einstige Bastard von Winterfell, wird zum König des Nordens ausgerufen – zum King in the North.

Der König des Nordens, der das Blut des Drachens ist

Noch kennt der Bastard-Sohn Eddard Starks die Wahrheit um seine wahre Herkunft nicht. Aber sie wird im grossen Krieg, der noch folgt, entscheidend sein.

Vor etwa 20 Jahren kämpft ein junger Eddard Stark an Robert Baratheons Seite in jener Rebellion, die den Untergang der Targaryen-Dynastie in Westeros herbeiführt. Ausgelöst wurde sie, weil Rhaegar Targaryen, der Kronprinz, Lyanna Stark, Schwester Eddards und Verlobte Roberts, entführt und vergewaltigt haben soll. Als Eddard herausfindet, dass Rhaegar sie im Tower of Joy festhält, macht er sich auf, seine Schwester zu retten.

Am Tower of Joy angelangt findet er Lyanna in Wehen liegend vor; die Bettlaken voller Blut und ihre Schreie qualvoll. Sie gebärt ein Kind. Ein Junge. Eddard wird klar: Lyanna ist nie entführt worden. Schon gar nicht vergewaltigt. Sie ist freiwillig mit Rhaegar gegangen, denn die beiden haben sich aufrichtig geliebt und im Geheimen geheiratet. Und: Der Targaryen-Prinz ist der Vater des Jungen. Damit wäre Jon, der als Bastard nie die geringsten Ansprüche auf irgendeiner Art von Lordschaft gehegt hat, der rechtmässige König der sieben Königslande.

Rhaegar und Lyanna bei der geheimen Hochzeit

«Wenn Robert es herausfindet, tötet er ihn», haucht Lyanna mit letzter Kraft. Sie liegt im Sterben. Aber mehr als den Tod fürchtet sie Roberts Zorn, wenn er erfährt, wer der Vater des Jungens sei. «Du musst ihn beschützen. Versprich es mir, Ned. Versprich es mir.»

Lyanna stirbt.

«Ich verspreche es», sagt Eddard.

Eddard Stark gibt das Versprechen, dass er zeitlebens nie brechen wird

Den Jungen, den er mit nach Hause nimmt, nennt er Jon Snow. So heissen die Bastarde des Nordens – Snow. Das Versprechen, das er seiner Schwester gegeben hat, wird er zeitlebens nicht brechen. Eine ehrenwerte Eigenschaft, die er an Jon weitergeben wird.

Jon, der kein Snow ist, sondern ein Targaryen.

Drogon und Jon: Der Drache und der Wolf
Vadim Simanin

Jahre später wird Jon Snow Drogon begegnen, dem grössten lebenden Drachen seit Balerion the Dread. Er wird seine Hand auf ihn legen, in einem Anflug von Mut und Wahnsinn. Er wird sich fürchten, nicht ahnend, dass der Drache genau weiss, wessen Blut in Jons Adern fliesst.

Das Blut der Drachen selbst.

Das war Teil fünf von sechs geplanten Artikeln zu «Game of Thrones». Nächste Woche geht's weiter mit der Frau, die in Aerys Targaryen, dem Irren König, Fussstapfen treten könnte: Cersei Lannister. Wenn's dir gefallen hat und du viele weitere Hintergründe und News rund um die Welt des Kinos und der Fernsehserien nicht verpassen möchtest, dann folge mir mit einem Klick auf den «Autor folgen»-Button.

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Luca Fontana, Zürich

  • Editor
Abenteuer in der Natur zu erleben und mit Sport an meine Grenzen zu gehen, bis der eigene Puls zum Beat wird — das ist meine Komfortzone. Zum Ausgleich geniesse ich auch die ruhigen Momente mit einem guten Buch über gefährliche Intrigen und finstere Königsmörder. Manchmal schwärme ich für Filmmusik, minutenlang. Hängt wohl mit meiner ausgeprägten Leidenschaft fürs Kino zusammen. Was ich immer schon sagen wollte: «Ich bin Groot.»

10 Kommentare

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Es gelten die Community-Bedingungen

User Perstin

[Sorry @Perstin, das geht mir zu tief ins Spoiler-Territorium :-). Gruss, Luca]

13.05.2019
User Perstin

Wow, Luca... Wow D:
Aber verständlich, auch wenn ich es so vorsichtig wie nur irgend möglich formuliert hatte ;)

14.05.2019
User Luca Fontana

Ich weiss :-). Aber wer z.B. Folge 4 gesehen hat und Folge 5 noch vor sich hat, der wird sich schon ausmalen können, was passieren wird :-). Danke fürs Verständnis!

14.05.2019
Antworten
User paraDice

Ohne den Beitrag gelesen zu haben, finde ich es nicht so toll, dass ihr, als Online Shop Beiträge über eine TV Serie schreiben müsst.
Vor allem wenn diese Spoiler beinhalten.
Hätte auch gerne Spass wenn ich die Serie Mal schaue, ohne schon alles zu Wissen, danke für das Verständnis

13.05.2019
User Luca Fontana

Ich hasse nichts mehr als Spoilers. Darum habe ich den Titel bewusst vage und eigentlich nichtssagend gewählt und gleich im ersten Satz des Leads die Spoiler-Warnung gesetzt. Wer unbelastet und ohne jegliche Vorkentnisse die Serie gucken will, braucht den Artikel ja nicht weiterzulesen. Schon gar nicht nach der Spoilerwarnung :-).

Der Artikel selbst richtet sich an jene Leser, die schon weiter als Staffel 7 sind und rückwirkend etwas Auffrischung oder Hintergrundinfos zur Serie möchten.

13.05.2019
User Klark Cent

'''Ohne den Beitrag gelesen zu haben'', alles klar. Wenn man sich dazu entscheidet komisch zu sein und nach zwei Jahren die siebte Staffel immer noch nicht gesehen hat, dann ist man selber schuld.

13.05.2019
User paraDice

Was hat das mit komisch sein zu tun?
Am Montag morgen um 3 Uhr aufzustehen um eine TV Serie zu schauen ist ja ganz normal...
@Luca Fontana Ich wollte nur meine Meinung dazu äussern. Allein ein Thumbnail ist theoretisch ein Spoiler (habe mich in diesem Falle nicht wirklich darauf geachtet und denke Mal Sie haben dies so gut wie möglich berücksichtigt)

13.05.2019
User Porcupino

@ParaDice Man muss nicht um 3 Uhr aufstehen. RTS Un bringt die Serie live. Man kann dann 7 Tage lang zurückspulen (sofern man Replay TV hat). Just FYI.

13.05.2019
User paraDice

@Porcupino mir schon klar, ich habe bewusst übertrieben, weil man, warum auch immer, als komisch bezeichnet wird, wenn man eine Serie halt nicht sofort schaut, Sondern lieber wartet, bis diese gänzlich zu Ende ist. Und nebenbei halt noch gerne zuerst die Bücher lesen würde. Whatever.
Ich bin auch noch am "The Sopranos" schauen, obwohl dies 20 Jahre alt ist, ist das jetzt auch komisch?

13.05.2019
Antworten