Screenshot Apple Keynote
Meinung

Apples Start ins KI-Zeitalter ist ein Fiasko

Siri AI ist weder neu noch bahnbrechend, sondern erfüllt nur lange nicht eingehaltene Versprechen. Sogar der zweite Anlauf wirkt überstürzt.

Am Montag hat Apple seine neue Künstliche Intelligenz (KI) präsentiert. Sie ermöglicht mehr Funktionen und Siri AI. Damit soll die Assistentin mich endlich besser verstehen und Aufgaben zuverlässiger erledigen. Cool.

Bloss: Ich habe ein Déja-vu. Schon an der WWDC 2024 kündigte Apple exakt die gleichen Funktionen an. KI mit Zugriff auf den persönlichen Kontext. Besseren Datenschutz als bei der Konkurrenz. Eine neue Siri, die mehr als vorgefertigte Befehle verarbeiten kann.

Darüber verloren CEO Tim Cook und seine Kollegen kein Wort. Stattdessen wird die LLM-Siri zum zweiten Mal als Revolution verkauft. So will man offenbar vertuschen, dass sie vor zwei Jahren nichts als Vaporware war. Selbst mit einer der grössten Kriegskassen in der Geschichte des Kapitalismus hat es Apple seither nicht geschafft, die Versprechen mit eigenen KI-Modellen umzusetzen. Dafür kassierte das Unternehmen sogar eine Sammelklage wegen irreführender Werbung. Am Ende zog Tim Cook den Rettungsschirm, lizenzierte KI von Google und nennt das Ganze eine «tiefe Zusammenarbeit». Für wie dumm hält uns Cupertino eigentlich?

Die WWDC 2026 ist Tim Cooks letztes grosses Event. Im KI-Bereich hinterlässt der sonstige Vorzeige-CEO einen Rückstand und gebrochene Versprechen.
Die WWDC 2026 ist Tim Cooks letztes grosses Event. Im KI-Bereich hinterlässt der sonstige Vorzeige-CEO einen Rückstand und gebrochene Versprechen.
Quelle: Screenshot Apple Keynote

Zu viel Kleingedrucktes

Aber okay, Schwamm drüber. Dafür wird Siri AI im zweiten Anlauf bestimmt grossartig. Und erscheint sicher so zeitnah und so poliert, wie ich es mir von Apple-Produkten gewohnt bin. Oder?

Oder?!

Fehlanzeige. Siri AI kommt nicht jetzt. Auch nicht mit den neuen Betriebssystemen im September – sondern «später dieses Jahr». In einer Betaversion. Ausschliesslich auf Englisch. In der gezeigten Form nur auf Geräten mit aktuellen Chips. In der EU und in China vorerst gar nicht. Die lange Liste an Einschränkungen zeigt, dass auch dieser Launch völlig überstürzt ist, weil Apple unter Zugzwang steht.

Die Hinweise zur Verfügbarkeit versteckte Apple in wenigen Sätzen gegen Ende der Keynote. Diese Kompatibilitätsliste der Vollversion von Apple Intelligence erhielt etwa drei Sekunden Screentime.
Die Hinweise zur Verfügbarkeit versteckte Apple in wenigen Sätzen gegen Ende der Keynote. Diese Kompatibilitätsliste der Vollversion von Apple Intelligence erhielt etwa drei Sekunden Screentime.
Quelle: Screenshot Apple Keynote

Die gezeigten Funktionen hauen mich 2026 ebenfalls nicht vom Hocker. Siri kann Dinge recherchieren und analysieren, Nachrichten verschicken und Kalendereinträge machen. Ein Alleinstellungsmerkmal ist der Einbezug von persönlichem Kontext. Doch das wird nur richtig funktionieren, wenn du für alles Apples eigene Apps nutzt. Auf Infos aus Gmail, WhatsApp oder Outlook dürfte die Assistentin keinen Zugriff haben.

Strategie könnte trotz schlechtem Start aufgehen

Ist deswegen alles schlecht? Natürlich nicht. Die plattformübergreifende Integration von Siri AI und anderen KI-Features sieht gut aus. Sowohl optisch als auch technisch. Einige agentische Funktionen wie das automatische Ändern unsicherer Passwörter wirken richtig nützlich. Zudem überzeugen mich Apples Datenschutz-Konzepte. Sie alleine werden dafür sorgen, dass ich Siri AI eher nutze als andere Chatbots.

Während andere Tech-Giganten Unmengen an Kapital für KI-Entwicklung und Serverfarmen ausgeben, hält sich Apple bisher zurück. Die Lizenzierung des Gemini-Fundaments kostet Berichten zufolge eine Milliarde US-Dollar pro Jahr. Ein Spottpreis. Umgekehrt bezahlt Google das Zwanzigfache, damit es auf dem iPhone die Standard-Suche bleibt.

Ob Apple externe KI-Modelle auch in Zukunft so günstig kriegt, hängt von verschiedenen Faktoren ab: Bleibt der Konkurrenzkampf so heftig wie bis anhin? Können Open-Source-Modelle mithalten? Lässt es Cupertino irgendwann zu, dass Google oder sonst jemand unsere Siri-Anfragen in Werbeeinnahmen umwandelt, wie es bei der Suchmaschine der Fall ist? Falls ja, könnte die Strategie langfristig funktionieren. Apples Start ins KI-Zeitalter dürfte jedoch als Fiasko in die Geschichte eingehen.

Titelbild: Screenshot Apple Keynote

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Mein Fingerabdruck verändert sich regelmässig so stark, dass mein MacBook mich nicht erkennt. Der Grund: Sitze ich nicht vor einem Bildschirm oder stehe hinter einer Kamera, hänge ich oft an den Fingerspitzen in einer Felswand.


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