Yogscast Games
Kritik

Ein Detektivspiel, in dem selbst die Guten lügen

Kim Muntinga
28.10.2026
Bilder: Kim Muntinga

Wer sagt die Wahrheit, wer lügt und wer gehört zum Syndikat? In «Dupery» muss ich Aussagen vergleichen und Widersprüche aufdecken, um Verbrecher zu entlarven. Die kniffligen Rätsel begeistern mich, bringen mich aber auch regelmäßig an meine Grenzen.

«Detective gefeuert!» prangt auf meinem Bildschirm. Na toll. Schon wieder. Mein guter Ruf ist dahin und meine Ermittlerkarriere vorerst beendet. Dabei lief es zwischenzeitlich so gut. Mehrere Fälle habe ich erfolgreich abgeschlossen und Mitglieder des Syndikats entlarvt. Doch ein paar Fehlentscheidungen haben mich schließlich meinen Job gekostet.

Mein Arbeitgeber ist von meinen Ermittlerfähigkeiten offenbar weniger überzeugt als ich.
Mein Arbeitgeber ist von meinen Ermittlerfähigkeiten offenbar weniger überzeugt als ich.

Ich starre auf die Meldung. Wo bin ich falsch abgebogen? Welchen Hinweis habe ich übersehen? Und warum war ich mir so sicher, richtigzuliegen? So hatte ich mir meine Karriere als Detektiv jedenfalls nicht vorgestellt.

Ich könnte jetzt aufhören. Nach rund vier Stunden und zahlreichen gescheiterten Durchläufen wäre das durchaus verständlich. Schließlich habe ich es noch immer nicht geschafft, die erste Fallreihe vollständig abzuschließen.

Aber eine Niederlage lasse ich ungern auf mir sitzen. Also starte ich den nächsten Versuch. Vielleicht klappt es dieses Mal ja besser.

Ein Detektiv allein unter Lügnern

In «Dupery: A Game of Solo Deduction» übernehme ich die Rolle eines namenlosen Detektivs, der einem kriminellen Syndikat auf der Spur ist. Ich soll dessen Handlanger entlarven und schließlich den Kopf der Organisation aufspüren.

Schon die Einführung versetzt mich mit ihren schwarz-weißen Bildern und markanten Schattenspielen in die Atmosphäre eines alten Detektivfilms. Meine Ermittlungen finden an einem Schreibtisch statt, auf dem mehrere Verdächtigenkarten ausliegen. Jede zeigt eine Figur mit ihrer Aussage und einer Rolle, etwa Priester oder Mathematiker.

Diese Rollen bestimmen, welche Hinweise die Figuren liefern oder welche Fähigkeiten sie besitzen. Allerdings können sich Verbrecher als harmlose Figuren ausgeben. Die angezeigte Rolle muss deshalb nicht mit der tatsächlichen übereinstimmen. Die Karten sind auf festen Positionen angeordnet. Das ist wichtig, denn manche Hinweise beziehen sich auf bestimmte Positionen oder benachbarte Verdächtige.

Ich überprüfe die Aussagen direkt auf dem Ermittlungsbrett und entscheide per Mausklick, welche Verdächtigen ich verhaften lasse.

Aus den Aussagen auf den Karten muss ich die Mitglieder des Syndikats identifizieren.
Aus den Aussagen auf den Karten muss ich die Mitglieder des Syndikats identifizieren.

Das Spielprinzip erinnert mich an Gesellschaftsspiele wie «Werwolf» oder «Mafia». Dort versuche ich gemeinsam mit meinen Mitspielerinnen und Mitspielern herauszufinden, wer heimlich auf der Seite der Bösen steht. Dafür wird diskutiert, beschuldigt und geblufft. «Dupery» überträgt diese Idee auf ein Einzelspielererlebnis. Statt meine Mitspieler einzuschätzen, muss ich logische Zusammenhänge erkennen.

Das funktioniert erstaunlich gut. Auch die Präsentation überzeugt mich. Die liebevoll gestalteten Verdächtigenkarten und der Schreibtisch passen zur düsteren Detektivatmosphäre. Die Bedienung ist unkompliziert und die Hinweise sind übersichtlich angeordnet. Bei der Fülle an Informationen verliere ich dennoch gelegentlich den Überblick.

Der düstere Comicstil verleiht «Dupery» eine stimmige Noir-Atmosphäre.
Der düstere Comicstil verleiht «Dupery» eine stimmige Noir-Atmosphäre.

Jeder hat etwas zu sagen, aber wem glaube ich?

Das Herzstück von «Dupery» sind seine Deduktionsrätsel (Logikrätsel). Jeder Fall stellt mich vor eine neue Gruppe von Verdächtigen, deren Aussagen ich miteinander abgleichen muss. Erst wenn ich sämtliche Verbrecher verhaftet habe, gilt der Fall als gelöst.

Insgesamt gibt es mehr als 175 unterschiedliche Rollen. Sie verteilen sich auf vier Kategorien: die Guten (Unschuldige und Störenfriede) und die Bösen (Handlanger und Verräter). Jede Rolle besitzt eigene Fähigkeiten, die bestimmen, welche Informationen sie liefert oder wie sie andere Figuren beeinflusst.

Eine meiner Lieblingsrollen ist der Mathematiker (Unschuldiger). Er nennt die Summe der Positionsnummern aller bösen Figuren. Angenommen, die Summe beträgt 15 und ich habe bereits zwei von drei Verbrechern auf den Positionen 4 und 8 identifiziert. Dann weiß ich, dass der letzte Bösewicht auf Position 3 sitzen muss. Vorausgesetzt natürlich, der Mathematiker sagt die Wahrheit.

Auch der Rächer gehört zu meinen Favoriten. Er besitzt eine aktive Fähigkeit, die ich als Detektiv gezielt einsetzen kann. Dafür wähle ich auf dem Ermittlungsbrett einen Verdächtigen aus, den der Rächer angreifen soll. Ist die Person böse, wird sie getötet. Gehört sie zu den Guten, verfehlt der Angriff sein Ziel. Allerdings kann der Rächer auch lügen oder manipuliert worden sein. Dann trifft er grundsätzlich nicht. Ein Fehlschuss ist also noch kein eindeutiger Beweis für die Unschuld einer Figur.

Beim Rächer kann ich selbst aktiv werden. Ein Fehlschuss bedeutet allerdings nicht zwangsläufig, dass die Zielperson unschuldig ist.
Beim Rächer kann ich selbst aktiv werden. Ein Fehlschuss bedeutet allerdings nicht zwangsläufig, dass die Zielperson unschuldig ist.

Richtig knifflig wird es, wenn sich die Fähigkeiten verschiedener Rollen gegenseitig beeinflussen. Ein Beispiel ist der Wirt, ein Handlanger des Syndikats. Er verwandelt eine unschuldige Figur in einen Trunkenbold. Dieser gehört anschließend zu den guten Störenfrieden, lügt aber und gibt sich als eine andere Rolle aus. Seine falschen Aussagen können mich auf eine völlig falsche Fährte führen. Verhafte ich ihn deshalb, verliere ich Ruf, obwohl ich tatsächlich eine Lüge entlarvt habe.

Der Wirt verwandelt einen Unschuldigen in einen Trunkenbold. Der gehört eigentlich zu den Guten, liefert nun aber falsche Aussagen. Das macht meine Ermittlungen komplizierter.
Der Wirt verwandelt einen Unschuldigen in einen Trunkenbold. Der gehört eigentlich zu den Guten, liefert nun aber falsche Aussagen. Das macht meine Ermittlungen komplizierter.

Eine weitere Form der Manipulation bringt das Idol ins Spiel. Dieser Verräter beeinflusst sämtliche unschuldigen Figuren auf den direkt benachbarten Positionen. Dadurch können gleich mehrere Aussagen unzuverlässig werden. Besonders tückisch finde ich, dass die betroffenen Figuren weiterhin zu den Guten gehören. Ich muss also auch darauf achten, wer neben wem sitzt und welche Auswirkungen die Fähigkeiten der Nachbarn haben können.

Die unterschiedlichen Kombinationen sorgen dafür, dass sich die Fälle immer wieder anders anfühlen. Auf die Notiz- und Markierungsfunktionen des Ermittlungsbretts verzichte ich bisher. Stattdessen spiele ich mögliche Lösungen im Kopf durch und versuche, die Verdächtigen Schritt für Schritt einzugrenzen. Wenn ich überhaupt nicht weiterkomme, rate ich auch schon mal.

Umso schöner ist das Erfolgserlebnis, wenn ich nach längerem Grübeln endlich die richtige Lösung finde. Besonders befriedigend ist es, wenn ich einen komplizierten Fall ganz ohne Fehlentscheidung abschließe. Manchmal brauche ich dafür mehrere Minuten, manchmal nur wenige Sekunden. Dann fühle ich mich tatsächlich wie ein ziemlich guter Detektiv.

Wer gehört zum Syndikat? Ich muss die Hinweise richtig kombinieren.
Wer gehört zum Syndikat? Ich muss die Hinweise richtig kombinieren.
Geschafft! Der Fall ist gelöst und die wahren Identitäten der Figuren sind aufgedeckt. Solche Erfolgserlebnisse machen für mich den Reiz aus.
Geschafft! Der Fall ist gelöst und die wahren Identitäten der Figuren sind aufgedeckt. Solche Erfolgserlebnisse machen für mich den Reiz aus.

Wenn ich meinen eigenen Schlussfolgerungen nicht mehr traue

So viel Spaß mir die Ermittlungen machen, so häufig bringen sie mich auch zur Verzweiflung. Das Tutorial führt mich zwar ordentlich in die Grundlagen ein. Auch als später die Verräter hinzukommen, erklärt das Spiel ihre Mechaniken verständlich. Trotzdem fühle ich mich von den zahlreichen Rollen und ihren Sonderregeln zeitweise erschlagen. Und selbst wenn ich glaube, eine Fähigkeit verstanden zu haben, übersehe ich gelegentlich eine entscheidende Besonderheit.

Immerhin bekomme ich eine Übersicht darüber, welche Rollen unter den Verdächtigen vorkommen könnten. Allerdings sind nicht zwangsläufig alle davon vertreten. Ich muss also nicht nur die verschiedenen Fähigkeiten im Kopf behalten, sondern auch berücksichtigen, welche Rollen tatsächlich mitspielen.

Welche Rollen tatsächlich vertreten sind, weiß ich anfangs nicht. Erst während der Ermittlungen bekomme ich mehr Klarheit.
Welche Rollen tatsächlich vertreten sind, weiß ich anfangs nicht. Erst während der Ermittlungen bekomme ich mehr Klarheit.

Besonders schwierig finde ich Situationen, in denen sich zwei Aussagen offensichtlich widersprechen, die betreffenden Figuren am Ende aber beide zu den Guten gehören. Dann sitze ich vor dem Spielfeld und frage mich, welche Wechselwirkung ich übersehen habe. Hat jemand eine Figur manipuliert? Habe ich eine Rollenfähigkeit falsch verstanden? Oder bin ich von einer falschen Voraussetzung ausgegangen?

Das Idol hat ganze Arbeit geleistet. Ich habe seine Manipulation übersehen und den Fall verloren.
Das Idol hat ganze Arbeit geleistet. Ich habe seine Manipulation übersehen und den Fall verloren.

Nicht immer finde ich darauf eine Antwort. Manchmal begreife ich meinen Denkfehler erst im Nachhinein, manchmal bleibt er mir auch nach der Auflösung ein Rätsel. Das ärgert mich besonders, weil ich aus meinen Fehlern lernen möchte. Eine ausführlichere Erklärung, wie die einzelnen Fähigkeiten das Ergebnis beeinflusst haben, würde mir dabei helfen.

Dabei stört mich der hohe Schwierigkeitsgrad an sich überhaupt nicht. Im Gegenteil: Ich möchte mich an kniffligen Fällen festbeißen und verschiedene Möglichkeiten durchspielen. Ärgerlich wird es erst, wenn ich nach einer Niederlage genauso ratlos dastehe wie zuvor.

Ein Fehler kann alles kosten

Schuld an meinen wiederholten Entlassungen ist das Rufsystem. Jede falsche Verhaftung kostet mich Ansehen, während ich es durch erfolgreich abgeschlossene Fälle wieder verbessern kann. Sinkt mein Ruf zu weit, endet mein aktueller Durchlauf und ich muss von vorne beginnen.

Dahinter steckt das Roguelite-Prinzip. Bei jedem neuen Durchlauf werden die Fälle zufällig zusammengestellt. Zwischen den Ermittlungen kann ich außerdem zusätzliche Rollen und Modifikatoren auswählen, die die nächsten Fälle verändern. Insgesamt bietet «Dupery» drei Regionen mit eigenen Mechaniken und hochrangigen Mitgliedern des Syndikats.

Jede Fallreihe bringt neue Herausforderungen. Mit diesen Modifikatoren beeinflusse ich die Bedingungen der kommenden Fälle.
Jede Fallreihe bringt neue Herausforderungen. Mit diesen Modifikatoren beeinflusse ich die Bedingungen der kommenden Fälle.

Bis ich den Kopf des Syndikats zu Gesicht bekomme, dürfte es allerdings noch dauern. Schließlich muss ich erst einmal die erste Fallreihe überstehen. Ob ich dafür wirklich das Zeug zum Detektiv habe? Nach meinen bisherigen Ermittlungen bin ich mir da nicht mehr ganz so sicher.

«Dupery: A Game of Solo Deduction» wurde mir von Yogscast Games zur Verfügung gestellt. Das Spiel ist seit dem 15. Oktober für den PC verfügbar.

Fazit

Kniffliger Rätselspaß mit Frustmomenten

«Dupery» gefällt mir richtig gut. Das ungewöhnliche Deduktionsspiel fordert mich mit seinen kniffligen Rätseln immer wieder heraus. Besonders die Momente, in denen ich nach längerem Grübeln endlich eine Lösung finde, machen für mich den Reiz aus.

Allerdings ist die Lernkurve steil. Die vielen Rollen und ihre Sonderregeln können überfordern. Besonders ärgerlich finde ich, dass ich manche Fehlentscheidungen selbst im Nachhinein nicht nachvollziehen kann. Zusammen mit den harten Konsequenzen falscher Verhaftungen sorgt das gelegentlich für Frust.

«Dupery» verlangt Geduld und die Bereitschaft, sich intensiv mit seinem Regelwerk auseinanderzusetzen. Wer sich darauf einlässt, bekommt eine ungewöhnliche Mischung aus Logikrätseln und Verbrecherjagd. Wer dagegen schnelle Erfolge oder leicht zugängliche Rätsel erwartet, dürfte sich schwerer damit tun. Ich jedenfalls werde mich weiter auf die Jagd nach den Verbrechern machen. Vielleicht liege ich bei der nächsten Verhaftung ja endlich richtig.

Pro

  • anspruchsvolle, abwechslungsreiche Deduktionsrätsel
  • zahlreiche Rollen mit interessanten Wechselwirkungen
  • befriedigende Erfolgserlebnisse beim Knobeln
  • stimmiger Noir-Stil und unkomplizierte Bedienung
  • hoher Wiederspielreiz durch wechselnde Fallkonstellationen und Modifikationen

Contra

  • teilweise überwältigende Informationsfülle
  • Fehlentscheidungen nicht immer nachvollziehbar
Titelbild: Yogscast Games

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