Was tun, wenn das Konto voll ist?
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Was tun, wenn das Konto voll ist?

Michael Restin
Zürich, am 10.09.2019
Robert und Tiffany Williams lösen das Problem auf amerikanische Art – und gehen hemmungslos shoppen. Woher die 120 000 Dollar auf ihrem gewöhnlich nicht so prall gefüllten Konto kommen, ist ihnen egal. Der Bank überraschenderweise nicht.

Offenbar gab es beim Ehepaar Williams einen kleinen Investitionsstau. Jedenfalls fackelten die beiden nicht lange, als sich eines schönen Tages 120 000 Dollar mehr als üblich auf ihrem ansonsten besenrein gehaltenen Konto befanden. Genau 121 121 Dollar. Womit den beiden klar gewesen sein dürfte, dass es sich nicht um Zinsen handelt. Um den gewohnten Anblick beim Betrachten des Kontostandes wiederherzustellen, entschieden sich Robert und Tiffany für radikales Powershoppen. Mit einem neuen SUV liess sich die Summe zumindest schnell wieder in den fünfstelligen Bereich drücken.

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Hyundai Kona EV Premium Plus mit 39.2 kWh Batterie, Modelljahr: 2019 (Elektro, Kaufen, 136PS)

15 000 Dollar an Freunde verteilt

Ein Teilerfolg, mehr nicht. Deshalb kamen noch ein Camper und weitere Fahrzeuge dazu. Schliesslich lebten die beiden jetzt den amerikanischen Traum, es durften ruhig noch ein paar PS mehr sein. Ein Rennwagen zum Beispiel. Aber das Ehepaar Williams vergass auch seine Pflichten nicht. Es bezahlte offene Rechnungen und verteilte grosszügig 15 000 Dollar an Freunde in finanziellen Schwierigkeiten. Dann kam ein Anruf. Von der Bank, die die fehlerhafte Überweisung bemerkt hatte.

Und Robert und Tiffany waren selbst wieder in finanziellen Schwierigkeiten, denn es gab nicht mehr allzu viel, das zurückgebucht werden konnte. 13 000 Dollar waren noch übrig. Für den Rest, beteuerte Tiffany, werde man sich einen Rückzahlungsplan überlegen. Da der Plan jedoch zu lange darin bestand, den Kopf in den Sand zu stecken und für die Bank nicht mehr erreichbar zu sein, sind Robert und Tiffany Williams nun wegen Betrugs angeklagt. Sie hatten wohl keinen Plan, sondern einfach die Spendierhosen an. Hätten die beiden mal auf ihr weises Staatsoberhaupt gehört.

Sometimes your best investments are the ones you don’t make.
Donald Trump

Banken-Boni nehmen alle gerne

Irgendwie ist es schwierig, nicht wenigstens ein kleines bisschen Mitleid mit Robert und Tiffany zu empfinden. Wenn Banken irrtümlich Boni an Kunden statt an Mitarbeiter verteilen, setzt nicht nur bei diesen beiden das Gerechtigkeitsempfinden aus. Im Januar freute sich ein 18-Jähriger aus Belfast über seinen neuen Kontostand von 8 988 397 Pfund, nachdem er einen Scheck von Oma über 8 900 Pfund eingelöst hatte. Er sah sich schon im Porsche sitzen, seine Mama sah es anders. Sie spielte die Spassbremse. Sein Glück.

Was lernen wir daraus? Erstens: Wer unverhofft zu Kohle kommt, kauft reflexartig Autos. Zweitens: Auch wenn sie ahnen, dass es ungesunde Folgen haben könnte – die meisten hätten gerne ein grosses Stück vom Kuchen. Genau wie die Banken. Und wie Lieferant David Lliviganay, der gerade Torten im Wert von fast 90 000 Dollar beiseite geschafft und damit ein lukratives Nebengeschäft aufgezogen haben soll. Das geht dann wirklich zu weit.

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Michael Restin
Michael Restin
Editor, Zürich
Das Glück ist flüchtig, also bleibe ich in Bewegung. Auf dem Bike, am Ball (Grösse und Farbe egal) und bei allem, was der Fantasie zweier Kinder entspringt. Ich liebe es, meinen Spieltrieb auszuleben und Zufällen eine Chance zu geben. Denn wenn der Weg das Ziel ist, dann soll es ein schöner sein.

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