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MacBook Neo kostet nur 579 Franken
von Samuel Buchmann

Dank einer maximal effizienten Lieferkette bietet Apple einen Laptop zum Kampfpreis an. Damit dürfte Cupertino die Konkurrenz ins Schwitzen bringen.
Mit dem MacBook Neo drängt sich Apple in den Markt der Budget-Laptops. Die Air- und Pro-Modelle erhalten derweil mehr Speicherplatz und werden in der Schweiz trotzdem nicht teurer. Die aktuelle Speicherkrise scheint bisher an Cupertino vorbeizuziehen, während sie andere Hersteller zu Preiserhöhungen zwingt. Damit wird die neue Generation von MacBooks attraktiver denn je und Apple könnte deutlich an Marktanteil gewinnen.
599 US-Dollar: Der Preis des MacBook Neo liegt am untersten Ende der Spekulationen im Vorfeld. In der Schweiz kostet es 579 Franken, in Deutschland 699 Euro. Mit dem Bildungsrabatt sind es nochmals 100 Franken oder Euro weniger. Schülerinnen, Studenten und Lehrerinnen können sich also für 479 Franken einen nagelneuen Apple-Computer kaufen. Das senkt die Schwelle für den Einstieg ins Mac-Ökosystem drastisch.
Gibt es Abstriche? Klar. Tech-Nerds rümpfen die Nase, wenn sie den iPhone-Chip von 2024, den kleinen Arbeitsspeicher und die minimalistischen Anschlüsse sehen. Doch das spielt für die Zielgruppe keine Rolle. Viel wichtiger ist, dass sich der dünne Aluminium-Unibody hochwertig anfühlt. Dass das Display für diese Preisklasse toll aussieht. Dass der Akku den ganzen Tag hält. Dass auf dem Deckel der prestigeträchtige angebissene Apfel prangt.

Wer mit dem MacBook Neo hauptsächlich YouTube schaut und Chatbots nutzt, wird sich auch kaum je über fehlende Leistung beklagen. Diese liegt wohl etwas über dem Niveau des früheren M1. Soft- und Hardware sind perfekt aufeinander abgestimmt, sodass sie aus dem Smartphone-Chip alles rausholen. Bei Low-End-Geräten zahlt sich Apples Fokus auf vertikale Integration und eigene Komponenten besonders aus. Da kann zu diesem Preis kein anderer Hersteller mithalten.
Das gilt auch für die Produktion. Es ist kein Zufall, dass im MacBook Neo ein iPhone-Chip steckt. Erstens basiert er auf der gleichen Arm-Architektur wie Apples M-Chips und kann problemlos MacOS betreiben. Zweitens spart sich Apple damit die Entwicklungskosten eines neuen Low-End-Chips. Drittens war keine neue Produktionsstätte nötig. Stattdessen nutzt Apple nahtlos eine Fertigung weiter, die fürs iPhone 16 Pro gebaut wurde. Dieses wurde in riesigen Mengen produziert, was die Kosten pro Stück senkt. Allfällige Restposten lassen sich nun recyceln.
Damit die Fertigung noch günstiger ist, verwendet Apple im MacBook Neo eine abgespeckte («binned») Version des A18 Pro: Während der Chip im iPhone 16 Pro noch sechs GPU-Cores hatte, sind es im MacBook Neo bloss fünf. Diese Deaktivierung eines Cores bedeutet weniger Ausschuss, weil nicht jeder Wafer perfekt sein muss. Der Zielgruppe wird die leicht reduzierte Grafikleistung kaum auffallen.

Diese maximal effiziente Produktion trägt die unverkennbare Handschrift von Tim Cook. Der CEO wird oft für mangelnde Innovation kritisiert. Doch bei Produkten wie dem MacBook Neo erntet die Kundschaft dafür die Früchte von Cooks optimierten Lieferketten. Anders als bei High-End-Geräten dürfte Apple seine Marge hier tief halten. Ziel ist nicht möglichst viel Profit, sondern die Eroberung von Marktanteilen. Das Resultat ist eine Einstiegsdroge mit herausragendem Preis-Leistungs-Verhältnis.
Das neue Low-End-MacBook ergibt auch im Hinblick auf Apples restliches Sortiment Sinn. Früher besetzte das MacBook Air diesen Platz. Doch die M-Chips machten in den letzten fünf Jahren so grosse Fortschritte, dass selbst der Basis-M5 für viele Anwendungen Overkill ist. Er erledigt Aufgaben, für die früher ein Pro-Chip nötig war. Und ein MacBook Pro mit M5 Pro oder gar M5 Max brauchen heutzutage nur noch die wenigsten.
Auch in diesen Preissegmenten nutzt Apple die Gunst der Stunde und seine schiere Marktmacht. Sie erlaubt langfristige Lieferverträge zu besten Konditionen. Deshalb tangiert die Speicherkrise Cupertino zumindest im Moment noch weniger stark als andere Hersteller. Zudem ist die Marge bei Upgrades von SSD und RAM bei Macs schon lange so exorbitant, dass Apple mehr Spielraum hat.
Statt die Speicherkrise trotzdem als Grund für Preiserhöhungen vorzuschieben, fährt Tim Cook die gleiche Strategie wie beim MacBook Neo: mehr Marktanteil statt mehr Marge. Apple hält die Preise des MacBook Air und MacBook Pro stabil. In der Schweiz sinken sie wegen des starken Frankens unter dem Strich sogar. Denn die Basis-Konfigurationen erhalten eine grössere SSD, ohne dass die Geräte teurer werden.
Sind deshalb alle MacBooks ein Schnäppchen? Nein. SSD- und RAM-Upgrades bleiben kostspielig. Je höher die Konfiguration, desto schlechter das Preis-Leistungs-Verhältnis. Anders als früher ist das aber auch bei Windows-Laptops immer mehr so. Dell, Asus und Lenovo warnen vor Preiserhöhungen. «The Death of the Cheap Laptop Is Coming», titelt die New York Times.
Darüber wurde Apple anscheinend nicht informiert.
Mein Fingerabdruck verändert sich regelmässig so stark, dass mein MacBook mich nicht erkennt. Der Grund: Sitze ich nicht vor einem Bildschirm oder stehe hinter einer Kamera, hänge ich oft an den Fingerspitzen in einer Felswand.
Hier liest du eine subjektive Meinung der Redaktion. Sie entspricht nicht zwingend der Haltung des Unternehmens.
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