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Belichtungsdreieck: Der Zusammenhang zwischen Verschlusszeit, Blende und ISO

Verschlusszeit, Blende und ISO hängen mathematisch voneinander ab. Das musst du wissen, um die Belichtungsautomatik deiner Kamera zu verstehen. In seltenen Fällen ist auch selbst nachrechnen angesagt.

Drei Faktoren bestimmen die Belichtung eines Fotos: Verschlusszeit (Belichtungszeit), Blende und ISO-Wert.

  • Verschlusszeit: Je länger du belichtest, desto mehr Licht gelangt auf den Sensor.
  • Blende: Je grösser die Blende, desto mehr Licht gelangt auf den Sensor.
  • ISO: Je höher der ISO-Wert, desto empfindlicher reagiert der Sensor auf Licht.

Weil diese Faktoren sich gegenseitig beeinflussen, werden sie oft in einem Dreieck dargestellt. Darum der Name «Belichtungsdreieck».

Wenn ich die Verschlusszeit verkürze, muss ich die ISO erhöhen, die Blende öffnen oder beides. Aber um wieviel genau?

Die gegenseitige Abhängigkeit

Bei Verschlusszeit und ISO bedeutet eine Verdoppelung des jeweiligen Werts auch eine Verdoppelung der Lichtmenge. 200 ISO bringt doppelt so viel Licht wie 100 ISO, und 1/50 Sekunde doppelt so viel wie 1/100 Sekunde.

Ein Foto ist also jeweils gleich stark belichtet mit:

  • 100 ISO und 1/50 Sek.
  • 200 ISO und 1/100 Sek.
  • 400 ISO und 1/200 Sek.

Dies immer unter der Annahme, dass die Blende konstant bleibt.

Mit der Blende ist das Rechnen etwas komplizierter. Zum einen ist die Zahl der Nenner eines Bruchs. Blende F4 ist eigentlich F 1/4, oder auch F/4 geschrieben. Darum ist F4 die kleinere Blende als F2, schliesslich ist ¼ kleiner als ½.

Zum anderen verlaufen die Blendenstufen nicht linear. Für die doppelte Lichtmenge wird die Blende nicht verdoppelt, sondern mit der Quadratwurzel multipliziert. Das ergibt gerundet folgende Blendenreihe:

1, 1.4, 2, 2.8, 4, 5.6, 8, 11, 16, 22, 32

Jede Zahl dieser Reihe bedeutet eine Verdoppelung der Lichtmenge. Blende 1 fängt doppelt so viel Licht ein wie Blende 1.4, und Blende 22 doppelt so viel wie Blende 32.

Umrechnen: ein Beispiel

Umrechnen musst du nur selten. Bei Nachtaufnahmen kann es nützlich sein: Du machst ein Testfoto mit hoher ISO und kurzer Belichtung, damit du nicht jedes Mal mehrere Sekunden belichten musst, um die richtige Helligkeit zu finden. Sobald du die richtige Belichtung herausgefunden hast, rechnest du um. Beispiel:

  • Bei 6400 ISO braucht es 1/10 Sekunde
  • 6400 ISO ist 64 * 100 ISO
  • daher: 64 * 0.1 Sekunden = 6.4 Sekunden für 100 ISO

Belichtungsautomatik verstehen

Wichtiger als solche Rechnereien ist, dass du weisst, wie die Belichtungsautomatik deiner Kamera funktioniert. An der Kamera kannst du alle drei Faktoren des Belichtungsdreiecks auf manuell oder automatisch stellen. Blende und Verschlusszeit regelst du bei den meisten Kameras über den Kameramodus. Der bestimmt, ob du nur die Blende (A), nur die Verschlusszeit (S), beides (M) oder keines von beidem (P) manuell regelst.

Foto-Kurztipp: Welcher Kameramodus wofür?
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Den ISO-Wert stellst du unabhängig vom Modus auf automatisch oder auf einen bestimmten Wert.

Die Kamera sorgt somit für ein automatisch richtig belichtetes Bild, ausser wenn du alle drei Faktoren auf manuell gestellt hast. Dabei sind der Kamera jedoch Grenzen gesetzt. Zum Beispiel kann ein Objektiv mit einer Lichtstärke von F/4 keine grössere Blende als F/4 liefern. Daher kann ein Bild auch dann über- oder unterbelichtet sein, wenn du einen oder mehrere Werte auf automatisch gestellt hast.

Wenn das Licht knapp ist, musst du dich entscheiden: Du kannst nicht gleichzeitig eine tiefe ISO für die beste Qualität, eine kurze Verschlusszeit für eingefrorene Bewegungen und eine geschlossene Blende für viel Tiefenschärfe haben. Das, was du manuell festlegst, ist der Wert, der für dein Bild wirklich wichtig ist und bei dem du keine Zugeständnisse machen willst.

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David Lee, Zürich

  • Senior Editor
Durch Interesse an IT und Schreiben bin ich schon früh (2000) im Tech-Journalismus gelandet. Mich interessiert, wie man Technik benutzen kann, ohne selbst benutzt zu werden. Meine Freizeit ver(sch)wende ich am liebsten fürs Musikmachen, wo ich mässiges Talent mit übermässiger Begeisterung kompensiere.

9 Kommentare

3000 / 3000 Zeichen
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User Screwface

Eigentlich ziemlich simpel, nicht wahr? Dennoch haben viele Anfänger Mühe damit und darum empfehle ich, sofern es die Situation erlaubt, auf den vollmanuellen Modus zu verzichten und lieber einen der drei Parameter der Kamera zu überlassen. Das hat den Vorteil, dass man sich mehr auf sein Motiv konzentrieren kann und weniger gute Momente verpasst, nur weil man z.B. zu lange an der ISO herumdreht. Mit Übung klappt es dann schneller und intuitiver.
Wichtig ist auch, dass man sich erst einmal Gedanken darüber macht, was man fotografieren will und welchem der drei Parameter man dafür die höchste Priorität zukommen lassen sollte. Ausserdem sollte ISO immer dein Freund sein und nicht wegen ein wenig mehr Bildrauschen künstlich und auf Kosten von Blende und Verschlusszeit tief gehalten werden. Fotos betrachtet man besser als Ganzes und wenn man nicht ständig in der 100%-Ansicht am "Pixel-Peepen" ist, dann kann man mit jeder modernen Kamera auch mal problemlos ISO 6400 und darüber verwenden. Ach ja, eh ich es vergesse: Wann immer möglich, einen Blick aufs Histogramm werfen. Histogramm richtig verstehen ist auch schon die halbe Miete zum korrekt belichteten Bild!

03.06.2019
User David Lee

Bin mit allem einverstanden, was du schreibst. Da verlink ich doch nochmal meinen Beitrag zum Histogramm: digitec.ch/de/page/foto-kur...

03.06.2019
User manveru0

@Screwface: Das mit dem ISO stimmt nur dann wenn du keine ISO-losen Sensor hast. FUJI X-Sensoren z.B. sind sogenannt ISO - less. D.h. es spielt in der Praxis (fast) keine Rolle ob du beim Shooting oder während der RAW Konvertierung die ISO Werte veränderst. Aber, und da hast du recht, auch bei solchen Sensoren bleibt ISO dein Freund (nur halt eben erst bei der digitalen Nachbearbeitung).

03.06.2019
User Screwface

@Manveru0 - Du sprichst von ISO-Invarianz? Die spielt keine Rolle, wenn es darum geht, die optimale Verschlusszeit, oder Blende zu halten. Ich spreche von Leuten, die statt 1/1000, lieber eine 1/500 nehmen, nur damit sie nicht zu hoch mit der ISO rauf müssen, um nur ein Beispiel zu nennen. Gleiches, wenn es um die Blende geht, wobei hier auch viele das Gefühl haben, sie müssen alles offenblendig fotografieren, nur weil ein sehr lichtstarkes Objektiv auf der Kamera ist. Ich z.B. kann (Gesichts-)Portraits nicht viel abgewinnen, welche nur ein scharfes Auge haben, ausser der Winkel auf das Gesicht ist so schräg, dass es wieder weniger störend ist. Ein weiteres Beispiel: Gerade eben habe ich ein Stapel Fotos bearbeiten müssen, welche an einem Event, bei vorwiegend Kunstlicht aufgenommen wurden. Der Fotograf hat sich entschieden, nicht zu blitzen, was ich persönlich ok finde und selber nicht gerne mache ("Paparazzi-Effekt"). Das Problem ist einfach, dass er die Verschlusszeiten zu knapp bemessen hat und dadurch vielfach Bewegungsunschärfe in den Bildern ist. Hier hätte ich z.B. lieber eine höhere ISO genommen, da ich das Bild-Rauschen später noch in den Griff bekommen kann und mir ein scharfes Foto wichtiger ist - Fehlende Schärfe fehlt am Ende eben, ausser man braucht nur Briefmarken grosse Fotos in der Ausgabe.

05.06.2019
Antworten
User cankonpc

Falls sich jemand fragt, wie die Werte der Blendenreihe zustandekommen:
Die Blendenzahl ist das Verhältnis aus Brennweite und Durchmesser der Eintrittspupille, also zweier Längen. Für die Beleuchtungsstärke ist jedoch die Fläche der Eintrittspupille ausschlaggebend, und diese ändert sich quadratisch mit dem Durchmesser und somit quadratisch mit der Blendenzahl.
Beispiel: Für die doppelte Beleuchtungsstärke muss sich auch die Fläche der Eintrittspupille verdoppeln, d.h. die Blendenzahl ändert sich um den Faktor Wurzel 2.

Dies nur als Ergänzung. ;)

03.06.2019
User digibot1

Interessanter Artikel und super geschrieben. Immer wieder erneut hilfreich zu lesen, vor allem für Neulinge, zu denen ich auch mich zähle.
Ich würde es sehr begrüssen, wenn du auch noch etwas übers Filmen schreiben könntest. z.B. Shutter, ND-Filter (wann wähle ich welche, etc) verschiedene Framerates (z.B. was kann beim Schnitt kombiniert werden 30fps / 60fps) filme ich besser in 4k 30fps oder 2.7k 60fps, usw.
Diese Themen sind sehr Umfangreich, vielleicht hättest du Freude daran über das eine oder andere ebenfalls einen Beitrag zu verfassen :D ich würde mich freuen
Danke und einen schönen Tag ;)

04.06.2019
User jeevanandk

Das habe ich seinerzeit dank Encarta gelernt in einer interaktiven Animation. Schade gibt es das nicht mehr ist meiner Meinung nach viel besser als Wikipedia.

03.06.2019
User JiSiN

uh~ Encarta.
Das waren noch Zeiten :)

03.06.2019
Antworten
User RomanL1

Wie kommt die Blendenzahl-Reihe genau zusammen?
Das mit der Quadratwurzel habe ich nicht verstanden.

04.06.2019