Energieeffizienz nachgemessen: Das bringt dir ein Monitor mit dem Label A++

Energieeffizienz nachgemessen: Das bringt dir ein Monitor mit dem Label A++

Kevin Hofer
Zürich, am 04.04.2019
Gedanken zum Stromverbrauch von Monitoren machen sich die wenigsten. Dabei lässt sich mit energieeffizienten Geräten wesentlich Strom sparen – aber auch Geld?

Mit den Energieeffizienzklassen können wir uns ein Bild davon machen, wie energiesparend Geräte sind. Monitore der Klasse A++ sind effizienter als Monitore der Klasse A. Über den konkreten Verbrauch sagt das Label erstmal nichts aus. Deshalb habe ich mir einen Philips-Monitor der Klasse A++ geschnappt, um ihn mit meinem HP-Büromonitor, einem Modell der Klasse A, zu vergleichen.

241B7QGJEB/00 (24", 1920 x 1080 Pixels)
Monitor
250.–
Philips 241B7QGJEB/00 (24", 1920 x 1080 Pixels)
Elite E243i (24", 1920 x 1200 Pixels)
Monitor
375.–
HP Elite E243i (24", 1920 x 1200 Pixels)

Der Monitor von Philips hat eine Leistungsaufnahme von 11 W im Gegensatz zu den 26 W des HP-Monitors. Im Standby liegt der HP bei 0.5 W und der Philips bei 0.3 W. Die Bildschirmdiagonale des HP-Modells ist aufgrund des 16:10 Formats mit 60.96 cm etwas grösser als die des Philips mit 60.5. Je grösser das Display, desto grösser ist in der Regel der Stromverbrauch. Der geringe Unterschied hier sollte aber keinen grossen Einfluss haben.

Die Messung

Damit ich weiss, wieviel Strom die Monitore genau verbrauchen, schalte ich ein Energiemessgerät dazwischen. Die Helligkeit stelle ich bei beiden Monitoren aufs Maximum. Ansonsten bleibe ich bei den Werkseinstellungen.

Mit dem Brennenstuhl messe ich den Stromverbrauch beider Monitore während einer Woche. Nach einem Tag sind beide Monitore mit einem Verbrauch von 0.1 kWh noch gleichauf. Aber bereits nach dem zweiten Tag zieht der HP-Monitor auf 0.2 kWh davon. Da ich die Messung möglichst realitätsnahe machen will, lasse ich die Monitore bei meiner Abwesenheit im Standby. Persönlich schalte ich die Monitore immer ganz aus, das scheint aber nicht Usus. Wenn ich am morgen als einer der ersten ins Büro komme, sind die meisten Monitore im Standby.

Eine Woche bedeutet in meinem Fall übrigens, dass der Monitor vier Tage die Woche je rund achteinhalb Stunden läuft. An drei Tagen brauche ich die Monitore nicht und lasse sie im Standby. Nach einer Woche zeigt der Brennenstuhl beim Philips-Monitor 0.2 kWh an, auf ein Jahr hochgerechnet macht das 10.49 kWh. Beim HP-Monitor sind’s 0.5 kWh und aufs Jahr 26.07 kWh.

Die Rechnung

Jetzt geht’s ans Rechnen. Von unserem Facility Management bringe ich unseren Stromtarif in Erfahrung. Der Hochtarif liegt bei 0.092 Franken pro kWh, der Niedertarif bei 0.048. Der Hochtarif gilt von Montag bis Samstag, von 6:00 Uhr bis 22:00 Uhr. Für den Rest der Zeit gilt der Niedertarif. Ich mache es mir für die Rechnung etwas einfacher, und rechne mit durchschnittlichen Kosten von 0.073 Franken pro kWh.

Update 6. April 2019: Wie User Anonymous korrekt anmerkt, habe ich einen Rechenfehler bei den durchschnittlichen Kosten gemacht. Diese belafuen sich auf rund 0.091 Franken pro kWh. Die Daten habe ich entsprechend korrigiert.

In einer Woche belaufen sich die Kosten für den Philips-Monitor auf 0.0182 Franken. In einem Jahr macht das 95 Rappen. Der HP-Monitor schlägt dagegen mit 2.35 Franken jährlich zu Buche. Was beim Verbrauch nach einem grossen Unterschied klingt, schlägt sich finanziell nicht gross nieder. Wie sieht’s aus, wenn ich das auf die Belegschaft von digitec Galaxus am Hauptsitz Zürich und den Shops hochrechne?

Am Hauptsitz und den Shops arbeiten zurzeit 728 Menschen. Mehr oder weniger alle haben zwei Monitore zur Verfügung. Selbstverständlich sind nicht alle wie ich zu 80 Prozent angestellt. Dennoch wähle ich meine Messung als Mittelwert. Auf die 728 Personen macht das 1456 Monitore. Hätten alle den HP-Monitor, beliefen sich die jährlichen Stromkosten für die 38 192.55 kWh auf 3475.50 Franken. Beim Philips wären es mit 1381.65 Franken für die 15 183 kWh 2093.85 Franken weniger.

Nicht fürs Portemonnaie, sondern für die Umwelt

Strom ist verhältnismässig günstig. Es macht für ein Unternehmen der Grösse von digitec Galaxus, das an der Umsatzmarke von 1 Milliarde Franken kratzt, finanziell keinen grossen Unterschied, ob nun ein energieeffizienter Monitor der Klasse A++ oder A gebraucht wird. Ob nun 2093.85 Franken mehr oder weniger, ist ein Tropfen auf dem heissen Stein.

Was finanziell keinen Sinn macht, zahlt sich ökologisch aus. Wenn ich mir überlege, dass in der Schweiz 2018 76.2 Prozent der 5.06 Millionen Erwerbstätigen im Dienstleistungssektor tätig waren, liesse sich der Stromverbrauch mit meinem Beispiel um 60.3 Millionen kWh senken. Und hier rechne ich mit nur einem Monitor pro Person. Zur Illustration: Gemäss EKZ liegt der jährliche hohe Stromverbrauch eines Vierpersonenhaushalts in einer Wohnung bei 5650 kWh. Mit dem eingesparten Monitor-Strom liessen sich über 10 500 solcher Haushalte während eines Jahres mit Strom versorgen.

Klar, es ist reine Rechenspielerei und exakt sind die Zahlen auch nicht. Dazu müsste ich noch weitere Variablen einfliessen lassen. Dennoch finde ich sie eindrücklich und sie geben einen guten Orientierungspunkt. Zumal die beiden von mir verglichenen Monitore im Preis ähnlich sind. Es lohnt sich energietechnisch, beim Kauf eines neuen Monitors auf die Energieeffizienzklassen zu achten.

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Kevin Hofer
Kevin Hofer
Editor, Zürich
Technologie und Gesellschaft faszinieren mich. Die beiden zu kombinieren und aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten ist meine Leidenschaft.

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