Hinter den Kulissen

Chinesische Marken fegen die Staubsaugerkonkurrenz weg

Manuel Wenk
16.3.2026

Der Staubsaugermarkt befindet sich im Wandel: Die Verkäufe von Robotern wachsen mehr als doppelt so schnell als die von herkömmlichen Geräten. Während Dyson bei klassischen Staubsaugern dominiert, übernehmen chinesische Marken wie Dreame oder Roborock das Roboter-Segment fast vollständig – und lassen westliche Pioniere wie iRobot hinter sich.

Früher war Staubsaugen mühsam, laut und langwierig: Man zerrte einen Schlitten hinter sich her, verhedderte sich im Kabel und wechselte staubige Beutel. Dann kamen die Akkusauger und brachten Freiheit. Heute wollen viele gar nicht mehr selbst Hand anlegen: In immer mehr Heimen kurven flache, intelligente Scheiben autonom um Stuhlbeine und über Teppichkanten – 8 von 10 der smarten Helfer stammen von chinesischen Firmen.

Die Verkäufe von Saugrobotern wachsen stark: Im Jahr 2025 legten sie bei Galaxus um über 50 Prozent zu. Die Verkäufe klassischer Akku- und Schlittenstaubsauger wuchsen im selben Zeitraum um rund 21 respektive 22 Prozent – also weniger als halb so schnell.

Die Kehrseite der Innovation: Saugroboter erstellen detaillierte Karten der Wohnung, viele sind mit Kameras ausgestattet. Dass chinesische Hersteller in acht von zehn europäischen Haushalten quasi einen digitalen Grundriss haben, wirft Fragen auf. Die Hersteller beteuern allerdings, die Daten verschlüsselt und DSGVO-konform zu verarbeiten.

  • Hintergrund

    Ohne WLAN und App können Saugroboter fast nichts

    von Lorenz Keller

China übernimmt das Robo-Kommando

In der Welt der Roboter herrscht eine neue Ordnung. Im Jahr 2018 hatte der US-Pionier iRobot über 52 Prozent Marktanteil bei Galaxus und Digitec. Der Absturz folgte prompt und gnadenlos: Bis 2025 schrumpfte das Kuchenstück von iRobot auf 6,5 Prozent.

Der chinesische Aufsteiger Dreame wurde 2017 gegründet und tauchte bis 2020 in der Statistik der Top-10-Brands noch gar nicht auf. Heute sind die Chinesen mit Sitz in Suzhou Marktleader bei Galaxus.

Mit einem Marktanteil von über 40 Prozent im Jahr 2025 hat Dreame den einstigen Platzhirschen Roborock hinter sich gelassen. Zusammen mit Xiaomi kontrollieren die Top-3-Brands, die alle aus dem Reich der Mitte stammen, mittlerweile über 80 Prozent des Schweizer Robotermarktes. Europäische oder amerikanische Player sind praktisch verschwunden.

«Die chinesischen Hersteller haben den Robotermarkt erobert, und definieren ihn zurzeit», sagt Fabian Fleischli, Category Business Manager bei Galaxus. «Wir beobachten eine extreme Innovationsgeschwindigkeit bei den chinesischen Herstellern.» Dass der Markt gnadenlos ist, zeigt das Schicksal von iRobot: Der amerikanische Pionier, der mit dem «Roomba» den Saugroboter einst populär machte, musste sich wegen finanzieller Schwierigkeiten kürzlich vom chinesischen Fabrikationspartner übernehmen lassen.

  • News & Trends

    iRobot hat massive Probleme – und wird übernommen

    von Lorenz Keller

Das Unternehmen Dyson, das ursprünglich in England gegründet wurde, hat bei herkömmlichen Staubsaugern mit 13 Prozent Marktanteil bei Galaxus die Nase vorne. Bei den Robotern spielt das Unternehmen hingegen eine untergeordnete Rolle. Das einzige Robotermodell im Sortiment kommt bei weitem nicht an die Verkaufszahlen der chinesischen Konkurrenz heran.

Premium statt Billig: Roboter werden teurer

Der durchschnittliche Verkaufspreis für einen Saugroboter bei Galaxus stieg in den letzten sieben Jahren von 463 auf 582 Franken – ein Plus von 25 Prozent. Klassische Staubsauger hingegen wurden im selben Zeitraum günstiger: von 237 auf 199 Franken, ein Minus von 16 Prozent.

Das Preiswachstum bei Robotern hat seine Gründe: Die Geräte können heute deutlich mehr und jedes Jahr kommen neue Features dazu. Moderne Modelle entfernen nicht nur Staub, sondern nehmen den Boden feucht auf, entsorgen das dreckige Wasser in einer Absaugstation, können Treppen steigen oder Objekte aus dem Weg räumen. Diese Features lassen sich die Hersteller etwas kosten – Preise von über 1000 Franken für die Top Modelle sind keine Seltenheit und die Kundinnen und Kunden greifen immer öfter bei den teuren Modellen zu.

Dyson hält die Krone bei den klassischen Saugern

Geht es um klassische Staubsauger, steht Dyson an der Spitze, hat aber seit 2018 mehr als die Hälfte seines Anteils an den Verkäufen bei Galaxus eingebüsst. Neben Dyson waren 2018 die meisten Brands europäischer Herkunft. Auf der Top-10-Liste befand sich damals keine einzige Marke aus China. Jetzt, rund acht Jahre später, sind mit Xiaomi und Dreame zwei chinesische Marken in den Top 10 vertreten.

Junge lassen putzen, Ältere schrubben selbst

Wer sich einen Putz-Roboter zulegt, ist auch eine Frage des Geburtsdatums. Die Daten zeigen einen Generationen-Graben: Saugroboter sind vor allem bei der jüngeren und mittleren Generation beliebt. 70 Prozent der Käuferinnen und Käufer von Roboterstaubsaugern sind unter 45 Jahre alt. Anders sieht es bei den klassischen Staubsaugern aus: Über 40 Prozent der Käufer von Schlitten- und Akkusaugern sind über 45 Jahre alt.

Ob in Zukunft nur noch Roboter die Saugarbeit übernehmen? Fabian glaubt an Koexistenz der beiden Geräteklassen: «Roboter werden noch besser, können bald Treppen steigen oder Objekte aus dem Weg räumen. Dennoch glaube ich, dass der klassische Staubsauger weiterhin seine Daseinsberechtigung hat – gerade für den Feinschliff hinter Türen oder in Ecken.»

Hast du deinen Staubsauger schon in Rente geschickt oder legst du lieber noch selber Hand an?

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Als Multimedia-Produzent ist es für mich eine Selbstverständlichkeit, Inhalte auf vielfältige Art und Weise aufzubereiten. In meiner Freizeit zieht es mich in die Berge, sei es zum Skifahren, Mountainbiken oder Wandern. Und natürlich habe ich meine Kamera immer griffbereit, genauso wie meine FPV-Drohne. 


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