Kritik

«Darwin's Paradox!»: der unwahrscheinlichste Held des Jahres

Kevin Hofer
31.3.2026

Was verbindet «Frogger» und «Metal Gear Solid»? Sie stammen von Konami – und tauchen in «Darwin's Paradox!» als charmante Anspielungen auf. Doch das Spiel ist weit mehr als ein Abklatsch: Es erweist sich als eigenständiger, grossartiger Plattformer.

Im Schutz einer Kiste beobachte ich die Wachen. Sobald ich ihre Routen durchschaut habe, verlasse ich mein Versteck und sprinte los – ganz im Stil von Solid Snake. Doch plötzlich höre ich in der Ferne ein Froschquaken. Was erwartet mich diesmal? Die Wachen, die mich gnadenlos erledigen wenn sie mich entdecken, machen mich nervös. Als ich über einen Zaun klettere, wird das Quaken lauter – und mischt sich mit Verkehrslärm. Schliesslich stehe ich an einer vielbefahrenen Strasse. Dort entdecke ich den Frosch, der davonhüpft. Und ich? Ich muss die Strasse im «Frogger»-Stil überqueren.

Solche Szenen erinnern daran, dass «Darwin's Paradox!» aus dem Hause Konami stammt. Das von ZDT Studio entwickelte Spiel wimmelt nur so vor Referenzen auf andere Klassiker des Publishers. Doch der eigentliche Star ist Oktopus Darwin. Kraken sind spätestens seit «My Octopus Teacher» Kult – und die Spielewelt hat das nun auch erkannt. Darwin zu steuern macht riesigen Spass, auch wenn das Spiel nicht ohne Schwächen bleibt.

Eine Geschichte ohne Worte

Darwin landet unfreiwillig auf einer Müllhalde, nachdem finstere Gestalten seinen Freund – oder seine Freundin? – entführt haben. Während er nach dem Entführten sucht, versucht er gleichzeitig, seiner eigenen Gefangenschaft zu entkommen.

Der arme Darwin landet auf der Mülldeponie.
Der arme Darwin landet auf der Mülldeponie.

Damit ist die Handlung von «Darwin's Paradox!» erzählt. Worte braucht das Spiel kaum: Wie in «Flow» oder «Wall-E» sprechen Bilder und Umgebungen. Jede neue Szenerie verstärkt die beklemmende, aber hoffnungsvolle Grundstimmung – subtil und wirkungsvoll. Die Entwickler vermeiden übertriebenes Drama oder bombastische Effekte. Der Artstyle passt perfekt, und der Soundtrack, etwa «Back to the Sea», sorgt für die richtige Atmosphäre.

Mit den Fähigkeiten einer Krake

Im Schatten schleiche ich über Parkplätze, durch irrwitzige Industriekomplexe oder gleite durch Darwins Element: das Wasser. Mal kriecht er über den Boden, mal klebt er an Wänden und Decken. Letzteres prägt das Spielgefühl entscheidend. Anfangs ungewohnt, wird das Wand-Kleben schnell zur zweiten Natur und eröffnet völlig neue Bewegungsmöglichkeiten. Ein spezieller Schleim hebt diese Fähigkeit auf und zwingt mich, die Umgebung genau zu analysieren. Im Wasser wird Darwin zum flinken Jäger – leider kommen diese Abschnitte zu selten vor.

Das Kleben ist eine geniale Mechanik.
Das Kleben ist eine geniale Mechanik.

Neben dem Kleben kann Darwin Tinte verschiessen und sich tarnen. Die Tinte überzeugt: Sie dient cleveren Rätseln und lenkt Wachen ab. Die Tarnung hingegen wirkt aufgesetzt. Zwar machen die Schleichpassagen Spass, doch das Tarnen fügt sich nicht nahtlos ins Spiel ein. Die Idee bleibt unausgereift.

Finde Darwin.
Finde Darwin.

Das Spiel ist kurz. Nach etwa fünf Stunden läuft der Abspann. Doch das empfinde ich als Vorteil. Alle Mechaniken bekommen genug Raum, ohne sich zu wiederholen.

Fordernd, aber fair

Das Leveldesign glänzt. Rätsel und Plattform-Sequenzen sind zugänglich, ohne banal zu wirken. Manche Passagen erfordern präzises Timing und fordern selbst erfahrene Spieler heraus. Es ist kein «Super Mario Maker»-Wahnsinn, aber anspruchsvoll genug, um zu fesseln. Fordernd, fair und befriedigend.

Das Leveldesign ist genial. Etwa hier bei einer Fluchtszene.
Das Leveldesign ist genial. Etwa hier bei einer Fluchtszene.

Obwohl linear, bietet das Spiel optionale Abzweigungen. Wer abseits der Hauptwege sucht, entdeckt Poster mit Hintergrundinfos zur Spielwelt. Diese kurzen Umwege lohnen sich. Oft ist nicht klar, welcher Weg der richtige ist – ein cleverer Kniff, der zum erneuten Spielen einlädt.

«Darwin's Paradox!» ist ab dem 2. April erhältlich für PS5, Xbox Series X/S, Switch 2 und PC. Das Game wurde mir zu Testzwecken von Konami zur Verfügung gestellt.

Fazit

Acht Arme für ein Halleluja

«Darwin's Paradox!» ist kurz, aber grossartig. Das simple Konzept überzeugt mit forderndem Gameplay, kreativen Rätseln und einer stimmungsvollen Präsentation. Darwin, der sympathische Held, macht das Spiel zu einem Erlebnis, das an einen hochwertigen Animations-Kurzfilm erinnert – und gleichzeitig wie ein vollwertiges Spiel wirkt. Trotz kleiner Schwächen, etwa den Schleichpassagen, ist es eine klare Empfehlung für Plattformer-Fans. Ich hoffe auf ein achtarmiges Wiedersehen.

Pro

  • einzigartiger, sympathischer Held mit kreativem Moveset
  • stimmungsvolles, wortloses Storytelling
  • forderndes, aber faires Level-Design
  • starkes Art-Design und überzeugende Atmosphäre

Contra

  • schleichpassagen wirken aufgesetzt
  • Wasserabschnitte zu selten und zu kurz

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