Du bist nicht mit dem Internet verbunden.
Corporate logo
SportVeloNews & Trends 2350

Fährt das Velo der Zukunft ohne Kette?

Das Rad sprichwörtlich neu erfinden wollen viele. CeramicSpeed macht sich tatsächlich daran, den Velo-Antrieb zu revolutionieren. Keine Kette, keinen Zahnriemen, dafür 21 Kugellager und eine Kardanwelle – das ist neu und verdammt interessant.

Ein Velo ist ein Velo ist ein Velo. Mit einem Rahmen, zwei Rädern und irgendeiner Form von Kette. Ein Prinzip, das sich seit über hundert Jahren bewährt hat und das bislang nicht grundlegend in Frage gestellt wurde. Warum auch? Funktioniert ja prächtig. Natürlich wurde immer weiter experimentiert und optimiert, ovale Kettenblätter oder Zahnriemen verbaut – aber an der Grundidee des Antriebs zu rütteln? Das hielt niemand für nötig. Umso grösser ist das Aufsehen, wenn sich dann doch einer traut, die Sache von Grund auf neu zu denken. Genau das tun die dänischen Kugellager-Spezialisten von CeramicSpeed mit ihrem «Driven»-System, mit dem sie an der Eurobike im Mittelpunkt standen und einen Award abräumten.

Fünf Highlights von der <strong>Eurobike 2018</strong>
VeloNews & Trends

Fünf Highlights von der Eurobike 2018

Kardanwelle mit Kugellagern: Das «Driven»-System verfolgt einen völlig neuen Ansatz.

Wie das Konzept funktioniert

An ihrem Prototyp ist keine Kette gespannt, sondern eine Kardanwelle, die den vorderen Zahnkranz («Kettenblatt» ist in diesem Fall ja der falsche Begriff) mit der hinteren Zahnscheibe verbindet. Die Kraftübertragung erfolgt über 21 Kugellager aus Keramik und soll mit einem Wirkungsgrad von 99 Prozent auch den effizientesten Kettenantrieb in den Schatten stellen. Das wird möglich, weil die Kugellager dafür sorgen, dass im Vergleich zu einer Kette kaum Reibungsverluste entstehen. Um den magischen Wert von 99 Prozent zu erreichen, der sich sicher gut vermarkten lässt, musst du allerdings schon Wattzahlen wie ein Radprofi treten.

Der Wirkungsgrad liegt bei Driven (grün) deutlich höher als beim Dura-Ace-Kettenantrieb (blau).

Geschaltet werden soll elektronisch

Ein Schaltwerk gibt es auch nicht, dafür soll ein Elektromotor in der Kardanwelle die Kugellager zwischen den Ritzeln hin und her schieben. Auch wenn daran noch weiter entwickelt wird, ist klar, dass die Elektronik Einzug hält. Wenn du also Freude daran hast, dass dein Rennvelo bislang rein mechanisch funktioniert und du bei Problemen selbst daran schrauben kannst, wirst du an dem Punkt vielleicht die Nase rümpfen. Zwar soll «Driven» vergleichsweise wartungsarm sein, aber Kinderkrankheiten hat jede neue Technik. Vorne kann bislang nur ein Zahnkranz verbaut werden, doch 13 Gänge und mehr sind mit dem System möglich, da an der hinteren Zahnscheibe alle Zahnreihen in einer Ebene angebracht sind. Dadurch entsteht kein ungünstiger Winkel, wie es bei Ritzelkassetten und Kettenantrieb der Fall ist.

Die Kettenstrebe sitzt höher, damit Platz für die Kardanwelle ist.
Wie ein Kronkorken: Die Zähne sind nach innen gebogen, wo sie in die Kugellager greifen.

Zukunftsmusik mit Potenzial

Neulich erzählte mir der Designer Gianluca Gimini zu seinem Projekt Velocipedia, wie viele Leute bei der Aufgabe, ein Velo zu zeichnen, einfach die Kette vergessen oder sie völlig falsch einzeichnen. Vielleicht sind sie alle Visionäre. Denn dass der Antrieb völlig neu gedacht werden kann und das System funktioniert, haben die Entwickler von CeramicSpeed bewiesen.

Naturgemäss wäre die Geschichte zunächst im High-End- und Profibereich zuhause, wobei dann die Traditionalisten in den Radsportverbänden ihr Regelwerk überdenken müssten. Für E-Bikes hat der Ansatz ebenfalls enormes Potenzial, da ist auch die Elektronik-Frage egal. Der Velo-Antrieb könnte effizienter, pflegeleichter und generell leichter werden, doch noch ist das alles Zukunftsmusik. Schliesslich braucht es auch eine spezielle Rahmenkonstruktion, um «Driven» integrieren zu können. Aber wer weiss: vielleicht hat das System eines Tages tatsächlich das Zeug dazu, das Kettenzeitalter zu beenden. Die Branchengrössen sollen an der Eurobike jedenfalls sehr genau hingeschaut haben.

Diese Beiträge könnten dich auch interessieren

Fünf Highlights von der <strong>Eurobike 2018</strong>
VeloNews & Trends

Fünf Highlights von der Eurobike 2018

<strong>Projekt Velocipedia:</strong> Die schönsten Velos, die nie gebaut wurden
VeloNews & Trends

Projekt Velocipedia: Die schönsten Velos, die nie gebaut wurden

<strong>Blut, Schweiss, Tränen</strong> und trotzdem (oder gerade deshalb) liebst du dein Rennvelo
OutdoorProduktvorstellung

Blut, Schweiss, Tränen und trotzdem (oder gerade deshalb) liebst du dein Rennvelo

User
Das Glück ist flüchtig, also bleibe ich in Bewegung. Auf dem Bike, am Ball (Grösse und Farbe egal) und bei allem, was der Fantasie zweier Kinder entspringt. Ich liebe es, meinen Spieltrieb auszuleben und Zufällen eine Chance zu geben. Denn wenn der Weg das Ziel ist, dann soll es ein schöner sein.

23 Kommentare

3000 / 3000 Zeichen
Es gelten die Community-Bedingungen.

User macstanislaus

Interessantes Konzept. Aber die ganze Last liegt jeweils nur auf einem Zahn. Ob das lange hält? Vorallem wenn man den Berg rauf strampelt. Bei "normalen" Velos liegt die Kette auf mehreren Zähnen gleichzeitig und selbst diese brechen ab und an ab.

21.07.2018
User leoba

Kardan hat sich bei Reisemotorrädern seit vielen Jahren durchgesetzt - nicht nur bei BMW. Grundsätzlich ein hervoragendes Konzept, aber schwerer als die Kette/Zahnriemen. Dafür wartungsfrei. Beim Motorrad kommt's aber nicht auf ein oder zwei Kilos mehr an - da hat man heute ja über 100 PS.

29.07.2018
User Digitalus

Gewicht spielt überall eine Rolle.Bei Velos,Autos und sicher bei Motorräder.Die Kardanwelle spielt bei BMW Motos immer weniger eine Rolle.Und wartungsfrei ist sie nicht!

13.08.2018
User regena

Also ich weiss nicht, mit einem Kardan alleine kann man die Übersetzung ja nicht ändern...
By the way: An meinem Motorrad läuft seit nunmehr 27 Jahren ein Zahnriemen, ich hab da in der tat noch nie etwas gemacht, auch nicht nachgespannt oder eingestellt... Es kann sein, dass ein Zahnriemen nicht so effizient ist, dauerhaft und wartungsfrei aber allemal!

20.08.2018
Antworten
User xazax

Auch als Otto Normalfahrer sehr spannend, danke für diesen Artikel!

18.07.2018
User shoffmeister

Mich wundert, dass selbst diese Demo-Version aber mal überhaupt nicht schalten kann. Dabei bräuchte man doch "nur" ein pull-pull Kabelsystem, wie bei der Pinion, oder?

(Oh, und Radwechsel = Schaltung neu einstellen; Dreck = zig Kugellager adieu; ...)

Das Bessere ist der Feind des Guten!

23.07.2018
User humpty

Neu??? Hatte bereits vor 10 Jahren mal ein Velo mit Kardanwellenantrieb. Die Marke Biomega stellt schon seit Jahren solche Fahrräder her...Das ganze hat sich aber nie durchgesetzt.

24.07.2018
User Digitalus

So ist es.

13.08.2018
Antworten
User SheiksBeer

Das Konzept kardan ist ja gut. Aber ich möchte das von einem Radprofi bei der Tour de France oder Swiss getestet sehen. Wenn dann mehrere hundert kilo pro Quadratzentimeter Last auf den Zähnen liegen…….

08.08.2018
User webermaster

Ich verstehe nicht, was das mit einer Kardanwelle zu tun hat. Hier handelt es sich doch um eine einfache Welle mit einem Zahnrad vorne und hinten. Das "Kardan" in Kardanwelle bezeichnet doch ein Gelenk, das es hier gar nicht gibt. Oder übersehe ich hier etwas?

10.08.2018
User Digitalus

Wegem Karbonzusatz.

13.08.2018
User Oliver Gramberg

Deutlich keine Kardanwelle. Für mich sind das Winkelgetriebe.

20.08.2018
User Oliver Gramberg

ceramicspeed.com/en/driven/: "Driven uses CeramicSpeed bearings in a pinion style drive shaft system." und auf leo.org "pinion"= u.a. Kegelrad, aber nichts mit Kardan.

20.08.2018
Antworten
User Anonymous

Federung am Hinterrad kannste mit diesem Konzept der Kardanwelle starrer Länge schlicht vergessen. So fixe Kardanwellen erinnern mich technisch an die US-Cars der 50er ;-). Ein sehr exotisches Konzept. Gibt es eigentlich Töffs mit Kardan? Zahnriemen-Töff gibts!

24.07.2018
User technikblog

Klar, von BMW seit Jahrzehnten erfolgreich gebaut und verkauft. Wartungsarm und auch mit Federung gebaut.

24.07.2018
User cschales

Aber ja. Honda, Yamaha, Kawasaki und hatten oder haben Kardanantrieb nicht nur bei fetten Brummern.

Und nicht zuletzt haben die Ural-Modelle Kardanantrieb. Den hatten die Sowjets allerdings von der BMW R 71 Ende der Dreissiger kopiert.

Wird höchste Zeit, dass die Kette verschwindet. Nichts wie Aufwand und Ärger im Vergleich zu Riemenantrieb oder Kardan.

06.08.2018
User Digitalus

Ja? CBR , R1 ,ZX H2 ? MOTO 3,2,GP ? Moto-Cross ? Pflege,nachspannen,keine Billigware und dann geht es.

13.08.2018
User Anonymous

Spielt ja absolut keine Rolle, irgendwo hat da irgendwer nicht gewusst was ne Kardanwelle ist und hat dann auch noch nicht richtig übersetzen können. Jetzt halten das plötzlich alle für eine Kardanwelle. Eigentlich sind das zwei Winkelgetriebe, halt in komischem Design.

06.09.2018
Antworten
User Anonymous

Kann mir bitte jemand erklären wo da die Kardanwelle ist? Ich sehe keine einzige Gelenkwelle in diesem Design. Das sind ganz einfach zwei Winkelgetriebe mit einem leicht fragwürdigen Design.

06.09.2018
User gerardowi

Kardan mit Nuvinci Schaltung .... das wär's

30.07.2018
User zürcher8057

Hät ich mal lieber besser im Französisch Unterricht aufgepasst :(

04.08.2018
User Digitalus

franz,gv

13.08.2018
Antworten
User Anonymous

"Le rendement du Driven (vert) est bien supérieur à celui de l’entraînement par chaîne du Dura Ace (bleu). "
Oui, 1 à 2%... faudrait peut-être pas zoomer comme ca sur les courbes et garder une échelle linéaire de 0 à 100...

14.08.2018