LG Sound Suite / Dolby
Meinung

Dolbys FlexConnect soll Soundbars töten. Tut es aber nicht

Luca Fontana
1.5.2026

Wieder einmal soll eine neue Wunderwaffe das Heimkino erlösen: Dolby Atmos FlexConnect. Nur stirbt die gescholtene Soundbar bislang höchstens in Schlagzeilen.

Alle paar Jahre braucht die Heimkino-Industrie eine neue Revolution. Diesmal heisst sie Dolby Atmos FlexConnect – und sie soll, so wird es gerade lautstark verkündet, die Soundbar endgültig überflüssig machen.

Dolby selbst verspricht etwas bescheidener: flexibles, herstellerübergreifendes Heimkino für jeden Raum. Nur klafft zwischen diesem Versprechen und dem, was die Industrie beim Launch liefert, bereits eine bemerkenswerte Lücke.

Was ist Dolby Atmos FlexConnect?

Dolby will ein Audiosystem entwickelt haben, das Lautsprecher automatisch per Mikrofon einmisst, egal wo sie im Raum stehen – und zwar viel, viel besser, als es heutige Surround-Systeme bereits können. Das System soll zudem herstellerübergreifend funktionieren und schrittweise erweiterbar sein: von zwei einfachen Surround-Lautsprechern bis zum vollständigen Mehrkanal-Setup, zum Beispiel. Bisher gibt es Flex-Connect-kompatible Geräte von LG und TCL.

Klingt vernünftig. Aber vernünftig ist nicht dasselbe wie revolutionär. Genau hier lohnt es sich, kurz innezuhalten. Denn wer den «Tod der Soundbars» proklamiert und die nächste «Heimkino-Revolution» ankündigt, müsste zuerst erklären, was an heutigen Soundbars überhaupt so unerträglich ist.

Eine Sony- oder Samsung-Soundbar zum Beispiel ist in ein paar Minuten installiert und eingemessen. Ein aufeinander abgestimmtes Surround-Set funktioniert problemlos. Sowieso: Viele Leute stellen ihre Lautsprecher heute schon einfach Handgelenk-mal-Pi auf, drücken, wenn überhaupt, einmal auf «Einmessen» und gut ist. Niemand beschwert sich über mangelhaften virtuellen Sound. Und wer doch meckert, ist meistens ein Hardcore-Enthusiast, den FlexConnect sowieso nicht von seiner Hifi-Anlage weglocken wird.

FlexConnect muss also nicht nur funktionieren. Es muss so viel besser sein als der Status Quo, dass es die Frage rechtfertigt, warum man ihn überhaupt neu denken sollte.

Schöne Versprechen treffen auf harte Industrie-Realität

Schauen wir uns also an, was FlexConnect beim Launch tatsächlich liefert. TCLs erste kompatible Lautsprecher funktionieren ausschliesslich mit TCL-Fernsehern. LGs Geräte kommunizieren nur innerhalb von LGs eigenem Ökosystem. Das herstellerübergreifende Versprechen – LG mit TCL, Sony mit wem auch immer – existiert bisher nur auf dem Papier.

Die Hersteller haben strukturell auch kaum Anreiz, das zu ändern. Offene Standards bedeuten mehr Wettbewerb, weniger Kundenbindung und dünnere Margen. Warum sollte LG freiwillig dafür sorgen, dass seine Kundschaft lieber TCL-Lautsprecher kauft?

Also?

Bleiben wir bei den Fakten.

Erstens: Beim Launch braucht FlexConnect in den meisten Fällen immer noch eine Soundbar als zentrales Element. Das ist kein Detail, sondern die Grundlage des ganzen Systems. Wer also keine Soundbar will, ist bereits raus. Von wegen «Tod der Soundbars» – zumal Dolby selbst FlexConnect auf der eigenen Website mit einer Soundbar als erstem Produkt bewirbt.

Zweitens: Die einzelnen Marken kommunizieren, wie gesagt, nicht miteinander. Was bedeutet, dass man sich auch bei FlexConnect an ein Ökosystem bindet, genau wie heute.

Drittens: Auch FlexConnect kann die Physik nicht vollständig aushebeln. Das wird sogar im HiFi.de-Video oben zugegeben. Denn ein Lautsprecher, der in der falschen Ecke steht, bleibt in der falschen Ecke. Die Software mag vieles besser denn je ausgleichen – aber nicht alles. Wer wirklich guten Klang will, stellt seine Lautsprecher immer noch besser richtig auf.

Das sind drei Einschränkungen, die zusammen eine simple Frage aufwerfen: Wo ist die Revolution denn eigentlich?

Titelbild: LG Sound Suite / Dolby

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Ich schreibe über Technik, als wäre sie Kino, und über Filme, als wären sie Realität. Zwischen Bits und Blockbustern suche ich die Geschichten, die Emotionen wecken, nicht nur Klicks. Und ja – manchmal höre ich Filmmusik lauter, als mir guttut.


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