Was Overclocken und Case Modding gemein haben

Was Overclocken und Case Modding gemein haben

Kevin Hofer
Zürich, am 13.03.2019
Ich liebe es, mir Case Mods anzuschauen. Sie üben auf mich die gleiche Faszination aus, die andere für Rennwagen oder leckeres Essen haben. Dabei geht gerne vergessen, dass Case Modding aus einer Not entstanden ist.

Zurzeit beschäftige ich mich für ein Projekt intensiv mit Case Modding. Ich schaue mir Videos an und lerne diverse Techniken. Nebst dem ich gerne an PCs rumbastle, liebe ich es, anderen dabei zuzusehen. Es ist einfach krass, was die verschiedenen Künstler – ja, ich nenne sie Künstler – so draufhaben.

So tolle Dinge werde ich wohl nie schaffen. Aber egal, solange es Spass macht.

Die Anfänge

Sicherlich wird es bereits in den Anfängen des PCs Leute gegeben haben, die ihre Gehäuse optisch aufgepimpt haben. Das Case Modding hat sich aber nicht dadurch zu dem entwickelt, was es heute ist, sondern durch das Overclocking. Mit dem ist es stark verwoben.

Das Overclocking ist beinahe so alt wie der PC. So liess sich der Intel 8088 Mitte der Achtziger von 4.7 MHz auf bis zu 10 MHz übertakten. Für Otto-Normalverbraucher war das aber nicht machbar, da der Quarzoszillator getauscht werden musste. Mit dem 486er wurde Übertakten benutzerfreundlicher. Als dann Pentium Pro und dem originalen Celeron folgten, konnte jeder halbwegs Technologieverständige seinen PC softwareseitig übertakten. 1999 sprengte übrigens ein übertakteter AMD Athlon die Ein-Gigahertz-Grenze.

Was hat dieser kurze Abriss zur Geschichte des Overclockings mit Case Modding zu tun? Das Übertakten hat einen grossen negativen Punkt: die Hitzeentwicklung. Overclocker mussten sich also nach Möglichkeiten umschauen, ihre Systeme besser zu kühlen. Gehäuse jener Zeit waren nicht darauf ausgelegt.

Wie kühlt man sein System besser? Durch mehr Luftzufuhr oder alternative Kühlmethoden. Overclocker konnten sich also bessere Kühler für ihre CPU holen, durch mehr Lüfter die Luftzirkulation im Gehäuse verbessern oder eine Wasserkühlung verbauen. Für ersteres war wenig bis kein Case Modding notwendig. Für neue Lüfter mussten Overclocker Löcher ins Gehäuse machen. Von den notwendigen Modifikationen für eine Wasserkühlung nicht zu reden. Heute haben alle Komponenten einer Wasserkühlung auch in einem kompakten Gehäuse Platz. Früher kam es häufig vor, dass die komplette Wasserkühlung ausserhalb des Gehäuses platziert werden musste. Es gab Ende der Neunziger noch nichts fixfertig zu kaufen. Das Modding war geboren.

So oder ähnlich haben frühe Wasserkühlungen ausgesehen. Quelle: http://www.comptoir-hardware.com/actus/divers-a-fonkeries/34053-ragotron-le-watercooling-toujours-utile-en-2017-.html
So oder ähnlich haben frühe Wasserkühlungen ausgesehen. Quelle: http://www.comptoir-hardware.com/actus/divers-a-fonkeries/34053-ragotron-le-watercooling-toujours-utile-en-2017-.html

Schon etwas ausgefuchster ist das Case Modding bei meinem Titelbild. Der Modder hat sein Projekt übrigens Jahre später exakt beschrieben. Die kranke Story kannst du hier nachlesen und vor allem die Bilder geniessen.

Ein Fenster zur Welt

Bereits vor der Jahrtausendwende gab es erste Online-Shops, die auf Modding ausgerichtet waren. Wirklich zum Durchbruch verholfen hat dem Case Modding aber das Seitenfenster. Wer auch immer als erstes ein Guckloch in die Gehäuseseite gefräst hat, hat einen wahren Hype ausgelöst. Heute ist das Fenster auf der Seite bei vielen PC-Gehäusen Standard.

Selbstverständlich hat sich das Case Modding immer weiterentwickelt. Die häufigste Modifikation, die PC-affine heute machen, betrifft wohl die Beleuchtung. Die ist schnell gemacht, und praktisch jede PC-Komponente kannst du in einer RGB-Variante kaufen. Früher war das schwieriger, Modder haben Neonröhren verbaut und mit dem Netzteil verlötet.

Heutige Mods orientieren sich häufig an einer Thematik. Und zugegeben: Gewisse Case Mods gehen mir etwas zu weit. Ich denke da an Mods wie Ragnar’s Revenge von Modder Ali Abbas. Obwohl die Art und Weise der Fertigung genial ist. Persönlich mag ich solche, die auch noch aussehen wie ein PC. Wie beispielsweise das Corsair 1000D Mod von Alex Banks von Bit-tech. Martin und ich haben für den Streaming-PC mit dem Gehäuse gearbeitet. Und verglichen mit Bit-techs Mod sollten wir uns für die nächsten zwanzig Jahre in einem Loch verstecken. Auch wenn du heute fast alles kaufen kannst, ist die DIY-Modder-Szene immer noch sehr aktiv. Und vor allem ist sie bereit bei Fragen auszuhelfen.

Wie sieht’s bei dir aus? Hast du Erfahrungen im Modding und eine spannende Geschichte dazu? Lass es mich in den Kommentaren wissen.

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Kevin Hofer
Kevin Hofer
Editor, Zürich
Technologie und Gesellschaft faszinieren mich. Die beiden zu kombinieren und aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten ist meine Leidenschaft.

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