Ein Wald im Fussballstadion
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Ein Wald im Fussballstadion

Carolin Teufelberger
Zürich, am 11.09.2019
Im Fussballstadion in Klagenfurt werden momentan Bäume ausgestellt statt Bälle gekickt. Der Schweizer Kunstkurator Klaus Littmann setzt damit eine über 40-jährige Zeichnung eines österreichischen Künstlers in die Tat um. Das freut nicht jeden.

Das Wörthersee-Stadion im österreichischen Klagenfurt wurde extra für die Fussball-EM 2008 gebaut. Es fasst 30 000 Zuschauer, was für die Euro super war, für den Zweitligisten SK Austria Klagenfurt aber etwas überdimensioniert. Deshalb stehen dort jetzt Bäume anstatt Fussballer.

Der Schweizer Kunstinitiator Klaus Littmann hat das Stadion für sein Projekt «FOR FOREST - Die ungebrochene Anziehungskraft der Natur» gemietet. Seit dem 8. September können sich Interessierte einen authentischen mitteleuropäischen Wald mit 299 Bäumen von den Rängen bestaunen. «Das Projekt stellt eine Ausnahmesituation dar, nicht nur in Klagenfurt sondern weltweit, die danke mehreren Leuten, unter anderem der Bürgermeisterin, ermöglicht wurde. Der Stadion wurde in den letzten Jahren für Konzerte und Eishockey genutzt, weshalb es für die Kunstinstallation bereit stand», so Ginevra Fiorentini, stellvertretende Direktorin von Reiber PR.

Gutes Timing für die einen

Littmann bezieht sich in der neuen Installation auf die gleichnamige Bleistiftzeichnung des österreichischen Künstler Max Peintner. Schon als er das Bild 1970/71 zeichnete, ahnte er, dass die Menschheit Jahrzehnte später, um die Rettung der Natur kämpfen würde. Auch Littmann will mit dem Projekt darauf hinweisen, dass wir die Natur in Zukunft vielleicht auch nur noch in explizit zugewiesenen Räumen bestaunen können – wie Tiere im Zoo. Der Zeitpunkt für die Installation könnte dabei kaum eindrücklicher gewählt sein: Seit Wochen brennt der Amazonas.

Die Zeichnung von Max Peintner diente Littmann als Vorlage.
Die Zeichnung von Max Peintner diente Littmann als Vorlage.

Schlechtes Timing für die anderen

Doch nicht jeder freut sich über das Kunstprojekt. Das Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ) ist gelinde gesagt «not amused». Das Stadion war das letzte Grossprojekt des Parteigründers und ehemaligen Kärntner Landeshauptmanns Jörg Haider. Schon allein dadurch kochen die Emotionen der Mitglieder bei dem Thema hoch. Dazu kommt, dass die Bäume nicht aus Kärnten, sondern aus Deutschland, Italien und Belgien stammen. Und natürlich kann momentan nicht Fussball gespielt werden, was der Bundesligaclub Wolfsberger AC momentan zu spüren bekommt. Denn der hat sich überraschend für die Europa League qualifiziert und muss seine Spiele nun in Graz austragen. Alles zusammen führte die Partei dazu, zu satirischen Protesten mit Motorsägen aufzurufen. «Seitdem eröffnet hat, hat sich die Meinung deren, die zuerst dagegen waren, stark gewandelt. Die Stimmung ist grossartig und jeden Tag kommen mehr und mehr Besucher, die uns gratulieren», sagt Fiorentini.

Die Installation kann noch bis zum 27. Oktober bestaunt werden, danach wird der Wald disloziert. Auf dem Universitätscampus in Klagenfurt sollen die Bäume als lebendige, sich dauernd verändernde «Waldskulptur» erhalten bleiben. Was nun der Unterschied zwischen dieser Waldskulptur und einem konventionellen Wald ist, bleibt ungeklärt. Zumindest für mich.

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Carolin Teufelberger
Carolin Teufelberger
Editor, Zürich
Meinen Horizont erweitern: So einfach lässt sich mein Leben zusammenfassen. Ich liebe es, neue Dinge kennenzulernen und zu erlernen. Neue Erfahrungen lauern überall; ob beim Reisen, Lesen, Kochen, Filme schauen oder Heimwerken.

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