Foto-Kurztipp: Warum der Bildstabilisator nicht immer eingeschaltet sein sollte
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Foto-Kurztipp: Warum der Bildstabilisator nicht immer eingeschaltet sein sollte

David Lee
Zürich, am 08.04.2019
Der Bildstabilisator schadet manchmal, und oft nützt er einfach nichts. Hier die Übersicht, wann du den Stabilisator aktivieren musst, darfst oder nicht darfst.

Egal, ob sich der Bildstabilisator in der Kamera oder im Objektiv befindet: Er ist nützlich bei Belichtungszeiten, die zu lange sind, um verwacklungsfreie Bilder zu erzeugen. Der Stabilisator gleicht das Zittern deiner Hand aus, das erst sichtbar wird ab einer gewissen Belichtungszeit. Ab welcher Belichtungszeit das Problem auftritt, hängt vor allem von der Brennweite ab: Weitwinkelaufnahmen verwackeln weit weniger schnell als Teleaufnahmen. Die übrigen Einflüsse sind in diesem Beitrag erklärt.

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Mittlere Belichtungszeiten

Belichtet die Kamera nur kurz, braucht es den Bildstabilisator nicht. Es schadet aber auch nicht, wenn er eingeschaltet ist. Allenfalls ist der Akku ein kleines bisschen schneller leer.

Kurze Belichtungszeiten ergeben sich von selbst, wenn es genügend hell ist. Doch auch bei wenig Licht musst du kurz belichten, wenn du Personen oder andere bewegliche Motive scharf abbilden willst.

Der Bildstabilisator ist nützlich bei mittellangen Belichtungszeiten. Wie lange «mittellang» genau ist, lässt sich nicht absolut sagen. Bei einem 50mm-Objektiv wären das so ungefähr 1/50 Sekunde bis eine halbe Sekunde. Bei längeren Belichtungszeiten werden die Fotos auch mit Stabilisator unscharf.

Stativ und Langzeitbelichtungen

Ich habe schon oft gehört, dass der Bildstabilisator ausgeschaltet sein muss, wenn ich mit einem Stativ oder auf einer festen Unterlage fotografiere. Der Stabilisator verschlechtert angeblich das Resultat.

Davon habe ich allerdings noch nie etwas bemerkt. Für diesen Beitrag habe ich es erneut getestet. Bei meinem Teleobjektiv sehe ich keinen Unterschied mit und ohne Bildstabilisator.

Einmal mit ...
Einmal mit ...
... und einmal ohne Stabilisator. Ich hätte gerne den Unterschied gezeigt, aber es gibt hier keinen.
... und einmal ohne Stabilisator. Ich hätte gerne den Unterschied gezeigt, aber es gibt hier keinen.

Ich habe nie verstanden, warum das so sein sollte. Handelt es sich um einen Mythos? Wahrscheinlich nicht. Das Problem tritt einfach nicht immer auf. Diese Erklärung leuchtet mir ein: Die Bildstabilisatoren sind auf relativ schnelle Bewegungen optimiert. Sie können nicht zuverlässig zwischen völligem Stillstand und sehr langsamen Bewegungen unterscheiden. Im dümmsten Fall versucht der Stabilisator, eine nicht vorhandene langsame Bewegung zu korrigieren und verwackelt so das Bild.

Das Problem tritt nur bei gewissen Stabilisatoren und in Situationen mit mehreren Sekunden Verschlusszeit auf. Da es den Bildstabilisator auf dem Stativ sowieso nicht braucht, schalte ihn trotzdem zur Sicherheit aus.

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David Lee
David Lee
Senior Editor, Zürich
Durch Interesse an IT und Schreiben bin ich schon früh (2000) im Tech-Journalismus gelandet. Mich interessiert, wie man Technik benutzen kann, ohne selbst benutzt zu werden. Meine Freizeit ver(sch)wende ich am liebsten fürs Musikmachen, wo ich mässiges Talent mit übermässiger Begeisterung kompensiere.

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