
Produkttest
«Stay Warm» von Dagsmejan im Test: Leichter Stoff, warme Nächte
von Martin Jungfer

Von Dagsmejan, den Pyjama-Experten, gibt es neuerdings auch eine Travel- and Loungewear-Kollektion. Können Jacke und Hose sowohl auf einer Flugreise als auch beim Chillen zuhause überzeugen?
Mit Jogginghosen ist es so eine Sache. Karl Lagerfeld, 2019 verstorbener Mode-Designer, wird ein berühmtes Zitat zu dieser Thematik zugeschrieben:
«Jogginghosen sind das Zeichen einer Niederlage. Man hat die Kontrolle über sein Leben verloren und dann geht man eben in Jogginghosen auf die Straße.»
Das Zitat gibt es auch in kürzerer Form. Wie auch immer, ob der grosse Karl das überhaupt je so gesagt hat, ist nicht belegt.
Danke, dass du noch weiterliest. Der Jogginghosen-Diskurs war nötig. Mir ist wichtig, klarzustellen, dass das Tragen eben jener keine Modesünde darstellt. Meine Frau ist nämlich anderer Meinung. Als ich das Set der Travel- and Loungewear von Dagsmejan zum ersten Mal anhatte, schaute sich mich an wie ein Kind einen Teller Gemüse: skeptisch und neugierig.
Ich konnte ihre Gedanken lesen: «Meint der das ernst?!» Keine Sorge, Frau, antwortete ich. Es ist für einen Test. Dagsmejan ist die Marke, deren Schlafanzüge wir inzwischen ausschliesslich tragen. Also gebe ich auch der neuen Travel- und Loungewear-Kollektion eine Chance.
Ich bekomme ein Set aus Shirt, Hoodie und Hose. Alles keine Schnäppchen, 140 Franken fürs Shirt, 160 für die Hose und rund 200 für die Hoodie-Jacke sind eine Ansage. Dafür bekommst du etwas, was ausschliesslich in Europa hergestellt wird. Der Stoff wird in Portugal gestrickt und gefärbt und besteht aus Eukalyptusfasern und Baumwolle. Genäht wird anschliessend in Rumänien. Die Herstellung ist nach dem strengen Global Organic Textil Standard (GOTS) zertifiziert.

Gedacht und gemacht ist die Kollektion vorranging zum Reisen. Dagsmejan-Gründer und CEO Andreas Lenzhofer hat sich höchstselbst in so einen Reiseanzug geworfen und für ein LinkedIn-Posting am Flughafen Zürich posiert. Ich selbst habe den Flugzeugtest bisher nicht gemacht. Mein Trip in der Holzklasse zum Galaxus-Büro in Hamburg erschien mir ungeeignet. Ich wusste, dass nach Ankunft eine S-Bahn-Fahrt bei schmuddeligem Herbstwetter folgen würde, direkt ins Büro. Da erschien mir ein Auftritt im Traineranzug unpassend. Das Lagerfeld-Zitat hat doch Spuren hinterlassen.
Stattdessen schätze ich die Vorzüge des Hoodies – Dagsmejan nennt ihn «Reisejacke» – im Homeoffice und in der Freizeit. Es sind clevere Details, die dafür sorgen, dass ich sie sehr oft trage. Es gibt zwei dezente seitliche Reisverschlusstaschen, die nicht auftragen. Im linken Arm ist eine weitere kleine Reisverschlusstasche eingenäht, in der ich gerne meine Airpods packe. Da sind sie gut aufgeräumt.

Über allem steht das Material. Günstige Hoodies sind oft aus eher dicker Baumwolle gemacht, manchmal auch mit einem Anteil Polyester. Der Dagsmejan-Hoodie, pardon die Reisejacke, ist anders. Aussen wie innen ist der Stoff seidig-glatt. Ich gleite förmlich hinein, nichts kratzt oder reibt. Dass er sehr fein gewebt ist, verleiht dem Teil eine gewisse Eleganz und Lässigkeit. Die Mütze ist so leicht, dass ich sie kaum auf dem Rücken spüre.

Ich trage die Jacke bei 22 Grad Zimmertemperatur im Homeoffice und behalte sie an, wenn ich zum Einkaufen gehe bei 12 Grad kühler Herbstluft. Hier spielt der Dagsmejan-Stoff seine Stärken voll aus und hält wahlweise kühl oder wärmt. Genauso kenne ich das von den Pyjamas, die sommers wie winters meinen Schlaf optimieren.
Ich bin mir sicher, dass die Travel- und Lounge-Wear die unterschiedlichen Temperaturen einer Flugreise gut ausgleicht – vom Taxi ins Terminal zur Sicherheitskontrolle, zum Boarding durch den Finger und in die Kabine, die immer zu heiss oder zu kalt ist. Ich mache derweil auch auf der Couch beim Netflixen eine gute Figur in der Reisejacke.
Der Schnitt der Jacke ist eher locker, meine in Grösse L hat eine Brustweite von 119 Zentimeter. Meine 82 Kilo Gewicht sind auf 191 Zentimetern Körperlänge verteilt, damit ist die Jacke eher weit. In Grösse M wären mir die Ärmel etwas zu kurz. Das ist mein persönliches Zwischen-Grösse-M-und-L-Problem. Vielleicht hilft dir meine Erfahrung bei der Wahl der passenden Grösse für dich.
Den Schnitt der Hose bezeichnet Dagsmejan als «halbtailliert». Heisst im Klartext für die Grösse L, dass die Hose eine Bundweite von 85 Zentimetern hat. Das wären bei einer Jeans knapp eine 34er-Bundweite. Die Innenbeinlänge beträgt knapp 77 Zentimeter, was 30 Inch entspricht. Mir ist die Hose damit oben zu weit und am langen Bein zu kurz. Hochwasserhosen sollen ja modern sein, besonders mit Wide Leg Look; mein Ding ist’s nicht. Ich habe den Reiseanzug unserer Mode-Redaktorin Stephanie vorgeführt. Sie ist weniger kritisch als ich, versteht deutlich mehr von aktuellen Trends – und hat die Hose approved. Sie könne sich gut vorstellen, dass ich damit auch auf einem Business-Trip eine gute Figur mache. Ich hoffe nur, sie meint es ernst und wollte nicht nur ihrem Chef schmeicheln.

Ich kann mir trotz ihrer erteilten Absolution nicht vorstellen, mit Jacke und Hose, also im kompletten Set, eine Flugreise in der Businessclass anzutreten. Das würde sich für mich dann doch ein wenig wie eine Niederlage anfühlen. Es wäre sicher eine bequeme Option. Aber ich will nicht mit Leuten in einen Topf geworfen werden, die sehr bequeme, dafür sehr stillose Klamotten zum Reisen tragen. So viel Kontrolle über mein Leben habe ich noch.
Die Loungewear-Jacke von Dagsmejan gehört zu meinen liebsten Kleidungsstücken. Für mich ist sie ihr Geld wert, weil sie fast schon unverschämt bequem ist, funktional und auch noch elegant – zumindest im Segment der Hoodie-Jacken. Bei Material und Verarbeitung ist der Unterschied zu «normalen» Hoodies spürbar. Dass Material und Herstellung nachhaltig und fair sind, sorgt für ein gutes Gefühl.
Meine Einschätzung zum Schnitt der Hose fliesst nicht in die Sterne-Bewertung ein. Die 5 Sterne gelten für die Jacke. Mein Tipp: Bestelle dir die Hose, wenn du den Reiseanzug komplett haben willst und finde heraus, welche Grösse dir passt. Zurückschicken ist eine legitime Option.
Pro
Contra
Journalist seit 1997. Stationen in Franken, am Bodensee, in Obwalden und Nidwalden sowie in Zürich. Familienvater seit 2014. Experte für redaktionelle Organisation und Motivation. Thematische Schwerpunkte bei Nachhaltigkeit, Werkzeugen fürs Homeoffice, schönen Sachen im Haushalt, kreativen Spielzeugen und Sportartikeln.
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