Zen 3 und Big Navi: Warum du jetzt noch keine neue CPU oder GPU kaufen solltest

Zen 3 und Big Navi: Warum du jetzt noch keine neue CPU oder GPU kaufen solltest

Kevin Hofer
Zürich, am 15.10.2020
Eine Ankündigung neuer Prozessoren und Grafikkarten steht eigentlich immer bevor. Kaum hast du neue Hardware gekauft, stellen Hersteller neue Produkte vor. Trotzdem solltest du im Oktober 2020 mit dem Kauf einer neuen CPU oder GPU warten, denn die Ausgangslage ist spannender denn je.

Letzte Woche hat AMD seine neuen CPUs mit Zen-3-Architektur vorgestellt. Und zum ersten Mal seit einem Jahrzehnt scheint Intels Vormachtstellung im Gaming-Bereich zu fallen. Die beiden schnellsten Prozessoren der Ryzen-5000-Serie, der Ryzen 9 5950X und der Ryzen 9 5900X, sind laut AMD im Gaming schneller als der Intel Core i9-10900K. Der Chip, den Intel bis jetzt zu Recht als den «Gaming King» bezeichnet.

Hier die vorgestellten Ryzen 5000 im Überblick:

Prozessoren der Ryzen-5000-SerieKerne / ThreadsBasis- / Boost-TaktTDPL3 Cache
Ryzen 9 5950X16 / 323,4 / 4,9 GHz105 W64 MB (2x32)
Ryzen 9 5900X 12 / 24 3,7 / 4,8 GHz105 W64 MB (2x32)
Ryzen 7 5800X 8 / 163,8 / 4,7 GHz105 W32 MB (1x32)
Ryzen 5 5600X 6 / 123,7 / 4,6 GHz65 W32 MB (1x32)

Falls du die Vorstellung verpasst hast und gerne noch mehr über Vermeer, so der Codename der Ryzen-5000-Serie, erfahren möchtest, empfehle ich dir diesen Übersichtsartikel von Tom's Hardware.

Am 28. Oktober stellt AMD seine Radeon-6000-Grafikkarten-Serie vor. Gemäss Benchmarks von AMD und diversen Leaks reicht die Leistung zwar nicht ganz an die erst kürzlich veröffentlichte Nvidia GeForce RTX 3080 ran, der Leistungssprung vom bisherigen AMD-Spitzenprodukt Radeon 5700 XT ist jedoch enorm.

Wieso also solltest du mit dem Kauf von CPU und GPU warten?

Die Lage bei den GPUs

Nur wenige konnten sich bis jetzt eine neue Nvidia-Grafikkarte ergattern. Die Verfügbarkeit wird sich laut Aussage von Nvidia wohl auch noch bis ins nächste Jahr hineinziehen. Auch bei den weiteren, noch nicht veröffentlichten Karten der GeForce-30-Serie dürfte das der Fall sein. Dadurch steigt der Preis der Karten. Das haben einige von euch ja bereits bei den Kommentaren zum Review der RTX 3080 geschrieben. Dass so etwas zum Erscheinen eines Produkts passiert, ist nichts neues. Das Ausmass ist im Fall der RTX-30-Serie jedoch enorm. Ob das von Nvidia gewollt ist, wie das etwas Moore’s Law is Dead in einem Blogpost schreibt oder nicht, sei dahingestellt. Fakt ist, dass du selbst wenn du eine RTX 3080 oder 3090 kaufen möchtest, viel Geduld und Geld brauchst, bis du sie tatsächlich in den Händen hältst.

Ob das bei der Radeon-6000-Serie anders sein wird, muss sich erst noch zeigen. Und bis jetzt wissen wir auch noch nicht, was das mutmassliche Spitzenmodell RX 6900 XT tatsächlich leistet. Hinzu kommt, dass AMD erst kürzlich vernünftige Treiber für die 5700 XT zustande gebracht hat. Es bleibt zu hoffen, dass die Treiber der 6000-Serie von Beginn weg zu was taugen. Ein erneutes Debakel wie beim Vorgänger kann sich AMD nicht leisten. Trostpflästerchen für AMD dürfte jedoch sein, dass auch die RTX-30-Serie zu Beginn von Treiberproblemen geplagt war. All diesen Abers zum Trotz: Da die Verfügbarkeit der Nvidia-Karten schwierig bleiben wird und du sowieso Geduld brauchst, kannst du auch gleich bis am 28. Oktober warten. Dann gibt’s nämlich weitere Infos zur Radeon-6000-Serie und der Releasetermin dürfte dann auch nicht mehr allzu weit sein. Und wenn AMD mit einem Kampfpreis in den Ring steigt, dürfte die Karte für viele sehr interessant sein. Am besten entscheidest du dann, welche Karte die Richtige für dich ist.

Die Lage bei den CPUs

Dass du bei digitec nichts von der Vorstellung der Ryzen-5000-Serie gelesen hast, liegt daran, dass ich in den Ferien war. Ganz aus den Ferien zurück war ich wohl auch noch nicht beim Verfassen des Reviews des Intel Core i9-10850K. Zurecht tadelt mich etwa User cankonpc

keine Informationen über dieses Bild verfügbar

Asche auf mein Haupt. Kommt nicht mehr vor und ich poste diesen Artikel hier auch noch am Ende des Reviews zum i9-10850K – so als Wiedergutmachung.

Jetzt wo das aus dem Weg geräumt ist, sollte klar sein, wieso du mit dem Kauf einer CPU warten solltest – abgesehen von denen, die sowieso nur Intel auf dem Plan haben: Die neuen Ryzen CPUs versprechen einiges. Vor allem versprechen sie, dass Intel seine langjährige Vormachtstellung im Desktop-CPU-Bereich endgültig preisgeben muss. Gut für die Konsumenten, von diesem Konkurrenzkampf profitieren alle.

Jetzt zu behaupten, dass Intel zum neuen Underdog wird, ist verfrüht. Klar ist auf jeden Fall, dass die Ryzen-5000-Chips zum Release teurer werden als die Ryzen-3000 zu ihrem Release. 50 Dollar sollen die Spitzenmodelle mehr kosten. Wie das bei uns aussieht wird sich noch zeigen. Dieser Preisaufschlag bedeutet auch, dass Intels Comet-Lake-Serie nun günstiger ist als Zen 3. Eine ungewohnte Ausgangslage im Vergleich zu den letzten Jahren. Intel muss beim Preis seiner Produkte aktiv werden, um attraktiv zu bleiben. AMD wiederum muss sein Versprechen von besserer Single-Core-Leistung einlösen. Das Statement «true gaming leadership» und die dazugehörigen Benchmarks stammen nämlich von AMD selbst. Ob sich der Aufpreis von Intel zu AMD rechnet, werden erste unabhängige Benchmarks zeigen. Das gilt selbstverständlich nur fürs Gaming. Dass AMD mit den Ryzen-5000 bei Anwendungen, die mehrere Kerne bevorzugen, die Nase vorne haben wird, ist unbestritten. Das ist ja bereits bei der Ryzen-3000-Serie der Fall.

Sollten unabhängige Benchmarks tatsächlich zeigen, dass die Ryzen-5000-Chips Comet Lake in jeder Hinsicht überlegen sind, hat AMD auf jeden Fall während einigen Monaten die Nase vorn. Die Rocket Lake Chips von Intel sind für das erste Quartal 2021 vorgesehen. Diese werden zwar aller Voraussicht nach immer noch im 14nm++-Prozess gefertigt, basieren aber auf einer neuen Mikroarchitektur. Skylake – auf deren Architektur auch Comet Lake basiert – wird dann endgültig passé sein. Deshalb ist trotz fünf Jahre altem Fertigungsprozess auch bei Intel mit einem grösseren Leistungssprung zu rechnen.

Solltest du also bis im ersten Quartal 2021 auf Intel warten? Nein, warte auf erste unabhängige Benchmarks zu den Ryzen-5000-Prozessoren am 5. November. Wenn sie dich überzeugen: Greif zu! Falls du dann die Comet Lake Chips als besseren Deal erachtest: Greif dort zu! Aber gib dir auf jeden Fall bis dann Zeit.

Zur Verfügbarkeit von neuen CPUs und GPUs informiert dich Kollege Yannick Cejka. Am besten folgst du ihm als Autor, um den Verkaufsstart nicht zu verpassen.

80 Personen gefällt dieser Artikel


Kevin Hofer
Kevin Hofer
Editor, Zürich
Technologie und Gesellschaft faszinieren mich. Die beiden zu kombinieren und aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten, ist meine Leidenschaft.

Diese Beiträge könnten dich auch interessieren