Shutterstock
News & Trends

Deutsches Kartellamt zwingt Apple zu Anpassung des Tracking-Schutzes

App Tracking Transparency auf dem iPhone gilt als Meilenstein im Schutz gegen personalisierte Werbung. Nach Ansicht der deutschen Behörden hat Apple damit jedoch eigene Apps systematisch bevorzugt.

Apple muss seinen Schutz gegen Tracking in Deutschland umfassend umbauen. Das Bundeskartellamt hat ein Verfahren gegen das App Tracking Transparency Framework (ATTF) abgeschlossen und bindende Zusagen des Konzerns akzeptiert. Kern war der Vorwurf, Apple bevorzuge bei der Einholung von Tracking-Einwilligungen die eigenen Dienste gegenüber Drittanbietern.

Seit Einführung des ATTF im April 2021 müssen Apps um Zustimmung bitten, bevor sie für personalisierte Werbung Tracking-Daten verwenden. Lehnst du ab, wird unter anderem die Werbe-ID ausgeschaltet, die Apple jedem Gerät zuordnet. Mit dieser ID können Anbieter App-übergreifend Profile inklusive Standortdaten erstellen und Interessen ableiten. Das ATTF gilt als Meilenstein des Datenschutzes auf Smartphones.

Neutrale Texte statt «abschreckende» Elemente

Die strengen Vorgaben galten für Dritt‑Apps, jedoch nicht für Apples eigene. Und nach Einschätzung des Kartellamts gestaltete Apple die Einwilligungsabfragen so, dass User Tracking durch Dritte standardmässig ablehnten. Apple setzte etwa warnende Symbole und Formulierungen ein, die Tracking als besonders riskant erscheinen lassen. Diese «abschreckenden» Elemente muss das Unternehmen nun entfernen. Künftig sollen die Abfragen visuell und sprachlich neutral wirken.

Die bisherige Dialogbox ist kurz und knapp. Die meisten User lehnen Tracking ab.
Die bisherige Dialogbox ist kurz und knapp. Die meisten User lehnen Tracking ab.
Quelle: Apple

Zugleich muss Apple die Einwilligung für das eigene Werbetracking an die Regeln für Drittanbieter angleichen. Die verschiedenen Hinweise und Auswahloptionen dürfen sich nicht mehr so unterscheiden, dass Apple einen Wettbewerbsvorteil erhält. Grundlage des Verfahrens bildet ein Gesetz, das für digitale Konzerne mit «überragender marktübergreifender Bedeutung» gilt. Der Bundesgerichtshof hatte Apples Sonderstellung 2025 bestätigt.

Drittanbieter erhalten zudem mehr Gestaltungsspielraum. Sie sollen in Apples System künftig in bis zu 4000 Zeichen erläutern können, warum personalisierte Werbung für ihr Geschäftsmodell wichtig ist. Ausserdem dürfen sie die von Apple verlangte Einwilligung mit datenschutzrechtlichen Zustimmungen kombinieren. So treffen User in einem Schritt beide Entscheidungen, statt mehrere Fenster durchzuklicken.

Erfolg für Werbeverbände, aber nicht unbedingt für die Nutzerfreundlichkeit

Das Kartellamt betont, das Ziel seien nicht höhere Zustimmungsquoten, sondern informierte und möglichst unbeeinflusste Entscheidungen – sowohl für als auch gegen personalisierte Werbung. Für Besitzerinnen und Besitzer eines iPhones dürfte der Entscheid im Alltag trotzdem zu mühsameren Dialogfenstern führen. Sie werden voraussichtlich länger und enthalten zusätzliche Verlinkungen.

Angestossen haben das Verfahren Beschwerden von Werbe‑ und Medienverbänden, die in Apples strengem Tracking‑Schutz einen Eingriff in ihre werbefinanzierten Geschäftsmodelle sehen. Grosse Plattformen wie Meta hatten nach Einführung von ATTF deutliche Umsatzeinbussen durch weniger zielgenaue Werbung beklagt.

Apple hat nun vier Monate Zeit für die Umsetzung der zugesagten Änderungen. Die Verpflichtungen gelten sieben Jahre und werden durch einen unabhängigen Treuhänder überwacht. Apple wird sie nicht nur in Deutschland umsetzen, sondern auch in fast allen anderen EU-Staaten. Denn auch in Frankreich und Italien haben Kartellbehörden dem Konzern bereits Millionenstrafen aufgebrummt. Schweizer iPhone-User dürften von den längeren ATT-Dialogen bis auf weiteres verschont bleiben.

Titelbild: Shutterstock

7 Personen gefällt dieser Artikel


User Avatar
User Avatar

Mein Fingerabdruck verändert sich regelmässig so stark, dass mein MacBook mich nicht erkennt. Der Grund: Sitze ich nicht vor einem Bildschirm oder stehe hinter einer Kamera, hänge ich oft an den Fingerspitzen in einer Felswand.


Smartphone
Folge Themen und erhalte Updates zu deinen Interessen

Software
Folge Themen und erhalte Updates zu deinen Interessen

News & Trends

Vom neuen iPhone bis zur Auferstehung der Mode aus den 80er-Jahren. Die Redaktion ordnet ein.

Alle anzeigen

Weitere Beiträge aus dem Magazin

Alle anzeigen

1 Kommentar

Avatar
later