Zoomen verändert die Form - wähl die richtige Brennweite

Zoomen verändert die Form - wähl die richtige Brennweite

David Lee
Zurich, le 27.05.2019
Mit dem Teleobjektiv von weit weg oder mit dem Weitwinkel-Objektiv von ganz nahe: Das Motiv ist zwar in beiden Fällen gleich gross, sieht aber trotzdem ganz anders aus.

Je grösser die Brennweite, desto kleiner der Bildausschnitt. Anders gesagt, durch die Verlängerung der Brennweite zoomst du heran.

Brennweite 35 mm
Brennweite 35 mm
Brennweite 300 mm
Brennweite 300 mm

So weit, so klar. Doch Heranzoomen ist nicht dasselbe wie den Ausschnitt verkleinern. Wenn du ein Motiv durch Zoomen nahe heranholst, sieht es anders aus, als wenn du tatsächlich nahe dran bist. Auch wenn es auf dem Bild genau gleich gross ist.

Eine Randbemerkung: Wie gross der Bildausschnitt ist, hängt nicht nur von der Brennweite ab, sondern auch von der Grösse des Kamerasensors. Alle Angaben in diesem Beitrag beziehen sich auf die Sensorgrösse Vollformat (36 × 24 mm).

Hier ein ganz simples Beispiel. Schon daran siehst du, wie sich die Geometrie je nach Brennweite verändert. Genau genommen ist es nicht die Brennweite, sondern die Distanz, die zur Veränderung führt.

Brennweite 28 mm
Brennweite 28 mm
Brennweite 105 mm
Brennweite 105 mm

Das eine Bild wurde mit 28 mm Brennweite aufgenommen, das andere mit 105 mm. Dies bei einer Vollformatkamera. Das Bild mit 105 mm wirkt natürlicher, weniger verzerrt. Die Verzerrung im Bild mit 28 mm lässt die Flasche riesig erscheinen.

Auch die Anordnung im Raum erscheint je nach Brennweite anders. Hier siehst du vier Gläser (dieses Mal alkoholfrei!) von oben. Wenn diese Gläser von der Seite fotografiert werden, sehen sie je nach Brennweite völlig unterschiedlich aus.

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Brennweite 24 mm
Brennweite 24 mm
Brennweite 90 mm
Brennweite 90 mm

Neben der Verzerrung der Gläser fällt hier folgendes auf:

Erstens: Die beiden roten Gläser, die eigentlich hintereinander stehen, wirken im Weitwinkel stark versetzt. Das ist so, weil die Kamera so weit vorne steht, dass sie die beiden Gläser aus einem unterschiedlichen Winkel sieht.

Zweitens: Die Distanzen wirken im Weitwinkel viel grösser. Das hat ebenfalls damit zu tun, dass die Kamera näher am Geschehen ist. Die Entfernungen zwischen den Gläsern sind im Verhältnis zur Entfernung der Kamera viel grösser als beim Teleobjektiv.

Spezialfall: Porträts

Bei Flaschen oder Gläsern drücken wir gerne ein Auge zu – nicht aber, wenn es ums Gesicht geht. Da reagieren wir empfindlich, besonders wenn es das eigene Gesicht ist.

Smartphones haben üblicherweise einen ungünstigen Weitwinkel, was zu verzerrten Gesichtern führt. Bei Selfies kannst du den Schaden begrenzen, indem du einen möglichst vorteilhaften Winkel wählst.

Foto-Kurztipp: So werden deine Selfies besser
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Besser ist es aber, Gesichter gar nicht aus so kurzer Distanz zu fotografieren.

Die folgende Porträtserie zeigt, wie sich die Kopf- und Gesichtsform mit zunehmender Brennweite verändert. So ab 50 Millimeter wird es langsam akzeptabel, besser ist jedoch 85 mm und mehr. Beachte auch, wie sich der Hintergrund verändert.

24 mm
24 mm
35 mm
35 mm
50 mm
50 mm
105 mm
105 mm
300 mm
300 mm

Das heisst natürlich nicht, dass du prinzipiell keine Menschen mit Weitwinkel fotografieren darfst. Nur solltest du einen gewissen Abstand halten, also nicht nur das Gesicht abbilden.

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David Lee
David Lee
Senior Editor, Zurich
Mon intéret pour l'informatique et l'écriture m'a mené relativement tôt (2000) au journalisme technique. Comment utiliser la technologie sans se faire soi-même utiliser m'intéresse. Dans mon temps libre, j'aime faire de la musique où je compense mon talent moyen avec une passion immense.

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