Weit vorne dank grossem Hintern
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Weit vorne dank grossem Hintern

Spektrum der Wissenschaft
Heidelberg, am 30.10.2020
Der Po macht den Unterschied zwischen Sprintern, die Goldmedaillen holen, und jenen auf den hinteren Rängen. Eine erstaunliche Wirkung für eine einzelne Muskelgruppe.

Gewaltige Oberschenkel haben sie alle, Waden wie Stahlfedern auch. Doch die letzten Zehntel auf dem Weg zur Goldmedaille stecken bei Sprintern wohl im Gluteus maximus, dem grossen Muskel, der dem Hintern seine runde Grundform gibt. Das ergab jetzt eine Studie, die im Fachblatt «Medicine & Science in Sports & Exercise» erschienen ist – laut Autoren eine der wenigen, die tatsächlich Forschung an echten Spitzensportlern betreibt.

In der Tat zählten die Athleten, die das Team um Jonathan Folland von der britischen Loughborough University in den Computertomografen bat, zu den besten ihrer Zunft. Ihre persönlichen Jahresbestzeiten lagen um die 10,1 Sekunden – und sogar teils unter der magischen Grenze von zehn Sekunden. Zum Vergleich dienten auch nicht eben langsame «Sub-Elite-Athleten» mit Jahresbestzeiten von im Schnitt 10,8 Sekunden.

Mit Hilfe der Scanneraufnahmen ermittelten Folland und Kollegen das Volumen der Muskulatur an Beine und Hüfte und verglichen die Daten dann mit den jeweiligen Bestzeiten. Die grössten Unterschiede zwischen den Gruppen fanden sich bei den Hüftstreckern. Aber vor allem der Gluteus maximus, der grosse Gesässmuskel, stach heraus. Er erklärte 44 Prozent der Unterschiede in den persönlichen Bestzeiten. Bemerkenswert findet das Folland, «weil beim Sprinten eigentlich so viele Faktoren eine Rolle spielen – Technik, Psychologie, Ernährung, andere anatomische Strukturen», sagte er dem «Guardian».

Nachfolgestudie in Planung

Die Gruppe der Eliteathleten umfasste fünf Teilnehmer, die der nicht ganz so guten Sportler 26 Personen, verglichen wurden sie mit elf untrainierten Männern. Damit ist die Untersuchungsgruppe relativ klein, zudem bestand sie ausschliesslich aus männlichen Teilnehmern. In der Nachfolgestudie wollen die Wissenschaftler auch Sprinterinnen in den Tomografen stecken. Wenn dem Gluteus maximus tatsächlich eine so zentrale Bedeutung beim Knacken der letzten Zehntel zukommt, hilft vielleicht ein spezielles Training, spekuliert Folland. Trainer von Topsprintern würden sich die aktuelle Studie sicher genau anschauen.

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