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HeimkinoNews & Trends 05

Game Night: Wenn aus Spass Ernst wird – ungesunder Ernst

Abgefahren, irrwitzig und saukomisch: Eine Gruppe von Pärchen erlebt die Nacht der blutenden Hunde, der lebenden Toten und des wahnwitzigsten Planes aller Zeiten: Game Night, it's on!

Warner Bros. hat zum Special Screening von «Game Night» im Arena Cinemas in Zürich geladen, und ich bin dem Ruf gefolgt. Einen «heissen Anwärter auf die Komödie des Jahres» hätten sie da im Köcher. Irgendwo in der Einladung ist sogar von einem «Comedy-Knaller» die Rede. Wer mit so vielen Superlativen um sich wirft, wird schon wissen, was er tut.

Auf den Film folgt – wie passend – ein Spiel für deine eigene Game Night.

Von Häppchen und Prosecco, die uns anwesenden Journalisten wohlig stimmen sollen, lasse ich mich nicht beeindrucken. Stattdessen denke ich nochmals über den Trailer nach, der bei mir einen faden Nachgeschmack hinterlassen hat. Zu sehr erinnert er an Rohrkrepierer Adam Sandler’schen Schule. Vielleicht lag’s auch an der deutscher Synchronisation.

Mit eher tiefen Erwartungen nehme ich in Saal 1 Platz, und lasse den Comedy-Knaller auf mich einknallen. Dann werde ich positiv überrascht.

Die Handlung: Vielversprechend

Der englische Teaser-Trailer zu «Game Night».

Die Spielabende des ehrgeizigen Pärchens Max (Jason Bateman) und Annie (Rachel McAdams) sind legendär. Zusammen mit zwei befreundeten Pärchen treffen sie sich einmal die Woche im ultimativen Schlagabtausch um Geschick, Wissen und Können.

Als Max' Bruder Brooks (Kyle Chandler), ausgestattet mit einem übergrossen Ego, die Spielerfreunde in seine Villa einlädt und als Überraschung ein ganz besonderes Spiel ankündigt, ist die Vorfreude gross: Jemand soll gekidnappt werden, und die Verbliebenen müssen den Entführungsfall aufklären. Angeheuerte FBI-Agenten und Gangster werden die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwimmen lassen.

Plötzlich stürmen bewaffnete Kidnapper das Haus und nehmen den verzweifelten Brooks mit. Die Freunde sind begeistert – schliesslich gehört ja alles zum Programm. Voller Elan nehmen sie die Ermittlungen auf, und ahnen nicht, dass alles, was sie an diesem Abend erleben, genau so wenig inszeniert ist wie die Entführung selbst.

Der Humor: Cleverer, als du denkst

Noch ist alles bloss Spass.

Schon die ersten Filmminuten versprechen eine Komödie, die cleverer und einfallsreicher ist, als der Trailer es vermuten liesse. Kein Wunder, schliesslich sind die Regisseure John Francis Daley und Jonathan Goldstein bekennende Fans von Gesellschaftsspielen. Im Vorspann etwa fallen nicht nur die Logos der Filmstudios Warner Bros. und New Line in Form von Spielsteinen durchs Bild, sondern auch legendäre Elemente wie das Seil aus «Cluedo» oder farbige Ecken aus «Trivial Pursuit».

Inszenatorisch haben sich die Macher ganz schön ausgetobt: Immer wieder werden Shots aus der Vogelperspektive eingestreut, die einen so starken Fokus auf den Vordergrund legen, dass Häuser und Autos wirken, als ob man auf ein riesiges «Monopoly»- oder «Spiel des Lebens»-Spielbrett hinabschauen würde. Und wenn man als Zuschauer mit 360-Grad-Kamerafahrten um die Gruppe herumkurvt, vermittelt das die grandiose Dynamik eines hart umkämpften Spieleabends.

Überhaupt verzichtet der Film auf infantile und unter die Gürtellinie abzielende Gags. Danke dafür. Stattdessen verlässt er sich auf hervorragend aufgestellte Darsteller wie Jason Bateman («Arrested Development», «Zootopia») und Rachel McAdams («Doctor Strange»). Sie harmonieren perfekt und spielen das viel zu ehrgeizige Hauptpäärchen ohne eine einzige Sekunde lang unsympathisch zu werden.

Hands-Down: Viel komödiantisches Talent auf engstem Raum

«... and you drive safe.»
Jason Bateman mit seinem typischen, trockenen Humor.

Tatsächlich haben die Regisseure Daley und Goldstein nicht vergessen, dass eine Komödie nur so gut ist wie seine Charaktere. Gerade Bateman hätte in seiner Karriere mehr Anerkennung für sein ungeheures komödiantisches Talent verdient. Schliesslich ist er es, der dem Film seinen ganz persönlichen Stempel aufdrückt. «Okay, roger that», sagt Bateman in seiner sarkastischen, trockenen Art, als Gangster drohen, jeden abzuknallen, der ihnen zu folgen versucht, «and you drive safe».

Zu Bateman und McAdams gesellt sich eine illustre Riege von Schauspielern und Comedians, die nur eingefleischten Kennern bekannt vorkommen dürfte: Kyle Chandler, zu dessen bekannteren Filme «Super 8» und Peter Jackson’s «King Kong» gehören, spielt den überheblichen, älteren Bruder ohne zu nerven. Und Billy Magnussen, mit kleineren Rollen in «Black Mass» und «The Big Short», gibt den muskulösen Schönling so herrlich vertrottelt, dass man ihn einfach ins Herz schliessen muss.

Den Vogel schiesst aber Jesse Plemons ab.

Jesse Plemons ist – achtung – legendär.

Plemons spielte bereits in der fünften Staffel von «Breaking Bad» mit, und aktuell lehrt er Schauspielerkollegen Billy Magnussen in «Black Mirror» das Fürchten. In «Game Night» ist er Gary, der von der Ehefrau verlassene, unheimliche Cop, der seine Uniform niemals auszieht.

Gary wünscht sich nichts sehnlicher, als Teil der Spielgruppe zu sein. In seiner monotonen Cop-Stimmlage bezichtigt er das Pärchen Max und Annie, ihn bewusst von der lustigen Runde auszuschliessen (womit er Recht hat), und für die Zuschauer ist es ein Hochgenuss, zuzuschauen, wie sich die beiden mit Ausreden – eine unglaubwürdiger als die andere – aus dem Schlamassel herauszureden versuchen.

Zum Schreien komisch.

Das Fazit: Deshalb willst du den Film sehen

Die Regisseure Jonathan Goldstein (links) und John Francis Daley (rechts) sind selbst Fans von Game Nights.

Das Licht geht wieder an, und ich bin überrascht. Überrascht, weil es der Film geschafft hat, knapp hundert Minuten wie im Fluge vergehen zu lassen. Das lag nicht nur an seine durch die Bank weg überzeugenden Schauspielern – allen voran Jason Bateman und dem heimlichen Star des Films Jesse Plemons –, sondern auch an der flotten Inszenierung und dem cleveren Humor.

Dabei ist es aber der dritte Akt, der in Sachen Dramatik zu steil nach oben zielt. Nicht zum ersten mal seit dem sechsten «Fast and Furious»-Teil endete der Versuch, ein startendes Flugzeug zu stoppen, in einem übertriebenen Action-Furioso. Hier wäre weniger ganz klar mehr gewesen. Auch, dass jedes Päärchen die in solchen Filmen übliche «Lektion des Tages» zu lernen hat, ist wenig innovativ.

Die Chardonnay-Szene in «Game Night»: Da tut's schon beim blossen Zuschauen weh.

Sowieso: Es sind die kleinen Momente, die mir in Erinnerung geblieben sind. Die Szene, in der Bateman eine Kugel aus dem Arm gezogen wird, ist deshalb so komisch, weil die völlig ahnungslose und überforderte McAdams im nahegelegenen Supermarkt Gegenstände wie – ich zitiere – «a lovely Chardonnay» zum Desinfizieren besorgt. Oder ein eher kontraproduktives, quietschendes Hundespielzeug um zwischen die Zähne zu klemmen.

Hätte sich das Regie-Duo vermehrt auf diese Art von Humor konzentriert, und den Bezug zu Gesellschaftsspielen im zweiten und dritten Akt konsequenter beibehalten, hätten wir tatsächlich einen «heissen Anwärter auf die Komödie des Jahres» zu sehen bekommen. So bleibt ein Film, der nicht gänzlich ohne Fehl und Tadel ist, dafür aber sein Herz am rechten Flecken hat. Immerhin.

Daher: Go, see it!

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Abenteuer in der Natur zu erleben und mit Sport an meine Grenzen zu gehen, bis der eigene Puls zum Beat wird — das ist meine Komfortzone. Zum Ausgleich geniesse ich auch die ruhigen Momente mit einem guten Buch über gefährliche Intrigen und finstere Königsmörder. Manchmal schwärme ich für Filmmusik, minutenlang. Hängt wohl mit meiner ausgeprägten Leidenschaft fürs Kino zusammen. Was ich immer schon sagen wollte: «Ich bin Groot.»

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