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Xiaomi X20+: Was kann ein Saugroboter unter 300 Franken oder Euro?

Weniger als 300 Franken kostet der Xiaomi X20+ – und damit nur ein Bruchteil der aktuellen Top-Saugroboter. Doch ist ein so günstiges Gerät im Alltag überhaupt brauchbar?

Der chinesische Hersteller hat den X20+ von Anfang an als Einsteigergerät konzipiert. Zum Verkaufsstart vor knapp einem Jahr kostete er rund 400 Franken, inzwischen ist er für unter 300 Franken erhältlich. Der Saugroboter von Xiaomi gehört zu den meistverkauften Modellen in seiner Preisklasse – und wird von der Community durchweg gelobt.

In meiner Wohnung sind in den letzten Monaten Putzhelfer für 800 bis über 1000 Franken herumgekurvt, also Topmodelle mit allen momentan verfügbaren Features. Die Messlatte für den X20+ ist deshalb besonders hoch.

Saugen und Wischen: gut genug

Der Hersteller konzentriert sich auf die Basisfunktionen: Der Roboter kann den Boden saugen und mit zwei rotierenden Mopps wischen. In der Basisstation wird der Schmutz abgesaugt, das Gerät mit Frischwasser versorgt und die Mopps gewaschen und getrocknet.

Es sind genau diese Features, die im Alltag essentiell sind. So bin ich vom Reinigungsergebnis positiv überrascht. Wenn der Roboter mehrmals pro Woche die Wohnung putzt, ist die Grundsauberkeit gut.

Abstriche muss ich bei der Genauigkeit machen. Gerade an Rändern und in Ecken bleibt gerne mal ein Krümel liegen, da weder Bürste noch Mopp zur Seite herausgefahren werden können. Oft erwischt der Xiaomi den Krümel erst in einem der nächsten Durchgänge.

Weder Mopp noch Bürste kann zur Seite herausgefahren werden.
Weder Mopp noch Bürste kann zur Seite herausgefahren werden.

Die Saugkraft ist mit 6000 Pascal recht gering. Aktuelle Topmodelle haben 20 000 bis 30 000 Pascal. Da ich nur kleine Teppiche in den Bädern habe, reicht das aus. Wer die halbe Wohnung mit textilem Bodenbelag ausgestattet hat, dürfte einen Unterschied merken. Ungünstig sind hochflorige Teppiche, da der X20+ seine Mopps nicht in der Basisstation deponieren kann. So besteht die Gefahr, dass die nassen Wischer auf dem Flor abgestreift werden. Immerhin kann der X20+ die Mopps leicht anheben.

Das sind klare Unterschiede zu Topmodellen, aber der X20+ putzt angesichts des Preises gut genug. Meine Vermutung: Wer ihn regelmässig nutzt und in den Details selbst etwas nachhilft, wird mit der Leistung zufrieden sein.

Navigation: Installation ist die grosse Arbeit

Für den Scan der gesamten Wohnung braucht der Xiaomi etwa 15 Minuten. Das ist nicht besonders schnell, aber auch nicht langsam. Leider ist das Resultat auch nicht besonders gelungen.

Denn ich muss die Karte noch stark bearbeiten. Denn der Roboter hat kein einziges Zimmer erkannt, die gesamte Wohnung ist eine Fläche. Ich muss also alles von Hand auftrennen und benennen, was recht mühsam ist. Zudem hat der X20+ einen Teil der Balkone erfasst – durch die Glastüren hindurch. Diese kann ich nicht ausblenden oder löschen. Also trenne ich sie als separate Zimmer ab und definiere dort Sperrzonen.

Bei der Kartenerstellung werden keine Zimmer erkannt, auch die Bäder fliessen ineinander über.
Bei der Kartenerstellung werden keine Zimmer erkannt, auch die Bäder fliessen ineinander über.

Immerhin: Wenn ich diese Arbeit sauber mache, findet sich der Roboter danach problemlos in der Wohnung zurecht. Will ich nur ein bestimmtes Zimmer putzen lassen, fährt er genau dorthin und macht sich danach zielgerichtet auf den Rückweg zur Basisstation.

Zur Reinigung benötigt er im Standardmodus rund eine Minute und zwanzig Sekunden pro Quadratmeter. Das ist durchaus ein guter Wert. Die schnellsten Topmodelle schaffen einen Quadratmeter pro Minute. Es gibt aber auch solche, die zwei Minuten für die gleiche Fläche brauchen.

Leider ist die App nicht übersichtlich. Optisch ist sie mit den Blautönen, viel Weiss und schwarzer, sehr kleiner Schrift ein Graus. Ich muss jeweils mindestens einen Klick zu viel machen, um eine Reinigung zu starten. Der Aufbau ist zudem nicht logisch: So finde ich die Auswahl, um einzelne Zimmer zu reinigen, nicht neben dem «Standardmodus», sondern rechts über der Karte als kleines Symbol. Viele Eingaben reagieren zudem mit leichter Verzögerung, was anfangs zu falschen Klicks führt.

Auf dieses Symbol im roten Kreis muss ich drücken, wenn ich danach einzelne Zimmer für eine Reinigung auswählen will.
Auf dieses Symbol im roten Kreis muss ich drücken, wenn ich danach einzelne Zimmer für eine Reinigung auswählen will.

Aufräumen ist nicht die einzige Pflicht

Was den X20+ deutlich von teureren Modellen unterscheidet, ist die Hinderniserkennung. Grössere Gegenstände und Möbel erkennt er zuverlässig, bei Spielzeug von Kindern oder Katzen-Gadgets wird es schwieriger. Dass der Roboter Kabeln nicht ausweicht, habe ich schon bei den ersten Reinigungen gemerkt. Er hat sich direkt festgefahren und einmal die Mopps verloren.

Danach habe ich die Wohnung durchkämmt und alle Kabel ausser Reichweite geräumt. Dann ist das kein Problem mehr. Bei Topmodellen musst du weniger Aufwand betreiben: Kabel und kleinere Gegenstände sind kein Problem.

Das Kabel hat die Mopps abgelöst.
Das Kabel hat die Mopps abgelöst.

Bei den Mopps und der Reinigungsstation ist der Aufwand beim X20+ etwas grösser als bei den teureren Konkurrenten. Die Mopps werden nur mit kaltem Wasser gewaschen und mit Raumluft getrocknet. Nach drei Wochen Test zeigten sie eine gewisse Verschmutzung, worauf ich sie in der Waschmaschine gereinigt habe. Bei Robotern mit einer Basisstation, welche das Textil mit 60 bis 100 Grad wäscht und danach mit heisser Luft trocknet, ist das viel seltener nötig.

Auffällig sind die Verschmutzungen in der Basisstation selbst. Die Platte, auf der der Roboter steht und die Mopps gewaschen werden, ist nach drei Wochen voller Fussel. Ich kann sie zum Glück einfach rausnehmen und reinigen – bei vielen Konkurrenzmodellen muss ich das aber erst nach eineinhalb Monaten machen.

Schon nach wenigen Wochen sieht die Basisstation so aus.
Schon nach wenigen Wochen sieht die Basisstation so aus.

Und noch ein Teil will regelmässig gewartet werden: Die Bürste wickelt lange Haare auf. Ich muss regelmässig mit der Schere ran und die Haare (nicht meine …) rausschneiden. Dabei habe ich gleich gemerkt, dass sich darunter etwas Staub festgeklebt hat. Zum Glück lässt sich das alles einfach auseinanderbauen und reinigen.

Insgesamt habe ich mit dem X20+ deutlich mehr zu tun als mit den teureren Konkurrenten von Dreame, Mova, Roborock oder Ecovacs.

Lange Haare wickeln sich um die Bürste.
Lange Haare wickeln sich um die Bürste.

Was gut ist – und was fehlt

Erfreulich ist, wie leise der Saugroboter seine Arbeit verrichtet. Im voreingestellten Automatikmodus messe ich 59 Dezibel. Damit gehört der X20+ zu den leisesten Saugrobotern, die ich bisher getestet habe. Allerdings ist es mit weniger Saugkraft natürlich auch einfacher, weniger Lärm zu machen.

Was dem Roboter fehlt, ist eine dezidierte Kletterfunktion. Was aber nicht bedeutet, dass jede kleine Schwelle gleich ein Hindernis für ihn ist. Über die Testschwelle mit 1,8 Zentimetern wuchtet sich der X20+ problemlos hinüber. Bei zwei Zentimetern ist dann aber Schluss, weil der Roboter nicht genug Bodenfreiheit hat und mit dem Gehäuse gegen das Hindernis stösst. Anheben kann er es nicht.

Über Schwellen bis zwei Zentimeter rast der Roboter drüber.
Über Schwellen bis zwei Zentimeter rast der Roboter drüber.

Ich messe einen Stromverbrauch pro Stunde von 3,4 Wh – im Stand-by-Betrieb, wenn der Roboter nichts macht und bereits voll geladen ist. Das ist für ein elektronisches Gerät deutlich zu viel – und der bisher höchste gemessene Wert. Pro Jahr sind es rund 29,8 kWh, was beim Schweizer Strompreis von 0,25 Franken pro kWh 7,45 Franken entspricht.

Deutlich höher ist der Stromverbrauch direkt nach dem Wischen, wenn die Mopps getrocknet werden. Dann zieht der Roboter während mehrerer Stunden rund 25 Watt. Hier merke ich den Unterschied zu Geräten, die mit heisser Luft arbeiten. Diese benötigen in der Trocknungsphase doppelt so viel Energie.

Fazit

Fast alles, was ein Saugroboter braucht

Die Basics deckt der Xiaomi X20+ gut ab. Er saugt und wischt zuverlässig aufgeräumte Wohnungen. Die Navigation klappt dabei ausgezeichnet, er findet immer den Weg und fährt sich nirgends fest. In der Basisstation wird der Staub automatisch in einen Beutel abgesaugt und die Mopps gereinigt und getrocknet.

Wer keine Schwellen in der Wohnung hat und den leicht erhöhten Wartungsaufwand nicht scheut, erhält für wenig Geld ein gutes Gerät. Im Vergleich zu den Topmodellen musst du aber Abstriche machen: bei der Reinigungsqualität genauso wie bei den Features oder beim präzisen Scan der Wohnung.

Pro

  • solide Reinigungsleistung
  • problemlose Navigation
  • leise
  • günstiger Preis

Contra

  • unübersichtliche App
  • hoher Standby-Verbrauch
  • Kantenreinigung nur mittelmässig
  • kann Kabeln nicht ausweichen

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