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Was Overclocken und Case Modding gemein haben

Ich liebe es, mir Case Mods anzuschauen. Sie üben auf mich die gleiche Faszination aus, die andere für Rennwagen oder leckeres Essen haben. Dabei geht gerne vergessen, dass Case Modding aus einer Not entstanden ist.

Zurzeit beschäftige ich mich für ein Projekt intensiv mit Case Modding. Ich schaue mir Videos an und lerne diverse Techniken. Nebst dem ich gerne an PCs rumbastle, liebe ich es, anderen dabei zuzusehen. Es ist einfach krass, was die verschiedenen Künstler – ja, ich nenne sie Künstler – so draufhaben.

So tolle Dinge werde ich wohl nie schaffen. Aber egal, solange es Spass macht.

Die Anfänge

Sicherlich wird es bereits in den Anfängen des PCs Leute gegeben haben, die ihre Gehäuse optisch aufgepimpt haben. Das Case Modding hat sich aber nicht dadurch zu dem entwickelt, was es heute ist, sondern durch das Overclocking. Mit dem ist es stark verwoben.

Das Overclocking ist beinahe so alt wie der PC. So liess sich der Intel 8088 Mitte der Achtziger von 4.7 MHz auf bis zu 10 MHz übertakten. Für Otto-Normalverbraucher war das aber nicht machbar, da der Quarzoszillator getauscht werden musste. Mit dem 486er wurde Übertakten benutzerfreundlicher. Als dann Pentium Pro und dem originalen Celeron folgten, konnte jeder halbwegs Technologieverständige seinen PC softwareseitig übertakten. 1999 sprengte übrigens ein übertakteter AMD Athlon die Ein-Gigahertz-Grenze.

Was hat dieser kurze Abriss zur Geschichte des Overclockings mit Case Modding zu tun? Das Übertakten hat einen grossen negativen Punkt: die Hitzeentwicklung. Overclocker mussten sich also nach Möglichkeiten umschauen, ihre Systeme besser zu kühlen. Gehäuse jener Zeit waren nicht darauf ausgelegt.

Wie kühlt man sein System besser? Durch mehr Luftzufuhr oder alternative Kühlmethoden. Overclocker konnten sich also bessere Kühler für ihre CPU holen, durch mehr Lüfter die Luftzirkulation im Gehäuse verbessern oder eine Wasserkühlung verbauen. Für ersteres war wenig bis kein Case Modding notwendig. Für neue Lüfter mussten Overclocker Löcher ins Gehäuse machen. Von den notwendigen Modifikationen für eine Wasserkühlung nicht zu reden. Heute haben alle Komponenten einer Wasserkühlung auch in einem kompakten Gehäuse Platz. Früher kam es häufig vor, dass die komplette Wasserkühlung ausserhalb des Gehäuses platziert werden musste. Es gab Ende der Neunziger noch nichts fixfertig zu kaufen. Das Modding war geboren.

So oder ähnlich haben frühe Wasserkühlungen ausgesehen. Quelle: http://www.comptoir-hardware.com/actus/divers-a-fonkeries/34053-ragotron-le-watercooling-toujours-utile-en-2017-.html

Schon etwas ausgefuchster ist das Case Modding bei meinem Titelbild. Der Modder hat sein Projekt übrigens Jahre später exakt beschrieben. Die kranke Story kannst du hier nachlesen und vor allem die Bilder geniessen.

Ein Fenster zur Welt

Bereits vor der Jahrtausendwende gab es erste Online-Shops, die auf Modding ausgerichtet waren. Wirklich zum Durchbruch verholfen hat dem Case Modding aber das Seitenfenster. Wer auch immer als erstes ein Guckloch in die Gehäuseseite gefräst hat, hat einen wahren Hype ausgelöst. Heute ist das Fenster auf der Seite bei vielen PC-Gehäusen Standard.

Selbstverständlich hat sich das Case Modding immer weiterentwickelt. Die häufigste Modifikation, die PC-affine heute machen, betrifft wohl die Beleuchtung. Die ist schnell gemacht, und praktisch jede PC-Komponente kannst du in einer RGB-Variante kaufen. Früher war das schwieriger, Modder haben Neonröhren verbaut und mit dem Netzteil verlötet.

Heutige Mods orientieren sich häufig an einer Thematik. Und zugegeben: Gewisse Case Mods gehen mir etwas zu weit. Ich denke da an Mods wie Ragnar’s Revenge von Modder Ali Abbas. Obwohl die Art und Weise der Fertigung genial ist. Persönlich mag ich solche, die auch noch aussehen wie ein PC. Wie beispielsweise das Corsair 1000D Mod von Alex Banks von Bit-tech. Martin und ich haben für den Streaming-PC mit dem Gehäuse gearbeitet. Und verglichen mit Bit-techs Mod sollten wir uns für die nächsten zwanzig Jahre in einem Loch verstecken. Auch wenn du heute fast alles kaufen kannst, ist die DIY-Modder-Szene immer noch sehr aktiv. Und vor allem ist sie bereit bei Fragen auszuhelfen.

Wie sieht’s bei dir aus? Hast du Erfahrungen im Modding und eine spannende Geschichte dazu? Lass es mich in den Kommentaren wissen.

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Kevin Hofer, Zürich

  • Editor
Technologie und Gesellschaft faszinieren mich. Die beiden zu kombinieren und aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten ist meine Leidenschaft.

7 Kommentare

3000 / 3000 Zeichen
Es gelten die Community-Bedingungen.

User Anonymous

Seit ich ein Kirschblüten-Muster ins Seitenfenster meines PC gelasert habe, findet meine Frau das Case-Modding gar nicht mehr so schlimm.

13.03.2019
User attilatorm0

de.wikipedia.org/wiki/Woman...

13.03.2019
Antworten
User keverin16

Ich weiss noch wie ich bei meinem ersten Computer mit ca. 12,13 Jahren direkt aufs ganze gehen wollte mit Wasserkühlung und allem. Damals kosteten 2x1 Gb Arbeitsspeicher etwa 200.-, vielleicht kann daran jemand das Jahr ableiten? Eine Thermaltake Customwasserkühlung mit 92mm Radiator war es glaub ich, in den ich leider eine Schraube zu weit rein drehte und der dann Leck geschlagen hat. Aus frustration hab ich alles wieder rausgerissen und einen arctic Luftkühler eingebaut. Das Gehäuse hatte ein Seitenpanel mit einem Viereckigem Tribalförmigen Loch mit Plexiglas und 80mm Lüfter in der Mitte, vielleicht erinnert sich noch wer daran. Hatte 5mm Leds mit passendem Vorwiderstand an Molex Kabel gelötet für die Beleuchtung.

13.03.2019
User gneuchler

Das waren noch Zeiten als man die Fenster noch selber ausschneiden musste mit der Stichsäge. Dann aufgummieren und als nächstes die selber verlötete LED Steuerung einbauen. "Nostalgienerd"

14.03.2019
User sn00k3r

Die Faszination für Casemodding ist bei mir immer noch sehr hoch. Interessierte führen sich das Forum Bit-tech zu Gemüte. Und wer auf Desk-Modding steht erkundigt sich na L3p, der wahre Modding Gott ;-)

14.03.2019
User DifferentRob

Und da denke ich immer sofort an die Anfänge von MDPC-X, als Nils die Sleeves noch selbst verschickte und auf die Pakete die bekannten Zeichnungen kritzelte - die hangen bei mir immer noch. Ehrensache!

14.03.2019
User AriGold

Das war mal schön, jedoch etwa 10 Jahre oder mehr zu spät.

In der Schweiz gab es auch ein paar richtig gute und ein Forum existiert auch noch dazu - tweaker.ch. Vielleicht existieren die Bilder vom Aufbau bis zum fertigen Produkt noch, wenn diese nicht auf Image Hostern raufgeladen wurden.

Heutzutage sieht meiner Meinung alles gleich aus: Nimm ein Case mit grossem Glass Fenster, kaufe alles mit LED das am besten mit dem Corsair Controller funktioniert und BAM "Ich habe einen coolen PC!!". :)

Ich weiss noch, als ich früher selbst noch Seitenwände aus Plexi gemacht habe, löcher in das Case machen musste für eine Custom Wasserkühlung, bei Lüftern die LED selbst eingelötet habe, da die Lüfter mit LED meistens schlechtere Kühlleistung hatten.

Mit meinem nächsten PC (mit der 3000er RTX/GTX) wird wieder viel Zeit in ein Case Modding gesteckt :)

15.03.2019