Airvida von Ible im Test: Weniger «Hatschi!» dank Ionen vor der Nase

Airvida von Ible im Test: Weniger «Hatschi!» dank Ionen vor der Nase

Martin Jungfer
Zürich, am 16.05.2022

Elegant und futuristisch soll dich ein tragbarer Ionisator vor Bakterien, Feinstaub und Pollen schützen. Was das rund 200 Franken teure Teil taugt, habe ich getestet.

Ich rufe manchmal an den falschen Stellen «Hier!». So auch, als mein Kollege Ludo aus dem Category Management mir ein neues Produkt unter die Nase hielt. «Spannend», schoss es mir durch den Kopf, innovativ klingt das Ganze auch. Also sagte ich zu, das einmal ausgiebig zu testen. Bald danach hatte ich den Ible Airvida L1 und den M1 in Händen.

Erste Variante für Frauen, die zweite für Männer. Jedenfalls wird das so vermarktet. Die «Männer»-Version kommt als Halskette in Ledergeflecht-Optik daher, Typ sonnengebräunter Surfer. Der Verschluss ist magnetisch, der Ionen-Verströmer aus schwarzem Plastik ist zwar nicht so schmuck wie ein Haifischzahn, aber auch nicht direkt hässlich.

Eleganter, geradezu futuristisch die «Frauen»-Variante L1. Apple-artiges Weiss mit metallfarbenen Endstücken, in denen das Kernstück des Gadgets steckt, nämlich die beiden Ionisatoren. Ich hatte zu Beginn den Impuls verspürt, das Teil über die Augen zu ziehen und zu tragen wie Geordi La Forge aus Star Trek. Was natürlich falsch ist. Das Ding gehört in den Nacken.

Grosse Versprechen des Herstellers

Ich stelle fest, dass der Airvida als Testgerät eine grosse Herausforderung darstellt. Die Technologie, mit der er angeblich die Luft um mich herum reinigt, ist schwer zu verstehen. Fast noch schwerer aber wiegt, dass die Wirkung im Alltag nicht objektiv messbar ist. Ob ich wirklich weniger Heuschnupfen-Symptome habe, weil ich den Airvida trage, kann ich nicht mit hundertprozentiger Sicherheit sagen. Es gibt aber Indizien, die dafür sprechen.

Die Versprechen des futuristischen Luftreinigers sind gross. Der Airvida soll so ziemlich alle schädlichen Partikel aus der Luft entfernen, bevor du sie einatmest. Und zwar mithilfe eines chemischen Prozesses: der Ionisation. Dabei wird, vereinfacht gesagt, einem Molekül ein zusätzliches Elektron angedockt, sodass es negativ geladen ist und sich möglichst schnell wieder mit neuen atomaren Partnern verbinden will.

Technologie und Wirkung

Um das Prinzip des Ionisators zu verstehen, brauchst du ein wenig Grundlagenwissen in Chemie. Ein negatives Ion ist ein Atom oder Molekül, das mindestens ein zusätzliches Elektron enthält. Elektronen haben negative Ladung. Das überzählige Elektron funktioniert dann wie eine ausgestreckte Hand, die für das Molekül Verunreinigungen oder in der Luft schwebende positive Ionen einfängt und neutralisiert.

Das negative Atom oder Molekül existiert nur für Bruchteile einer Sekunde. Und dieses Ion zieht schädliche Partikel – eben zum Beispiel Pollen, Bakterien und Feinstaub – in der Luft an. Die neue Verbindung ist schwerer und sinkt schnell zu Boden. Manche Partikel, wie Viren oder Bakterien, sollen sogar chemisch aufgespalten und unschädlich gemacht werden. Mit Grafiken und etwas ausführlicher erklärt die Seite von «Luftreiniger ABC» den Prozess.

Vereinfacht gesagt: Ein hoher Ionengehalt in der Luft ist wünschenswert. An Wasserfällen (70 000 Ionen pro Kubikzentimeter) oder in Gebirgen sind sehr viele Ionen vorzufinden – im durchschnittlichen Büroraum deutlich weniger (100). Das hat unter anderem die Hochschule Luzern in einer Studie so gemessen. Hier könnte der Airvida Abhilfe verschaffen: Er erzeugt nämlich bis zu zwei Millionen neue Ionen alle 0,6 Sekunden. Dadurch, so das Werbeversprechen, ist die eingeatmete Luft so frisch wie in einem Wald.

Allerdings ist auch Ozon, chemisch O₃, Ergebnis eines Ionisierungsprozesses. Dieses ist im Vergleich zum trägen O₂ viel bindungsfreudiger und kann deshalb den Job des Mikrostaubfängers gut erledigen und die anderen negativen Ionen unterstützen. Jedoch ist Ozon, das durch Luftreiniger entsteht, umstritten. Ible verweist darauf, dass durch ihre Airvida-Geräte nur 0,006 ppm (Teile pro Million) entstehen. Das sei im Vergleich zur Norm der Europäischen Kommission nur zehn Prozent des Grenzwertes.

Allerdings entsteht natürlich trotz allem keine Luft, die nach Moos, Tannennadeln und hüpfendem Reh riecht. Es ist ein technischer Vorgang, bei dem im kompakten Kästchen des Airvida durch Strom und Spannung eben reaktionsfreudige Ionen «hergestellt» werden. Ein kaum spürbarer Luftstrom aus der Öffnung mit den Kohlefaser-Bürstchen ist das Ergebnis, das du als Trägerin oder Träger des Teils bekommst.

Handhabung und Design

L1 und M1 unterscheiden sich grundsätzlich in der Art, wie du sie trägst. Der L1 ist ein Nackenbügel, der dank Gummierung auf der Innenseite sanft und weich aufliegt. Weniger angenehm ist er dagegen bei sportlichen Aktivitäten und Schweissbildung. Joggen mit ihm ist keine gute Idee. Schnell fühlt sich das Gerät auf schweissfeuchter Haut klebrig an, lässt sich aber immerhin auch gut wieder abwischen. Die Lüftungsöffnungen für die Negativ-Ionen befinden sich vorne rechts und links von meinem Kinn. Hier entfalten sie ihre segensreiche Anti-Pollen-Anti-Bakterien-Anti-Alles-Wirkung.

Beim M1, der Männer-Variante, ist der Ionen-Verströmer Teil der Kette, wie ein Anhänger. Das ist definitiv die unauffälligere Version.

Beide Geräte lassen sich über einen einfachen Knopf ein- und ausschalten. Beim L1 leuchtet eine LED blau. Durch Drücken des Ible-Schriftzugs am Gerät wird ein Funktionstest ausgeführt. Ein leiser Quietschpfeifton kommt dann vorne aus den Öffnungen. Beim M1 gibt es kein Lichtlein. Hier musst du die Wirkung erfühlen, wie dieses Video des Herstellers veranschaulicht.

Das Video erklärt dir zudem noch, wie du das Pinselchen aus Aktivkohlefasern reinigst, damit nichts verstopft und weiterhin neue negative Ionen ausströmen können. Dazu nimmst du das Metallteil aus der Box und streichst sanft durch und über die Fasern. Ein bisschen wie das Kämmen eines Irokesenschnitts bei einem sehr, sehr, sehr kleinen Haustier.

Falls dir der Bürstenreiniger irgendwie bekannt vorkommt, bist du vermutlich vom Stamme Apple. Das kleine Fach zum Einlegen einer SIM-Karte am iPhone wird genau mit dem gleichen Werkzeug geöffnet, mit dem beim Airvida die Bürste gesäubert wird. (Ich habe es selbst getestet.) Könnte gut sein, dass die Dinger sogar in der gleichen Fabrik in Taiwan vom Band laufen.

Das Reinigungsutensil ist für die Säuberung der Karbonfaserbürste gemacht, kann aber zugleich Sim-Karten-Schlitz-Öffner am iPhone sein.
Das Reinigungsutensil ist für die Säuberung der Karbonfaserbürste gemacht, kann aber zugleich Sim-Karten-Schlitz-Öffner am iPhone sein.

Leider nicht bei Apple abgekupfert ist die Ladebuchse des Airvida. Hier kommt der eher unbeliebte Micro-USB-Anschluss zum Einsatz. Bei der Damen-Version gehen die fünf Volt direkt an den Bügel. Männer müssen erst den Ionen-Erzeuger von der Kette nehmen, ihn in ein Ladeteil friemeln und dann anstecken. Bei beiden Airvidas signalisiert ein rotes Licht den laufenden Ladevorgang, ein grünes Licht den abgeschlossenen. Wie viel Saft die Ionisatoren noch haben, weisst du allerdings nicht: Es gibt keine Anzeige dazu.

Laden über Umweg: Die M1-Version des Airvida wird in einer Art Ladestation mit Strom versorgt. Übrigens beweist mein Foto, dass ich den Airvida bei intensivem Pollenflug im Einsatz hatte. Die vielen Punkte sind Ergebnis der Rapsblüte.
Laden über Umweg: Die M1-Version des Airvida wird in einer Art Ladestation mit Strom versorgt. Übrigens beweist mein Foto, dass ich den Airvida bei intensivem Pollenflug im Einsatz hatte. Die vielen Punkte sind Ergebnis der Rapsblüte.

Bei der Laufzeit nehmen sich die beiden Versionen gegenseitig nicht viel. 28 Stunden (Männer) versus 32 Stunden (Frauen) gemäss Angaben auf der Verpackung. Das deckt sich in etwa mit meinen Erfahrungswerten. Die vier Stunden mehr erkauft sich das L1 mit einem deutlich höheren Gewicht von 70 Gramm. Das männliche Pendant ist mit 20 Gramm dagegen ein echtes Fliegengewicht.

Jedoch wird dir dein Halsschmuck bewusst, wenn du dich häufig nach vorne beugst, wie zum Beispiel beim Schuhbinden. Kann auch sein, dass ich eine seltsame Halsweite-Kinn-Proportion habe, jedenfalls baumelte mir die Kette mit ihrer Länge von 50 Zentimetern immer genau so am Kinn herum, dass die Kohlenfaser-Bürstchen ein Rendezvous mit meinem Kinn hatten und mich dabei kitzelten. Auf so eine richtig nervige Art. Im Shop haben wir wohl für Typen wie mich deshalb auch die Kette in einer längeren und einer kürzeren Variante – zu einem allerdings recht stolzen Preis. Den begründet Ible auch damit, dass die Titankette Ferninfrarot-Strahlung bietet, was Blutzirkulation und Stoffwechsel anregen soll.

Zum Glück und zur Schonung des Haushaltsbudgets gibt es eine weitere Alternative zur Kette. Dem M1 liegt eine Ansteckklammer bei, die den Ionen-Verströmer aufnimmt. Die Klammer kannst du dir an den Hemdkragen stecken.

Zum Set des Airvida M1 gehört eine Ansteckklammer für den Hemdkragen.
Zum Set des Airvida M1 gehört eine Ansteckklammer für den Hemdkragen.

Fazit: dünne Studienlage, subjektiv wirksam

Ich merke den Effekt der Airvida-Ionisatoren vor allem in der Pollensaison, konkret im April und Mai. Egal, ob Birken, Hasel, Ampfer, Gräser oder sonstige Gewächse ihren Blütenstaub entladen – ich kann mit Halsband oder dem Star-Trek-Gedächtnis-Teil im Nacken fast ohne Niesen draussen unterwegs sein. Irgendwie scheint das Ding zu wirken, was ich technisch dank der Studien nachvollziehen kann. Schwer zu glauben ist es trotzdem, weil der Airvida so leise seinen Dienst verrichtet, dass du es im Prinzip nicht spürst, hörst oder fühlst. Anti-Allergie-Tabletten, die ich alternativ nehmen könnte, machen mich müde. Ich verzichte gerne auf dieses Erzeugnis der Pharmaindustrie.

Dank langer Akkulaufzeit kann ich es gut in meinen Alltag integrieren. Ich kann es zwei Tage hintereinander tagsüber tragen, und nach dem zweiten Tag lade ich es über Nacht wieder auf. So sicher wie das Amen in der Kirche ist, dass sich in den Kommentaren einige über den Micro-USB-Anschluss aufregen. Mir macht das Gefrickel auch keinen Spass, aber Bluthochdruck bekomme ich wegen der paar Mal einstecken auch wieder nicht.

Das Design der Teile ist eine Frage des Geschmacks. Und über den lässt sich bekanntlich nicht streiten. Die am Kinn baumelnde Kette der Männer-Version nervt. Ich mag die Damen-Version lieber. Allerdings passt sie mir (Hemdkragenweite 39/40) nur gerade so. Mit einem kräftigeren Hals musst du auf die Männer-Variante ausweichen. Du könntest dir das L1 aber zum Beispiel auch vor dich auf den Schreibtisch stellen, um die Luft zu reinigen. Im Büro werden dich dann viele Leute fragen, was du da hast. Ich wurde jedenfalls öfter mal gefragt. Bei der Kette waren es höchstens mal verwunderte Blicke, weil ich bisher nie als Schmuck-Typ auffällig geworden bin. Dass ich ein Hightech-Teil um den Hals baumeln hatte, bemerkte niemand. Auch nicht das kleine schwarze Teil in der Ladestation, welches ich mir manchmal als dezente Variante auf den Tisch stellte.

Ich traue dem Damen-Modell eher zu, mit den Ionisatoren links und rechts, für einen dichteren Ionen-Vorhang frischer Luft in meinem Gesichtsfeld zu sorgen und werde es auch künftig nutzen, wenn die Pollenvorhersage starke Belastung ankündigt.

Doppelte Ionen-Power aus der Damen-Version des Airvida von Ible.
Doppelte Ionen-Power aus der Damen-Version des Airvida von Ible.

Gemäss der Studie der Hochschule Luzern soll übrigens stärker ionisierte Luft zu mehr «allgemeinem Wohlbefinden» beitragen, bei einigen Probanden sogar zur «nervlichen Beruhigung». In anderen Studien wird sogar von einem Rückgang von Migräne-Anfällen berichtet. Die Studienlage dazu und auch zum Airvida als Gadget ist jedoch bisher eher dünn, und gesichert sind die Erkenntnisse deshalb noch nicht wirklich. Vor allem im ostasiatischen Raum gibt es mehr Befürworter der Luft-Ionisierung. Dort denkt man tendenziell eher über die reine, oft westlich geprägte Schulmedizin hinaus und ist womöglich offener für neue Lösungen.

Falls du Fragen oder Anmerkungen zum Test hast oder auch schon Erfahrungen mit dem Airvida hast, lass es mich und die Community gerne unten in den Kommentaren wissen.

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Journalist seit 1997. Stationen in Franken, am Bodensee, in Obwalden und Nidwalden sowie in Zürich. Familienvater seit 2014. Experte für redaktionelle Organisation und Motivation. Thematische Schwerpunkte bei Nachhaltigkeit, Werkzeugen fürs Homeoffice, schönen Sachen im Haushalt, kreativen Spielzeugen und Sportartikeln. 


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