Du bist nicht mit dem Internet verbunden.
Galaxus Logo
News & Trends Security3019

«Autopilot»: Wenn der Name nicht Programm ist

«Super Cruise»? «Verkehrsassistent»? Oder doch «Autopilot»? Klingt alles irgendwie identisch – ist es aber nicht. Weshalb es wichtig ist, wie Autohersteller ihre Fahrassistenten nennen.

Nicht nur Handys, sondern auch Fahrzeuge werden smarter. Vom automatischen Parkieren über die Geschwindigkeitsanpassung im Stau bis hin zum Halten der Spur – im 21. Jahrhundert steckt in jedem Auto ein Computer. Dieser bietet allerlei Unterstützung beim Autofahren. Tesla nennt seinen Fahrassistenten beispielsweise «Autopilot», Audi «Traffic Jam Assist», Cadillac «Super Cruise», BMW «Driving Assistant Plus» und Nissan «ProPilot Assist». Das klingt für mich alles irgendwie ähnlich. Zudem spielt es meiner Meinung nach keine grosse Rolle, wie das Hilfsmittel heisst.

Oh doch, und wie es das tut!

Hände weg vom Autopiloten

Eine von zehn Personen würde in einem fahrenden Auto ein Nickerchen machen, wenn ein Fahrassistent aktiviert ist und dieser «Autopilot» heisst. Das zeigt eine Studie des Insurance Institute for Highway Safety. Wie wichtig der Name des Fahrassistenten tatsächlich ist, untermauern die Antworten auf die Frage, ob die befragte Person die Hände vom Steuer nehmen würde, am eindrücklichsten. Wenn der Assistent die Bezeichnung «Autopilot» trägt, dann würden fast die Hälfte aller Befragten das Lenkrad loslassen. Heisst das Feature «Traffic Jam Assist» – Stauassistent –, dann fällt diese Zahl auf 20 Prozent.

Vom Telefonieren bis hin zum freihändigen Fahren – der «Autopilot» macht’s scheinbar möglich. Quelle: iihs.org

Bei der Umfrage kannten die Teilnehmer zwar die Namen der Assistenten, wussten aber nicht, zu welchem Brand das jeweilige System gehört. Sie erhielten auch keine weiteren Infos zu den Systemen, beispielsweise was der «Autopilot» kann und der «Traffic Jam Assist» nicht. All diese Systeme funktionieren nicht ohne Eingriff des Fahrers. Das heisst, dass keiner der Assistenten ohne menschliche Komponenten genutzt werden kann. Und trotzdem gibt die Nomenklatur dem Lenker des Autos falsches Vertrauen in die Fähigkeiten des Systems.

Ab Level 1 wird’s spannend

Die SAE International (ehemals Society of Automotive Engineers) ist eine gemeinnützige Organisation, die sich um Fortschritt, Technik und Wissenschaft bei Fortbewegungsmitteln und -arten kümmert. Sie hat eine Skala ausgearbeitet, die von Level 0 bis 5 angibt, wie weit fortgeschritten bei einem Fahrzeug das System des automatischen Fahrassistenten ist.

  • Level 0: Der menschliche Fahrer macht alles.
  • Level 1: Ein automatisiertes System kann den Fahrer beim Ausführen einer bestimmten Teilaufgabe des Fahrprozesses unterstützen.
  • Level 2: Ein automatisiertes System kann den Fahrer beim Ausführen mehrerer Teilaufgaben des Fahrprozesses unterstützen. Der Fahrer muss dabei aktiv mit dem Fahrzeug interagieren und die automatisch ausgeführten Aufgaben überwachen.
  • Level 3: Ein automatisiertes System führt alle Teilaufgaben des Fahrprozesses eigenhändig aus. Der Fahrer muss aber bereit sein, bei einem Systemausfall zu intervenieren oder das Steuer zu übernehmen.
  • Level 4: Ein automatisiertes System führt alle Teilaufgaben des Fahrprozesses selbständig aus, ohne jeglichen Input des Fahrers, aber nur bei gewissen Bedingungen (beispielsweise bei einer Geschwindigkeit unter 30 km/h oder im Stadtzentrum).
  • Level 5: Ein automatisiertes System führt alle Teilaufgaben des Fahrprozesses selbständig aus, ohne jeglichen Input des Fahrers.

So sehen die meisten Fahrassistenten auf dem Armaturenbrett aus (hier: Mercedes-Benz). Quelle: Mercedes-Benz Passion

Moderne Fahrzeuge sind mit den Systemen auf Level 1 oder 2 ausgerüstet, je nach Hersteller. Ein Beispiel für Level 1 ist die Fähigkeit, den PKW automatisch in der Mitte der Spur zu halten. Oder wenn das System die Geschwindigkeit und den Abstand zum vorausfahrenden Wagen hält. Kann der Fahrassistent beide Aufgaben gleichzeitig ausführen, entspricht dies bereits Level 2. Bis zu Level 5 und dem selbstfahrenden Auto ist es ein weiter Weg – wären da nicht die für viele Lenker irreführenden Bezeichnungen.

Ist der Name schuld?

Speziell beim Tesla scheint für viele der Wurm drin zu sein. Immer wieder erscheinen Meldungen über haarsträubende Unfälle mit den futuristischen Elektrowagen. Und jedes Mal war der «Autopilot» eingeschaltet. Obwohl der Hersteller ausdrücklich erwähnt, dass alle Funktionen «hands on»-Features sind, waren zudem die Hände der Unfalllenker nicht am Steuerrad. Egal, ob der Fahrer schlief oder anderweitig beschäftigt war. Glücklicherweise waren nicht alle Autos, die auf den Bildern und Videos im Internet abgebildet sind, auch in Crashes verwickelt.

Bei Tesla-Unfällen ist oft die falsche Benutzung und irreführende Bezeichnung des Fahrassistenten der Auslöser. Quelle: CityNews Toronto

Die Studie der IIHS beweist, dass der Name Verwirrung streuen und falsche Sicherheit vermitteln kann. Einen Fahrassistenten «Autopilot» zu nennen, klingt zwar zukunftsweisend und kurbelt die Verkäufe an, führt aber zu mehr Unfällen. Ein solcher Name suggeriert, dass das Fahrzeug selbst fahren kann. Ein anderer Grund ist, dass viele Fahrer ihre Fähigkeiten auf der Strasse überschätzen und aus Prinzip keine Anleitungen lesen. Gerade bei Elektrofahrzeugen, die vollgestopft sind mit modernster Technik, kann dies fatale Folgen haben. Wenn der Assistent hingegen mit «Traffic Jam Assist» bezeichnet wird, dann ist jedem Lenker klar, was das System kann – und vor allem auch, was es eben nicht kann.

Eines der wenigen Handbücher, die du lesen solltest: Die Anleitung für den Fahrassistenten. Quelle: view.joomag.com

Schlussendlich zählt aber immer noch, wie sich der Fahrzeughalter im Verkehr verhält – egal, wie der Fahrassistent heisst und welche Features er bietet. Die Autohersteller warnen die Lenker ausserdem explizit davor, bei eingeschalteten Assistenten die Hände vom Steuer und den Blick von der Strasse zu nehmen. Namen verwirren und Fahrassistenten helfen – die Schuld bei einem Unfall aber liegt immer noch beim Fahrer selbst.

Wenn du keine weiteren News & Trends mehr verpassen möchtest, klicke auf den «Folgen»-Button bei meinem Autorenprofil.

Diese Beiträge könnten dich auch interessieren

<strong>Hyper Casual Mobile Games:</strong> Fesselnd, schnell und mit viel Werbung
HintergrundGaming

Hyper Casual Mobile Games: Fesselnd, schnell und mit viel Werbung

Wieso <strong>Kryptowährungen</strong> physisches Geld ersetzen werden
MeinungComputing

Wieso Kryptowährungen physisches Geld ersetzen werden

<strong>Cheats</strong>: vom perfekten Testing Tool zum Affront der Gamer-Branche?
HintergrundGaming

Cheats: vom perfekten Testing Tool zum Affront der Gamer-Branche?

Avatar

Raphael Knecht, Zürich

  • Teamleader Editorial digitec
Wenn ich nicht gerade haufenweise Süsses futtere, triffst du mich in irgendeiner Turnhalle an: Ich spiele und coache leidenschaftlich gerne Unihockey. An Regentagen schraube ich an meinen selbst zusammengestellten PCs, Robotern oder sonstigem Elektro-Spielzeug, wobei die Musik mein stetiger Begleiter ist. Ohne bergige Rennrad-Touren und intensive Langlauf-Sessions könnte ich nur schwer leben.

30 Kommentare

3000 / 3000 Zeichen
Es gelten die Community-Bedingungen

User account

Bei all den schlechten News der Medien, wenn es mal einen Unfall gab wo ein (selbstfahrender) Tesla im Spiel war, wird leider häufig vergessen, wie viele Unfälle es jeden Tag mit Autos im Allgemeinen gibt. Häufig wird nur versucht, die Elektroautos schlecht zu machen.

Dabei ist in den meisten Unfällen vorwiegend nur einer schuld: Die Person hinter dem Ding, welches man Steuerrad nennt (der Mensch halt eben).

27.06.2019
User Metti93

Bekomme ich ein Amen!!??

27.06.2019
User Sterixir

Amen :)

27.06.2019
User jettaman

Leider immer wieder diese berüchtigten Trümps Fake News

28.06.2019
User sergey

pro gefahrenen Kilometer haben Teslas jedoch ca. 4mal mehr Unfalltote wie preislich vergleichbare deutsche Premium-Autos. und das ist im wesentlichen die Schuld vom "Autopilot", weil die Leute nicht verstehen dass es eben überhaupt kein Autopilot ist.

28.06.2019
User Aleks1989

Sergey ich würde liebend gerne wissen, woher du diese Statistik hast, hast du die bei Audi, BMW oder Mercedes abgeholt?

28.06.2019
Antworten
User x4253

Als Besitzer eines MX (mit AP2.5) sage ich: Hände gehören ans Lenkrad und die Augen auf die Strasse, denn auch wenn die Systeme schon sehr gut funktionieren: Fehler passieren (Phantombremsungen, Teerflicken werden als Spurmarkierungen interpretiert usw) und dann muss man als Fahrer jederzeit eingreifen.

Ich mag den Autopiloten. Längere Strecken auf der Autobahn sind wesentlich entspanter zu fahren mit, als ohne.

27.06.2019
User andy3

Ich finde die Bezeichnung Autopilot nicht als irreführend wie es hier dargestellt wird. Schliesslich wird der Begriff meistens in der Luftfahrt verwendet wo ebenfalls ein Pilot die Steuerung des Autopiloten überwacht. Statistisch bin ich mit dieser Einschätzung in der Minderheit, jedoch sollte es spätestens beim Aktivieren des Autopiloten jedem die Funktionsweise klar werden, da das Auto den Fahrer alle 15 Sekunden (Ungefähr) daran erinnert, sollte er die Hände nicht am Lenker haben.

Traffic Jam Assist würde wohl beim Tesla nicht mehr zum gegebenen Funktionsumfang passen.

27.06.2019
User digiterf

Es wäre hilfreich, wenn die 'Experten' eigene Erfahrungen gemacht hätten. Nach 30'000 km wovon ca. 20'000 mit dem Tesla Autopilot verstehe ich viele Artikel und Kommentare nicht. Probiert doch einmal den Autopiloten selber aus. Vom Hörensagen lernt man lügen. Für mich steht fest, dass der Mensch mehr Fehler macht als die Technik. Vollkommen ist die Technik aber (noch) nicht. Ich möchte den Autopiloten nicht mehr missen!

28.06.2019
User yvesmeppiel

Da bin ich absolut mit Ihnen einig. Ich habe nun 31'000km mit meinem Tesla Model S gemacht und die meisten mit aktivierten Autopiloten. Mittlerweile ist unglaublich was der schon alles kann.

04.07.2019
Antworten
User miklagard

Ein Bericht zu generellen Daten erhebung in modernen Autos wäre mal spannend. Ebenso was deaktiviert werden kann. Sprachsteuerung via bei Mercedes und BMW sind mir da ein Dorn im Auge, wenn man die letzten Berichte zu Alexa liest.

27.06.2019
User Anonymous

Zitat:

"Die Studie der IIHS beweist, dass der Name Verwirrung streuen und falsche Sicherheit vermitteln kann."

Das mag für zufällig ausgewählte Autofahrer, die keine Ahnung bzgl. dieser Assistenzsysteme haben, stimmen, aber das ist wenig aussagekräftig. Relevant sind schlussendlich nur diejenigen Fahrer, die auch tatsächlich eines dieser Systeme in ihren Autos verbaut haben und nutzen möchten. Und da sieht die Sache zumindest bei Tesla in Deutschland ganz anders aus:

tesla.com/de_CH/blog/tesla-...

98 % der befragten Teslafahrer* verstehen, dass der Fahrer jederzeit die Kontrolle über das Fahrzeug haben muss.

*Befragung durch eine externe Firma, nicht durch Tesla selbst

01.07.2019
User amigafreak

**Befragung von Tesla in Auftrag gegeben und finanziert 😁

06.07.2019
User Anonymous

Ja, natürlich, durch wen denn sonst?

08.07.2019
Antworten
User bkeleanor

würde man die umfrage in der schweiz machen hoffe ich das die zahlen niedriger sind.

27.06.2019
User yvesmeppiel

Und wieder mal ein Artikel, der von einem Autor geschrieben wurde, der noch nie einen Tesla mit aktuellem Autopiloten gefahren ist.
Mein Tipp an Sie Herr Knecht, fahren Sie mal mit einem Tesla und schreiben Sie danach, ob Sie immer noch suggerieren möchten, dass der Tesla Autopilot mit Assistenz Systemen anderer Hersteller vergleichbare wäre.

04.07.2019
User Anonymous

Bis wir mit Autos Supercruise erreichen vergehen noch ein paar Generationen.
Mal davon ausgehend ihr versteht was Supercruise überhaupt ist...

27.06.2019
User CeruttiPartnerEDV

Na klar

Als Supercruise bezeichnet man die Fähigkeit eines Kampfflugzeugs, ohne Nachbrenner dauerhaft schneller als der Schall zu fliegen (Definition Wikipedia)

Hauptsache besserwisserisch daherreden

27.06.2019
User Anonymous

Entschuldige, es hätte wohl heißen müssen "fähig ist google zu verwenden" :-).

27.06.2019
User CeruttiPartnerEDV

Hehe ja... oder in der Lage ist Ironie zu erkennen ;-)

27.06.2019
User crazynet

Was für ein schlechter Artikel! Konzentriert eich bitte auf euer Sortiment und das was ihr könnt! Dein Artikel suggeriert, dass mit Assistenz Systemen mehr Menschen sterben, was schlichtweg falsch ist. Ein Mixer aus eurem Sortiment kann bei falscher Anwendung auch tödlich sein, oder ein Föhn, oder oder oder....
@Raphael Knecht: bist du mal mit einem Tesla Autopilot gefahren? Wenn nicht, melde dich.

16.07.2019
Antworten