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Auf dem Laufsteg ein Highlight – aber im Alltag? Die Glastasche im Test

Laura Scholz
30.05.2022

Eine Handtasche aus Glas. Ist das genauso unpraktisch, wie es klingt? Inspiriert von der Special Edition der «Swipe Bag» von Coperni habe ich mich eine Woche lang mit einem zerbrechlichen Täschchen durchs Leben bewegt.

Welches Accessoire ist noch weniger alltagstauglich als Cinderellas gläserner Schuh, in dem sie auf einem Ball um die Gunst eines lethargischen Prinzen tanzte? Ich würde mal sagen: eine gläserne Tasche. Solche wurden während der Herbst/Winter-2022-Show des Pariser Brands Coperni im Akkord über den Laufsteg getragen.

Glastaschen auf dem Coperni-Laufsteg.
Glastaschen auf dem Coperni-Laufsteg.
Bilder: Imaxtree

Optisch ein echtes Highlight, gar keine Frage. Ob mit Teufelshörnchen oder babyblauem Farbverlauf, die Glas-Variante der «Swipe Bag» macht am Handgelenk einiges her. Für die disney-würdigen Accessoires hat Coperni mit Breanna Box und Peter Dupont zusammengespannt. Das kreative Model-Paar hielt sich im schwierigen 2020 mit Glasbläserei bei Laune, begann nach dem ersten Lockdown mit der Produktion von kitschig schönen Einzelstücken wie Vasen und Karaffen. Inzwischen ist daraus der Brand Heven entstanden, frisch umgesiedelt von London nach Brooklyn, New York. Wann und zu welchem Preis die märchenhafte Kollaboration für uns alle lanciert wird, ist laut Dupont noch nicht endgültig ausgetüftelt. Bisher sind nur wenige Auserwählte in den Genuss der gläsernen «Swipe Bag» gekommen – Rapperin Doja Cat führte sie an die diesjährigen Grammys aus, Beauty-Mogul Kylie Jenner trägt darin ihren Lipgloss spazieren.

Kylie Jenner braucht unterwegs scheinbar nur ihr Lip Kit.
Kylie Jenner braucht unterwegs scheinbar nur ihr Lip Kit.
Bilder: Instagram @coperni

Glasklar: Dieser Trend will getestet werden

Obwohl Preis etc. noch nicht feststehen, bin ich mir ziemlich sicher: Das gehypte Täschchen wird so oder so mein persönliches Budget sprengen. Ausserdem bin ich skeptisch. Eine Tasche aus Glas?! Das kann nicht lange gut gehen. Ok, genau wissen will ich es trotzdem. Also hilft nur eins: testen. Kurzes Stöbern und ein paar Klicks auf Ricardo genügen, schon ist ein fragiles Accessoire aus blauem und grünem Murano-Glas sicher verpackt auf dem Weg zu mir. Kostenpunkt? Rund CHF 50.00.

Was ich erwarte?

Eine schwere, unpraktische Tasche, die garantiert schnell lädiert, angeschlagen, wenn nicht sogar kaputt ist.

Was ich bekomme?

1154 Gramm zeigt meine Küchenwaage an, als ich die leere Glastasche darauf platziere. Meine Essentials – iPhone, Cardholder, Lipbalm, EarPods, Schlüssel und Taschentücher – passen gerade so in die schmale Öffnung zwischen den zwei starren Henkeln.

Bei mir muss dann doch einiges mehr mit.
Bei mir muss dann doch einiges mehr mit.
Bilder: Laura Scholz
Schlüssel, iPhone, Cardholder & Co. finden gerade so Platz.
Schlüssel, iPhone, Cardholder & Co. finden gerade so Platz.

Eines dieser Teile je nach Bedarf wieder herauszufischen, ist schon schwieriger. Am besten bewährt sich eigentlich die Kipp-Methode. Sowie der gesamte Inhalt einmal auf Boden oder Tisch gepurzelt ist, angele ich mir, was ich brauche und lasse den Rest wieder im zugegebenermassen hübsch anzusehenden Glaskörper verschwinden. Praktisch ist der bei aller Liebe zur Ästhetik aber nicht – vor allem, wenn du vor deiner Haustür stehst und das Objekt deiner Begierde der Schlüssel ist. Doch was macht man nicht alles.

Ich kippe also einige tagelang meinen Tascheninhalt vors Haus und gewöhne mir bald etwas genervt an, den Schlüssel im Hosensack zu verstauen. Sorge macht mir ausserdem mein Smartphone, das während der Testphase beunruhigend laut zwischen den zwei Glaswänden der Tasche hin und her klimpert. Wer gibt wohl zuerst nach, das Handy oder die Bag? Spoiler: Beide überleben das Experiment relativ unversehrt.

Abgesehen von meiner eigenen Skepsis, die sich hartnäckig hält, ernte ich auch von Kolleg:innen eher Spott als neidische Blicke. «Das ist nicht ernsthaft deine Tasche?!», «Bescheuert!» und «Jetzt geht’s aber wirklich zu weit …», ist nur ein Teil des Feedbacks, das man mir in der Real-Life-Kommentarspalte hinterlässt. Jaja, ich sehe es ja genauso.

Mein Fazit

Die «Swipe Bag» aus Glas von Coperni und Heven ist ein mega cooles Laufsteg-Highlight und allein für die kreative Idee und perfekte Umsetzung jedes einzelne Instagram-Like wert. Im realen Leben, in dem in der Regel etwas mehr Verkehr herrscht als auf dem Runway und für das ich mehr als Lippenpflege benötige, sind Taschen aus Glas aber viel zu fragil, unflexibel, schwer und umständlich. Es mangelt an Stauraum und die Wenigkeiten, die ich verstauen kann, laufen nonstop Gefahr, angeschlagen zu werden oder umgekehrt: die Tasche anzuschlagen. Bin ich hooked, was die mundgeblasenen Produkte von Heven angeht? 100 Prozent! Würde ich Hunderte Franken (allein die Leder-Version kann bis zu CHF 730.00 kosten) ausgeben, um mir die gläserne «Swipe Bag» ans Handgelenk zu hängen? Never. Ever.

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Immer zu haben für gute Hits, noch bessere Trips und klirrende Drinks.


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