Auch in klein sehr gut: Fractal Meshify 2 Compact
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Auch in klein sehr gut: Fractal Meshify 2 Compact

Kevin Hofer
Zürich, am 24.02.2021
Das Meshify 2 gibt’s jetzt auch kompakt, zumindest nach ATX-Standard. Das Gehäuse des schwedischen Herstellers erfüllt selbst in der kleineren Version alle Anforderungen moderner Gehäuse. Ein paar Dinge fehlen im Vergleich zum grossen Bruder jedoch.

Mich trifft beinahe der Schlag, als ich das Meshify 2 Compact aus der Kartonschachtel nehme. Als «Compact» würde ich das Gehäuse nicht bezeichnen. Es ist riesig. Das liegt aber daran, dass ich mich in letzter Zeit Mini-ITX-Gehäusen verschrieben habe. Den kleinen Formfaktor finde ich toll und die Cases werden immer besser. Tatsächlich ist das Compact gleich hoch wie der grosse Bruder Meshify 2. Nur in der Grundfläche ist es geschrumpft.

Klein, aber nicht wirklich klein

Fractal hat mir für das Review das Meshify 2 Compact in Schwarz mit getöntem Seitenfenster zur Verfügung gestellt. Es gibt das Gehäuse in diversen Ausführungen.

D. Meshify 2 Compact (Midi Tower)
–16%
116.–statt 137.84
Fractal D. Meshify 2 Compact (Midi Tower)
D. Meshify 2 Compact (Midi Tower)
119.–
Fractal D. Meshify 2 Compact (Midi Tower)
D. Meshify 2 Compact (Midi Tower)
124.–
Fractal D. Meshify 2 Compact (Midi Tower)

Das Compact sieht aus wie ein hochgezogenes Meshify 2. Mit 47,5 Zentimetern Höhe ist es gleich hoch wie das Meshify 2. Dafür ist es drei Zentimeter weniger breit und rund zwölf Zentimeter kürzer. Somit ist das Compact rund 42,5×21×47,4 Zentimeter (L×B×H) gross. Sonst bleibt alles gleich wie beim Meshify 2. Die Oberseite kommt aus einem Guss und ist auf der ganzen Seite leicht abgeschrägt. Die Füsse sind aus Kunststoff und identisch mit dem grossen Bruder. Trotz des Materialmix aus Stahl und Kunststoff, fallen mir keine Farbabweichungen auf. Beim 8,1 Kilogramm schweren Gehäuse ist die Verarbeitungsqualität – wie beim Meshify 2 – einwandfrei.

Die Seitenpanele werden einfach ausgeklinkt.
Die Seitenpanele werden einfach ausgeklinkt.

Statt mit Fingerschrauben, lassen sich die Seitenpanele schraubenlos entfernen. Das Mesh-Panel vorne mit integriertem Staubfilter und das Top-Panel lassen sich ebenfalls einfach ausklinken. Unten, vorne und oben gehören Staubfilter zum Lieferumfang und bei den Anschlüssen stehen ein USB-C 3.1 Gen 2, zwei USB-A 3.0 und Audio I/O zur Verfügung. Also alles gleich wie beim Meshify 2.

Bei den Frontanschlüssen ist alles Nötige vorhanden.
Bei den Frontanschlüssen ist alles Nötige vorhanden.

Im Inneren sehe ich die ersten Unterschiede zum grossen Bruder: Aufgrund der Grösse des Meshify 2 Compact lassen sich keine E-ATX Mainboards verbauen. Es stehen Mini-ITX, mATX und ATX zur Verfügung. Das Gehäuse ist zudem nicht so modular wie der grosse Bruder. Es steht lediglich das Standard-Layout zur Verfügung, das auf Airflow ausgerichtet ist. Ein Storage-Layout, für möglichst viel Speicherplatz, gibt es nicht. Dennoch lassen sich bis zu sechs 2,5-Zoll-Laufwerke oder vier 2,5-Zoll- und zwei 3,5-Zoll-Laufwerke verbauen. Mit dabei sind standardmässig zwei 2,5-Zoll-Laufwerk-Halterungen hinten und ein Laufwerkkäfig für zwei Laufwerke – bis 3,5-Zoll-Grösse – unten. Der Käfig lässt sich stufenlos verschieben oder ganz entfernen.

Der Staubfilter ist im Front-Mesh-Panel integriert, kann aber zur Reinigung entfernt werden.
Der Staubfilter ist im Front-Mesh-Panel integriert, kann aber zur Reinigung entfernt werden.

Auch die Lüfteranschlüsse lassen sich sehen: Bis zu sieben 120-Millimeter- oder vier 140-Millimeter- und zwei 120-Millimeter-Lüfter haben Platz. Fractal liefert zwei Dynamic X2 GP-14 vorne und einen Dynamic X2 GP-12 hinten mit. Bei den Radiatoren sind es oben bis zu 240er, vorne 360er und unten oder hinten 120er. Damit vorne ein 360er-Radiator Platz hat, müssen die Kunststoffblenden bei der Netzteilabdeckung entfernt werden und auch der Laufwerkkäfig hat keinen Platz mehr.

Weitere wichtige Daten: * maximale CPU-Kühler-Höhe: 169 Millimeter * maximale Grafikkartenlänge (ohne Lüfter vorne): 360 Millimeter

Die Bauerfahrung: Von weniger Platz keine Spur

Für den Test verbaue ich ein Intel-Testsystem mit folgenden Komponenten:

Core i9-10900K (LGA 1200, 3.70GHz, 10-Core)
488.–
Intel Core i9-10900K (LGA 1200, 3.70GHz, 10-Core)
TUF Gaming Z490-PLUS (wi-fi) (LGA 1200, Intel Z490, ATX)
212.–
ASUS TUF Gaming Z490-PLUS (wi-fi) (LGA 1200, Intel Z490, ATX)
Trident Z RGB (2x, 8GB, DDR4-3600, DIMM 288)
190.–
G.Skill Trident Z RGB (2x, 8GB, DDR4-3600, DIMM 288)
CS900 (960GB, 2.5")
94.70
PNY CS900 (960GB, 2.5")

Das Testsystem ist bis auf das RAM dasselbe, das ich für das Review des Meshify 2 gebraucht habe. Auf dieses RAM habe ich zurzeit leider keinen Zugriff, es wird das Ergebnis aber wohl nur minimal beeinflussen.

Beim Zusammenbau fällt mir auf: Es hat für alles genug Platz. Ich verbaue jedoch ein luftgekühltes System. Verbaust du oben oder vorne Radiatoren, kann es eng werden. Damit ich noch mehr Platz beim Bauen habe, könnte ich die Radiatorenhalterung oben entfernen, denn der Platz zwischen der Halterung und dem Mainboard ist sehr eng, wie bereits beim Meshify 2. Die abnehmbare Halterung schafft zwar beim Zusammenbau mehr Platz, willst du aber im Nachhinein etwas ändern, kommst du nicht mehr an die Anschlüsse oben. Insbesondere, wenn du Hardline-Tubes verbaust.

Die verbauten Komponenten im Gehäuse. Verbaust du vorne und oben Radiatoren für eine Wasserkühlung, wird es eng. Aber machbar ist es allemal.
Die verbauten Komponenten im Gehäuse. Verbaust du vorne und oben Radiatoren für eine Wasserkühlung, wird es eng. Aber machbar ist es allemal.

Im Innenraum sind bei den PCIe-Slots ebenfalls keine Zwischenstreben. Das ist Absicht von Fractal, denn so lässt sich das Flex B-20, eine neue Halterung zur vertikalen Montage von GPUs, leicht befestigen. Ansonsten ist der Innenraum vorne ähnlich wie beim grossen Bruder. Ausser, dass zwischen Front und Mainboard weniger Platz besteht.

Die Rückseite unterscheidet sich deutlicher vom Meshify 2. Zwei Dinge fehlen: Die Kabelblende unten, um den Kabelsalat beim Netzteil zu verstecken, und der Lüfter-Controller. Die hat Fractal wegrationalisiert. Die vom grossen Bruder bekannte Kabelführung ist jetzt links, statt mittig angebracht. Das macht Sinn, da die Wege so kürzer sind. Dennoch hat es Anschlussmöglichkeiten in der Mitte für Kabelbinder. In meinem Fall habe ich das nicht gebraucht. Hier könntest du ebenfalls einen Lüfter-Controller anschliessen.

Die Kabelblende unten fehlt im Gegensatz zum Meshify 2.
Die Kabelblende unten fehlt im Gegensatz zum Meshify 2.
Die Kabel sind deutlich sichtbar, zudem ist der Abstand vom Netzteil zum Laufwerkkäfig gering.
Die Kabel sind deutlich sichtbar, zudem ist der Abstand vom Netzteil zum Laufwerkkäfig gering.

Insgesamt ist der Zusammenbau im Meshify 2 Compact wie beim grossen Bruder sehr angenehm und in gewohnter Fractal-Manier.

Da die Kabelführung links ist, hat es mittig Platz für einen Lüfter-Controller oder weitere Kabel.
Da die Kabelführung links ist, hat es mittig Platz für einen Lüfter-Controller oder weitere Kabel.

So gut ist der Airflow

Wichtiger als das Design und die Bauerfahrung ist bei einem Gehäuse der Airflow. Dem Meshify 2 konnte ich einen exzellenten Airflow attestieren. Dasselbe kann ich auch zum Compact sagen. Wie immer teste ich das Gehäuse im Stock-Zustand, ich schliesse also keine zusätzlichen Lüfter an und lasse im BIOS die Lüftersteuerung auf Standard.

Um den Airflow zu testen, lasse ich die beiden Stresstests – HeavyLoad für die CPU und FurMark für die GPU – während zwanzig Minuten laufen und überwache die Temperaturen mit HWiNFO64.

Bevor ich den Test starte, messe ich die Umgebungstemperatur und die Temperaturen der Komponenten sowie die Lautstärke im Leerlauf – oder auch: Idle. Im Leerlauf messe ich knapp 34 dB Schall, die Umgebungstemperatur beträgt 23,2° Celsius. Beim Meshify 2 habe ich 35 dB gemessen. Das lässt mich etwas an meiner Messmethode zweifeln. Ich verwende immer das Testo Schallpegel-Messgerät 815 aus 30 Zentimetern Entfernung von der Front des Gehäuses. Ich kann mir den Unterschied nur durch Nebengeräusche erklären. In meinem Homeoffice herrschen leider nicht immer dieselben Bedingungen.

Nachdem ich den Test gestartet habe, steigt der Lärmpegel innert Kürze auf rund 44 dB und bleibt während den gesamten zwanzig Minuten auf diesem Niveau. Die Schallentwicklung ist etwas höher als beim Meshify 2. Dort habe ich 42 dB unter Last gemessen. Die Raumtemperatur hingegen steigt nur um 0,4° Celsius. Beim Meshify 2 betrug der Unterschied von Anfang des Tests bis zum Ende 1,1° Celsius.

Die Temperaturen im Meshify 2 Compact.
Die Temperaturen im Meshify 2 Compact.
Die Temperaturen zum Vergleich im Meshify 2.
Die Temperaturen zum Vergleich im Meshify 2.

Bei der Temperatur innerhalb des Gehäuses sieht es anders aus: Der Intel i9-10900K wird bis zu 66° Celsius warm. Beim Meshify 2 waren’s nur 57° Celsius. Aber: Dort hat HeavyLoad die zehn Kerne der CPU mit durchschnittlich nur 4 GHz Taktfrequenz gestresst. Beim Compact waren’s durchschnittlich 4,5 GHz. Die 66° Celsius auf der CPU sind deshalb ein gutes Resultat. Das lässt mich zum zweiten Mal an meiner Testmethode zweifeln. Ich muss HeavyLoad in Rente schicken und ein anderes Programm wählen, das die CPU immer auf demselben Niveau stresst. Aida64, Prime95 oder der Heaven Benchmark stehen zur Auswahl. Weitere Vorschläge sind willkommen.

Bei den übrigen Temperaturen sind die Unterschiede weniger gross. Die Grafikkarte wird im Compact mit maximal 73° nur 2° Celsius wärmer als im grossen Bruder. Das ist ein guter Wert. RAM und Mainboard trennen nur 1° Celsius, wobei das Mainboard im Compact sogar kühler bleibt. Die Temperatur der SSD übersteigt in beiden Gehäusen 33° Celsius nicht.

Fazit: Das Meshify 2 ist auch in klein top

Das Meshify 2 Compact steht seinem grossen Bruder nur in der Grösse nach. Als Verbindungsglied zwischen ATX- und einem richtigen Mini-ITX-Gehäuse geht auch die Grösse in Ordnung.

Die Bauerfahrung und die Verarbeitung sind – wie gewohnt bei einem Fractal-Gehäuse – sehr gut. Schade ist, dass die Kabelblende hinten fehlt. Mit dem fehlenden Lüfter-Controller kann ich leben. Persönlich wechsle ich die Stock-Lüfter sowieso meistens aus. Aber je nach Anforderungen, ist das ärgerlich und kostet zusätzlich. Auch beim Airflow kann das Kleine mit dem Grossen mithalten, dafür musst du Abstriche bei der Modularität machen.

Mit 115 Franken / 120 Euro (Stand: 24.02.2021) ist das Gehäuse preislich in Ordnung, für die Verarbeitungsqualität und den Baukomfort. Falls du wenig Platz zur Verfügung hast, aber dennoch nicht auf ein vollwertiges ATX-Gehäuse verzichten möchtest, spricht nichts gegen das Meshify 2 Compact.

Gewinnspiel

Ich habe weder im Homeoffice noch im Office Platz für das Meshify 2 Compact. Deshalb möchte ich es weitergeben. Falls du dem Gehäuse ein neues Zuhause geben möchtest, klick unten auf den «Teilnehmen»-Knopf. Mit etwas Glück steht das Gehäuse bald bei dir.

Das Gewinnspiel dauert bis und mit Sonntag, 28. Februar 2021.

Willst du dem Meshify 2 Compact ein neues Zuhause geben?

Ja, ich will!

Der Wettbewerb ist inzwischen beendet.

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Kevin Hofer
Kevin Hofer
Editor, Zürich
Technologie und Gesellschaft faszinieren mich. Die beiden zu kombinieren und aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten, ist meine Leidenschaft.

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