Amazon Alexa kommt in die Schweiz – was kann sie?

Amazon Alexa kommt in die Schweiz – was kann sie?

Martin Jungfer
Zürich, am 29.04.2021
Alexa ist hier. Angekommen in der Schweiz. Bisher konntest du die Dienste des digitalen Sprachassistenten, den Amazon 2015 eingeführt hat, nur über Umwege nutzen. Lohnt es sich jetzt, ein Echo-Gerät anzuschaffen?

Es ist nicht so, dass du in der Schweiz bisher ohne Alexa leben musstest. Die in den Echo-Geräten eingebaute Sprachassistentin konntest du in Betrieb setzen, wenn du dir zum Beispiel die Alexa-App aus dem deutschen App-Store geholt hast. Die passende Hardware dazu liefert Amazon meistens nicht in die Schweiz. Tja, dann hast du eben bei digitec bestellt.

So war das bisher: kompliziert, etwas mühsam, etwas für Fans und Freaks. Aber die Zeiten ändern sich. Amazon lässt die Schweiz jetzt nicht mehr ganz links liegen. Nach einer im Februar gestarteten Beta-Phase ist die Alexa-App seit Donnerstag (29. April) auch in der Schweiz verfügbar: hier für Apple und hier für Android. Hardware liefert der US-Gigant weiterhin nicht selbst, ausgenommen Echo und Echo Dot. Hier aber nicht alle Modelle. Dafür könntest du dir eine Echo Wanduhr liefern lassen. Die Wege des Herrn (Bezos) sind zuweilen unergründlich.

Die Schweiz als Land hat Amazon immerhin soweit verstanden, dass du Alexa auf Deutsch, Französisch und Italienisch nutzen kannst. Und es gibt noch eine vierte Sprache, die aber ist weder Schweizerdeutsch noch Rätoromanisch, sondern: Englisch. Gemäss der Information zum Launch auf dem Developer-Blog von Amazon kann Alexa die News vorlesen, die der SRF Newsflash und SWI swissinfo.ch bieten. In Französisch (RTS) und Italienisch (RSI und Sky TG24) gibt es ebenfalls Angebote.

Ausserdem weiss Alexa jetzt auch Antworten bei Schweiz-spezifischen Fragen, zum Beispiel über Berühmtheiten, Orte, Daten, Umrechnungskurse und so weiter. Konkret nennt die Mitteilung, dass Alexa jetzt wisse, wer gerade den Bundesrat präsidiert. Oder, für manche vielleicht sogar wichtiger, wann der nächste Superleague-Match stattfindet.

Womöglich spielst du jetzt mit dem Gedanken, dir ein Echo-Gerät anzuschaffen. Denn natürlich behrrscht du als polyglotter Schweizer oder als sprachgewandte Schweizerin eine der vier offerierten Sprachen. Dann könnten dich folgende Anwendungsfälle interessieren.

Alexa eine Routine am Morgen durchführen lassen

Vermutlich sieht dein Morgen jeden Tag ziemlich ähnlich aus. Wir Menschen sind nämlich Gewohnheitstiere. Wie wird das Wetter heute? Was sind die News am Morgen? Einschalten der Kaffeemaschine, Fensterstoren hoch, Spotify starten. Sicher, das sind Handgriffe und Routinen, die auch im Halbschlaf meistens funktionieren. Alexa bietet sich dennoch als Hilfe an. Du kannst ein Echo-Gerät bitten, die Nachrichten und den Wetterbericht zu verlesen. Ob du dabei morgenmuffelig oder energiegeladen bist, ist Alexa egal. Um die Laune nach dem Aufstehen zu heben, brauchst du vielleicht einen Kaffee. Dann kannst du auf Wunsch deinen Vollautomaten per Sprachbefehl aktivieren, entsprechenden Smart-Steckern sei Dank.

Wenn dir selbst Sprechen so früh am Tag zu viel Arbeit ist, kannst du mehrere Aufgaben für Alexa zu einer sogenannten Routine zusammenfassen. Dann genügt ein simples «Guten Morgen, Alexa!», damit Amazons Wunderweib alles tut, was du vorher definiert hast.

Alexa Lampen oder Heizstrahler steuern lassen

Falls du Routinen schnell langweilig findest, kannst du Alexa auch einsetzen, um Lampen, Kaffeemaschinen oder Heizstrahler geziehtl einzeln anzusprechen. Vorausgesetzt, diese sind mit einem smarten Stecker Alexa-fähig. Die Hue-Produkte von Philips und die des Schweizer Unternehmens MyStrom haben auch ziemlich ausgereifte Skills dazu im Angebot.

Damit kannst du zum Beispiel am Abend das richtige Lichtszenario, auch bekannt als «Licht aus», für einen Netflix-Abend per Sprachbefehl aktivieren. Oder den Heizstrahler im Wintergarten aktivieren, falls der Grillabend mit Freunden in die Verlängerung gehen soll.

Alexa die Einkaufsliste füllen lassen

Du bist gerade am Kochen und hast dabei die letzten drei Knoblauchzehen verbraucht. In diesem Moment wird dir bewusst, dass du Nachschub brauchst. Du sagst: «Alexa, setze Knoblauch auf die Einkaufsliste!». Und es geschieht. Eine Einkaufsliste per Sprachsteuerung zu füllen, ist so simpel und doch so hilfreich. Du erreichst damit ein neues Level der Lebensqualität, von der du vorher nicht wusstest, dass du sie vermisst. Beeindruckend ist, dass die Software tatsächlich im Lauf der Zeit intelligenter wird. Zum einen «erkennt» sie Produkte wieder, die bereits häufiger auf der Liste standen und stellt sich auch nicht mehr dumm, wenn ich eine bestimmte Sorte Kekse diktiere. Zum anderen kann ich Alexa auch herunterbeten lassen, was schon auf der Einkaufsliste steht.

Du kannst übrigens die Einkaufsliste nutzen, die Alexa fest integriert hat. Oder du nutzt den Skill, so heissen die Anwendungsprogramme für den Sprachassistenten, des Schweizer Start-Ups «Bring!». Für den Fall noch ein kleiner Tipp: Du solltest Bring!-App und Standard-Einkaufsliste von Alexa dann synchronisieren, um zu vermeiden, dass nur ein Teil der geplanten Einkäufe auf der Bring!-Liste landet, während der Rest auf der Alexa-Liste versauert. Wie das geht, erklärt der Blog-Beitrag auf der Bring!-Website.

Mit Alexa ein «Haustelefon» einrichten

Ich bin ein Kind der frühen 1980er-Jahre, also so alt, dass ich noch das Haustelefon kenne. Bei uns zu Hause gab es das nicht, aber mein Schulfreund, Sohn eines Arztes, hatte in seinem Kinderzimmer an der Wand einen eigenen Apparat hängen. Wenn nun seine Eltern zum Abendessen im Salon im Erdgeschoss baten, mussten sie nicht durch die ganze Landvilla rufen. Dann klingelten sie mit dem Apparat aus dem Wohnzimmer einfach oben durch. Mit Echo-Geräten kannst du dir so eine Gegensprechanlage heute auch wieder bauen, nur eben mit Sprachsteuerung. Drop In nennt sich die Funktion. Wenn du zwei Echo-Geräte in der Wohnung oder im Haus hast, kannst du mit den einen das andere anrufen, zum Beispiel «Alexa, rufe bitte im Kinderzimmer an!». Deinem Kind musst du dann nur noch beibringen, dass es mit «Alexa, Anruf annehmen» den Gesprächswunsch akzeptiert. Oder du richtest die Funktion gleich so ein, dass kein aktives Annehmen mehr nötig ist. Ist weniger freundlich, aber vielleicht manchmal effektiver.

Telefonieren geht nicht nur im Haus mit Echo-Geräten. Du kannst auch Freunde und Verwandte jederzeit belästigen erreichen, sofern auch diese ein Echo-Teil haben. Dafür müssen du und deine potenziellen Gesprächspartner allerdings jeweils ein Skype-Konto haben – ja, Skype gibt es noch – und dieses über die App mit Alexa verbinden. Aber wer will beim Telefonieren heutzutage schon nur die Stimme hören? Videoanrufe sind der neue Standard. Das kann Alexa natürlich auch, sogar ohne Skype im Hintergrund. Die Hardware-Familie dazu heisst Echo Show.

Mit Alexa Timer und Stoppuhren stellen

Wenn du Kinder erziehst, wirst du es kennen: Kinder sind Verhandlungskünstler. Noch fünf Minuten das, nur zehn Minuten jenes. Je nach Alter wissen die Kleinen zwar, dass sie Papi und Mami so dazu kriegen, das zu geben, was sie wollen. Aber wann die herausverhandelten fünf oder zehn Minuten nachher vorbei ist, wissen sie meist nicht. Oder sie zweifeln an, dass die Eltern die Zeit auch richtig gemessen haben. Seltsamerweise haben technische Hilfsmittel – zumindest in unserem Fall – eine höhere Autorität. Sowohl ein einfacher Küchentimer erfüllt seinen Zweck, als eben auch ein per Alexa aktivierter Timer: «Alexa, stelle einen Timer auf zehn Minuten, bitte!» Das «Bitte!» bräuchte Alexa nicht, aber ich will einer Verrohung des Umgangstons vorbeugen und behandle die digitale Assistentin deshalb so freundlich wie die Familienmitglieder aus Fleisch und Blut.

Alexa ist übrigens egal, wofür du einen Timer brauchst. Du kannst damit auch die Zeit messen, bis die Frühstückseier hart sein sollen. Oder wie lange der Tee ziehen soll. Oder wann die Waschmaschine fertig gewaschen hat. Damit du den Überblick nicht verlierst, ein Tipp: Spezifiziere deine Timer, wenn du mehrere gleichzeitig nutzt. Dann sagst du zum Beispiel: «Stelle einen Eierkocher-Timer auf 5 Minuten, bitte!». So kannst du Alexa dann auch fragen, wie lange dein Eierkocher-Timer noch läuft, wenn du ungeduldig wirst.

Mit Alexa Musik und Podcasts hören

Die kleinen Echo Dots bieten leider wenig Musikgenuss. Allerdings gibt es inzwischen auch eine gute Auswahl von Lautsprechern mit integrierter Alexa-Funktionalität.

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Dann genügt ein «Alexa, starte Spotify im Wohnzimmer, bitte!» und deine Playlist läuft, egal ob Musik oder Podcast. Natürlich kannst du auch versuchen, Alexa einen bestimmten Song suchen und spielen zu lassen. Das sorgt dann vielleicht für manch interessanten Ausflug in anderen musikalische Gefilde als die gewohnten.

Mit Alexa den Mähroboter herumkommandieren

Roboter-Rasenmäher wuseln gefühlt bald auch durch die kleinsten Gärten. Auch solche, in denen man das Gras auch mit einer normal grossen Papierschere schneiden könnte. Wie auch immer, sie sind da, und der Technik-Freak in dir möchte die ultimative Kontrolle über das Gartengerät erlangen. Alexa hilft. So kannst du zum Beispiel einige Geräte von Gardena und Husqvarna per Sprachbefehl an die App oder dein Echo-Gerät steuern.

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Konkret kannst du es vorzeitig in die Ladestation schicken, falls du kurzentschlossen eine Runde Badminton auf dem Rasen spielen willst. Damit deinem Wunsch entsprochen wird, musst du allerdings einen etwas sperrigen Satz formulieren. Zum Beispiel: «Alexa, das intelligente System soll Robi bis zum nächsten Zeitplan nach Hause schicken.» Menschen, die einen Robotermäher schon einmal installiert haben, verstehen hier nicht nur Bahnhof.

… und noch viel mehr

Das waren einige Anwendungsmöglichkeiten für Alexa. Selbstverständlich kannst du ohne Alexa leben. Niemand muss Timer per Sprachbefehl stellen, wo jeder Backofen und Herd schon einen hat. Eine Einkaufsliste auf Papier hat mehr Charme. Die Kinder mit einem lautem «Händewaschen, an den Tisch kommen, wir essen!» zum Mahl zu rufen, ist auch schön.

Aber ganz ehrlich, so ein Sprachassistent macht das Leben schon ein Stück einfacher. Und man gewöhnt sich dran. Wenn Alexa mir dann seit Neuestem vielleicht auch noch die sieben Bundesräte der Schweiz oder alle ATP-Turniersiege Roger Federers aufzählt, tja, dann gibt es kein Zurück mehr in die Welt vor Alexa.

Hinweis: Dieser Artikel wurde nach Publikation der offiziellen Mitteilung zum Start am Freitag, 30. April, 20.25 Uhr, leicht überarbeitet und aktualisiert.

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Martin Jungfer
Martin Jungfer
Head of Content, Zürich
Journalist seit 1997. Stationen in Franken, am Bodensee, in Obwalden und Nidwalden sowie in Zürich. Familienvater seit 2014. Experte für redaktionelle Organisation und Motivation. Thematische Schwerpunkte bei Nachhaltigkeit, Werkzeugen fürs Homeoffice, schönen Sachen im Haushalt, kreativen Spielzeugen und Sportartikeln.

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