Der Herr der Ringe

Vanessa Kim
Zürich, am 28.10.2019
Die Schweizer Schmuckmanufaktur Furrer Jacot blickt auf eine über 161-jährige Firmengeschichte zurück. Eine ihrer Geheimwaffen ist der langjährige Hausdesigner Lucas Ruppli, der mit seinen modernen Entwürfen frischen Wind in das Traditionsunternehmen bringt.

Knapp fünf Minuten Fussweg trennen das Mühletal vom Bahnhof Schaffhausen. Hier befindet sich in einem ehemaligen Stahlwerk der Hauptsitz des Trauring- und Schmuckherstellers Furrer Jacot. Das historische Gebäude vereint auf 500 Quadratmetern nicht nur die Produktion, sondern auch die Büros. Ein Eckpfeiler des Unternehmens, denn: Die kurzen Wege vereinfachen nicht nur die interne Kommunikation, sondern machen auch die Produktionsprozesse für die Bestellungen effizienter.

In der 1858 gegründeten Manufaktur wird kein Stück maschinell produziert. Made to order lautet die Devise. Erst nach Bestelleingang wird der Schmuck von Hand hergestellt und vom Goldschmied via Edelsteinfasser und Graveur an den Polisseur weitergereicht. Dabei wird jedes Stück von einem Mitarbeiter akribisch begutachtet, bevor er dieses nach getaner Arbeit an die nächste «Station» weiterreicht. Trouble-Shooter im Falle eines Missgeschicks ist der Chefdesigner Lucas Ruppli, der seit über 30 Jahren im Unternehmen tätig ist und ein wachsames Auge auf die Produktion hat.

Wenn ein Schmuckstück aus Weissgold sein soll, verwendet Lucas beim Skizzieren einen hellblauen Farbstift.
Wenn ein Schmuckstück aus Weissgold sein soll, verwendet Lucas beim Skizzieren einen hellblauen Farbstift.

Bereits seine Lehre hat der Kreative bei Furrer Jacot absolviert. Damals konnte er sich gegen 17 Mitbewerber behaupten, als eine Goldschmied-Lehre ausgeschrieben war. «Trotz meines Irokesen-Schnitts und blauen Haaren durfte ich mich im Betrieb vorstellen», erzählt er schmunzelnd. «Nach der Schnupperlehre bekam ich die Zusage, obwohl ich ein schräger Vogel war. Damit habe ich nicht gerechnet.» Seine Leidenschaft für den Job war wohl ausschlaggebend.

Nach bestandener Lehre zog es Lucas für die UNO nach Südafrika. Dort war er eineinhalb Jahre fürs Militär tätig. Der Zufall wollte es so, dass Furrer Jacot einen Chefdesigner suchte, als er 1992 arbeitslos zurück nach Schaffhausen kam. Der gelernte Goldschmied bewarb sich. Trotz fehlender Ausbildung auf diesem Gebiet hatte er erneut Glück. «Entweder du hast's im Blut oder nicht.» Davon ist der Kreative noch heute überzeugt.

Der «Snakebone»-Ring aus Weiss- und Rotgold passt sich dem Finger optimal an.
Der «Snakebone»-Ring aus Weiss- und Rotgold passt sich dem Finger optimal an.

Heute geniesst der Kreative geradezu Carte blanche im Schaffensprozess. Der Erfolg gibt ihm recht. Lucas hat in der Vergangenheit bereits mehrere Preise für seine Designs abgestaubt. Darunter der «Snakebone»-Ring, für den er sich vom Skelett einer Schlange inspirieren liess. Den Hauptring aus poliertem Weissgold zieren rund 30 kleine Ringe aus Rotgold. Genau wie eine Schlange, die ihren Körper abwechselnd von der einen Seite zur anderen bewegt, lassen sich diese Ringlein ebenfalls hin- und herschieben. «Noch mehr Ring geht nicht», so der Chefdesigner.

Neben den Standardmodellen von Furrer Jacot sorgen individuelle Kundenwünsche, die das Unternehmen ebenfalls anfertigt, für Abwechslung. «Sofern sie umsetzbar sind», so Lucas. Der Aussergewöhnlichste war ein Ei, das ein Scheich bei ihm in Auftrag geben wollte. Dieses sollte komplett mit Diamanten überzogen sein. Wofür er dieses Ei benötigte, ist Lucas schleierhaft. «Eventuell als Briefbeschwerer?» Der Deal kam nie zustande.

Dass sich nicht jeder solche Couture-Anfertigungen leisten kann, ist Furrer Jacot bewusst. Hier kommt die Zweitmarke Siara ins Spiel. Das Design ihrer Trauringe ist kommerziell, aber nicht weniger schön. Trotz des günstigeren Preises werden auch diese Stücke erst nach Bestelleingang angefertigt. Gearbeitet wird mit einem bestehenden Basic-Design, jedoch liegen auch hier Sonderwünsche drin. So kann beispielsweise das Material, die Oberfläche, die Diamantanordnung oder die Gravur individuell angepasst werden. Weil die Ringe von Hand gefertigt werden, sehen sie im Vergleich zu jenen, die maschinell produziert werden, nicht alle gleich aus. «Jeder Ring hat seinen Charakter. Darum wird auch derselbe Goldschmied mit den Eheringen für ein und dasselbe Paar beauftragt. So sind diese vom Stil her identisch.» In der Regel dauert der Bestellprozess inklusive Auslieferung etwa zwei Wochen. «Zur Not schaffen wir es aber auch in 24 Stunden, wenn uns der Zoll keinen Strich durch die Rechnung macht».

Damit du dir ein Bild davon machen kannst, wie die Produktion eines Rings bei Furrer Jacot abläuft, erklärt dir der Chefdesigner in diesem Video die einzelnen Schritte im Schnelldurchlauf.

Wenn du dich nicht nur für die «Der Herr der Ringe»- Filmtrilogie, sondern auch für Echtschmuck interessierst, folgst du mir mit einem Klick auf den Button bei meinem Autorenprofil.

12 Personen gefällt dieser Artikel


Vanessa Kim
Vanessa Kim
Editor, Zürich
Wenn ich mal nicht als Open-Water-Diver unter Wasser bin, dann tauche ich in die Welt der Fashion ein. Auf den Strassen von Paris, Mailand und New York halte ich nach den neuesten Trends Ausschau und zeige dir, wie du sie fernab vom Modezirkus alltagstauglich umsetzt.

Diese Beiträge könnten dich auch interessieren