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«Der Helikopter startet in 45 Minuten»

Filip Zuan ist Fotograf. Ein verdammt interessanter Fotograf. Sein Studio: die Engadiner Bergwelt. Seine Bilder: faszinierend. Ein Portrait.

Ich treffe Filip Mitte April im verschneiten und immer noch sehr winterlichen Oberengadin zum Interview. Der 37jährige lebt in Silvaplana. Wir sitzen bei ihm am Küchentisch, seine kleine Tochter Ella neben uns auf dem Boden. Sie spielt zufrieden mit ihren Bauklötzen, es riecht nach frisch gebrühtem Kaffee. Sonntagmorgen-Stimmung an einem Freitag. Man möchte, dass die Zeit still steht. Das tut sie aber nicht.

«Der Helikopter startet in 45 Minuten, mach dich auf den Weg.»

Filip erzählt mir, wie er vor einigen Jahren die Surf-Ikone Robby Naish zum Shooting traf. Und er sagt: «Du musst dem Glück eine Chance geben, immer vorausschauen, immer bereit sein für den speziellen Moment, für das Glück.» Für ihn als Fotografen bedeutet das, die Akkus seiner Kameras stets voll geladen zu haben – die Ausrüstung immer «ready to shoot». Ich will mehr wissen und hake nach.

Wie ist es eigentlich damals zu diesem Shooting mit Robby Naish gekommen?

«Es gab einen Stand up paddle event (SUP) in St. Moritz, Robby Naish war als Gast angekündigt. Er war auf Promo-Tour für seine aufblasbaren SUPs. Ein Freund von mir hatte den Event damals mitorganisiert und stand in Kontakt mit Naishs Management. Ich hatte meinen Kumpel natürlich bekniet, um mit Robby ein Shooting machen zu können. Das ganze zog sich jedoch in die Länge und war kompliziert und ich dachte: 'Ok, das wird nichts'. Bis zwei Tage vor dem Event hatte ich nichts mehr von meinem Freund gehört.»

Und plötzlich klingelt das Telefon.

«Genau. Es war 10 Uhr morgens, ich sass im Büro und am anderen Ende der Leitung mein Freund: 'Hey Filip, Robby ist da. Er will jetzt Stand up paddeln. Der Helikopter startet in 45 Minuten'. Da kam ich schon kurz ins Schwitzen. Aber eben, «always ready to shoot», also schnappte ich meine Ausrüstung und los ging's. Das war ein unglaublich cooler Tag, sowas vergisst du nie mehr.»

Ein Lächeln huscht über Filips Gesicht. Denn so kam es, dass die Surf-Ikone Robby Naish aus Hawaii mit seinem Stand up paddle auf einem Oberengadiner Bergsee unterwegs war.

Robby Naish by © Filip Zuan
© Filip Zuan
© Filip Zuan

Filip Zuan studiert Graphic Design in Barcelona. Er lebt sechs Jahre in der katalanischen Metropole. Barcelona war und ist ein Hotspot für Skater, auch deshalb geht Filip 2003 nach Spanien. Dort findet er zur Fotografie, oder ist es umgekehrt? Er studiert, skatet und dokumentiert das Skaten mit der Kamera. Nach dem dreijährigen Studium bleibt er noch bis 2009 in Barcelona und arbeitet. Der Mann aus den Bündner Bergen layoutet in der katalanischen Hafenstadt ein spanisches Snowboard-Magazin.

«Das Engadin ist für mich als Fotograf ein Paradies. Die Landschaft und das Licht sind einzigartig.»

Heute lebt und arbeitet Filip wieder in seiner Heimat. Er ist mit seiner Frau und der kleinen Tochter in Silvaplana zu Hause. Die Region um St. Moritz ist für ihn als Outdoor- und Sportfotograf Sommer wie Winter der ideale Ort, um zu arbeiten. So hat sich das Engadin in den vergangenen Jahren zu einem Mekka für Mountainbiker entwickelt. Hier gibt es nebst anderen Trails auch die legendäre Route 673, ebenfalls bekannt als «Bernina Express» von Pontresina nach Poschiavo. Manche Biker behaupten, dies sei die schönste Tour der Welt.

Filip ist hautnah am Geschehen dran und hat vor kurzem ein Magazin lanciert. «Currently Bike Movement» dokumentiert die Szene auf gut 100 Seiten. Soeben ist die zweite Ausgabe erschienen. Bei uns steht der nächste Kaffee auf dem Tisch und Ella spielt weiterhin hingebungsvoll mit ihren Bauklötzen.

Welche Rolle spielen deine Wurzeln hier im Engadin?

«Das Engadin ist mein Zuhause. Hier fühle ich mich wohl.»

Wie äussert sich das in deinen Bildern?

«Ich plane meine Shootings sehr genau. Hier kenne ich mich aus, das macht die Planung natürlich viel einfacher. Und ich denke, das spiegelt sich in meiner Arbeit wieder. An einem fremden Ort zu shooten, ist auch spannend, vieles bleibt dann jedoch für mich unvorhersehbar.»

Wie meinst du das?

«Im Studio kannst du ein Bild von A bis Z inszenieren. Das ist in der freien Natur nur bedingt möglich, vieles bleibt auch Glückssache. Die genaue Planung, meine Erfahrung und das Gespür für das Wetter, fürs Licht und so weiter sind enorm hilfreich. An einem mir fremden Ort habe ich diese Erfahrungswerte nicht. So verpasst du dann vielleicht diesen einen, magischen Moment.»

Am Piz Nair by © Filip Zuan

Filip sagt von sich, er sei ein Glückspilz. Aber man müsse eben bereit sein, dem Glück den roten Teppich auszurollen. Seine Philosophie: Eine minuziöse Vorbereitung ermögliche das Glück erst. Es brauche Erfahrung, Spontanität und ganz viel Bauchgefühl, denn manchmal gehe alles sehr schnell.

Hast du ein konkretes Beispiel?

«Für mein Bike-Magazin habe ich eine Story über eine Berghütte in einem Oberengadiner Seitental umgesetzt – die Kesch-Hütte. Die Organisation des Shootings war sehr schwierig. Ich verbrachte fast den ganzen Sommer 2016 damit, einen Termin zu finden, der den beteiligten Ridern und mir passte. Mal hatte ich keine Zeit, mal einer der Rider, mal hatten wir einen Termin, dann waren die Wetterprognosen schlecht. Kurz: Irgendwann musste ich einen Entscheid treffen und mich auf ein Datum festlegen. Die Wetteraussichten waren mies und es regnete an jenem Tag dann tatsächlich während des ganzen Vormittags.

Wie war die Stimmung?

«Wie das Wetter (lacht). Dann aber wird es plötzlich besser und wir können den restlichen Tag über shooten. Am Abend, unterdessen ist es wieder stark bewölkt, kommen wir abgekämpft und müde zur Kesch-Hütte. Als wir schon drinnen bei einer heissen Tasse Tee sitzen, schaue ich zum Fenster hinaus und ich weiss in dem Augenblick genau, was als nächstes passieren wird. Darum ja keine Zeit verlieren. Alle müssen nochmals raus, auf die Bikes. Da machst du dich als Fotograf bei deinen Models nicht unbedingt beliebt. Als wir draussen stehen, drückt die Sonne tatsächlich nochmals für wenige Minuten durch die Wolkendecke und das Titelbild zur Story entsteht. Ich würde mich heute noch grün und blau ärgern, hätte ich diesen Moment verpasst.»

Hochplateau oberhalb Alp Funtauna bei der Kesch-Hütte by © Filip Zuan

Hat er aber nicht. Zum Glück. Und wie hält es Filip Zuan mit dem Nachbearbeiten seines Materials, wie viel Photoshop steckt in seinen Bildern? Natürlich würde er nachträglich Farbe und Kontrast justieren. Er sei jedoch diesbezüglich ein Puritaner. Seine Anfänge gingen auf die Analog-Fotografie zurück und er versuche entsprechend, so viel wie möglich «In Camera» abzudecken. Von nachträglichen Manipulationen und Retuschen halte er nichts.

«Bike-Shootings sind extrem fordernd.»

Auf einem Bike Shooting ist Filip Zuan mit sehr wenig Equipment unterwegs. Ein Body, drei Objektive: 24/70, Teleobjektiv, Weitwinkel, fertig. Schliesslich fährt er die Touren mit und trägt so einige zusätzliche Kilos auf dem Buckel. Hinzu kommen die hohe Konzentration, die permanente Suche nach dem perfekten Licht und der perfekten Einstellung. Am Abend nach einem Shooting sei er zwar happy, aber auch fix und fertig.

Und welches Equipment ist nun das Beste, will ich zum Schluss wissen? Nikon, Canon, Sony oder doch eine andere Marke? Filip Zuan verdreht die Augen und sagt:

«Diese Equipment-Diskussion interessiert mich nicht. Daran mag ich mich nicht beteiligen, denn ich halte sie für komplett überflüssig. Mich interessieren die Bilder.»

Recht hat er!

Nair by © Filip Zuan

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3 Kommentare

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User schLEIMER

Super Artikel! Schaade nur dass ich diesen nur durch Zufall gesehen da ich aus versehen auf das Galaxus Angebot auf der Digitec Seite geklickt habe. :( würde sehr gut auf Digitec passen. Outdoor hin oder her.

25.04.2018
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User Patrick Bardelli

Hey DirtbagLogan, danke für dein Feedback. Dann hatte ich Glück, dass du aus Versehen auf meinen Artikel gestossen bist. Man muss dem Glück eben eine Chance geben ;)

25.04.2018
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